<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724</id><updated>2012-02-06T13:21:20.885-08:00</updated><title type='text'>Berichte aus Bethlehem</title><subtitle type='html'>Gottfried Kraatz ist Pfarrer der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz. Er nimmt derzeit an dem Ökumenischen Friedensprogramm in Israel/Palästina teil, das vom Ökumenischen Rat der Kirchen verantwortet wird. Seine Berichte sollen die Situation der Menschen in Israel/Palästina und in der von Mauer und Stacheldraht eingeschlossenen Stadt Bethlehem wiedergeben. Sie sollen den Lesern in Deutschland helfen, das Leben in diesem Konfliktgebiet besser zu verstehen.</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>45</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-2444519498242081823</id><published>2008-10-19T08:38:00.000-07:00</published><updated>2008-10-19T09:52:12.299-07:00</updated><title type='text'>Ein Brief um Abschied</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#660000;"&gt;Aus Jerusalem, der Heiligen Stadt&lt;br /&gt;Am 6. September, dem ersten Freitag im Ramadan&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lieber Jürgen,&lt;br /&gt;Vielen Dank für Deine aufmunternden Worte für meinen Abschied aus der Heiligen Stadt. Du setzt die Heilige Stadt in Anführungszeichen und schreibst in Klammern, immer noch hieltest Du an diesem Titel fest. Dazu hatte ich Dich zwar meinerseits nie ermuntert. Aber jetzt will ich darauf eingehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zuerst schulde ich Dir Dank! Du hast mich auch dieses Jahr treu begleitet, bist mir auf meinen Wegen und zu den Begegnungen in Bethlehem und seinen umliegenden Dörfern und in Yanoun, dem kleinen Bergdorf gefolgt. Du hast mir geholfen, die kleinen Schrecken des Alltags und das große Entsetzen über die Folgen der Besetzung Palästinas für beide, Besetzte und Besatzer, zu reflektieren und zu ertragen. So warst Du mit mir in Bethlehem und in Yanoun. Und immer waren wir zwischendurch auch in &lt;strong&gt;&lt;span style="color:#660000;"&gt;Jerusalem,&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; wo unser Büro ist und wo ich auch eingesetzt wurde, wenn kein anderer da war. Das war oft eine zusätzliche Last, vor allem für die Seele. Denken wir also, weil es Dir ja um die „Heilige Stadt“ ging, an Jerusalem. &lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5258898230947632642" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtcFAWQVgI/AAAAAAAAAXs/54IwjRTvP0s/s320/Der+Lastentr%C3%A4ger+von+Jerusalem,+Sliman+Mansour.JPG" border="0" /&gt; &lt;span style="color:#996633;"&gt;"Der Lastenträger von Jerusalem", Bild von Sliman Mansour&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;In Jerusalem musste ich Hausabrisse und Vertreibung von Familien begleiten. Aber ich hatte auch Zeit, mich durch die Stadt zu bewegen, zu sitzen und auf jemanden zu warten, Teil der Menschen zu werden, die in Jerusalem leben oder sie als Ziel einer Reise erleben, als Geschäftsleute, Pilger oder Touristen. Und dann wieder die Beobachtung von Hausabrissen, von Besetzung und Raub dieser Häuser durch jüdische Siedler und Vertreibungen. Was für eine schreckliche Aufgabe! Und was für ein Abschied jetzt, zu sehen, dass sich in den drei Jahren, in denen ich diese Aufgabe wahrnehme, nichts verändert, nichts verbessert hat und dass der Mut, an eine gerechte Lösung zu glauben, gesunken ist, vor allem bei Palästinensern. Sie haben begriffen, dass die Zeit gegen sie arbeitet. Die Welt sieht und sieht doch nicht, aber sie gewöhnt sich an die Zustände in Palästina und Israel. Und sie lässt das Übel gewähren. So sehen die Palästinenser das. Und halten immer noch daran fest, dass Jerusalem ihre Heilige Stadt und Palästina ihr Land ist, ein &lt;strong&gt;&lt;span style="color:#660000;"&gt;magisches Land, geschaffen für Träume und Visionen&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;.&lt;br /&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5258898935696324306" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtcuBvb9tI/AAAAAAAAAX0/F9jVB4S3SNA/s320/Eine+Frau+tr%C3%A4gt+Jerusalem,+Sliman+MansourIMG_1914.JPG" border="0" /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;em&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;"Eine Frau trägt Jerusalem", Bild von Sliman Mansour&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;Ich stehe auf der Dachterrasse des Hotels, in dem ich die letzten zwei Nächte verbringe. Die Stadt ist nur an ihren Lichtern zu erkennen, ganz nah der so genannte Davidsturm, rundum die alte Festungsmauer aus der Glanzzeit des Osmanischen Reiches, die Altstadt mit ihren Türmen und Kuppeln, im Westen die neue jüdische Stadt und weiter an den Rändern die Siedlungen, die die Sieger der vergangenen Kriege in das ehemalige Umland gelegt haben. Dort waren früher die Dörfer der Palästinenser. Was immer man sieht, in dieser Nacht und in allen Nächten hier, es ist von diesem traumatischen Szenario bestimmt: Die Sieger übernehmen rund um die palästinensische Stadt Land um Land und mitten in ihr Haus um Haus. Es ist ihre Heilige Stadt, die Stadt unter dem Heiligen Zion. Sie haben ein Gesetz und danach ist Jerusalem die ungeteilte Hauptstadt Israels auf ewig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#660000;"&gt;Heute ist der erste Freitag im Fastenmonat.&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; Vor vier Tagen hat der Ramadan begonnen. Ein Freitag im Fastenmonat bietet allen Muslimen im Land die Möglichkeit, ihrer Pflicht nachzukommen und in der Al Aqsa Moschee oder auf dem großen Platz vor ihr, dem Haram as-Sharif zu beten. Viele haben ihre festlichen Kleider an, weiße Gewänder und die weißem Keffiyas &lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtWY4_F8OI/AAAAAAAAAW0/LbItR6LyQfk/s1600-h/Musliminnen+vor+dem+Checkpoint.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5258891975499051234" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtWY4_F8OI/AAAAAAAAAW0/LbItR6LyQfk/s200/Musliminnen+vor+dem+Checkpoint.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;der Männer, die die Hadsch, die Pilgerreise nach Mekka gemacht haben. Die Frauen tragen festliche, bunt bestickte Kleider und schöne, weite Kopftücher. Es ist ein Festtag. Keine Verkäufer von Gebäck, Kaffee und Zigaretten stehen hier heute. Essensgerüche, Wasserflaschen, Zigarettenschachteln sind verbannt. Alle fasten den hellen Tag lang. Das Gebet an diesem Freitag und ganz und gar an diesem Freitag in der oder vor der Al Aqsa Mosche ist der Höhepunkt der Fastenwoche, es bedeutet tausendmal mehr, als ein gewöhnliches Gebet zu Hause. Aus dem ganzen Land kommen sie. Frühmorgens um fünf Uhr stehen die ersten vor den Toren – nicht vor den Toren der Stadt, soweit kommen nicht alle – sondern vor den Checkpoints. Hier haben Militär und Grenzpolizei sich vorbereitet und haben eine Absperrung vor der Sperranlage, hier der 12 Meter hohen Mauer, gebaut. Dort stehen die Soldaten, auf umliegenden Dächern sind ihre Scharfschützen und sind Maschinengewehre postiert. Jeeps sind so abgestellt, dass die schmalen Eingänge zwischen den Betonblocks, durch die Männer und Frauen getrennt und einzeln durch gelassen werden, geschlossen werden können. Die Soldaten lassen nur Männer über 50 und von den Jüngeren nur die mit Sondergenehmigung für Religiöse Zwecke durch. Drinnen, im Checkpoint werden die Männer noch zweimal kontrolliert, auf Leib und Gepäck und auf ihre Papiere. Die frommen Männer nehmen das auf sich, das Warten und die Kontrolle &lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtVpj7prRI/AAAAAAAAAWs/q6r3rgz_xho/s1600-h/Sicherheitskonzept.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5258891162393619730" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtVpj7prRI/AAAAAAAAAWs/q6r3rgz_xho/s200/Sicherheitskonzept.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;dauern teilweise bis zu zwei Stunden, aber das sei wesentlich besser als im vergangenen Jahr, sagen die Beobachter. Die Frauen über 45 und die zwischen 35 und 45 mit der „Religiösen Genehmigung“ dürfen den neu geschaffenen Eingang, das dritte Tor durch die Mauer benutzen, dessen Bau wir in den vergangenen Monaten mit der Sorge beobachtet haben, ob das nur für Touristen oder auch für Frauen, Kinder und Kranke geöffnet werden wird. Die Frauen müssen auch nicht in den Terminal hinein. Sie werden nur einmal, „manuell“ von Soldatinnen kontrolliert und dann am Terminal vorbei zur Straße geleitet, wo die Busse wieder stehen, mit denen sie angereist waren. Dort stehen sie, beunruhigt, die meisten kennen dieses Geschäft an den Checkpoints nicht. Sie warten auf ihre Männer, die hoffentlich durch gelassen werden… Dann fahren sie gemeinsam nach Al Quds, „Der Fernen“, wie die Stadt in der muslimischen Tradition heißt. Sie ist die dritte der Heiligen Städte, nach Mekka und Medina. Al Quds, wohin der Prophet Mohamed in einer seiner nächtlichen Visionen versetzt worden war und wo ihn der Engel Gabriel direkt in den offenen Himmel gebracht hatte. Al Quds ist für die Palästinenser die natürliche Hauptstadt und für alle Araber und alle Muslime die unaufgebbare Heilige Stadt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtYOsZPf_I/AAAAAAAAAXE/UD0RM17_-PI/s1600-h/Touristen.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5258893999343632370" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtYOsZPf_I/AAAAAAAAAXE/UD0RM17_-PI/s200/Touristen.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Heute hatte ich kein Frühstück, weil ich zu früh schon das Hotel verlassen musste. Aber gestern war ich noch im Knights Palace. Mein Gegenüber am Frühstückstisch, den ich unschwer als Pilger aus Down-Under, Queensland in Australien, wie er dann erklärte, erkannte, &lt;strong&gt;&lt;span style="color:#660000;"&gt;erzählte von seiner Pilgerreise im Heiligen Land.&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; Er war aber, ohne sich das klar zu machen, nur in Israel gewesen. Für 2 Stunden war seine Pilgergruppe mit dem Bus über die Grenze nach Bethlehem gefahren. Es ging ganz leicht, keine 5 Minuten mussten wir warten und die Soldaten waren sehr höflich, erzählte er. Er fragte auch, was ich denn hier mache und hat kurz zugehört, aber verstanden hat er das nicht. Das Heilige Land lag einfach und zugänglich vor ihm: Die Via Dolorosa, die Grabeskirche in Jerusalems Altstadt, Nazareth, der Berg der Verklärung, der See Genezareth – das alles hatte er in wenigen Tagen gesehen. Palästinensischen Christen war er dabei kaum begegn&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtZBhO5WpI/AAAAAAAAAXM/22ISgEuFUkE/s1600-h/Amerikaner+in+Jerusalem.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5258894872520776338" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtZBhO5WpI/AAAAAAAAAXM/22ISgEuFUkE/s200/Amerikaner+in+Jerusalem.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;et, der Führer war ein Israeli und die Priester, die die Pilgerandachten für sie gehalten hatten, waren Englischsprachig, erinnerte er sich. Er hatte das Heilige Land der Christen gesehen, dem Islam und Judentum war seine Reisegruppe nicht begegnet. Dafür müsse man bestimmt eine längere Reise buchen, gab er zu. Aber die Hauptsache, die Heiligen Stätten, die hätten sie doch gesehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute Abend werde ich eine Freundin in Westjerusalem besuchen. In der Synagoge nicht weit von ihrem Haus war ich schon zweimal, sie ist orthodox und gleichzeitig politisch aufgeschlossen, aber Männer und Frauen sitzen noch getrennt. Unsere Gastgeberin geht gern in eine andere, ganz kleine Synagoge, wo diese &lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtZkTKwtSI/AAAAAAAAAXU/Lil7G-K1PW0/s1600-h/Juden+auf+dem+Weg+zur+Klagemauer.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5258895470040757538" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtZkTKwtSI/AAAAAAAAAXU/Lil7G-K1PW0/s200/Juden+auf+dem+Weg+zur+Klagemauer.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Trennung aufgehoben ist. Zusammen mit einem Kollegen aus unserem Begleitprogramm werden wir bei ihr das Sabbatmahl einnehmen. Wir werden deutsch sprechen, denn sie ist Deutsche, vor vielen Jahren ins Land gekommen und zum Judentum konvertiert. Nach dem Besuch wird Zeit sein, die Nachtstunden des Sabbat an der Klagemauer zu erleben, wo Tausende von Frommen aus Jerusalem, besonders aus Mea Schearim, dem Stadtviertel der „Religiösen“, wie diese meist ganz in Schwarz Gekleideten von ihren säkularen Mitbürgern genannt werden, hineilen werden. Einzelne Männer, Familien, Gruppen von Jugendlichen wer&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtaCEqjrHI/AAAAAAAAAXc/IpFHy_BExWE/s1600-h/Vater+und+S%C3%B6hne+auf+dem+Weg+zum+Gebet.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5258895981543664754" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtaCEqjrHI/AAAAAAAAAXc/IpFHy_BExWE/s200/Vater+und+S%C3%B6hne+auf+dem+Weg+zum+Gebet.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;den still oder singend und tanzend durch die Tore der Altstadt ziehen. Die Muslime und Christen ziehen sich dann zurück. &lt;strong&gt;&lt;span style="color:#660000;"&gt;Diese Nachtstunden zwischen Freitag und Samstag gehören den Juden&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;. Die Altstadt ist voll von ihrem Gedränge. Touristen und Pilger, werden dann, falls sie nicht ohnehin in ihren Hotels sind, an den Rand gedrängt oder angerempelt, wenn sie nicht Platz machen. An der Klagemauer herrscht feierliche Stimmung. Jerusalem, die Stadt Davids, die Stadt des Ersten und des Zweiten Tempels ist auf ihre jüdische Mitte, die Klagemauer konzentriert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwischen meinem morgendlichen Einsatz am Checkpoint und meinem Besuch im jüdischen Jerusalem hatte ich Zeit – nicht nur diesen Brief anzufangen – sonder für einen Spaziergang in der Altstadt. Ich habe eine &lt;strong&gt;&lt;span style="color:#660000;"&gt;Künstlerwerkstatt für Keramik&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; besucht. Es ist schön, sich die großen Schalen und Vasen, die kleinen Gegenstände und Kacheln anzuschauen. Anders als die Läden, die überall in den Souks Andenken und Gebrauchskeramik mit Motiven Jerusalems anbieten, ist hier alte armenische Kunst zu sehen. &lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5258896530893159378" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtaiDJru9I/AAAAAAAAAXk/cqihASuj-_A/s320/Heilige+Stadt.JPG" border="0" /&gt;Kräftige Farben und uralte Motive, die die Armenier mitgebracht hatten, als sie vor hunderten Jahren in diese Provinz des Osmanischen Reiches kamen, schmücken die Schalen, Vasen und Kacheln. Eine Kachel hat mir gefallen, weil sie die Skyline von Jerusalem, wie ich finde, mystisch überhöht darstellt: die Hurva Synagoge (noch als Ruine), Grabeskirche und Erlöserkirche, das Minarett zwischen den beiden und den Felsendom mit der goldenen Kuppel. Man kriegt das sonst kitschig in allen Varianten. Hier hat mir gefallen, dass die armenische Farbenpracht das ganze in eine unwirkliche, paradiesische Ebene verlegt. &lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Die Stadt Gottes, die er vom Himmel herablassen wird. Heilig wird sie sein,&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; wo die Menschen heute noch ihre eigene Geschichte, ihre Schmerzen und ihre Träume entheiligen. Wo sie mit Stiefeln, mit Turnschuhen oder Sandalen ihren Wünschen und Wegen folgen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Heiligkeit einer solchen Vision, wie der auf der armenischen Kachel, kann ich gerne annehmen. Sie zeigt &lt;span style="color:#000000;"&gt;die Stadt Gottes&lt;/span&gt;, nicht der Menschen, wie Gott sie vorgibt und wie sie das Treiben der Menschen zum Guten wenden könnte. Diese Vision hilft mir, die Hoffnung auf ein Ende der Angst, ein Attentäter könnte sich unter die Betenden mischen, ein Ende der Angst, die Mauern und Scharfschützen braucht, ein Ende der Ohnmacht, mit der die Verlierer der Kriege Israels hier ihre Ansprüche erheben und ein Ende der Ignoranz, mit der christliche Pilger tote Steine in diesem Land anbeten und ein Ende der Besitzansprüche,– sie hilft mir, die Hoffnung auf &lt;strong&gt;&lt;span style="color:#cc0000;"&gt;ein Ende dieser heillosen Zeit&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; zu bewahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also, mein lieber Freund, Du hast noch in der kommenden Woche Geburtstag. Und dies hier ist mein Gruß für Dich. Die Kachel nehme ich mit auf meinen Heimweg. Wir werden uns bald sehen, aber Du sollst auch wissen, dass Du mich auf meinem letzten Gang durch die Stadt begleitet hast. Ich werde noch ein paar Fotos machen und Dir mitschicken – von der „Heiligen Stadt“, wie Du nicht lassen kannst, zu sagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Salaam maleikum! Und Shabbat Shalom! wie man ab heute Abend hier sagen wird! Friede sei mit Dir, wie die Anfänger unseres christlichen Glaubens sich noch begrüßt und verabschiedet haben!&lt;br /&gt;Dein Gottfried&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-2444519498242081823?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/2444519498242081823/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=2444519498242081823' title='11 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2444519498242081823'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2444519498242081823'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/10/ein-brief-um-abschied.html' title='Ein Brief um Abschied'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SPtcFAWQVgI/AAAAAAAAAXs/54IwjRTvP0s/s72-c/Der+Lastentr%C3%A4ger+von+Jerusalem,+Sliman+Mansour.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>11</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-3570916936030400410</id><published>2008-08-28T05:38:00.000-07:00</published><updated>2008-08-28T06:13:11.021-07:00</updated><title type='text'>Frieden für Yanoun</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#cc0000;"&gt;Das Fenster&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Fenster ist weit offen, es ist Sommer. Hinter mir sind die Schüler laut und ausgelassen. Es ist der letzte Ferientag, aber aus Jerusalem ist eine Gruppe mit Musikinstrumenten, Spielzeug und guter Laune gekommen. Sie spielen mit den Kindern und die spielen begeistert mit.&lt;br /&gt;Das Fenster ist weit offen. Wir sind in der Schule. Am gegenüberlegenden Hang sind keine Schafherden zu sehen, wie früher an Sommertagen. Überhaupt ist niemand dort auf diesem Hang, jetzt nicht und auch nicht zu anderen Zeiten. Es ist die Sicherheitszone einer nicht &lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SLafxXJKx-I/AAAAAAAAAWM/4N0b2KFIGtk/s1600-h/IMG_1530.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5239550886867027938" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SLafxXJKx-I/AAAAAAAAAWM/4N0b2KFIGtk/s200/IMG_1530.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;erklärten Grenze. Oben auf dem Kamm des Hügels stehen einige Häuser und Scheunen. Dort gibt es eine große Hühnerfarm, vielleicht auch andere Landwirtschaft. Aber das weiß hier im Dorf keiner. Niemand war jemals dort oben. Es ist zwar alles Land der Bauern hier unten im Dorf, aber sie dürfen dieses Land nicht mehr betreten. Oben sind die „Mustauteneen“, ein Wort, das Angst und Schrecken auf den Gesichtern der Kinder auslöst. Jüdische Siedler, die sich dieses Land genommen haben; die dazu kein Recht haben; die aber von der Armee geschützt werden. Und darauf haben sie ein Recht. Die palästinensischen Bauern haben kein Recht, zumindest keines, das sich praktisch durchsetzen ließe. Sie haben ihr Land verloren. Sie haben ihre Viehherden zu großen Teilen verloren, weil sie keine Weideflächen mehr haben und auch die Äcker zum Jordantal hin nicht mehr, auf denen sie das Winterfutter für Rinder und Schafe und Pferde angebaut hatten. Sie haben ihre Bewegungsfreiheit verloren und müssen weite Umwege fahren, wo sie früher über die Hügel gelaufen sind. Und sie sollen vertrieben werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Fenster ist weit offen. Leer liegt der Hang in der Sommerhitze. Und es gab Tage und Wochen, in denen auch das Schulgebäude leer war. Die Fenster hatten die Bauern, als sie ihr Dorf verlassen mussten, offen gelassen. Das war im Oktober 2002. Der Lehrer hatte seine &lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SLafZ_DLLkI/AAAAAAAAAWE/xM2Ni2qV4iA/s1600-h/IMG_1532.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5239550485262446146" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SLafZ_DLLkI/AAAAAAAAAWE/xM2Ni2qV4iA/s200/IMG_1532.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Kinder verabschiedet. Die Familien waren geflohen. Der Druck durch die jüdischen Siedler war unerträglich geworden. Tag und Nacht waren die Siedler in das Dorf gekommen, maskiert, mit Hunden, manchmal auf Pferden. Sie hatten die Wassertanks der Bauern umgestürzt. Sie hatten den Generator zerstört. Sie hatten im Brunnenschacht ihre Hunde gebadet. Sie waren mit Feuerwaffen gekommen und hatten geschossen. Es hatte einen Toten gegeben, Hani Ben Maniyeh, 24 Jahre alt. Eines Tages hatten die Siedler klar gemacht: “Wir wollen euch am nächsten Sabbat hier nicht mehr sehen. Verlasst das Dorf, geht nach Aqraba“. Und zum ersten Mal nach 1947 und 1967 hatte die Siedlungspolitik Israels ihr Gesicht gezeigt und ein palästinensisches Dorf komplett geräumt.&lt;br /&gt;(Nachzulesen bei: Living with Settlers, Interviews with Yanoun Villagers, von Thomas Mandal)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Schulgebäude war leer. Das Dorf war leer. Die Fenster standen weit offen, damit das Glas nicht von Steinen zerschmettert würde – falls eine Chance bestehen würde, eines Tages zurück zu kommen…&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#cc0000;"&gt;Das Dorf will leben&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;Heute sind fast 6 Jahre vergangen. Die Dorfbewohner sind zurückgekommen, weil engagierte Israelis sich für sie eingesetzt und die Geschichte in Zeitungen bekannt gemacht und vor den Behörden verhandelt haben. Weil Freiwillige aus Europa und Nordamerika mit ihnen zurückgekommen sind und seitdem Tag und Nacht im Dorf anwesend sind. Seit 4 Jahren sind das die Freiwilligen vom Ökumenischen Friedensprogramm.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5239552090384207810" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SLag3amBj8I/AAAAAAAAAWU/RHKCen423LY/s200/IMG_1528.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;Heute sind wir dabei, während die Kinder spielen: hingebungsvoll oder scheu, die jüngsten auf dem Schoß ihrer Väter, die älteren cool und distanziert. Alle machen mit, die Kinder aus Yanoun, die Helfer aus Jerusalem, die Giraffe an der Wand, die unbeirrt Frieden über Yanoun wünscht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle Kinder kennen uns. Die Zeiten, wo die Kinder ins Haus gerannt sind, wenn sie Fremde im Dorf gesehen haben, sind vorbei. Jetzt wissen sie, wie die Siedler und wie die Freiwilligen aussehen. Sie grüßen uns freundlich, melden uns bei ihren Eltern an, damit wir auf einen Kaffee dableiben. Oder geben dem Esel, auf dem sie reiten, einen extra Schlag, damit er dieses kokette Trippeln beginnt. Ein freches Kerlchen ist immer dabei: Hier in Yanoun ruft er den Freiwilligen, wenn sie durchs Dorf gehen, zu: &lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SLahX2O8EpI/AAAAAAAAAWc/0_ggcRAkVwM/s1600-h/IMG_1545.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5239552647559385746" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SLahX2O8EpI/AAAAAAAAAWc/0_ggcRAkVwM/s320/IMG_1545.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;„Mustauteneen!“. Beim ersten Mal hatte er Erfolg: Die Freiwilligen haben sofort ihre Handys genommen, hektisch gewählt und ans Ohr gehalten, haben sich umgedreht, um zu sehen, von wo die Gefahr kam und besorgte Gesichter gemacht. Aber jetzt lachen wir nur noch und freuen uns, dass man über „Mustauteneen“, jüdische Siedler, auch lachen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#cc0000;"&gt;Die Giraffe&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Truppe um Ghassan, die aus Jerusalem gekommen ist, lässt die Kinder tanzen, singen und Spiele machen, bei denen die Schnellen oder die Schlauen gewinnen. Aber sie geben auch den Langsamen eine Chance. Die Gesichter der Kinder zeigen alle Gaben, die Menschen brauchen, um die Welt zur Heimat von Liebe und Schönheit und Recht und Vertrauen in den Nachbarn zu machen. Im Hintergrund ist die Wand bemalt, zum Beispiel mit einer Giraffe (von einem Berliner Graffitikünstler), die in einer Sprechblase Frieden für Yanoun ansagt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SLaiCJEMbvI/AAAAAAAAAWk/7jE2WxIt458/s1600-h/IMG_1527.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5239553374169100018" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SLaiCJEMbvI/AAAAAAAAAWk/7jE2WxIt458/s200/IMG_1527.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Einige Väter sitzen dabei und sind stolz, wenn ihre Kinder einen Punkt machen. Aber die Väter machen auch Tee für die Erwachsenen und haben überhaupt das Ganze organisiert. Die Mütter kochen – das erfahren wir erst später, als die Kinder uns Msakhkhan, Hühnchen auf Brot, mit Olivenöl getränkt, bringen. Es ist ein Tag, der mehr wie die vielen Alltage, die aus Arbeit, Furcht und langsam wachsendem Vertrauen besteht, fröhlich ist. Das Dorf feiert seine Kinder. Am Abend spielen die großen Jungs Fußball, vor der Kulisse des Dorfes, der verbotenen Hänge und der Stallungen der jüdischen Siedler.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht ist das Offene Fenster ein gutes Symbol: dass die Schule offen ist für eine Zukunft und für eine Hoffnung, dass diese Kinder ein Leben ohne Besetzung und ohne Siedlerkrieg vor sich haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#cc0000;"&gt;Fotos: &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Spieletag in der Schule&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Offnes Fenster mit Blick auf den Hang und die Siedler&lt;br /&gt;Zuschauer&lt;br /&gt;Die Giraffe grüßt&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Vater und Tochter&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-3570916936030400410?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/3570916936030400410/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=3570916936030400410' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/3570916936030400410'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/3570916936030400410'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/08/frieden-fr-yanoun.html' title='Frieden für Yanoun'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SLafxXJKx-I/AAAAAAAAAWM/4N0b2KFIGtk/s72-c/IMG_1530.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-2122462024465457132</id><published>2008-08-17T02:10:00.000-07:00</published><updated>2008-08-17T02:44:04.260-07:00</updated><title type='text'>Der Maler in Yanoun</title><content type='html'>&lt;div&gt;Bevor wir ihn sehen, hören wir ihn: den Hahn. Es ist ein schöner Hahn, mit prächtigem Gefieder &lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKftQ-DvpFI/AAAAAAAAAU8/hquQokT8S3I/s1600-h/Hahn+1.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235413967633884242" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKftQ-DvpFI/AAAAAAAAAU8/hquQokT8S3I/s200/Hahn+1.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;und hohem Kamm. Er treibt seine Hennen von den Fremden, die er in seinem Revier sieht, weg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#333399;"&gt;Der Bauer&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Najeh, den wir seiner Bilder wegen besuchen wollen, ist nicht zuhause. Er arbeitet in seinem Olivenhain, er erntet Mandeln. Und er ist allein. Ich mache mich auf den Weg und nach 15 Minuten habe ich ihn am Hang östlich vom Dorf gefunden. Wir begrüßen uns und ich helfe ihm beim &lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKft4D-BWHI/AAAAAAAAAVE/y6mcNAY9jAU/s1600-h/Blick+aus+Najehs+Fenster.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235414639235389554" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKft4D-BWHI/AAAAAAAAAVE/y6mcNAY9jAU/s200/Blick+aus+Najehs+Fenster.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Einsammeln der Mandelfrüchte. Er will nicht, dass ich arbeite. Setz Dich, mein Lieber, sagt er, setz Dich dort in den Schatten. Aber ich will ihm doch helfen. Najeh ist allein. Seine Frau stammt aus dem Nachbardorf Beit Furik. Dort ist sie jetzt mit den Kindern und verbringt die Ferien bei ihrer Familie. Najeh versorgt seinen alten Vater und das Haus hier in Yanoun. Und er erntet die Mandeln. Er hat viele Bäume und er muss länger als die Nachbarn arbeiten, weil er allein ist. Wir schaffen drei Bäume an diesem Vormittag. Und weil die Mandelfrüchte reif sind, fallen die Nüsse aus dem Fruchtfleisch und wir haben fast nur die Nüsse, keine Früchte im großen Sack. Najeh schultert den vollen Sack und trägt ihn den Hang hinunter und hinüber zu seinem Haus. Das Werkzeug, eine lange Stange zum Schlagen und Schütteln der Zweige, die Säge und den Eimer lässt er unter einem der Bäume für den nächsten Tag liegen.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;&lt;strong&gt;Leben unter den Siedlern&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Zuhause bietet er mir Tee an. Dann entschuldigt er sich. Es ist Mittagszeit und er muss sein Gebet verrichten. Dann muss er den Vater, Abu Najah, versorgen. Der ruft ungeduldig. Der Vater ist an die 90 Jahre alt, blind und trägt einen Katheder. In den gewalttätigen Jahren, als die Siedler sich oben auf den Bergkuppen niedergelassen, das Land geraubt und die Dörfler regelmäßig überfallen haben, ist Abu Najeh zusammengeschlagen worden und hat sein Augenlicht verloren. Jetzt ist er auch verwirrt. Najeh geht sehr behutsam und geduldig mit ihm um. Normalerweise ist es jetzt ruhig in diesem Haus, weil die junge Familie die Ferien doch drüben in Beit Furik verbringt. Und heute muss Najeh seinem Vater erklären, dass die „Ausländischen“ zu Besuch seien. Audrey, meine englische Kollegin, ist jetzt dazu gekommen. Auch sie interessiert sich für die Bilder. &lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235415224904858050" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfuaJwgOcI/AAAAAAAAAVM/3LnuTGj5Pf8/s200/Najeh,+der+Maler.JPG" border="0" /&gt;Najeh ist nämlich ein Maler, aber dazu komme ich noch.&lt;br /&gt;Najeh hat spät geheiratet. Er hat als junger Mann in Oman für eine Schifffahrtsgesellschaft gearbeitet. Er ist nach Hause gekommen, als seine Eltern ihn gebraucht haben. Er hat geheiratet. Seine Frau Huda – jetzt Umm Ahmed, weil der erstgeborene Sohn Ahmed heißt – stammt aus dem Nachbarort. Najeh musste nur den Hügel, auf dem die Oliven- und Mandelbäume seiner Familie stehen, hinauf gehen, dann den felsigen Hang, den die Schafe beweiden, und auf der anderen Seite den Hang wieder hinunter. Dort liegt Beit Furik, eine kleine Stadt. Es war ein Weg von 25 Minuten, ich war ja ein Stück jünger, lacht er. Aber diesen Weg kann er nicht mehr gehen. Oben ist jetzt einer der Siedler-Vorposten, mit Stallungen für die Hühner. Der jüdische Siedler betreibt dort oben eine große organische Hühnerfarm und beliefert halb Israel mit Eiern. Und jedenfalls ist das besetzte Land nicht zugänglich für die Bauern, denen das Land doch gehört. Jetzt ist der Weg nach Beit Furik teuer und dauert etwa eine Stunde mit dem Auto. Aber Najeh wird gar nicht durch den Kontrollpunkt gelassen, mit dem die israelische Armee dort das Städtchen und zwei kleinere Dörfer abgeriegelt und gesperrt hat. Nur die Bewohner dürfen rein und raus. Auch sie sind, wie die Bauern hier in Yanoun, von Siedlungen umgeben, müssen deren Straßen meiden und auf ihr angestammtes Land und Quellwasser verzichten. Das ist unser Leben, schließt Najeh seine Darstellung. Und so verbringt seine Familie die Ferien jenseits des Hügels bei der Großfamilie seiner Frau.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#339999;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235419263468200530" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfyFOlCYlI/AAAAAAAAAV8/027c7KYZKmc/s320/Granat%C3%A4pfel.JPG" border="0" /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#339999;"&gt;Der Gastgeber&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;Er könnte so leicht auf die Hügelkuppe laufen und von dort aus rufen oder winken. Aber dieser Versuch wäre ein Abenteuer, das schmerzlich oder tödlich für ihn ausgehen könnte. Najeh hat die Zeit, in der die Siedler auf die Bauern geschossen haben, die ihre Oliven und Mandeln ernten wollten, und die ins Dorf runter kamen und im Brunnen gebadet haben, nicht vergessen.&lt;br /&gt;Wir sitzen mit Najeh und trinken Tee. Trink Tee, mein Lieber, nimm viel Zucker, sagt er zu mir&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfu-v1gviI/AAAAAAAAAVU/eOdZbHqPfFE/s1600-h/Spielzeug+und+Granat%C3%A4pfel.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235415853601701410" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfu-v1gviI/AAAAAAAAAVU/eOdZbHqPfFE/s200/Spielzeug+und+Granat%C3%A4pfel.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;, weil ich ihm doch bei der Ernte geholfen habe. Aber wir interessieren uns für seine Bilder. Najeh ist ein Maler. Wenn er sich von seiner Arbeit oder von dem Druck, der über dem Dorf liegt, erholen will, malt er. Es sind sehr farbintensive Bilder, vielleicht naiv, aber sehr ausdrucksstark. Mir gefallen die Bilder, die er von den Granatäpfeln gemalt hat.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#ff0000;"&gt;Der Maler&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Im Garten hat er einige Granatapfelbäume. Unter dem kleinsten steht ein gelb blaues Gefährt, das die Kinder zurück gelassen haben. Ein anderer Baum wirkt wie ein Wettstreit zwischen Rot und Grün. Daneben explodieren gelbe Früchte am mattgrünen Kaktusstrauch. Najeh liebt seinen Garten. Auf einem der Bilder hat er die Grantäpfel mit der palästinensischen Flagge kombiniert. Und das dynamische rote Dreieck der Flagge hat er als Herz dargestellt. Die roten Tropfen auf der Hand können als Fruchtsaft oder als Herzblut gedeutet werden. Ist es nicht ein schmerzhaftes Bild? Ja, sagt er, der Schmerz ist immer da. Mehr erklärt er nicht und das hätte ich von einem Künstler auch nicht anders erwartet. Er ist ein stiller, nachdenklicher Mann. Er sagt nicht alles, was er denkt. Und er weiß mehr, als er denken kann. Vielleicht malt der deshalb. Wir kaufen einige Bilder von ihm und verabschieden uns für heute.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfvegFO8fI/AAAAAAAAAVc/euFiGH9y1hQ/s1600-h/Bild+vom+Granatapfelbaum.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235416399128490482" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfvegFO8fI/AAAAAAAAAVc/euFiGH9y1hQ/s200/Bild+vom+Granatapfelbaum.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt; &lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfv0waBaeI/AAAAAAAAAVk/dy8leY4pls8/s1600-h/Bild+von+Granat%C3%A4pfeln+und+Flagge+1.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235416781467773410" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfv0waBaeI/AAAAAAAAAVk/dy8leY4pls8/s200/Bild+von+Granat%C3%A4pfeln+und+Flagge+1.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;span style="color:#663300;"&gt;Lachen&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Draußen setzt sich der schöne Hahn noch einmal in Szene. Najeh, wieder ganz der Bauer, erklärt uns das aufgeregte Verhalten des Hahns, der eine unvorsichtige Henne vor uns vertreibt. Er ist ein guter Hahn, lacht er, er beschützt seine Frauen, aber seinen Hof kann er nicht verteidigen. Wir lachen auch. Und in dem Lachen ist wieder mehr, als wir denken können. Andererseits: Lachen ist doch eine schöne Abschiedsgeste.&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235417264643549922" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfwQ4YGquI/AAAAAAAAAVs/PaSKrcAXvxs/s320/Hahn+3.JPG" border="0" /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-2122462024465457132?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/2122462024465457132/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=2122462024465457132' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2122462024465457132'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2122462024465457132'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/08/der-maler-in-yanoun.html' title='Der Maler in Yanoun'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKftQ-DvpFI/AAAAAAAAAU8/hquQokT8S3I/s72-c/Hahn+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-6690588054308426242</id><published>2008-08-17T00:35:00.000-07:00</published><updated>2008-08-17T01:18:31.451-07:00</updated><title type='text'>Vor dem Bösen bewahren</title><content type='html'>Für ein Andachtsbuch für das Jahr 2010:&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:verdana;"&gt;&lt;strong&gt;Leben und Wohltat hast du an mir getan, und deine Obhut hat meinen Odem bewahrt.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;Hiob 10, 12&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:verdana;"&gt;&lt;strong&gt;Christus betet: Ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;Johannes 17, 15&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Die Geschichte&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Mann hatte allen Grund zu einer Verzweiflungstat. Seine Eltern waren aus ihrem Dorf vertrieben worden. Der Junge war mit ihrer Sehnsucht nach der Heimat als Flüchtling aufgewachsen. Mit 16 Jahren war er für 18 Monate im Gefängnis gewesen, weil er Steine gegen die Soldaten geworfen hatte, die sein Land besetzt hielten. Er trug Narben von der Zeit im Gefängnis. Mit 32 musste er mit ansehen, wie das Haus seiner Eltern, das sie sich unterdessen gebaut hatten, von Soldaten abgerissen wurde, wie dabei seine Mutter von den jungen Soldaten angeschrieen und mit dem Gewehrkolben gestoßen wurde und sein Vater wenige Tage später an einem Herzschlag starb. Seine Mutter und Geschwister waren obdachlos. Die Schulden für den Hausbau und den Hausabriss waren immens. Es war ein Schicksal, wie es Hiob erleiden musste. Aber es war nicht nur Unglück, das die Familie erleiden musste, es war Böses. Der Mann äußerte sich nicht mit Wut, sondern mit Verzweiflung über sein zerstörtes Leben. Er wollte sterben. Der Tod sei besser, als dieses Leben…&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235393019953335106" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfaNp3gy0I/AAAAAAAAAUs/RS2djvmeK8A/s200/Kopie+von+Hausabriss.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;Wie viel fehlte hier, dass er dem Bösen nachgeben und eine Rachetat ausüben würde?&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;Das Gebet Jesu aus dem Johannesevangelium zielt auf diese Situation: Das Böse ist Teil unserer Welt und unseres Lebens. Wir können die Augen davor verschließen, wir können es anderen überlassen, die mehr davon betroffen sind oder wir können Böses mit Bösem vergelten. Wir können uns aber auch dem Unrecht widersetzen, sogar den Rachegedanken, die sich anbieten. Und es ist gut zu wissen, dass wir Gott dabei auf unserer Seite haben. &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfZrFpeadI/AAAAAAAAAUk/2dutSgiDtoc/s1600-h/Kopie+von+Jungs+auf+den+Tr%C3%BCmmern.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235392426115230162" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfZrFpeadI/AAAAAAAAAUk/2dutSgiDtoc/s200/Kopie+von+Jungs+auf+den+Tr%C3%BCmmern.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt; &lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfaogjJtrI/AAAAAAAAAU0/JYDNVk74WBU/s1600-h/Kopie+nach+dem+Hausabriss.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235393481308485298" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfaogjJtrI/AAAAAAAAAU0/JYDNVk74WBU/s200/Kopie+nach+dem+Hausabriss.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;&lt;strong&gt;Gebet:&lt;/strong&gt; &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Gott helfe dem Mann, der so viel Böses erlitten hat! Gott helfe uns, dass wir Böses nicht hinnehmen und auch nicht Bösem vergelten!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;&lt;strong&gt;Lied&lt;/strong&gt; &lt;/span&gt;(aus dem Evangelischen Gesangbuch, Seite 373, Vers 1):&lt;br /&gt;Jesu, hilf siegen, du Fürste des Lebens,&lt;br /&gt;Sieh, wie die Finsternis dringet herein,&lt;br /&gt;wie sie ihr höllisches Heer nicht vergebens&lt;br /&gt;mächtig aufführet, mir schädlich zu sein.&lt;br /&gt;Satan, der sinnet auf allerhand Ränke,&lt;br /&gt;wie er mich sichte, verstöre und kränke.&lt;br /&gt;(Johann Heinrich Schröder, vor mehr als dreihundert Jahren gedichtet) &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-6690588054308426242?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/6690588054308426242/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=6690588054308426242' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/6690588054308426242'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/6690588054308426242'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/08/vor-dem-bsen-bewahren.html' title='Vor dem Bösen bewahren'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfaNp3gy0I/AAAAAAAAAUs/RS2djvmeK8A/s72-c/Kopie+von+Hausabriss.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-5674212887691767000</id><published>2008-08-17T00:13:00.000-07:00</published><updated>2008-08-17T00:34:41.338-07:00</updated><title type='text'>Gottes Kinder</title><content type='html'>Für ein Andachtsbuch für das Jahr 2010:&lt;br /&gt;-&lt;span style="font-family:verdana;"&gt;&lt;strong&gt;Es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: „Erkenne den Herrn“, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr.&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt; (Jeremia 31, 34)&lt;br /&gt;- &lt;span style="font-family:verdana;"&gt;&lt;strong&gt;Wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt; (1. Johannes 3, 2)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color:#333399;"&gt;&lt;strong&gt;„Gott ist zu groß für nur eine Religion“, sagt ein Graffito an der Mauer in Bethlehem. &lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;Ein Mitarbeiter im Friedensprogramm des Weltkirchenrates trifft die Vertreterin einer israelischen Menschenrechtsorganisation und klagt, dass er es nur mit feindseligen israelischen Soldaten und gewalttätigen jüdischen Siedlern zu tun habe; er könne die hebräische Sprache schon nicht mehr hören. Das klingt ernst, sagt die Freundin. Komm am Freitagabend mit uns in die Synagoge und dann zu uns nach Hause. Und so feiert der gestresste Christ den Sabbat mit jüdischen Freunden. &lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;Später, in einem der palästinensischen Dörfer, die von jüdischen Siedlern terrorisiert werden, spricht der ökumenische Mitarbeiter den Imam an: Kann er mit ihm gemeinsam in die Moschee zum Abendgebet gehen? Der Imam zögert. Zugleich entbrennt ein politischer Streit zwischen dem Imam und jungen Männern aus der Stadt. Sie beschuldigen sich gegenseitig, zur Hamas zu gehören oder mit Israel zusammen zu arbeiten. Sie gehen im Streit auseinander. Der Imam nimmt den Christen an der Hand, zeigt ihm den Raum für die rituellen Waschungen und nimmt ihn danach mit in die Moschee, wo sie gleichzeitig ihre verschiedenen Gebete verrichten. – &lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;Vater unser im Himmel, du hörst und du verstehst unsere Gebete! Lass uns auch verstehen was die anderen beten!&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5235383577416884002" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfRoBrY3yI/AAAAAAAAAUc/24MLoAMkiHc/s400/Blick+auf+Jerusalem,+Dominus+Flevit.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;Evangelisches Gesangbuch Seite 344:&lt;br /&gt;Vater unser im Himmelreich,&lt;br /&gt;der du uns alle heißest gleich&lt;br /&gt;Brüder sein und dich rufen an&lt;br /&gt;und willst das Beten von uns han:&lt;br /&gt;Gib, dass nicht bet allein der Mund,&lt;br /&gt;hilf, dass es geh von Herzensgrund.&lt;br /&gt;(gesungenes Glaubensbekenntnis, Vers 1, von Martin Luther  vor fast fünfhundert Jahren gedichtet)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-5674212887691767000?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/5674212887691767000/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=5674212887691767000' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/5674212887691767000'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/5674212887691767000'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/08/gottes-kinder.html' title='Gottes Kinder'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKfRoBrY3yI/AAAAAAAAAUc/24MLoAMkiHc/s72-c/Blick+auf+Jerusalem,+Dominus+Flevit.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-3504970914049525833</id><published>2008-08-12T06:57:00.000-07:00</published><updated>2008-08-12T13:04:33.430-07:00</updated><title type='text'>Tagebuch Yanoun</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#333333;"&gt;26. Juli 08, Samstag bzw. Sabbat&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Reisen in den besetzten Palästinensergebieten&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jerusalem. Abfahrt vom Jaffator 10.45. Wir sind vier, die als erste in Yanoun Dienst machen sollen: Collin war vorher in Jayyous, Paula war in Tulkarem, Linda in Hebron und ich in Bethlehem. Wir haben alle unser Gepäck reduziert und die großen Koffer im Auguste-Viktoria-Gästehaus auf dem Ölberg gelassen. Mit dem Rest unseres Gepäcks gehen wir vom Hotel zum Jaffa-Tor und verhandeln mit den Taxifahrern dort den Preis zum Jerusalem-Hotel bzw. zur Grünen Busstation. Weil Sabbat ist, verlangen die Taxifahrer mehr als sonst und weil sie zusammenhalten, haben wir schlechte Karten. So fängt die Reise an; dann würden folgen eine Busfahrt nach Ramallah, ein Sammeltaxi zum Huwwara Checkpoint, ein weiteres Sammeltaxi nach Aqraba und ein letztes Taxi nach Yanoun. Das wären knappe 50 km auf direkter Strecke, würde aber gute zwei Stunden brauchen, wenn uns keine Straßensperre mit Kontrolle dazwischen käme. Auf der Rückfahrt von unserem Besuch zur Übergabe der Arbeit in Yanoun hatten wir 5 Stunden gebraucht. Reisen in den besetzten Palästinensergebieten ist eine zeitraubende und teure Angelegenheit. &lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233635094890578050" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGbY8r4gII/AAAAAAAAAS0/xfCk4qNUWrY/s320/Flying+checkpoint.JPG" border="0" /&gt;      Flying Checkpoint&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Bierbrauerei im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;So steigen wir hinter dem Qualandia Checkpoint aus. Dort steht Ghassan aus Aqraba, der uns an Ramallah vorbei die ganze Strecke durch fährt. Er macht für uns einen Abstecher nach Taybeh, wo eine alte christliche Stadt steht, die nicht nur mit ihren vier Kirchen interessant ist, sondern mit einem für Palästina wichtigen Unternehmen, das gegen alle Schwierigkeiten, die Israel gemacht hat, alle Kessel und Geräte importiert und aufgebaut hat: eine Brauerei, die beste im Nahen Osten. Ein christlicher Palästinenser, ein Unternehmer, der was für sein Heimatdorf, das im Gebirge Ephraim liegt und das den jüdischen Siedlern ein Dorn im Auge ist. Eine der Kirchen und die Brauerei haben wir besichtigt und sind weiter nach Yanoun gefahren, eine Kiste Bier neben den anderen Gepäckstücken. Bier werden wir in nächster Zeit nirgends zu kaufen kriegen, es ist „haraam“, ungehörig und verboten in der muslimischen Gesellschaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Handys&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Unser Nachmittag in der kleinen Wohnung, die in den nächsten Wochen unser Zuhause sein wird, verläuft zunächst ruhig. Wir sortieren unsere mobilen Telefone: Wir sollen unsere alten Handys behalten, weil wir damit auch für unsere bisherigen Partner in Bethlehem, Hebron etc. erreichbar sind. Aber wir sollen auch die Telefone des letzten Teams von Yanoun an uns haben, falls die Dorfbewohner und die Kontaktleute aus den umliegenden Ortschaften uns brauchen. Dazu kommen zwei Handys der palästinensischen Telefongesellschaft, falls wir aus dem israelischen Funkverkehr rausfallen. Und schließlich haben zwei aus unserem Team ihre privaten Handys, macht insgesamt 12. Als sie alle auf dem Tisch liegen und wir noch hektisch am Eintippen und Testen sind, ob in den Handys alle wichtigen Kontaktpersonen gespeichert und für uns erkennbar sind und wir uns auch gegenseitig jederzeit erreichen können, klopft und rüttelt es unten an der Tür: Siedler im Dorf! Also Westen angezogen, in die Sandalen gesprungen, die Handys und Kameras in die Taschen und raus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Siedler im Dorf!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Am Dorfbrunnen sind zwei junge Burschen, gerade mal 20 Jahre alt, zu Gange. Hier haben andere Siedler vor ihnen schon gebadet und den Brunnen verunreinigt. Diese hier haben einen Hund bei sich und einer hat sein Gewehr immer im Anschlag. Die Dorfbewohner sind ängstlich, &lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGlaFTgUdI/AAAAAAAAATs/ZRnOH4f_ZIg/s1600-h/Siedlerjugend+1.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233646109500395986" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGlaFTgUdI/AAAAAAAAATs/ZRnOH4f_ZIg/s200/Siedlerjugend+1.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;immerhin waren sie vor einigen Jahren bereits aus dem Dorf vertrieben worden, sind mit Hilfe internationaler Organisationen zurück gekommen und seitdem von unseren Teams ständig bewacht. Und die Siedler lassen sich immer neue Bosheiten einfallen. Sie sind absolut illegal hier, aber das sieht ihnen der (israelische) Staat nach. Und selbst wenn die Armee kommen und sie aus dem Dorf raus bitten muss, werden sie in der Regel nicht bestraft. Die Burschen heute sind dreist und ängstlich gleichzeitig und das ist genau die gefährliche Mischung, vor der wir immer gewarnt werden. Bevor wir, Colin und ich, beim Brunnen anlangen, sehen sie uns und gehen weiter. Sollen sie also das Dorf verlassen! In der Straße über uns steht Raschid, der Bürgermeister, und gibt uns Anweisungen. Wir sind gehalten, nur das zu tun, wozu er uns auffordert. Bleibt zurück, lasst sie abhauen, ruft er uns zu. Wir beobachten die Jungs, wie sie die Talsohle durchschreiten, aber auf der anderen Seite in das kleine offene Gehöft von Abu Hani gehen, sich dort auf das Mäuerchen setzen und alles ringsum in Augenschein nehmen, vom Boden aufheben, als würden sie morgen kommen und das alles in Besitz nehmen. Und solche Ankündigungen haben sie früher tatsächlich gemacht. Wir gehen schnell rüber zum Hof von Abu Hani und nähern uns den beiden Burschen bis auf 10 Meter. Beide erheben sich, aber anstatt zu gehen, nehmen sie Stellung gegen uns, einer richtet das Gewehr auf uns, der andere schreit „wech! wech!“, was ich mir später als die falsch ausgesprochene Version eines arabischen Wortes für „zurück!“ erklären lasse. Dann beleidigen sie uns und rufen rüber, „Jesus ist schwul“, woraufhin ich mir nicht verkneifen kann, den Kopf zu schütteln und zu erwidern, das sei nicht die richtige Sprache am Sabbat. Wir bleiben stehen und lassen ihnen den Rückzug. Sie&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGlanw_pOI/AAAAAAAAAT0/lA9s9QTuZKo/s1600-h/Siedlerjugend+2.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233646118750889186" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGlanw_pOI/AAAAAAAAAT0/lA9s9QTuZKo/s200/Siedlerjugend+2.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt; tun so, als seien sie ganz cool, aber man kann merken, dass sie sich immer wieder nach uns umdrehen. Ich mache Fotos, in 20 Metern Abstand folgen wir ihnen. Noch einmal wird es kritisch, als sie offensichtlich sauer sind, dass wir sie aus dem Dorf begleiten. Sie stehen vor einer Schar weißer Hühner, richten das Gewehr auf die Hühner und rufen uns zu: Wenn ihr die Hühner lebend sehen wollt, bleibt stehen. Dann sehe ich oben in einem Sattel einen Jeep stehen, etwas blitzt, offensichtlich ein Fernglas, der Jeep bewegt sich, sieht aus wie Armee und ist auch Armee. Kommt langsam einen Feldweg runter, wo sich die Burschen langsam durch die Talsohle auf die andere Hügelseite davon machen, ruhig, denn sie haben nichts zu befürchten. Jetzt sehe ich unten auf der Straße einen zweiten Jeep schnell auf das Dorf zu fahren. Offensichtlich hat Raschid, der Bürgermeister, das palästinensische Verbindungsbüro angerufen, das sich seinerseits an die israelische Armee gewandt hat. Dem Gesetz nach ist die Armee für die Ordnung in diesem Teil des Landes zuständig. Wir sind während der Aktion, die sich zwei Stunden später, wiederholt, indem die Burschen frech und unsicher durch das Dorf im Tal zu ihrem Hügel zurück gehen, per Handy in Verbindung mit den beiden Frauen, Paula und Linda, die bei dem Bürgermeister sitzen und mit Dan, unserem neuen Koordinator in Jerusalem. Geht nicht zu weit aus dem Dorf raus! Geht nicht zu dicht an die Männer ran! Bleibt in Sichtweite und in telefonischem Kontakt! Das sind ihre Anweisungen an uns.&lt;br /&gt;Später sitzen wir bei Raschid und sprechen alles noch mal durch. Es ist unsere erste Lektion in unserer neuen Aufgabe hier im Dorf. Später koche ich eine Gemüsesuppe und decke den Tisch. Wir essen unsere erste Mahlzeit in unserem neuen Zuhause. Dann sitzen und reden lange, Colin aus Schottland, Linda aus Norwegen, Paula aus Schweden und Gottfried aus Deutschland. Der Sternenhimmel scheint wohlwollend durch unsere offenen Fenster. Wann machen wir so was zu Hause, im Dunkeln vor dem Haus sitzen und reden? Das war unser erster Tag in Yanoun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#333333;"&gt;27. Juli 2008, Sonntag&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Checkpoints in den Besetzten Gebieten&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es ist Sonntag Abend. Wir waren an den beiden heiklen Checkpoints, Huwwara und Beit Furik. Huwwara ist einer der Checkpoints, die die Armee rund um Nablus mitten in Palästina errichtet hat. Er gehört mit insgesamt 28 Checkpoints, Straßensperren und Toren zu einem System, mit dem die ganze Stadt Nablus abgeriegelt und aller Verkehr kontrolliert wird. Wir haben auf dem Rückweg 30 Minuten in der Reihe derer gestanden, die die Stadt abends wieder verlassen. Ein junger Mann saß in der Arrestzelle aus Beton, in der die Soldaten Leute bis zu drei Stunden festhalten darf. Wir haben ihm Mut zugesprochen und uns an die Soldaten gewandt. Wir haben auch mit seinem Freund gesprochen: Die beiden gehen täglich hier durch und absolvieren im Nachbarort einen Schwimmkurs. Warum heute? Die Soldaten geben uns keine Auskunft. Aber die Frauen von Machsom Watch kommen und wir übergeben ihnen den Fall.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGoVbz34WI/AAAAAAAAAT8/ipNdop-m8hg/s1600-h/Huwwara+Kontrollpunkt.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233649328177275234" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGoVbz34WI/AAAAAAAAAT8/ipNdop-m8hg/s200/Huwwara+Kontrollpunkt.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;In Beit Furik hat der Checkpoint die Aufgabe, zwei Ortschaften, eine mit 9.000, die andere mit 3.000 Einwohnern, von ihrem Zugang zu Nablus und anderen Teilen der Westbank abzuschneiden. Hier führt eine Straße, die nur für Siedler bestimmt ist, durch und ringsum auf den Hügeln sind die Außenposten der Siedler auf den Hügeln, die diese Ortschaften, Beit Furik und Beit Dajan, von unserem winzigen Dörflein Yanoun trennen. In die so abgeschnittenen Ortschaften werden nur die Bewohner selber rein gelassen, keine Gäste und Verwandte, auch wenn sie Palästinenser und die eigentlichen Bewohner dieses Landes sind. Unsere Aufgabe ist es, von Zeit zu Zeit bei dem Checkpoint vorbei zu schauen und eventuell den Bürgermeister oder andere Kontaktleute in Beit Furik zu besuchen. Heute bleiben wir jenseits des Kontrollpunktes, setzen uns auf ein paar Autositze und Steine, mit denen ein findiger kleiner Unternehmer einen Laden mit Kaffee und Tee und anderen Getränken aufgemacht hat. Wir schauen zu, wie die Sammeltaxen kommen, die Türen auf gehen und Leute, Männer in Arbeitskleidung und Frauen in Stadtkleidung mit Kindern aus den Fahrzeugen kommen und auf den Kontrollpunkt zu gehen. Wir unterhalten uns mit Taxifahrern. Zwei werden uns besonders vorgestellt, weil der eine zur Hamas, ein anderer zu Fatah hält. Das sei doch schön, dass sie hier gemeinsam Kaffee trinken. Erst abends, als wir die Nachrichten im Radio hören – Internet haben wir hier nicht – wird uns klar, warum die friedliche Nachbarschaft heute Relevanz hat. Jetzt erst verstehen wir, warum Dan aus Jerusalem uns auferlegt hat, alle halbe Stunde anzurufen; damit er uns Bescheid geben kann, wenn in Nablus eine kritische Situation entsteht und wir sofort zurück fahren sollen. Es ging also um den Anschlag im Gazastreifen, bei dem Fatah einen Hamasführer und andere Menschen umgebracht haben und Hamas Vergeltung angedroht haben soll. Wir können uns hier kein genaues Bild machen, sind aber doch froh, dass wir erst abends erfahren haben, dass die Situation angespannt war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Der Nachmittag&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; &lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;Ich protokolliere nicht den ganzen Tag.&lt;br /&gt;Wir waren im Gottesdienst. Wir waren im Internet Café, wo wir unseren Bericht von gestern an unser Büro in Jerusalem gemailt haben. Und im Yasmeen Hotel, wo wir gut gegessen haben. Insgesamt haben wir 7 Taxen benutzt und viel Geld dafür bezahlt und waren 9 Stunden unterwegs? Wie viel einfacher wäre der Ausflug gewesen, wenn es diese Situation mit der Besetzung dieses Landes nicht gäbe?&lt;br /&gt;Linda, die zurück geblieben war – wir dürfen nie alle gleichzeitig aus dem Dorf gehen! – hat bei den Nachbarn zur Linken geholfen, frisch geerntete Mandeln zu pellen. Die Kerne müssen jetzt trocknen und werden später geöffnet, damit sie die kostbaren Mandeln freigeben.&lt;br /&gt;Zuhause angekommen, hat Linda, die vor der Tür saß, laut gefragt: Habt ihr Brot gekauft? O, das haben wir vergessen! Macht nichts, wir werden schon nicht verhungern. Im Laufe des Abends klopft es zweimal unten an die Tür, wir stürzen oben, wo wir wohnen, in unsere Westen, auf der Treppe in die Sandalen, nur um vor der Tür einmal die Nachbarin von links und einmal die Kinder von rechts jeweils mit Brot anzutreffen, das sie hochhalten und uns schenken wollen. Ich glaube, die Kinder habe ich erschreckt, weil ich so hektisch aus der Tür gesprungen kam. Aber dann haben sie gelacht, wie sie den Wechsel in meinem Gesichtsausdruck gesehen und mein wahrscheinlich falsch ausgesprochenes Dankeschön gehört haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann sitzen wir und schreiben Berichte, übertragen Fotos auf den Computer oder nehmen uns ein Stück der etwas verwahrlosten &lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGcAHkTtxI/AAAAAAAAAS8/QwZV4Uoi-Wk/s1600-h/Blick+zur%C3%BCck+auf+Yanoun.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233635767826495250" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGcAHkTtxI/AAAAAAAAAS8/QwZV4Uoi-Wk/s200/Blick+zur%C3%BCck+auf+Yanoun.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Küche vor, die wir Stück um Stück sauber machen wollen. Linda wird später kochen. Es ist ein friedlicher Abend, Esel schreien, Schafe blöken, Kinder rufen und einmal ist ein Auto zu hören.&lt;br /&gt;Das war der zweite Tag in Yanoun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#333333;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;span style="color:#000000;"&gt;&lt;/span&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;span style="color:#000000;"&gt;&lt;/span&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;span style="color:#000000;"&gt;Mit dem Fahrrad in die nächste Stadt&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#333333;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#333333;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#333333;"&gt;28. Juli 2008, Montag&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Colin und Paula bleiben in Yanoun zurück. Sie machen Besuche bei den Nachbarn.&lt;br /&gt;Linda und ich fahren mit Ghassan, unserem Taxifahrer, nach Burin. Wir hatten noch in Jerusalem gehört, dass die Siedler neue Angriffe auf Burin gemacht hatten. Da ich bei der Übergabe vor einer Woche auch in diesem Dorf war, war es jetzt meine Entscheidung, möglichst bald dort aufzutauchen und mit der Familie zu reden, die wir letztens besucht hatten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Eine Familie in Burin&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Die Familie von Ahmad Souha lebt in einem Haus abseits des Dorfes, am Hang, der das Dorf nach Süden begrenzt. Über ihnen, auf dem Hügel, befinden sich Außenposten einer größeren Siedlung, auf jeder Höhe stehen einige Container, der ganze Höhenzug ist so von jüdischen Siedlern besetzt und die Hirten und Bauern können ihre Weiden und Ölbäume in den höheren Lagen nicht mehr nutzen, weil die Siedler das als ihre Sicherheitszone beanspruchen. Dieses Haus hier, das einzige jenseits der Straße, die auch nur von Siedlern genutzt wird, ist den Siedlern ein Dorn im Auge, sie wollen die Bauern offensichtlich vertreiben. Der Bauer war als junger Mann von der Israelischen Armee aus dem Negev vertrieben worden, ein Beduine. Er hat hier vom Dorf Land gekauft und sich nieder gelassen. Dann kamen die Siedler. Und nun soll er ein zweites Mal vertrieben werden. &lt;/div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233649912567820146" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGo3c1b73I/AAAAAAAAAUE/DNT7IotEe3w/s400/Familie+in+Burin.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;Heute war er unterwegs, nach Beduinenart mit seinen Herden und in einem Zelt auf einer entfernten Weidefläche. Seine drei Söhne begrüßen uns, wir sitzen im Garten. Nach einigen Minuten setzt sich die Mutter zu uns. Sie hat 5 Söhne und 4 Töchter groß gezogen. Zwei der Töchter sind noch im Haus, wir kriegen sie nicht zu sehen, aber sie machen uns erst süßen Tee, dann Kaffee, schließlich kommt eine herrliche aromatische Wassermelone. Einer der Söhne bringt die Tabletts und die Teller. Die Gastgeber sind überaus freundlich und das verwirrt uns umso mehr, als die Nachrichten, die wir von ihnen hören, äußerst beunruhigend sind.&lt;br /&gt;Vor einer Woche hatten sie uns von den Siedlern erzählt, die einen Esel umgebracht, 4 Schafen vergiftet und einen Hirten zusammen geschlagen haben. Die Siedler kommen von dem nächsten Außenposten bis zu diesem Haus herunter, Schusswaffen dürfen sie nicht tragen, das hat ihnen die Polizei wohl ausdrücklich verboten, aber Knüppel sind offensichtlich erlaubt.&lt;br /&gt;Diesmal erzählen die Söhne uns von Angriffen auf das Dorf, das wir unter uns und auf der anderen Talseite liegen sehen. Ein Haus ist heute früh abgebrannt worden und eine Rotte von etwa 30 bis 40 Siedlern war gestern den Hang herunter gekommen. Sie haben zwei Hirten angegriffen und mit Knüppeln geschlagen. Aber (israelische) Polizei ist rechtzeitig gekommen und sie mussten sich zurückziehen. Wir verstehen nicht genau, ob das eine gestern und das andere heute passiert ist oder beides gestern je morgens und nachmittags. Später wird Ghassan für uns kleine Interviews übersetzen. Die Familienmitglieder hier sind viel mehr von der Dichte der Angriffe bewegt, als davon, wie alles im Detail abgelaufen ist. Sie wollen von uns eine Kamera kriegen, um die Siedler, wenn sie wieder kommen, damit zu beeindrucken. Wir rufen unser Büro in Jerusalem an, die uns aber an die Israelisch-Palästinensische Menschenrechtsorganisation Betselem verweist. Betselem hat ein Programm, „Zurück Schießen“ genannt, mit dem bedrohte Dorfbewohner mit Kameras ausgerüstet werden; denn wenn sie keine Beweise vorlegen, werden ihre Anzeigen nicht weiter verfolgt. Wir nehmen das Anliegen der Familie auf, Linda telefoniert mit Jerusalem. Währenddessen kriege ich einen Anruf von Abdullah aus Asira, dem nächsten Dorf. Er will uns zu dem betreffenden Haus in Burin bringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Das abgebrannte Haus&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusammen fahren wir dort hin. Das Haus liegt etwas einsam am Dorfausgang. Viele Nachbarn sitzen auf der Terrasse oder stehen vor dem Haus. Der Hausvater sei bei der Polizei, um den Bericht zu unterzeichnen, hieß es. Die Hausfrau ist ins Krankenhaus eingewiesen worden, wegen Gefahr einer Frühgeburt nach dem Schock, sie ist hoch schwanger. Die ganze Familie war nicht anwesend, als der Brand gelegt worden war. Absicht? Eine junge Frau, die Schwester von Abdulla, führt uns durch das Haus. Drei Räume sind ausgebrannt, Schlaf-, Wohnzimmer und Küche. Wir sehen die zerbrochenen Scheiben oder die offen gelassenen kleinen Fensterchen, durch die die Brandbomben geworfen worden sind. Deutlich sind an Decken und Wänden Bündel von verkohlten feinsten Stäbchen zu sehen, offensichtlich das Material, das mit dem Brandstoff zu einer Bombe gebastelt worden war. Am meisten berührt uns das verkohlte Kinderbett. Wenn da ein Kind drin gelegen hätte! Unter der Matratze hatte der Hausvater 10.000 Jordanische Dinar, etwa 9.000 Euro versteckt – die sind jetzt verbrannt. Damit hatte er den Bau eines eigenen Hauses im Dorf bezahlen wollen, das ist jetzt vorbei.&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233645572333986210" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGk60NDYaI/AAAAAAAAATk/7dM9sjhV364/s400/Abgebranntes+Haus.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;Warum versteckt jemand eine so große Summe Geld unter der Matratze? Weil er hier in den von Israel kontrollierten Gebieten keine Bank findet. Weil Israel nicht bereit ist, für die Sicherung von Banken gerade zu stehen. Und weil der Weg nach Nablus, das von der Autonomiebehörde kontrolliert wird, zu schwierig ist, zu lange dauert. Alle Palästinenser in der Westbank, sofern sie nicht in den A-Gebieten wohnen, machen das so. Es gibt offensichtlich nichts, was in diesem besetzten Land normal läuft!&lt;br /&gt;Den Gang durch das Haus mit den verkohlten Möbeln und dem Brandgeruch breche ich irgendwann ab. Das Kinderbett und die Geschichte von der schwangeren Frau machen mir zu schaffen. Wir machen noch einige Außenaufnahmen, weil unser Jerusalemer Büro, mit dem wir ständig in Verbindung stehen, von uns einen Bericht und Bilder haben will.&lt;br /&gt;Abdullah, den ich letzte Woche bei der Übergabe kennen gelernt hatte, und Ghassan, der uns in diese Dörfer fährt, machen klar, was sie von unserem Programm erwarten: Ein Team von Freiwilligen soll in Burin und Asira wohnen und mit seiner Präsenz einen Schutz darstellen, so wie in Yanoun. Auch das werden wir an unser Büro in Jerusalem weitergeben.&lt;br /&gt;Der Clou dieser Geschichte ist: Vor etwa 10 Tagen hatten wir eine Zeitungsmeldung gelesen, wonach zum ersten Mal ein junger Siedler – Student einer Thoraschule in der Siedlung über Burin – selbst gebastelte Raketen auf palästinensische Ziele abgefeuert hat. Als wir das lasen, wussten wir noch nicht, dass das Dorf Burin heißt, die Siedlungen Bracha und Yitzhar, die in dem Bericht genannt worden waren, über diesem Dorf liegen und wir mit diesen aggressiven Siedlern bald zu tun haben würden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Was wollen die Siedler?&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erstmal wollen sie die Hänge von Bauern und Hirten frei machen. Dann wollen sie das Tal räumen. Dann wollen sie dieses ganze Land haben, das sie immer noch Samaria nennen und das nie jüdisch war. Sie wollen das Land – aber ohne die Araber, die sie verachten und die sie vertreiben wollen, so wie Abraham in Vorzeiten seine Magd Hagar mit seinem und ihrem Sohn Ismael vertrieben hat.&lt;br /&gt;Über Burin liegt der Berg Garizim, wie er in unserer Bibel heißt. Auf der anderen Seite, unter dem Garizim, liegt das alte Sichem, in römischer Zeit Neapolis, jetzt Nablus genannt. Dort gibt es eine der zwei kleinen Samaritaner-Gemeinden, den Rest eines Völkchens, das vor 2 ½ Tausend Jahren nicht ins Exil nach Mesopotamien geführt worden war und bis heute in Palästina lebt wie die restliche Be&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKHqbl3agGI/AAAAAAAAAUU/q_aAox7tdGE/s1600-h/Kaum+zu+erkennen+Siedlung+%C3%BCber+Yanoun.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233722001723129954" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://4.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKHqbl3agGI/AAAAAAAAAUU/q_aAox7tdGE/s200/Kaum+zu+erkennen+Siedlung+%C3%BCber+Yanoun.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;völkerung Palästinas, die hier überlebt haben und deren Existenzrecht erst jetzt von der Rückkehr der Juden in Frage gestellt wird. Der Berg Garizim, von den Juden der nach-exilischen Zeit verachtet, weil die Samaritaner dort ihren Tempel hatten, ist jetzt besetzt und besiedelt – nicht von Samaritanern, sondern von Juden.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;Kaum zu erkennen: die Siedlung auf der Bergkuppe &lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Der Abend&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Wir fahren nach Hause, ich setze mich hin und schreibe den Bericht für unser Büro, Linda wählt einige Fotos aus und hängt sie an den Bericht an. Morgen früh müssen wir nach Aqraba laufen und das Ganze aus dem Internet Cafe an unser Büro nach Jerusalem schicken. Ich nehme die Wäsche von der Leine und lege sie zusammen. Colin kocht, Paula sitzt bei den Nachbarinnen, wo sie heute früh Mandelkerne aus der Frucht geschält hat. Die Sonne geht unter. Die Schafe waren unten im Talboden auf den abgeernteten Feldern und sind zurückgekommen. Der Esel ruft über das Tal, die Eselin von der anderen Seite antwortet. Die Abende hier sind besonde&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGbDsVXTJI/AAAAAAAAASs/W8fPAUJiJ2E/s1600-h/bei+Abi+Nun.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233634729723907218" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGbDsVXTJI/AAAAAAAAASs/W8fPAUJiJ2E/s200/bei+Abi+Nun.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;rs schön. Das indirekte Licht taucht alles in kräftige Farben. Wir würden gerne die zweihundert Meter bis zur Höhe laufen und den herrlichen Blick auf das Jordantal und die jordanischen Berge werfen. Aber ein solcher Spaziergang könnte tödlich enden und ist uns strengstens untersagt. Wir denken uns also den schönen Ausblick und begnügen uns mit der friedlichen Abendszene hier in diesem Tal. Hoffentlich bleibt sie friedlich. Das war unser dritter Tag in Yanoun.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#333333;"&gt;29. Juli 08, Dienstag&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Heute hatten wir einen ruhigen Tag! Wir hatten Zeit für Frühstück. Zwei Gäste kamen überraschend, von einem Taxifahrer vor unserem Haus abgesetzt, weil der Bürgermeister, mit dem sie verabredet waren, nicht zu Hause war. Nachmittags kamen weitere Gäste, die mit dem Team von Medicines sans Frontieres mitgekommen waren: die neue Psychologin und der Fahrer. Die Ärztin war so lange bei Nachbarn beschäftigt. Offensichtlich ist das Internationale Haus, wie unsere Bleibe hier heißt, bekannt und für Fremde die Anlaufstelle.&lt;br /&gt;Im übrigen haben wir heute insgesamt 5 Familien besucht, einen Obstgarten besichtigt und uns zeigen lassen, wie der Ziegenkäse hier gemacht wird. Abends waren wir zum Abendessen eingeladen.&lt;br /&gt;Linda und ich sind nach Akraba gelaufen. Dort ist die nächste Möglichkeit, das Internet zu benutzen und wir sollten doch unseren Bericht von den Ereignissen in Burin an das Jerusalemer Büro schicken. Es war ein schöner Ausflug, im Internetcafe hat man uns freundlich empfangen („Ihr seid das neue Team?“). Und wir haben natürlich auch die Briefe geöffnet, gelesen und beantwortet, die in unseren Mailboxen lagen, auch die privaten.&lt;br /&gt;Es war bewölkt, nicht zu heiß, abends kam ein frischer Wind auf. Ab und zu konnten wir sehen, wie drüben auf der Straße ein Armeefahrzeug patrouilliert, was uns natürlich sehr beruhigt.&lt;br /&gt;In einem Logbuch würde man schreiben: Keine besonderen Ereignisse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#333333;"&gt;30, Juli 08, Mittwoch&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auch heute keine besonderen Ereignisse.&lt;br /&gt;6.30 hat mich mein Telefon geweckt. Eine der Frauen von Machsom Watch wollte wissen, wie es auf unsrer Seite aussieht. Sie hat vom Gilo Checkpoint aus angerufen und ich musste ihr erklären, dass ich nicht mehr in Bethlehem bin. Oh, das ist aber schlecht, fand sie.&lt;br /&gt;Sonst war es ein ruhiger Tag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Nabi Nun&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Wir haben einen Ausflug nach Nabi Noun gemacht, einem Hügelchen mit Ausblick auf das &lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGcpH_zG8I/AAAAAAAAATM/PBqjOvTmwHc/s1600-h/Abi+Nun.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233636472316435394" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGcpH_zG8I/AAAAAAAAATM/PBqjOvTmwHc/s200/Abi+Nun.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Jordantal. Dort steht die Ruine eines Wohnhauses und einer Moschee. Aber es hat Graffiti mit Davidsstern und politischen Losungen in Hebräisch und das deutet auf jüdisches Interesse hin: Es ist die Grabstelle von Nun, dem Vater Josuas. In beiden Traditionen, der in der Hebräischen Bibel und der im Koran, wird Nun genannt, für die Muslime ein Mann Gottes, ein Prophet, für die Juden der Vater des Josua, der das Land erobert hat. Leider endet das erklärte jüdische Interesse an solchen Ortssagen in der Regel mit der Besetzung des Ortes durch Israelis und der Vertreibung der umliegenden palästinensischen Bauern. So rechtfertigen sich auch die ganzen Außenposten der israelischen Siedlung Itamar, die unser Dorf Yanoun umzingeln: Ein frommer Jude aus der Bratslav Chassidim Gemeinde hatte geträumt, Gideon, einer der Richter aus der Vor-Königszeit, liege auf diesen Hügeln hier begraben. Sofort wurde ein Grab ausgemacht und in die Karten eingetragen und die drei umliegenden Hügel besetzt...&lt;br /&gt;Wir haben von Nabi Nun aus die Aussicht genossen: Berglandschaft mit Olivenhainen, die Bauernhäuser von Yanoun; im Osten tief unter uns im Dunst der Mittagssonne das Jordantal &lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGdCvu_wZI/AAAAAAAAATU/xFKO_Zpd7Go/s1600-h/Blick+auf+Yanoun+von+Nabi+Nun.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233636912480108946" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGdCvu_wZI/AAAAAAAAATU/xFKO_Zpd7Go/s200/Blick+auf+Yanoun+von+Nabi+Nun.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;und darüber mehr zu erahnen als zu sehen die Berge von Jordanien; in den Bergen nach Süden mehr palästinensische Dörfer und Städte und oben auf den Hügeln Siedlungen und Außenposten – die auch nach israelischem Recht illegal sind, aber von der Armee, die hier das Sagen hat, geduldet werden. Die schöne Landschaft und die hässlichen Zeichen der israelischen Landnahme.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Besuche bei Familien&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir haben mehr Familien besucht. Wir sind überwältigt von der Freundlichkeit, von der Offenheit, mit der uns die Leute hier begegnen, von der Einfachheit des Lebens und der Stimmigkeit der alten palästinensischen Kultur. Wir sehen Kinder spielen, die Familien, die am Spätnachmittag mit der Mandel-Ernte des Tages vor dem Haus sitzen und das Fruchtfleisch von den Kernen trennen, während die Schafherden unten im Tal weiden. Wir hören von den 6 Generationen, die der Hausvater mühelos aufzählen kann, vom Großvater vom Großvater vom Großvater, der hier schon das zweite Haus gebaut hatte. Wir sitzen im dritten, modernen Haus und trinken süßen Tee mit Minze. Aber in jedem Haus hören wir die Geschichten vom Bruch im Leben der Familien, vom Einbrechen dieses Alptraums der Siedler, die sich über ihnen niedergelassen, die ihr Land weggenommen haben und die ihren Terror gegen die Dorfbewohner ausüben dürfen.&lt;br /&gt;Das sind unsere Tage hier in Yanoun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Was wir sehen&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;Und so wird es Morgen und wird Abend und die Woche ist noch nicht zu Ende.&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Begebenheiten und Besuche wiederholen sich. Wir nehmen Einsicht in die Tagesabläufe von Arbeit und Ruhe, wie sie seit Generationen wiederholt werden. Wir erleben die neue Landnahme und den unterschwelligen Krieg der Siedler gegen die Bauern. Sie machen das Leben für die Dorfbewohner schier unerträglich. Und doch geht es weiter, dieses Leben, mit der Mühsal der Arbeit, den einfachen Freuden, dem Terror, vor dem sie nicht wirklich geschützt sind, und der Hoffnung, die nicht zu sehen ist, wie die Glut der Backöfen, die tagsüber unter der Asche verborgen ruht und jeden Morgen neu entfacht wird und das Brot für den Tag bäckt.&lt;br /&gt;Colin und Paula packen ihre Sachen. Morgen reisen sie ab. Sie werden in Jerusalem Dienst machen und freie Tage haben, bevor sie wiederkommen und uns, Linda und mich ablösen werden. Morgen kommen auch Christian und Audrey, die die nächste Zeit mit uns leben und Wache halten werden. Mit ihnen werden wir dann abends sitzen, den Tag durchgehen und sagen: Wir sehen mit eigenen Augen, was hier vor sich geht, wir hören zu, wir verstehen, aber wir können es nicht fassen.&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233637274703915234" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGdX1H4aOI/AAAAAAAAATc/JMCtKarOtVQ/s400/Ausflug+in+Asira.JPG" border="0" /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-3504970914049525833?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/3504970914049525833/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=3504970914049525833' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/3504970914049525833'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/3504970914049525833'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/08/tagebuch-yanoun_12.html' title='Tagebuch Yanoun'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SKGbY8r4gII/AAAAAAAAAS0/xfCk4qNUWrY/s72-c/Flying+checkpoint.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-745549931422855314</id><published>2008-08-10T14:17:00.000-07:00</published><updated>2008-08-10T14:35:22.067-07:00</updated><title type='text'>Good News</title><content type='html'>&lt;div align="left"&gt;&lt;strong&gt;Text Message&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;01-08-08, 4.05 pm, text message on my mobile: “Hi everyone! Just a quick reminder that I’m on duty this weekend. So call me for emergencies. Thanks, Matilda”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;01-08-08, 4.10 pm, Gottfried to Matilda: “Dear Matilda, that’s okay. Could we let you know good news as well? GK”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;01-08-08, 4.12 pm, Matilda to Gottfried: “Of course :) I’d love to hear about those! Thanks for pointing that out … Have a great weekend! M”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;02-08-08, 10.45 am, Gottfried to Matilda: “Good morning, Matilda! It’s quiet so far in Yanoun. A mare gave birth to a foul. People are receiving us friendly under their grape vine. And hope is alive like the embers used here for the fresh bread after a long night. We are well in Yanoun. AG, LN and GK”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;02-08-08, 10.55“Thanks for the hopeful update! Enjoy. M”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5233005089205405538" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9eZynmR2I/AAAAAAAAASk/GZU9VCWzwNg/s400/Wieviel+Handys+braucht+der+Mensch.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Übersetzung)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1.08-08, 16.05 Uhr. Textnachricht auf meinem Handy: „Hallo, liebe Yanounis! Nur zur Erinnerung, dass ich Dienst habe an diesem Wochenende. Ruft mich an, wenn es Probleme gibt. Matilda.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1.08.08, 16.10 Uhr. Antwort: „Liebe Matilda, das ist okay. Aber dürfen wir dir auch gute Nachrichten melden? GK“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1.8.8, 16.12 Uhr. Matildas Text zurück: „Natürlich:) Ich würde mich freuen, gute Nachrichten zu hören! Danke für den Hinweis… Ein gutes Wochenende! Matilda“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2.8.08, 10.45 Uhr. Meldung: „Hi Matilda! Es ist ruhig bisher in Yanoun. Eine Stute hat ein Fohlen geboren. Die Leute bewirten uns unter ihrem Weinstock und Hoffnung überlebt, wie die Glut unter der Asche, auf der hier nach dunkler Nacht das frische Brot gebacken wird. Uns geht’s gut in Yanoun. Audrey, Linda und Gottfried.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2.08.08, 10.47 Uhr, Matilda zurück: „Danke für den hoffnungsvollen Lagebericht. Macht’s gut! Matilda“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Erläuterung)&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Matilda gehört zu unseren vier Koordinatoren in Jerusalem. Sie ist für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Wir haben in Yanoun keinen Internetzugang, so dass die Kommunikation ausschließlich über unsere Handys läuft; und auch da sind wir sparsam und schicken, wenn es sich um einfache Nachrichten handelt, einen Text.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-745549931422855314?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/745549931422855314/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=745549931422855314' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/745549931422855314'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/745549931422855314'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/08/good-news.html' title='Good News'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9eZynmR2I/AAAAAAAAASk/GZU9VCWzwNg/s72-c/Wieviel+Handys+braucht+der+Mensch.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-5656876914283983193</id><published>2008-08-10T12:58:00.000-07:00</published><updated>2008-08-10T14:06:36.874-07:00</updated><title type='text'>Unsere Gäste bei der Abschiedsparty</title><content type='html'>&lt;div&gt;&lt;strong&gt;24. Juli 2008&lt;br /&gt;Unsre Party&lt;/strong&gt; war Dienstag, nachmittags, von vier Uhr an. Wir hatten Tee und Kaffee vorbereitet, kalte Getränke, Kuchen, Nüsse und viel Obst. Wir hatten die üblichen Sorgen der Gastgeber, ob genug von allem vorhanden ist und einer sollte bereit sein, schnell in den Gemüseladen zu laufen und Obst nachzukaufen. Am nächsten Tag sollte die Wohnung dann ganz leer von Vorräten zurück gelassen werden. Aber unsere Gäste waren ganz locker, mit einem Blick haben sie gesehen, was alles auf dem Tisch stand und welche Platte geschont werden musste. Sie haben sich mühelos miteinander oder mit uns unterhalten. Keiner saß allein, die Leute haben sich gegenseitig vorgestellt oder erklärt, woher sie sich kennen. Es lief locker wie ein gut eingeübtes Spiel. &lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232986862413455682" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9N02hwoUI/AAAAAAAAARc/3fOuVCOlxFw/s400/Kopie+vom+Bthlehemteam.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;Einige sind leider nicht gekommen:&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Pierre Habasch&lt;/strong&gt;, unser Vermieter, der im anderen Flügel des Hauses wohnt. Ich habe einige Male mit ihm gesprochen. Er ist sehr besorgt über die immer kleiner werdende christliche Gemeinschaft in Bethlehem und trauert seinen wohlhabenden Freunden nach, die das Land verlassen haben. Ich habe auch mit ihm. verhandelt, als der Warmwasserboiler kaputt war; wir haben da entschieden, dass der Boiler jetzt im Sommer nicht gebraucht wird, weil die Solaranlage genug warmes und heißes Wasser liefert. Einmal war ich oben in seiner Wohnung auf einen Tee, als ich ihm den Scheck mit der Miete gebracht habe. (Und Justice, der mich hat hoch gehen sehen, hat es nicht lange ausgehalten und ist hinterher gekommen. Justice lässt keine Gelegenheit für einen Plausch aus und ist immer darauf aus, Leute kennen lernen.) Jedenfalls hatten wir Pierre Habasch eingeladen und er hat gleich gesagt, er könne es wahrscheinlich nicht schaffen. Wir haben uns dann am nächsten Tag von ihm verabschiedet, Justice und ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fuad Giacaman&lt;/strong&gt;, der Direktor des Arab Educational Institute. Er war schon mein Gast in &lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9KX2ACzkI/AAAAAAAAAQ0/XcYFu-NRJtY/s1600-h/Kopie+von+Besuch+im+AEI,+Fuad+Giacaman+und+Anonio.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232983065520950850" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9KX2ACzkI/AAAAAAAAAQ0/XcYFu-NRJtY/s200/Kopie+von+Besuch+im+AEI,+Fuad+Giacaman+und+Anonio.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Blankenfelde und hat Vorträge in Berlin gehalten. Als Nini hier war, waren wir bei ihm zu Hause und haben ihn ganz neu, als Familienvater kennen gelernt. Er repräsentiert sonst gern sein Institut, aber zuhause sitzt er im Sessel, hat ein Enkelchen auf dem Schoß und hört zu, was sein Schwiegersohn und seine Tochter mit uns diskutieren. Unser Programm begleitet er kritisch und mit hohen Erwartungen; er ist einer der wenigen Christen, die sich für dieses Begleitprogramm in Bethlehem verantwortlich fühlen. Und leider konnte er zu der Abschiedsparty nicht kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das alte Ehepaar aus Al Waladja, &lt;strong&gt;Seham und Mundir Sahem&lt;/strong&gt;, das ich einmal mit dem ganzen &lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9K9DpJcDI/AAAAAAAAAQ8/qCSPZbO3lHk/s1600-h/Ehepaar+aus+Al+Waladja.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232983704838172722" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9K9DpJcDI/AAAAAAAAAQ8/qCSPZbO3lHk/s200/Ehepaar+aus+Al+Waladja.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Team besucht habe und wo ein Teil des Teams ein zweites Mal war, eingeladen zum Essen. Sie wohnen in einem Haus, das zweimal abgerissen und zweimal wieder aufgebaut worden ist. Das ganze Dorf ist schon einmal umgesiedelt worden. Das war 1948, jetzt wird ihr Baubedarf auf ihrem eigenen Land für die nachkommende Generation eingeschränkt. Nur ein Schlafzimmer plus Küche und Bad sind für Seham und Mundir wieder aufgebaut worden. Gäste empfangen sie im Zelt vor dem Haus. Sie hatten sich so über unsere Besuche gefreut und uns Nüsse und Askadinya angeboten. Leider sind sie dann nicht gekommen und wir sind sicher, dass der Fehler bei uns lag, dass wir ihnen ein Taxi hätten schicken sollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Yussuf, Bauunternehmer aus An Nu’man und seine Tochter &lt;strong&gt;Naveen&lt;/strong&gt;, die übersetzen muss, wenn seine Englisch-Kenntnisse nicht ausreichen für die Unterhaltung. Von &lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9LeuFC_7I/AAAAAAAAARE/gMFxBXmR3D4/s1600-h/Kopie+von+Naveen+und+Kate.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232984283165163442" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://2.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9LeuFC_7I/AAAAAAAAARE/gMFxBXmR3D4/s200/Kopie+von+Naveen+und+Kate.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;den Vorjahren kannte ich Yussuf als eher reserviert und genervt von Presse und internationalem Interesse am Geschick seines Dorfes; denn alle Berichte, Dokumentationen und diplomatische Interventionen hatten nichts bewirkt. Aber dieses Jahr waren wir uns näher gekommen. Er hatte uns seine Baufirma gezeigt und erklärt: Zeig mir dein Grundstück, zeig mir dein Geld und ich stelle dir ein fertiges Haus hin. Über meine Beschreibung des Reihenhauses aus Fertigbauteilen, in dem ich meine alten Tage verbringen will, hat er nur den Kopf geschüttelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Ladenbesitzer,&lt;/strong&gt; unser Nachbar, der immer Angst hatte, wir könnten Sachen, die er in seinem Laden hatte, bei anderen kaufen. Wir haben ihn dann unauffällig in unsre Plastikbeutel gucken lassen und die Kleinigkeiten, die uns gefehlt haben, bei ihm nachgekauft. Aber wir haben ihn drei oder viermal am Tag gegrüßt, immer wenn wir auf dem Weg in die Stadt oder zu den Flüchtlingslagern bei ihm vorbei kamen. Kommt auf einen Tee rein, hat er gerufen und wir &lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9X1aay-SI/AAAAAAAAASc/6fDGfKnm1Qs/s1600-h/Kopie+von+unserem+Tante-Emma-Laden.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232997867164203298" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9X1aay-SI/AAAAAAAAASc/6fDGfKnm1Qs/s200/Kopie+von+unserem+Tante-Emma-Laden.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;haben gesagt: Ein andermal, jetzt müssen wir da und da hin. Und prompt hat er uns auf dem Rückweg gefragt, wie es da und da war und ob wir jetzt Zeit hätten. Zweimal habe ich mit ihm einen Tee getrunken. Einmal hat er für mich Brot besorgt, weil ich geklagt hatte, dass ich umsonst in der Manger Street gewesen sei, alle Bäcker hätten schon zugemacht. Warte 10 Stunden – was er mit 10 Stunden meint? 10 Jahre? Nein, du meinst 10 Minuten? Ja, natürlich, ach mein English ist so schlecht! Es hatte dann wirklich nur 8 Minuten gedauert und ich hatte Brot. Er konnte nicht zur Party kommen. Aber ich habe ihm später am Abend dieses Foto gebracht, das hat ihn doppelt gefreut, weil es einen kleinen Ausschnitt von seinen Enkeln zeigt und weil es gezeigt hat, dass ich nicht beleidigt war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Marwan von Holy Land Trust&lt;/strong&gt; kam am nächsten Tag, als wir schon am Packen und Putzen waren. Er war unser Führer in die Dörfer mit den Demonstrationen in Um Salomone and Al Khadr, hat uns zu den Bauern in ihren Feldern gebracht, die dicht an Israels neuer Grenze lagen, hat uns Kontaktleuten vorgestellt und ist überhaupt einer der verlässlichen Partner des Programms. Er war, als er am Mittwoch kurz vorbei kam, mächtig unter Druck, weil er nächste &lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9MG5ZOQDI/AAAAAAAAARM/wa7mQK88Hak/s1600-h/Marwan+vom+HLT.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232984973397344306" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9MG5ZOQDI/AAAAAAAAARM/wa7mQK88Hak/s200/Marwan+vom+HLT.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Woche mit dem Wiederaufbau eines der abgerissenen Häuser beginnt und Baumaterial, Helfer beim Bauen und vor allem die Finanzen zusammen kriegen muss. Die Familie ruft jeden Tag an und will sich vergewissern, dass er sein Wort halten und den Wiederaufbau wirklich durchführen wird. Marvan gehört zu den vielen jungen Palästinensern, die durch die israelischen Gefängnisse gegangen sind und dabei eine gewisse Furchtlosigkeit und Geringachtung israelischer Machtbezeugungen entwickelt haben. Wir haben gesehen, wie er hart an der Grenze der Provokation mit den Offizieren der Armee verhandelt hat, wenn die Demonstranten verhaftet hatten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die gekommen waren:&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Clemence, Arabisch-Lehrerin&lt;/strong&gt;, wohnt direkt an der Mauer. Die israelischen Soldaten können ihr vom Wachturm aus in die Zimmer gucken, sie hat alle ihre Felder auf der Jerusalemer Seite der Mauer verloren, einen Teil des Gartens, auf dem nun die Mauer und ein kleines Sträßchen, Zugang zu dem Kloster, das sonst ohne Eingang von Bethlehem aus gewesen wäre, gebaut worden sind. Wir sind Clemence immer freitags begegnet, wenn wir mit den Caritas-Schwestern in einer Prozession dreimal entlang der Mauer den Rosenkranz gebetet haben. Aber wir haben Clemence auch zuhause besucht. Sie ist erst seit einem Jahr Witwe und wird nicht gut damit fertig. Sie hat uns auch ihre Vorstellung über eben die Gebetsprozession an der Mauer dargestellt. Wir haben von ihr einmal mehr gelernt, wie viel mehr Gebet sein kann, als der Beobachter von außen erkennen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ghassan, der uns Battir gezeigt&lt;/strong&gt; und uns in sein Haus eingeladen hat. Von keinem anderen &lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9O_FyRySI/AAAAAAAAARk/Ib94lrpl8wk/s1600-h/Kopie+von+Ghassan.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232988137819588898" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9O_FyRySI/AAAAAAAAARk/Ib94lrpl8wk/s200/Kopie+von+Ghassan.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;haben wir so deutlich gespürt, was Land für die Palästinenser bedeutet: Land, das ihre Vorväter in Terrassen angelegt, bepflanzt geerntet, wo die Frauen den Männern zu Essen gebracht und bei der Ernte geholfen haben; Land, das viele Generationen genährt und Leben geschenkt hat. Battir, ein wunderschönes Dorf. Es hat einen eigenen Absatz im Israelisch-Jordanischen Vertrag von 1948: Die israelische Eisenbahn darf in der Talsohle durchfahren und die Bauern dürfen ihr Land beiderseits der Talsohle bearbeiten. Aber zwischen den beiden Kriegen (48 und 67) sind dort 46 Dorfbewohner von israelischen Soldaten erschossen worden. Das Tal, grün und fruchtbar, ist immer noch schön, auch wenn gerade ein Zug durchfährt. Es ist der Zug von Tel Aviv nach Jerusalem. Er fährt allerdings, ohne in Battir anzuhalten und Passagiere aufzunehmen. Einen Bahnhof gibt es seit 48 nicht mehr. Zu unserer Party war Ghassan gekommen, um uns Lebewohl zu sagen.&lt;br /&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232988739937092226" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9PiI2RwoI/AAAAAAAAARs/UIIa0Q3J-c8/s400/Kopie+von+Battir.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mohamed aus Al Khadr&lt;/strong&gt;, der in Griechenland sein Ingenieurdiplom erworben hat, der in Al Khadr im Stadtrat ist, der demnächst ein Restaurant eröffnen will und der uns eine Kostprobe seiner Kochkunst in seinem Haus vorgeführt und einen schönen Abend mit seiner Familie und anderen Lokalpolitikern arrangiert hatte. Der Stadtrat ist verzweifelt, nicht nur raubt der Bau des Sperrzauns 90 % des Landes von Al Khadr, 17 Hausbesitzer haben eine Anordnung erhalten, ihr Haus abzureißen, es stört Israels Sicherheitsbedürfnis, das heißt hier im Palästinensergebiet: die Sicherheit der Straße zu den illegalen Siedlungen. Mohamed war mit anderen Leuten aus dem Stadtrat und dem Bürgermeister und unserem Team in diesen Feldern, die zur Zeit noch zugänglich sind und hat uns dort ein Picknick serviert. Jetzt war er gekommen, um zu sehen, wie wir in Bethlehem gewohnt haben und zu sagen, dass wir auch das nächste Team zu ihm schicken dürfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gabi, einer unserer Taxifahrer&lt;/strong&gt;, der eine ganz gute Übersicht haben muss über unsere Treffen bei NGOs, über Einsätze in Konfliktgebieten und darüber, wann wir zu müde waren, um eine größere Strecke zu laufen. Gabi war nicht gut drauf, sein Taxi macht es nicht mehr lange und er hat noch nicht das Geld zusammen, um ein neues zu kaufen. Finstere Worte von Auswanderung, ein unter Christen umstrittenes Stichwort, kamen über seine Lippen. Und Justice hat ihn nach draußen begleitet, als er ging, um ihm Mut zuzusprechen, wie ein afrikanischer Pfarrer das eben tut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Suleiman Aloussi,&lt;/strong&gt; Antiquitätensammler, der mich beraten sollte, wie ich alte arabische Kalligraphien auftreiben kann, der mich zu seinem Onkel, dem Schildermaler (Calligrapher) bringen wollte. Weil ich dann, eine Woche später, Suleiman nicht finden konnte, habe ich einen Nachbarn gefragt, der hat Suleiman aus seinem Haus raus gerufen; Suleiman hat gelacht und gesagt, jetzt ist es verkehrt gelaufen, das ist mein Onkel, der Schildermaler, der dich jetzt zu mir gebracht hat. Aber die alten Kalligraphien muss ich in Ägypten suchen, fanden die beiden, in Bethlehem gibt es keinen Markt für so was, kein Geld für kostbare Antiquitäten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jamal und Ahmed aus Beit Fajjar&lt;/strong&gt;, die wir am vorletzten Tag kennen gelernt haben. Sie haben uns die berühmte Stadt der Steinbrüche und Steinmetze gezeigt. Die ganze Industrie dort ist gefährdet, weil Israel keine Maschinen mehr durch den Zoll lässt, bis die Steinmetzmeister den Vertrag unterschreiben, der Israel das Export-Monopol und die Dumpingpreise sichert. Die beiden haben die Steine am Haus unseres Vermieters betastet und beschaut und die Familie genannt, die sie zugeschnitten hat. Jamal und Ahmed sind dabei, die junge Generation von Beit Fajjar auf die Universitäten zu schicken, um sie unabhängig von der gefährdeten Industrie der Steinbrüche zu machen. Die beiden haben mir auch das Versprechen abgenommen, das nächste Team gleich am Anfang ihrer Zeit zu ihnen nach Beit Fajjar zu schicken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Majdi, Besitzer des Souvenirladens&lt;/strong&gt;, der alle Ausländer, die einmal an seinem Laden vorbeikommen, festhält und zu seinen Freunden macht. Der uns zu sich nach Hause zum Essen eingeladen und für jeden von uns heraus gearbeitet hat, was wir an Geschenken nach Hause &lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9QLgEBUcI/AAAAAAAAAR0/PiOXigUWfRo/s1600-h/Kopie+von+Majdi+zeigt+uns+Herodion.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232989450543387074" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9QLgEBUcI/AAAAAAAAAR0/PiOXigUWfRo/s200/Kopie+von+Majdi+zeigt+uns+Herodion.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;schicken und bei ihm kaufen müssen. Majdi hat selten übersehen, wenn wir an der Ecke Manger Street und San Antonio Road abgebogen sind. Er hat uns gerufen, auf einen Tee in seinen Laden zu kommen, oder er ist uns entgegen gekommen und hat gefragt, ob es uns auch wirklich gut geht. Er ist ein Meister der Kunst, Freundschaft und Geschäft zu verbinden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Rianne und Sara,&lt;/strong&gt; Freiwillige vom Alternativen Informations-Zentrum, mit denen wir oft zusammen waren, dort im AI Café oder in Oush Grab, wo wir die Versuche der Settler, das Gelände, auf dem ein Freizeitpark und ein Kinderkrankenhaus entstehen sollen, konterkariert haben, indem wir Parties und kleine Spiele-Feste veranstaltet haben. Rianne ist Holländerin, mit ihr haben Justice und ich Afrikaans gesprochen. Sara ist Italienerin, spätestens wenn sie das Handy ans Ohr nimmt und „Pronto“ ruft, wird das klar. Beide sind engagiert und zeigen auch Interesse an unserem Programm. Hier waren sie, um gute Freunde zu verabschieden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eli, eigentlich &lt;strong&gt;Elijah, der andere Taxifahrer,&lt;/strong&gt; der unser Wohl und Leid geteilt, der uns an den Straßensperren vorbei über Feldwege und durch Olivenhaine gefahren hat, damit wir an der Demonstration in Umm Salomone teilnehmen konnten. Den wir anrufen und fragen konnten, wie wir schnell und billig da und dorthin kommen könnten und der, wenn er selbst nicht fahren konnte, uns verlässliche Taxifahrer geschickt hat, mit denen wir nicht über Preise reden mussten, weil er sie vorher instruiert hatte. Einmal, am Anfang habe ich ihn angerufen: „Eli, du musst mich nach Hause bringen, ich weiß aber nicht, wo ich bin“. „Gib das Handy dem Jungen, der dort so rumschreit“, hat er gesagt und meine Not gelöst. Eli, Christ, engagiert, gut informiert und uns freundschaftlich zugetan, eine Erholung im Stress eines engen Tagesprogramms.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9Rq6m2cAI/AAAAAAAAASE/bIdt93ZNFQs/s1600-h/Kopie+von+Daniel+Rojas+Munoz.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232991089756368898" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9Rq6m2cAI/AAAAAAAAASE/bIdt93ZNFQs/s200/Kopie+von+Daniel+Rojas+Munoz.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daniel Munoz Rojas&lt;/strong&gt; vom International Committee of the Red Cross, bei dem wir zweimal gesessen und über die Verwendbarkeit unserer Beobachtungen am Checkpoint beraten haben. Er leitet die Zweigstelle des ICRC in Bethlehem und hat uns unter anderem über die Arbeit des Roten Kreuzes mit palästinensischen Gefangenen in Israelischen Gefängnissen erzählt. Das konnten wir mit Geschichten vergleichen, die wir ständig von Palästinensern gehört haben, die einige Jahre dort zugebracht haben. Daniel war einer der Gesprächspartner, bei denen wir das Gefühl hatten, unsere Arbeit wird auch von großen Organisationen geschätzt. Beim zweiten Besuch waren wir eingeschlossen, weil alle anderen Mitarbeiter gegangen waren. Daniel musste aus dem Fenster klettern und versuchen, im Nachbarhaus einen Schlüssel zu finden. „Gefangenenbefreiung“ haben wir das genannt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann gab es einige Freunde, die wir gar nicht erreicht hatten, die vielleicht im Ausland waren oder auf Dienstreisen, wo sie nicht gestört werden wollten. Wir hätten noch viel mehr einladen können.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Suleiman al Hamri,&lt;/strong&gt; Leiter der Abteilung im Innenministerium der Autonomiebehörde, die mit Nichtregierungsorganisationen arbeitet. 550 davon gibt es im Gebiet von Bethlehem. &lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9RMNxPhnI/AAAAAAAAAR8/3WlBcCccxPU/s1600-h/Kopie+von+Suleiman+Al+Hamri.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232990562324285042" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9RMNxPhnI/AAAAAAAAAR8/3WlBcCccxPU/s200/Kopie+von+Suleiman+Al+Hamri.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Suleiman war sehr streng und dogmatisch in der Beurteilung dieser Organisationen, was ihre politische Zielsetzung betrifft. Alles, was auf eine Erleichterung der gegenwärtigen Situation ausgerichtet ist, ist für ihn „Normalisierung“ und verhindert das eine große Ziel, die Okkupation anzuprangern und zu beenden. Als wir bei Suleiman zu Hause waren und ihn als Gastgeber kennen gelernt haben, fanden wir einen hingebungsvollen Vater und gebildeten Gesprächspartner. Leider haben wir uns dann nicht mehr vin ihm verabschieden können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die „Party“ selbst,&lt;/strong&gt; von vier Uhr nachmittags bis zum frühen Abend war für uns alle schön und schmerzlich. Wir haben empfunden, dass wir in dieser kurzen Zeit auch bei nur zufälligen Begegnungen gute Freunde gefunden haben. Von ihnen haben wir kritische Fragen zu unserer Arbeit gehört: Könnt Ihr was an der Politik des Wegschauens der Europäer ändern? Wollt Ihr wiederkommen? Könnt Ihr unsere Mutlosigkeit verstehen? Könnt ihr uns Mut machen? Vor allem aber haben wir dieses Gefühl der Freundschaft und Zusammengehörigkeit empfunden. Der Satz darüber, dass unsre Welt klein geworden ist und das Unrecht in einer Region ein Unrecht an der ganzen Welt ist, ein Schmerz, der einem einzigen Volk zugefügt wird, der internationalen Gemeinschaft weh tut – wir haben diesen Satz als ein starkes Gefühl in uns wachsen sehen. Wir gehen von Bethlehem weg und nichts hat sich zum Besseren gewendet. Trotzdem glauben wir, dass das Ende des Leidens für die Palästinenser kommt. Wir hoffen, dass das berühmte Licht am Ende des Tunnels bald sichtbar wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachtrag, 23. Juli 08&lt;br /&gt;Heute haben wir Bethlehem verlassen. &lt;strong&gt;Im Checkpoint,&lt;/strong&gt; schon auf der Jerusalemer Seite haben &lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9VLkx_CLI/AAAAAAAAASM/u_ecXBYD9lM/s1600-h/IMG_1248.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232994949368055986" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9VLkx_CLI/AAAAAAAAASM/u_ecXBYD9lM/s320/IMG_1248.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;wir einige der Arbeiter getroffen, die wir von den morgendlichen Checkpoint Watches kennen. Sie sind stehen geblieben, ihre müden Gesichter freundlich auf uns gerichtet, ohne sich um die israelischen Wachleute zu kümmern: Masa lkher! Masa nnur! Kiif haalak? Mabsuu tiin ilhamdilla! Geht ihr weg? Ja, unsere Zeit ist um. Das ist schlecht! Aber danke, dass ihr da wart. Und die Männer, die uns doch eigentlich fremd sind, haben da einen Augenblick lang traurig gestanden. Dann haben sie wiederholt: Also, Dankeschön! Shukran! Wa ma’i ssalaame! Ma’i ssalaame! Und uns war ganz wehe, mit dem grauenhaften Checkpoint im Rücken.&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-5656876914283983193?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/5656876914283983193/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=5656876914283983193' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/5656876914283983193'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/5656876914283983193'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/08/unsere-gste-bei-der-abschiedsparty.html' title='Unsere Gäste bei der Abschiedsparty'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9N02hwoUI/AAAAAAAAARc/3fOuVCOlxFw/s72-c/Kopie+vom+Bthlehemteam.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-8087843298045181672</id><published>2008-08-10T11:40:00.000-07:00</published><updated>2008-08-10T12:46:58.370-07:00</updated><title type='text'>Justice aus Südafrika</title><content type='html'>&lt;span style="font-family:lucida grande;color:#cc0000;"&gt;&lt;strong&gt;Peace is the fruit of Justice&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;Schrift auf einem palästinensischen T-shirt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#cc0000;"&gt;Give us justice and we will reward you with Peace&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Graffito an der Mauer in Bethlehem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#cc0000;"&gt;Justice and onlyJustice &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Buchtitel mit der Befreiungstheologie aus Palästina&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch einmal: An Nu’man, ein von der Sperranlage isoliertes Dorf. Wir stehen unschlüssig vor der Eingangstür, halb im Garten. Ein älterer Mann steht im Schatten eines Baumes, wir erkennen ihn spät. Wir grüßen und fragen, ob wir hier richtig sind bei Jawal Dirawi. „Ja, der wohnt hier“, ist die Antwort. „Wir wollen ihn besuchen“. „Ahlan wa sahlan, er ist bei seinen Tauben. “Und der Mann, der sich später als Dr. Ibrahim Dirawi vorstellt, führt uns tiefer in den Garten zu der Voliere, wo Jamal Dirawi beim Füttern der Tauben ist. Ich habe die Geschichte an anderer Stelle weiter erzählt.&lt;br /&gt;Und jetzt folgt die Vorstellung, die sich oft ähnlich abgespielt hat, wenn Justice und ich gemeinsam unterwegs waren und die gleichzeitig als Gesprächseinleitung diente:&lt;br /&gt;I am Justice from South Africa.&lt;br /&gt;Justice? Gerechtigkeit? Das ist Ihr Name?&lt;br /&gt;Ja, das ist mein Name. Und hier ist Gottfried aus Deutschland. Sein Name bedeutet „Bei Gott ist Frieden“.&lt;br /&gt;Na, das ist ja phantastisch – Gerechtigkeit und Frieden kommen uns besuchen! Ahlan wa sahlan! Willkommen. Kommen Sie und setzen Sie sich! Frieden – bitte setzen Sie sich hierher.&lt;br /&gt;Aber Gerechtigkeit zuerst!&lt;br /&gt;Wie bitte?&lt;br /&gt;Ich meine, Gerechtigkeit kommt vor Frieden, Gerechtigkeit soll sich zuerst niederlassen.&lt;br /&gt;Gut, sehr gut, reden wir über Politik, nichts leichter als das, wenn man Gerechtigkeit und Frieden zu Besuch hat… &lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9DWlH9nBI/AAAAAAAAAQs/-WnjCDGZUUM/s1600-h/Justice+vom+EAPPI.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232975347229498386" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9DWlH9nBI/AAAAAAAAAQs/-WnjCDGZUUM/s320/Justice+vom+EAPPI.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So verlief unsere Vorstellung und Begrüßung in an Nu’man, als wir der pauschalen Einladung Jamal Dirawis, der uns einige Tage vorher am Checkpoint getroffen hatte, gefolgt waren. Und so ähnlich verlief das öfter. Der Name „Justice“ und das Herkunftsland Südafrika waren immer wieder ein einfacher Gesprächseinstieg. Gerechtigkeit ist ein großes Wort in Palästina. Frieden dagegen ist ein herunter gekommenes suspektes Wort, das zu oft verraten und missbraucht worden ist. Nur im Zusammenhang mit Gerechtigkeit erhält das Wort einen Sinn. Und da waren wir natürlich schon mitten im Thema.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Al Khadr hatten wir beide die Namen Jaddal (Gerechtigkeit) und Salaam (Frieden). Ismael, ein sehr temperamentvoller Mann aus dem Stadtrat hat uns einfach umbenannt. „Jaddal, was ist los, unser Fernsehen zeigt uns schlechte Nachrichten aus Südafrika ? Oder: „Salaam, habe ich Sie nicht heute früh im Checkpoint gesehen?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ist Gerechtigkeit, war die Frage, mit der unser Gespräch in Al Khadr fortgeführt worden war. Gerechtigkeit, das ist… fingen wir an zu stottern und suchten nach einfachen Bildern.&lt;br /&gt;Wenn sich die Anordnung zum Hausabriss als Irrtum erweist, fange ich an&lt;br /&gt;Wenn die Sperranlage an die Waffenstillstandslinie von 1948 zurück verlegt wird&lt;br /&gt;Wenn die Bauern ungehindert auf ihre Felder dürfen&lt;br /&gt;Wenn der Bürgermeister zu der Internationalen Konferenz in die Niederlande fahren darf, fällt der Bürgermeister ein, weil er doch einen jordanischen Pass und ein Visum aus den Niederlanden hat&lt;br /&gt;Wenn die Mütter ihre kranken Kinder in die palästinensischen Krankenhäuser in Ostjerusalem bringen dürfen&lt;br /&gt;Und so geht das weiter. Die Liste ist lang. Alle versuchen, ganz praktische Beispiele zu nennen, keine ideologischen Formeln. Die Behinderungen des besetzten Palästina werden aufgezählt. Sie sind außerhalb jeden gesunden Rechtsempfindens, sie widersprechen dem Völkerrecht, sie widersprechen teilweise israelischem Recht, Gerichtsurteile werden aber notfalls von der Armee für nichtig erklärt, wenn Sicherheitsinteressen des Landes gegen sie sprechen.&lt;br /&gt;Gerechtigkeit ist zu einer Utopie geworden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gerechtigkeit ist auch ein Name Gottes, in den Heiligen Büchern der Juden, der Christen und der Muslime. Oder nur ein Merkmal der Herrschaft Gottes, auf die wir so sehnlich warten?&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5232974450810687026" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://3.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9CiZtEDjI/AAAAAAAAAQk/2968GMVEJk8/s400/Justice+und+Gottfried+4.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;Zurück zu Justice, dem Pfarrer aus Südafrika. Hier ist er einer von vier Freiwilligen im Team des Weltkirchenrates, das dieses Begleit-Programm in Israel/Palästina durchführt. Wir sind Freunde geworden in diesen Wochen, die wir in Bethlehem zusammen verbracht haben. Ein schönes Foto bleibt mir als Erinnerung, mit dem T-shirt, das wir beide geschenkt gekriegt haben. Und mit dem Buch von Naim Ateek. Und die Mahnung, dass Namen nicht nur Schall und Rauch sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color:#cc0000;"&gt;&lt;strong&gt;Und das wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird, „der Herr unsere Gerechtigkeit“&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;Die Bibel, Jeremia 23 Vers 6 &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-8087843298045181672?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/8087843298045181672/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=8087843298045181672' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/8087843298045181672'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/8087843298045181672'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/08/justice-aus-sdafrika.html' title='Justice aus Südafrika'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_CljQpcXFJ-Q/SJ9DWlH9nBI/AAAAAAAAAQs/-WnjCDGZUUM/s72-c/Justice+vom+EAPPI.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-1627517832275821003</id><published>2008-07-22T10:41:00.000-07:00</published><updated>2008-07-22T12:13:44.829-07:00</updated><title type='text'>Illegal im eigenen Haus</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#006600;"&gt;Zu Besuch in An Nu'man&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; &lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;Wir sitzen in einem Garten in An Nu’man, einem kleinen Dorf östlich von Jerusalem. Es ist ein warmer Sommertag. Jamal Dirawi, der Hausherr, hat uns seine Taubenzucht gezeigt, die umliegenden Dörfer, die man über das Tal weg sieht, und die Bäume, unter denen wir jetzt sitzen, die über den Sommer verteilt Mandeln, Askadinia, Pfirsiche und Birnen tragen werden. „Was ist das für ein Programm, in dem ihr arbeitet? Was heißt ökumenisch?“, fragt Jamal.&lt;br /&gt;Wir erzählen vom ÖRK und von der Zusammenarbeit der Kirchen in der Welt. Wir nennen ihm die Herkunftsländer unseres Teams: Schweden, USA, Deutschland und Südafrika. Seit sechs Jahren kommen Freiwillige nach Palästina und Israel, um die Situation der Leute aus der Nähe kennen zu lernen, um ihre Solidarität mit denen zu zeigen, die unter dem Konflikt und der Besetzung Palästinas leiden, und um später zu Hause, in ihren Kirchen und ihren &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SIYjNw0-9hI/AAAAAAAAAP0/Mpm8pfUYmuo/s1600-h/An+Nu%27man+1.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5225903136962442770" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SIYjNw0-9hI/AAAAAAAAAP0/Mpm8pfUYmuo/s320/An+Nu%27man+1.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Herkunftsländern, davon zu berichten. „Das ist nötig“, seufzt Jamal, „die Welt hat sich darauf eingespielt, weg zu gucken und nicht zu sehen, was hier geschieht.“ Es klingt bitter. Er macht eine große Handbewegung über sein Haus, sein Dorf und das Tal unter uns. Die israelische Sperranlage zieht sich als Zaun mit Wachtürmen und mit der Straße für Militärfahrzeuge quer durch die Landschaft. „Hier herrscht Krieg“, sagt er, „unser Land wird gestohlen, unser Wasser wird abgeleitet und wir müssen es teuer zurück kaufen. Wir leben in unserem eigenen Dorf wie Gefangene, wie Freigänger in einem Gefängnis. Aber warum seid ihr hier, was kann Menschen, die aus so schönen Ländern kommen, in dieses deprimierende Land bringen?“&lt;br /&gt;Und wieder erklären wir. Justice erzählt vom langen Freiheitskampf in Südafrika und davon, wie sich das Leben jetzt ändert. Er möchte etwas von den guten Entwicklungen weiter geben, die sein Land erlebt. Ich erzähle von meiner Kindheit in der DDR, von meiner Jugend in den Zeiten des Kalten Krieges, der mich von meinen Eltern und Schwestern getrennt hatte. Und von der Nacht, in der ich gesehen habe, wie die Menschen in Berlin die Mauer sozusagen durchbrochen haben. Wir reden über Hoffnung und über das Ende von Unrechtssystemen, die wir erlebt haben. Wo die Welt nichts mehr erwartet hat, haben die Menschen gewonnen, die an das Unwahrscheinliche geglaubt haben.&lt;br /&gt;Jamals Blick bleibt an dem dürren kleinen Baum in seinem Garten hängen. Ibrahim, sein älterer Cousin folgt seinem Blick und erklärt, dass das Wasser immer wieder gesperrt wird, angeblich wegen Problemen beim Bau der Straße. Aber die Straße ist längst fertig. „Sie sperren uns auch den Strom regelmäßig. Die Telefonleitung ist ganz abgeschaltet. Sie wollen, dass wir das Dorf verlassen.“ Da sind wir beim Thema.&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#006600;"&gt;Ein bürokratischer Fehler&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SIYj3Fw2GZI/AAAAAAAAAQM/lxfkGbVXSqE/s1600-h/An+Nu%27man+4.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5225903846956865938" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SIYj3Fw2GZI/AAAAAAAAAQM/lxfkGbVXSqE/s320/An+Nu%27man+4.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;An Nu’man ist ein sehr kleines Dorf mit 20 Häusern und ebenso vielen Familien. Eigentlich sind es zwei große Familien mit etwa 220 Einwohnern, die hier wohnen und denen das Land gehört. An Nu’man gehört seit 1967 zu dem Teil Palästinas, das Israel zum Stadtgebiet Jerusalems zugefügt und annektiert hat. Die Dorfbewohner waren aber nicht als Bürger Jerusalems anerkannt worden; sie behielten ihre palästinensischen Ausweise. Später hat die Stadtverwaltung das als Versehen erklärt. Für das Leben im Dorf hatte sich nichts geändert: Man hatte, wie vorher schon, die ärztliche Versorgung und die Krankenhäuser in Jerusalem genutzt, die höheren Schulen, Arbeitsplätze und Bildungseinrichtungen. Es war ein Fußweg bis in den nächsten Vorort, der mit Autobussen an das Verkehrsnetz Jerusalems angebunden war. Aber Freunde und Verwandte wohnten auch in den nächsten palästinensischen Dörfern. Das Leben blieb dörflich und durch die Arbeit auf den Feldern geprägt. &lt;br /&gt;Das hat sich erst geändert, als Israel 2002 seine Sperranlage gebaut hat und einen Kontrollpunkt, den nun jeder passieren musste, der in die Nachbardörfer wollte. Jetzt waren die Bewohner von An Nu’man von allen abgeschnitten: In Israel gelegen, mit palästinensischen Ausweisen ausgestattet, galten sie als illegal in ihren eigenen Häusern. Der Feldweg nach Jerusalem wurde zugeschüttet und bewacht, niemand durfte nach Jerusalem gehen, Autos konnten nicht mehr fahren. Es blieb nur der Weg durch die Sperranlage bzw. der Kontrollpunkt unten im Tal. Verwandte, Freunde, Geschäftspartner und Ärzte wurden nicht mehr durch den Kontrollpunkt gelassen. Auch wir haben immer wieder Schwierigkeiten, passieren zu dürfen. Das Schlimme aber ist, dass die Soldaten an diesem Kontrollpunkt Willkür und Schikanen walten lassen. Als ich das erste Mal 2006 von Jerusalem aus das Dorf besuchte, war ein Bauer auf seinen Esel gebunden worden; der Esel war in Panik ausgebrochen und hatte den Mann hinter sich her geschleift; das hat der Bauer nicht überlebt. Es gab einen Prozess vor dem Verfassungsgericht, wo diese Fälle – von der Militärbehörde geleugnet – das Anliege&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SIYjOOlDYCI/AAAAAAAAAP8/NZ8H0xvORWc/s1600-h/An+Nu%27man+2.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5225903144948686882" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SIYjOOlDYCI/AAAAAAAAAP8/NZ8H0xvORWc/s320/An+Nu%27man+2.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;n des Dorfes stützen sollten, entweder die Sperranlage so zu verlegen, dass das Dorf im Palästinensischen Gebiet liegt, oder den Bewohnern Jerusalemer Ausweise zu geben und den Zugang dorthin wieder zu öffnen.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#006600;"&gt;Demonstration der Siedler&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Damals, 2006, habe ich eine Demonstration jüdischer Siedler miterlebt, die den Bau einer Straße nach Jerusalem durch die Felder von An Nu’man forderten. Bei dieser Demonstration waren Armee und berittene Polizei zum Schutz der Siedler eingesetzt worden. Damals habe ich gelernt, dass nach israelischer Sicherheitsauffassung nicht die gut bewaffneten Siedler für die Dorfbewohner gefährlich sind, sondern umgekehrt die Dorfbewohner für die Siedler. Und ich habe gelernt, dass die Siedler professionell vorgehen und bestens organisiert sind. Die Siedler haben ihre Straße bekommen. Sie ist tief in den Berg eingesprengt, der früher An Nu’man mit Jerusalem verbunden hat. Jetzt ist dort kein Durchkommen mehr.&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Vor einem Jahr, im Sommer 2007, war ich bei der Anhörung im Verfassungsgericht dabei. Der Spruch der Richter hat „beiden Seiten“, der Armee, die die Sperranlage bewacht und dem Dorf, das von ihr eingeschlossen wird, auferlegt, ihre Beziehungen zu verbessern. Wie sollen die Dorfbewohner ihre Beziehung zur Sperranlage und zu den Soldaten verbessern? Ein endgültiges Urteil war verschoben worden.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#006600;"&gt;Keine Gäste für An Nu'man&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wir sitzen, zwei Gastgeber im eingesperrten Dorf und zwei Besucher aus der weiten Welt, im Garten. Nur Ausländer dürfen noch durch den Checkpoint. Das Abendlicht taucht alles in freundliche Farben. Unsere Gastgeber sind fast überschwänglich. Schon lange sei es her, dass sie Gäste gehabt hätten. Sein Salon – er zeigt auf die beiden großen Fenstern im Obergeschoss – sei verweist. Früher war sein Haus bekannt in ganz Palästina, erzählt er. Aber jetzt sei er abgeschrieben. &lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5225906739134751106" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SIYmfb9yYYI/AAAAAAAAAQU/Qew24-rNm5k/s320/An+Nu%27man+5.JPG" border="0" /&gt;Zwei Tauben spielen ihr Spiel: Der Täuberich steckt der Taube Essen in ihren Schnabel. Es ist eine lange, tänzelnd ausgeführte Szene. „Pass auf, was er vorhat“, sagt lachend Jamal. Der Täuberich, nach gelungenem Transfer des Geschenkes, springt auf die Taube und tut, was Täuberiche und andere Hähne in aller Welt tun. Die Männer lachen und entschuldigen sich sofort: Sie würden nur lachen, weil unser Besuch sie so glücklich mache. „Wir kriegen doch praktisch keine Gäste mehr“, wiederholt er.&lt;br /&gt;Dieses Jahr, am 9. Juli 2008, wird der Fall wieder aufgerufen. Und das war der Grund, warum wir diesen Besuch bei Jamal Dirawi in An Nu’man gemacht haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#006600;"&gt;Unterstützung für An Nu'man - Nachtrag 5. Juli&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Unterdessen sind zwei Wochen vergangen. Heute Abend werden wir zu einem Vortrag gehen, den Jamal Dirawi, Richter am Schiedsgericht in Ramallah, über die Situation seines Dorfes halten wird. Dabei wird er, unterstützt von der palästinensischen Menschenrechtsorganisation Al Haq, auch über den Prozess und den Termin in der nächsten Woche berichten. Ich habe keine Hoffnung auf ein Urteil zugunsten des Dorfes – Verlegung der Sperranlage oder Legalisierung innerhalb Jerusalems. Aber meine Aufgabe ist es, Hoffnung zu unterstützen und an das Unwahrscheinliche zu glauben. Wie soll ich das für die Dorfbewohner tun? Werden die Kinder von An Nu’man das Ende der unseligen Besatzung erleben? Und wie bald? Wird meine Kirche ihr eigenes Trauma, die Schuld gegenüber den Juden, so handhaben können, dass sie die Tabusprache gegenüber Israel, die jede wirkungsvolle Kritik an der israelischen Politik behindert, überwinden kann? Ich glaube, sie wird, und ich hoffe, sie tut es bald.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SIYj3FKdzEI/AAAAAAAAAQE/WLrpFfAORUY/s1600-h/An+Nu%27man+3.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5225903846795889730" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SIYj3FKdzEI/AAAAAAAAAQE/WLrpFfAORUY/s320/An+Nu%27man+3.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#006600;"&gt;Das Urteil - Nachtrag am 12. Juli 08:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Das Gericht hat gegen das Dorf entschieden, die Sperranlage ist endgültig, die Dorfbewohner müssen einzeln beim Innenministerium Israels Anträge auf Wohnrecht in ihren Häusern stellen, was sie schon dreimal vergeblich getan hatten. Unser Team war heute in An Nu’man und hat sich verabschiedet. Ich habe versprochen, dass ich in einigen Wochen wiederkommen und das neue Team vorstellen werde. Es wird die Aufgabefortführen, die Hoffnung wach zu halten. &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-1627517832275821003?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/1627517832275821003/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=1627517832275821003' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/1627517832275821003'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/1627517832275821003'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/07/illegal-im-eigenen-haus.html' title='Illegal im eigenen Haus'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SIYjNw0-9hI/AAAAAAAAAP0/Mpm8pfUYmuo/s72-c/An+Nu%27man+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-4491294141700658314</id><published>2008-07-04T08:57:00.000-07:00</published><updated>2008-07-04T09:16:03.583-07:00</updated><title type='text'>Groß Israel</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;10 Agorot&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Es ist eine kleine Münze, aber sie hat großen Ärger gemacht, eine Zehner-Münze mit dem Wert &lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SG5I_IDI99I/AAAAAAAAAPM/Kq6XfgrIG10/s1600-h/IMG_0491.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5219189267498596306" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SG5I_IDI99I/AAAAAAAAAPM/Kq6XfgrIG10/s320/IMG_0491.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;von 2 Cent. Sie sieht aus wie ein Groschen, 10 dieser Zehner haben den Wert eines Schekels. Sie zeigt auf der einen Seite die Zahl 10 und den Schriftzug „Agorot“ in hebräischen und in lateinischen Buchstaben. Auf der anderen Seite zeigt sie im Halbkreis von drei Schriftzügen den Staatsnamen Israel, hebräisch, arabisch und lateinisch. Darüber ist sehr klein und kunstvoll das Siegel der Israelischen Bank aufgeprägt, eine Menora von zwei Ähren gerahmt und sehr groß: das Bild.&lt;br /&gt;Das Bild: Eine Menora, der siebenarmige Leuchter und darunter ein Umriss, nicht rund, nicht eckig, einfach unförmig. Aber dieses Bild, das religiöse Symbol des siebenarmigen Leuchters mit diesem Umriss – dieses Bild ist das Ärgernis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Drecksgeld&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Ein palästinensischer Busfahrer hat, als ich ihm 5 dieser 10-Agoroth-Münzen für einen halben Schekel (dem Äquivalent von 50 Agorot) geben wollte, verärgert reagiert: Dreck, nichts wert, das soll ich wieder nach Israel bringen, dort arbeiten sie mit diesem Mistgeld… Der ganze Bus hat gelacht. Aber ich war verunsichert, weil ich schon einige Male unwirsch zurück gewiesen worden war, wenn ich jemandem mit dieser Münze gekommen war. In Ostjerusalem und in Palästina werden nur die Münzen mit dem Wert 1 und 2 und ½ Schekel benutzt. Alle Zahlen hinter dem Komma werden auf halbe oder ganze Schekel auf- oder abgerundet. Der Groschen wird nicht gebraucht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Zeit für Geschichten&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Eines Tages hat mir ein junger Palästinenser die Geschichte erzählt, die Geschichte zum Ärgernis. Wir waren in Abu Gosh zusammen, einem ehemaligen Standort der Israelischen &lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SG5JkRS2TLI/AAAAAAAAAPU/Q6JYG1EImeo/s1600-h/IMG_0367.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5219189905635560626" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SG5JkRS2TLI/AAAAAAAAAPU/Q6JYG1EImeo/s320/IMG_0367.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Armee. Das Gelände gehört der Gemeinde von Beit Sahour, einer der Nachbarstädte von Bethlehem, aber die jüdischen Siedler haben ein Auge darauf geworfen. Sie haben einige Wochen lang jeweils vor dem Sabbat versucht, das Gelände zu besetzen. Einige Nichtregierungsorganisationen, vor allem ihre internationalen Freiwilligen, haben im Gegenzug versucht, an Freitagen noch vor den Siedlern dort zu sein, die rassistischen und zionistischen Sprüche der Siedler zu übermalen und das Gelände zu benutzen. Auf dem Gelände will die Stadt Spielplätze, einen Park und ein Kinderkrankenhaus bauen. Die Aktionen sollen zeigen, dass dieses Gelände nicht für neue illegale Siedlungen zur Verfügung steht. An diesem Tag haben wir Bingo gespielt. Etwa 40 Leute waren auf dem kleinen Hügel zwischen den Bauruinen versammelt und haben sich vergnügt. Falls Siedler kommen würden, sollte ein Schild mit der Aufschrift „Bingo: Mitspielen für 2 Schekel“ sie zum Mitspielen einladen. Die Losung hieß: Keine Provokation, keine Handgreiflichkeiten – nur die freundliche Einladung.&lt;br /&gt;Als ich meine 2 Schekel bezahlen wollte, mehr aus Spaß, denn um Geld ging es ja gar nicht, fiel mir eine 10 Agorot Münze aus dem Geldbeutel. Der Palästinenser neben mir, Walid nahm sie mit spitzen Fingern und warf sie mir zu. Und dann erzählte er erst die Geschichte zur Münze und dann die Geschichte zur Geschichte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#993300;"&gt;Groß-Israel&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Was siehst Du? fragte er mich. Sieht komisch aus… Was für ein Umriss ist das? Ein misslungner Pfannkuchen. Guck genau hin! Siehst du die Mittelmeerküste von Libanon bis zum Nil? Echt, das soll die Mittelmeerküste sein? Was ist dann das große Land östlich davon? Na, vielleicht Israel, Palästina, Jordanien? Und Syrien und Irak! Das ganze ist Groß-Israel, dominiert von der Menora. Das ist doch nicht dein Ernst, habe ich eingewendet. Meiner nicht, das ist der Traum &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SG5KG47CC6I/AAAAAAAAAPk/8oM2E5zNAac/s1600-h/IMG_0489.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5219190500388637602" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SG5KG47CC6I/AAAAAAAAAPk/8oM2E5zNAac/s320/IMG_0489.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;der Zionisten, behauptete Walid. Eine so kleine unbedeutende Münze mit dem Traum von einem so großen Groß-Israel? Israel vom Nil bis zum Euphrat? Ja, sagte Walid, die Landkarte von Groß-Israel und die Menora darüber. Die anderen Palästinenser lachten. So ist das hier, sagte die Holländerin, hier haben alle eine Geschichte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Ein Gastgeschenk&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Und dann erzählte Walid die zweite Geschichte. Ein Israeli sei bei ihm zu Hause gewesen, ein Studienfreund. Nachdem der Gast die Toilette benutzt habe, habe Walid im Regal eine 10-Agoroth-Münze gefunden, habe sie dem Besucher gebracht und zurückgeben wollen. Nein nein, habe der gesagt, das sei ein guter Brauch, so wünsche man Freunden Segen für das Haus, die Münze habe eine freundliche Bedeutung. Nimm das mit, das will ich nicht in meiner Toilette haben, hat Walid den israelischen Besucher beschieden und die Geschichte beendet.&lt;br /&gt;Mir wollte Walid mit der Geschichte zur Geschichte bewiesen, dass dies eine kleine feindselige Münze mit dem Traum der Zionisten sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#333399;"&gt;Bingo ohne Siedler&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unser Bingospiel ging gut zu Ende. Siedler waren keine gekommen. Einige von uns bedauerten das, schließlich hätte man gern ihre Reaktion gesehen. Die drei Soldaten, die uns beobachten und Verstärkung holen sollten für den Fall, dass die Siedler wirklich wieder auftauchen und beschützt &lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SG5JkvriExI/AAAAAAAAAPc/sq9JkUK_-0s/s1600-h/IMG_0368.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5219189913792156434" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SG5JkvriExI/AAAAAAAAAPc/sq9JkUK_-0s/s320/IMG_0368.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;werden müssten, haben von ihrem Kommandeur Weisung erhalten, uns vom Gelände zu schicken, was wir befolgt haben. Einer der Palästinenser hat ihre telefonischen Verhandlungen abgehört. Sie hatten dem Kommandeur den Vorschlag gemacht, uns wegen unerlaubten Glücksspiels zu belangen. Aber so weit wollte der Kommandeur offensichtlich nicht gehen. Er hat wohl befunden, das sei doch ein Spaß von uns, denn der Soldat am Telefon hat ihm beteuert, nein, das sei gar nicht witzig… Der Vormittag war vergnüglich verlaufen, der Sabbat war nahe, keine gewalttätigen Aktionen für die nächsten Tage auf diesem Gelände zu erwarten. Zuhause habe ich den Computer aufgetan und nachgeschlagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#993300;"&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;Die wahre Geschichte&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Und da war wirklich die Geschichte: Die Münze hat ihre neuzeitliche Geschichte im Zusammenhang mit dem Wechsel vom israelischen Pfund zum Schekel, ihren antiken Bezug und ihren Skandal.&lt;br /&gt;Als die 10-Agorot-Münze 1988 im Zug einer Währungsreform in Umlauf kam, hat Arafat eine Pressekonferenz einberufen und Israel beschuldigt, mit dieser Münze eine Karte des künftigen Groß-Israel vom Nil bis zum Roten Meer und zum Euphrat in Umlauf zu bringen. Das sei zionistischer Expansionismus. Soweit der Vorwurf, der einen weiten Nachhall in der arabischen Welt hatte.&lt;br /&gt;Die Bank von Israel gab sich ganz überrascht und trat mit dem antiken Vorbild der Agorot-Münze an die Öffentlichkeit. Diese ist für die Zeit um 40 vor der Zeitrechnung belegt: eine Münze, von dem letzten Hasmonäer-König, Mattathias Antigonus II., geprägt. Von dieser alten Münze gibt es Bilder im Nationalmuseum. Da das originale Fundstück nicht mehr neu und leicht beschädigt war, hat es angeblich den Umriss, der jetzt auf der modernen Nachahmung zu sehen ist. Der Umriss ist nicht identisch, der israelische Künstler, der die  Münze entworfen hat, hat von seiner künstlerischen Freiheit Gebrauch gemacht. Aber sie sei keine Landkarte. Soweit die Erklärung.&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SG5KHKnJRnI/AAAAAAAAAPs/zLwnziqr-mM/s1600-h/IMG_0370.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5219190505137063538" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SG5KHKnJRnI/AAAAAAAAAPs/zLwnziqr-mM/s320/IMG_0370.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Geschichte von dem verräterischen Umriss indessen, sie bleibt lebendig. Sie hat ihre Wahrheit in dem Misstrauen der Palästinenser gegenüber den aggressiven Zionisten, die immer wieder Ölbaum-Plantagen abbrennen, in ihre kleinen Dörfer eindringen, die nahe bei den großen Siedlungen in den besetzten Gebieten liegen und die Vorposten bauen, wo später Siedlungen von der Regierung anerkannt werden sollen. Das Misstrauen wird täglich von Meldungen dieser Art genährt.&lt;br /&gt;Und die heimliche Einlagerung in palästinensischen Toiletten?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-4491294141700658314?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/4491294141700658314/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=4491294141700658314' title='5 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/4491294141700658314'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/4491294141700658314'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/07/gro-israel.html' title='Groß Israel'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SG5I_IDI99I/AAAAAAAAAPM/Kq6XfgrIG10/s72-c/IMG_0491.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-7175154265856369498</id><published>2008-06-22T10:12:00.000-07:00</published><updated>2008-06-22T11:13:13.713-07:00</updated><title type='text'>Nachts am Kontrollpunkt</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Zwei Uhr dreißig&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Samuel steht jeden Morgen um zwei Uhr auf und geht zum Kontrollpunkt, zum Grenzübergang zwischen Bethlehem und Jerusalem. Er will unbedingt unter den ersten sein wenn das Tor geöffnet wird. Wenn er kommt, sitzen schon ein halbes Dutzend oder mehr Männer vor dem Eingang der Kontrollanlage. Sie haben sich Kartons mitgebracht, zum Teil neben den Müllbehältern aufgelesen, darauf sitzen sie, zwei von ihnen haben sich auf Pappe gelegt und mit Pappe zugedeckt, es sieht aus wie ein Pappsarg. Darunter schlafen sie. Aber sie werden unter den ersten sein, die um fünf Uhr in die Kontrollanlage eingelassen werden. Es ist ruhig um diese &lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6LADaacNI/AAAAAAAAAOM/Zmrd908l_KU/s1600-h/nachgeholter+Schlaf+im+K%C3%A4fig.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5214758251573965010" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6LADaacNI/AAAAAAAAAOM/Zmrd908l_KU/s200/nachgeholter+Schlaf+im+K%C3%A4fig.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Zeit. Die großen Lichtstrahler, die 9 Meter höher oben auf der Mauer angebracht sind, sind noch nicht eingeschaltet. Und der Wind, der vor Sonnenaufgang aufkommen wird, ist auch noch still. Alle paar Minuten kommen mehr Männer, setzen sich oder lehnen sich an die stählernen Gitterstäbe, die hier den 300 Meter langen Käfig bilden, durch den die Männer jeden Morgen geschleust werden. Ab und zu leuchtet ein Feuerzeug auf und Zigarettenrauch weht herüber.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Samuel&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Samuel wohnt in einem Dorf nahe bei Herodion, südöstlich von Bethlehem. Es ist zu weit, um jeden Tag mit dem Taxi zu fahren, viel zu früh für eine Buslinie. So schläft Samuel bei einem Bruder in Bethlehem und läuft jede Nacht zum Kontrollpunkt. Seine Familie sieht er, wenn es gut geht, nur am Wochenende. Er hat keine feste Arbeit. Er muss sich an die große Kreuzung in die Gilo-Siedlung stellen und warten, ob ihn jemand für den Tag anheuert. Wie lange steht er dort? Bis 9 Uhr, danach hat er keine Chance mehr, angeheuert zu werden. Und dann fährt er auch nicht gern nach Hause, weil er der Familie kein Geld und nichts zu essen bringen kann. Hat er eine Arbeitserlaubnis? Ja, aber die läuft am Ende der Woche ab. Danach, hofft er, kriegt er eine neue, beantragt ist sie schon; aber es wird schwer, weil er keinen festen Arbeitsplatz hat. Samuel hat drei Kinder, einen Jungen und zwei Mädchen. Der Junge bereitet sich auf die Oberschule vor. Wenn er es schafft, kann die Familie in einigen Jahren auf ein besseres Einkommen hoffen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Die Frauen&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Samuel ist sicher nicht allein mit dieser Geschichte. Aber er kann Englisch und kann uns deshalb seine Geschichte erzählen. Unterdessen ist es 3 Uhr 25 und die ersten Frauen kommen durch die Gitterschleuse zum Eingang. Sie setzen sich innerhalb der Mauer, in den kleinen Raum, der zwischen Mauer und dem ersten Durchgang liegt. Hier wird später der Wind noch kräftiger wehen, aber Frauen halten sich in der Regel von Männern getrennt auf. Sie kommen jetzt schon, weil sie später kaum eine Chance haben, sich durch die Reihen der Männer zu schlängeln, die dann dicht gedrängt in dem etwa einen Meter breiten Gang stehen. Frauen müssen vorgelassen werden, sie dürfen nicht in eine Situation gebracht werden, wo Männer sie berühren. Na – und das ist in diesem Kontrollpunkt schwer durchzusetzen. Gegen vier &lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6TqB23wJI/AAAAAAAAAO0/qE1GP0BAbW8/s1600-h/Anna+und+Kate+k%C3%A4mpfen+sich+nach+vorn.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5214767768803983506" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6TqB23wJI/AAAAAAAAAO0/qE1GP0BAbW8/s320/Anna+und+Kate+k%C3%A4mpfen+sich+nach+vorn.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Uhr dreißig werden es etwa 15 Frauen sein, danach haben sie etwa eine Stunde lang keine Chance mehr, durch diesen schmalen Schleuse durchzukommen. Fünf Minuten nach vier Uhr kommt ein Soldat und befiehlt den Frauen, diesen Raum diesseits der Mauer zu verlassen. Sie ziehen sich still ein bisschen zurück, einige argumentieren mit dem Soldaten. Der merkt irgendwann, dass er sich nicht durchsetzen kann und zieht sich zurück. Die Frauen setzen sich wieder auf ihren Karton, still, um keinen Anlass für die Durchsetzung der Forderung zu geben.&lt;br /&gt;Wir stehen auf der Bethlehemer Seite der Mauer. Auch hier ist das Schleusengitter etwas verbreitert und bisher ist es auch hier ruhig. Unten, wo der Gang beginnt und die neutrale Beschilderung „Eingang“ angebracht ist, wird es lauter. Taxis kommen an und die Männer fangen an zu streiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Das Morgengebet&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Aber ich muss einige Minuten zurückgehen, um von dem Gebet zu erzählen. Schon viertel nach drei Uhr hatte ich einen Mann gesehen, der zwischen den Sitzenden aufgestanden war, um sein Gebet zu beginnen. Später, drei Uhr fünfundfünfzig, mit den Rufen der Muezzin von den nahen Minaretten Bethlehems, stehen alle Männer auf. Sie beginnen das Gebet, jetzt gemeinsam. Sie reinigen symbolisch Augen und Ohren, gehen auf die Knie und beugen sich nach vorn, der schmale Gang erlaubt es nicht, mit der Stirn den Boden zu berühren. Sie verharren, ich höre aus der Mitte des umgitterten Gangs einen Vorbeter singen, dann antworten die Männer, singen gemeinsam. Sie legen die Hände auf die Knie und beugen sich vor, nach Süden, in &lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6J6ogGXLI/AAAAAAAAAOE/FHZ8TjPpRco/s1600-h/im+K%C3%A4fig.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5214757058939083954" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6J6ogGXLI/AAAAAAAAAOE/FHZ8TjPpRco/s320/im+K%C3%A4fig.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Richtung Mekka. Es ist eindrucksvoll. Es gibt in diesen Minuten nichts anderes als dieses konzentrierte gemeinsame Gebet. Der mit einem Stahlzaun geschlossene und mit Stacheldraht und schwarzer Schmiere gesicherte Gang ist angefüllt von Betenden. Der letzte Ruf des Vorbeters verklingt, die Männer setzen sich, einige Zigaretten werden angezündet. Unten beginnt das Gerangel und schlimmer: Die ersten jungen Männer kommen, gehen an dem Gitter-Gang vorbei nach vorne, klettern über die Stahlgitter und springen zwischen die Wartenden. Die dort Wartenden schreien und schimpfen, aber noch nie habe ich gesehen, dass einer auch nur die Hand erhoben, geschweige denn geschlagen hätte. Und doch ist dieser Kampf zwischen denen, die früh kommen und brav anstehen und den anderen, die sich auf diese Weise vordrängen, unschön und ein schwer erträglicher Kontrast zu dem Gebet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Fünf Uhr&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Unterdessen ist ein kalter Wind aufgekommen. Der Nachthimmel im Osten zeigt Schwächen, die Sterne werden dort blasser. Wir frieren richtig. Aber wir haben eine Ecke besetzt, zwischen Mauer und der Gittertür, wo das Gedrängel uns nicht erreicht. Die Unruhe und die Kampfstimmung um die vorderen Plätze werden jetzt unerträglich. Wir sehen, dass Samuel vorn an der Dre&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6OIsn7TAI/AAAAAAAAAOk/P3YNKTlOGGg/s1600-h/Said.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5214761698610334722" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6OIsn7TAI/AAAAAAAAAOk/P3YNKTlOGGg/s320/Said.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;htür steht. Die Frauen lehnen an dem Gitter, dicht bei der Drehtür, die Männer werden sie bevorzugt durchlassen. Punkt fünf Uhr erscheint der Soldat in der Kabine aus Beton und kugelsicherem Glas, er schaltet den Monitor und die Drehtürkontrolle ein, das Licht draußen vor der Mauer und über der Drehtür leuchtet das grüne Lämpchen auf.&lt;br /&gt;Nach zehn Minuten sind auch wir durch die Drehtür gegangen und auf dem Rückweg. Wir müssen diesen ersten Teil der Kontrollanlage hinter uns bringen, um uns gleich hinter der Kabine wieder nach links zu wenden und den Ausgang zu nehmen. Wir laufen den ganzen, von wartenden Männern gefüllten Käfig-Gang, auch hier getrennt durch die zweieinhalb Meter hohen Stahlgitter, hinunter. Viele der Männer, die uns kennen, sehen uns fragend an: Wir haben euch heute gar nicht kommen sehen? Unten begrüßen uns die Händler hinter ihren Tischen oder kleinen Handkarren; einige von ihnen hatten halb drei Uhr morgens schon ihre Stände aufgebaut und uns begrüßt. Jetzt bedanken sie sich und bieten uns Kaffee an, umsonst! Sie erklären den Umstehenden, dass wir schon nachts gekommen seien, weil wir unsere Aufgabe, sie hier moralisch zu unterstützen, so ernst nähmen. Für drei oder fünf Minuten, die wir stehen bleiben und uns unterhalten, auch unsere arabischen Begrüßungsworte hersagen, ist hier eine freundliche, fast euphorische Stimmung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6VXvqbkDI/AAAAAAAAAO8/fa4gr-ZeBHU/s1600-h/vor+dem+Gitterweg.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5214769653705576498" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6VXvqbkDI/AAAAAAAAAO8/fa4gr-ZeBHU/s320/vor+dem+Gitterweg.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Wir sind durchgefroren und müde und schämen uns, dass wir uns zuhause hinlegen können, während die Männer hier noch bis zu zwei Stunden Warten vor sich haben und dann ihren Arbeitstag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Nachtrag&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Woche später. Die Leiterinnen unseres Programms kritisieren, dass ich keine Fotos von den Männern gemacht habe, die im Käfig schlafen und beten. Für die Dokumentation wäre das wichtig gewesen. Also mache ich mich heute auf Sonntag den 22. Juni 2008, und gehe noch einmal nachts zum Kontrollpunkt. Nach den ersten Fotos hört die Kamera auf und will neue Batterien. Der Kaffeeverkäufer, Ameen, hat Batterien, aber nicht die richtigen. Er hilft mir, einen Taxifahrer zu finden, der mich zu unserer Wohnung und wieder zum Kontrollpunkt fährt. Ich mache meine Fotos, einige Männer wollen nicht fotografiert werden, vor allem nicht beim Gebet. Ich mache einige Fotos von den Schlafenden. Dann unterhalte ich mich unten bei den Händlern. Trinke einen Kaffee, Ameen will kein Geld.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Said&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Said verkauft mit seinen zwei Brüdern süßes Gebäck. Er ist 15 Jahre alt, ein bzw. zwei Jahre jünger als seine beiden Brüder. Sein Vater ist schwer krank und kann nicht mehr arbeiten. Said hat die Schule aufgegeben und verkauft jetzt jeden Morgen hier die süßen Stückchen, die seine Mutter bäckt. Ameen unterstützt&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5214759274931874850" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6L7nt87CI/AAAAAAAAAOU/D-mbzD8yY_U/s320/Said+und+sein+Bruder.JPG" border="0" /&gt; die Familie. Er kann gut Englisch und erzählt mir die Geschichte, Said steht daneben und lächelt stolz. Dann nimmt er eines der Bleche auf den Kopf und einen kleinen Karton mit schwarzem und gelbem Tee von Ameen und läuft den eingezäunten Gang nach oben und bietet den wartenden Männern davon an. Den ganzen Morgen lang tut er das, immer werden einige Männer schwach und kaufen ihm was ab. Said krieg einen Schekel für das Gebäck seiner Mutter und einen Schekel für den Tee, der er Ameen abgibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Noch einmal: Morgengebet &lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6MbVE-jYI/AAAAAAAAAOc/9y_fwSa_7Rs/s1600-h/Morgengebet.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5214759819683990914" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6MbVE-jYI/AAAAAAAAAOc/9y_fwSa_7Rs/s320/Morgengebet.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Kurz vor vier Uhr beten die Männer. Ich mache ein Bild unten auf der Straße, wo ich den Scheich gebeten hatte, fotografieren zu dürfen. Der Scheich ist den ganzen Morgen hier und lädt immer wieder kleine Gruppen von Männern zum Gebet ein; dann sammelt er Geld für die Moschee, die er in seinem Dorf südlich von Hebron bauen will.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#000099;"&gt;Dreiviertel fünf&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Meine Kollegen kommen mit dem Gast, einem Quäker aus England. Die Frauen kämpfen sich durch die Gitterschleuse, der Gast ist bald abgehängt. Die Männer machen hinter den beiden Frauen, deren Gegenwart drinnen im Terminal sie schätzen, wieder zu. Der Gast, eher als Tourist eingeschätzt, steckt fest. Von außen lotse ich ihn durch, die Männer kennen mich und machen Platz für den Fremden. Es dauert geschlagene 13 Minuten, bis ich ihn vorne am Eingang bei den beiden Frauen, die unsere Weste tragen, „abliefern“ kann. Wieder unten an der Straße, gibt Ameen mir einen Kräutertee. Alles ist still und friedlich und ich berichte per Handy an Anna oben am Eingang, dass heute ein guter Tag ist, die Männer stehen weit die Straße hinunter, in Viererreihen, diszipliniert und ruhig. Ich stecke das Handy ein. Da bricht ein Sturm los, Geschrei und Gerenne: gut hundert Männer laufen auf den Käfig-Eingang zu, daran vor&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6OvkaRCYI/AAAAAAAAAOs/nWzj3TiEmYQ/s1600-h/4+Uhr+59+am+Kontrollpunkt.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5214762366420453762" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6OvkaRCYI/AAAAAAAAAOs/nWzj3TiEmYQ/s320/4+Uhr+59+am+Kontrollpunkt.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;bei und stürmen weit vorne die Stahlgitter, klettern hinüber und lassen sich drin im Gang auf die Wartenden fallen… Also doch. Ich mache automatisch einen Eintrag in meinen Notizblock: “4.59 am, the men from the end of the line are storming the steel rods to climb and jump”.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verstört, wie immer nach dieser Frühschicht, verlasse ich diesen ungastlichen Ort. Aber ich kaufe Said 5 süße Stückchen ab, zum Frühstück für das Team und den Gast. Sie sehen aus wie Schoko-Croissants und kosten einen Schekel jedes Stück. Sie machen sich gut auf dem Tisch, weil doch Sonntag ist.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-7175154265856369498?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/7175154265856369498/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=7175154265856369498' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/7175154265856369498'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/7175154265856369498'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/06/nachts-am-kontrollpunkt.html' title='Nachts am Kontrollpunkt'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SF6LADaacNI/AAAAAAAAAOM/Zmrd908l_KU/s72-c/nachgeholter+Schlaf+im+K%C3%A4fig.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-8402240547345333984</id><published>2008-06-13T12:52:00.000-07:00</published><updated>2008-06-13T13:32:14.984-07:00</updated><title type='text'>Himmel über Bethlehem</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#336666;"&gt;Der Himmel über Bethlehem ist voller Gebete&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Es gibt Tage, wo die Luft spürbar schlecht ist, an anderen Tagen fegt der Wind durch die Straßen, wirbelt Staub auf und drückt einem die Dreckfahne eines geschäftigen Tages ins Gesicht. Der Wind lässt dann kühlere Luft zurück und darum nimmt man seine Aggression hin. Es gibt Abende, an denen die Luft eine Spur feuchter ist als sonst, weil es ein Westwind war, der sich vom Mittelmeer die Berge herauf gemüht hat. Regen bringt auch dieser Wind nicht, Wolken vielleicht, graue Wolken, die den Abendhimmel frühzeitig färben, aber keinen Regen&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SFLSreG_XcI/AAAAAAAAANk/MKAdMDV8bKI/s1600-h/es+wird+Nacht+%C3%BCber+Bethlehem.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5211459363079675330" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SFLSreG_XcI/AAAAAAAAANk/MKAdMDV8bKI/s320/es+wird+Nacht+%C3%BCber+Bethlehem.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;. Angenehm ist der Wind aus Osten, er ist trocken und treibt die angestaute Luft aus der Stadt.&lt;br /&gt;Weiter oben, aber das stelle ich mir nur vor, über den Städten Jerusalem und Bethlehem, da steht die Luft still. Sie ist angefüllt von Gebeten, muslimischen Gebeten, die den melodischen Rufen der Muezzine folgen, fünf Mal am Tag steigen diese Gebete in dichten Reihen auf. Christliche Gebete folgen ihnen, über den ganzen Tag verteilt, meist in arabischer, aber auch mal in aramäischer Sprache in den vielfältigen Traditionen der orientalischen und westlichen Kirchen. Schließlich sind dort, hoch am Himmel über diesen Städten, die jüdischen Gebete, die von der Klagemauer aufsteigen, von den Tischen der Sabbatfeiern, aus Synagogen. Der Himmel ist wie ein reifer Olivenbaum, voller bläulicher Früchte. Würde einer den Himmel schütteln, würden sie alle herabfallen, die leichten und die schweren Früchte, die Litaneien, die Stoßgebete, die leisen dankbaren und die laut geschrienen. Der Himmel über Bethlehem ist verhangen von Empfindungen, Schmerzen, Wut und Sehnsucht nach Erlösung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was macht der Himmel mit all diesen Gebeten?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#006600;"&gt;Der Jüdische Soldat&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; &lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;Wenn die Zeit für das Gebet gekommen ist, breitet der Muslim, der gut vorbereitet ist, auch wenn er weit weg von einer Moschee oder von zu Hause ist, den Teppich oder den Pappkarton aus und beginnt sein Gebet. Wir sehen Männer, die durch den Checkpoint durch gekommen sind und in der ersten Ecke, die sich bietet, ihr Gebet beginnen. Und keiner schenkt ihnen Beachtung oder lacht. Der jüdische Soldat in der Kabine unterbricht seine Arbeit, die Arbeitserlaubnisse der Männer zu überprüfen und sie durchzuschleusen, Männer, die vielleicht schon über eine Stunde lang anstehen und durch die Kontrolle wollen. Der Soldat legt sich den Gebetsschal über Kopf und Schulter, dreht sich in eine Ecke, wo er niemanden sehen muss und betet. Draußen die Muslime warten schweigend und hoffen, der Beter in Waffen ist von der schnellen Sorte. Der Besitzer des Andenkenladens im Souk bewegt langsam den Rosenkranz in seinen Fingern und verfolgt gleichzeitig das Geschehen in der Gasse vor seinem Laden. Er kann nicht zur Marienvesper gehen, aber mit seinen Gebeten ist er dabei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SFLWEjQvQQI/AAAAAAAAANs/9XmHK_ijYNE/s1600-h/Soldat+betet.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5211463092494352642" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SFLWEjQvQQI/AAAAAAAAANs/9XmHK_ijYNE/s320/Soldat+betet.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Da war der Jeep, der quer in der Straße hinter dem Ar Ram Checkpoint stand. Zwei Soldaten, einer saß mit dem Sturmgewehr in beiden Händen auf dem Kühler, der andere hatte die Waffe umgehängt, aber eben auch den Gebetsschal, Helm ab, die Kippa auf dem Kopf und, von der Straße abgewandt betend. Einige Jungs machen sich den Spaß und spielen mit einer Blechbüchse Fußball, der Soldat, der die Wache doppelt wachsam halten muss, guckt zu, sein Kopf ist klar nach rechts gerichtet. Währenddessen klettern links drei Jungs über die Mauer, die hier nicht hoch ist, hinüber. Das Manöver war klar. Das Gebet und die Ablenkung. Und kaum sind die drei Jungs hinüber, hören die anderen mit ihrer Blechbüchse auf und rennen lachend davon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#336666;"&gt;Gebet an der Mauer&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Jeden Freitag Abend treffen sich die Caritas-Schwestern vom Kinderkrankenhaus an der Mauer zum Gebet. Die Brüder der Christlichen Schulen (vom La-Salle-Orden) schließen sich ihnen an, manchmal eine Novizin des nahen Emanuel Klosters oder auch Pilgergruppen aus aller Welt. Es ist das Stück Mauer zwischen dem großen Tor, das nur für Touristenbusse und Ausländer mit eigenem PKW geöffnet ist und dem Kloster. Es ist nicht weit von unserer Wohnung entfernt und wir gehen möglichst regelmäßig hin. So lernen wir den Grundbestand der Rosenkra&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SFLWqLZ2xVI/AAAAAAAAAN0/6jiSO1TVevw/s1600-h/Gebet+an+der+Mauer.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5211463738925172050" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SFLWqLZ2xVI/AAAAAAAAAN0/6jiSO1TVevw/s400/Gebet+an+der+Mauer.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;nz Litanei auf Italienisch, Arabisch, Englisch und Deutsch. Wir gehen auf und ab, dreimal, eine halbe Stunde lang. Dann tauschen sich die Beter noch über dies und das vom Tage, über wichtige Ereignisse und über das kleingeschriebene Menschliche aus. Dann gehen sie jeder seiner Beschäftigung nach. Warum haben sich die Schwestern diesen Ort ausgesucht, beten sie für oder gegen was? „Nein“, sagen sie, „die Juden haben ihre Klagemauer und wir begnügen uns mit dieser Mauer hier, Gott hört und sieht uns alle“. Mehr Kommentar ist von ihnen nicht zu kriegen. Gebet? Muss man das erklären?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#336666;"&gt;Gebet im Käfig&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Es ist früh, zwei Uhr dreißig, der Sternenhimmel klar, die Nacht noch lange nicht fertig. Wir kommen zum Kontrollpunkt, dem viel gehassten Checkpoint. Wir wollen mit eigenen Augen sehen, ob die ersten Männer wirklich schon vor drei Uhr hier ankommen. Und es stimmt: Sechs Männer liegen, in Pappkartons eingepackt, am oberen Ende des Gitterweges. Hier ist der schmale Durchgang durch die ca. 45 cm dicke Mauer. Davor sitzen und liegen sie. Sie sind um 2 Uhr gekommen. Wir zählen und schreiben auf, wie viele in den nächsten 2 Stunden kommen. Um fünf Uhr wird der Eingang geöffnet und sie wollen die ersten sein, die durchkommen. Die Männer, die erst gegen fünf Uhr kommen, haben dann ca. 800 Frühaufsteher vor sich und müssen bis zu zwei Stunden warten, bis sie durch die Kontrollen durch sind.&lt;br /&gt;Um 2.55 Uhr, sagen meine Notizen, steht ein einzelner Mann auf und betet. Ein früher Muezzin hat zum Gebet gerufen, ich weiß nicht, warum so früh. Um 3.55 Uhr, da ist der eingezäunte Weg schon bis unten hin voll von sitzenden Männern, erheben sich alle, die Muezzin singen von allen Minaretten. Die Männer stehen Schulter an Schulter nach Mekka ausgerichtet und vollziehen die gleichen Bewegungen, das Symbol der Waschung, das Hinknien, mit der Stirn den Boden berührend und so weiter. Dann hören wir einen Vorsänger, schön singt er, schlicht und die Männer antworten im Chor. Sie stehen auf, stehen still und gesammelt, legen die Hände über die Knie und senken die Köpfe. Es ist eindrucksvoll, es lädt ein, mitzubeten, es ist ein bewegender &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SFLYCB65OhI/AAAAAAAAAN8/C6mqt4E41JE/s1600-h/vier+Uhr+morgens+vor+dem+Checkpoint.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5211465248207878674" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SFLYCB65OhI/AAAAAAAAAN8/C6mqt4E41JE/s320/vier+Uhr+morgens+vor+dem+Checkpoint.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Anblick. Ein gemeinsames kräftiges Gebet steigt über diesen Käfig aus Stahl und Stacheldraht, in denen die Männer eingezwängt sind. Hat das Gebet einen Bezug zu dem Ort und der Situation, in der die Betenden sich befinden? Sie sind fertig und setzen sich wieder auf ihre Pappkartons. Und unmittelbar danach bricht weit unten das Geschrei aus. Es kommt von den Männern innerhalb des eingezäunten Weges und betrifft die jungen starken Männer, die wie Gangs aus den Sammeltaxis an der eingezäunten Schlange der Wartenden vorbei gehen, bis dahin, wo die Soldaten den Stacheldraht jeden Tag neu befestigen. Dort klettern sie und springen zwischen die Frühaufsteher, die hier schon seit einer Stunde sitzen und rauchen oder schweigend warten. So sparen die Eindringlinge eine gute Stunde Warten. Lautes Schimpfen, aber keine Handgreiflichkeiten.&lt;br /&gt;Was für ein Kontrast: Das Gebet und das Kampfgeschrei! &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;Der Himmel wird licht von Osten her. Ein kalter Wind kommt auf und die Männer hier vorne vor dem Mauerdurchlass schützen sich mit den Kartons, die sie mitgebracht haben. Die Soldaten haben Wachwechsel, für einen Moment steht die Tür vom Wachturm, der in die Mauer integriert ist, offen. Oben im Wachturm ist Licht. Die Kamera hat die Bilder vom Gebet der Männer in den Raum dort oben übertragen. Was bedeutet den Soldaten, vielleicht frommen Juden, die selber viermal am Tag beten – was bedeutet ihnen das Gebet der Männer, die sie gleichzeitig verachten und fürchten?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#336666;"&gt;Der Gott Abrahams&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;In meinem Pfarrkonvent in Berlin kam einmal die Frage auf, ob der Gott der Muslime, der Juden und der Christen derselbe Gott ist. Keine Zweifel: Der Gott Israels und der Vater von Jesus ist in unserer Theologie derselbe. Aber Zweifel, Scheu und heftige Abwehr herrschen vor gegen den Gedanken, auch Allah könnte der Gott unseres Glaubensbekenntnisses sein. Wie wenig relevant ist diese Frage hier, in der Situation Palästinas! Wie viel wichtiger ist die Frage: Wessen Auslegung der Thora, der Bibel und des Koran ist richtig oder ist verbindlich oder verdient unser Vertrauen. Oder, mit dem Blick in den Himmel über Bethlehem: Welche Gebete dringen durch zum Gott der Kinder Abrahams?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SFLRv88bCiI/AAAAAAAAANc/QCRbW7jHIbA/s1600-h/Abendhimmel+%C3%BCber+Bethlehem.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5211458340564699682" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SFLRv88bCiI/AAAAAAAAANc/QCRbW7jHIbA/s320/Abendhimmel+%C3%BCber+Bethlehem.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Wäre er wie wir Menschen, er müsste zwischen Schmerz, Zorn und Mitleid schwanken. Lachen wäre sicher auch dabei. Aber er ist nicht wie wir. Vielleicht schickt er Petrus mit einem großen Besen und lässt ihn von Zeit zu Zeit den ganzen Himmel über Bethlehem ausfegen – mindestens, um Platz für neue Versuche zu machen. Besser: Die Beter sollten hören lernen, wie ihr Nachbar betet, wie er sein Leiden, seinen Dank, seine Sehnsucht vor Gott bringt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Himmel über den Heiligen Städten dieses Landes ist voll von Gebeten. Hören wir sie?&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-8402240547345333984?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/8402240547345333984/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=8402240547345333984' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/8402240547345333984'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/8402240547345333984'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/06/himmel-ber-bethlehem.html' title='Himmel über Bethlehem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SFLSreG_XcI/AAAAAAAAANk/MKAdMDV8bKI/s72-c/es+wird+Nacht+%C3%BCber+Bethlehem.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-4324165809935637962</id><published>2008-06-11T08:41:00.000-07:00</published><updated>2008-06-11T08:57:12.033-07:00</updated><title type='text'>60 Jahre Naqba in Bethlehm</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SE_znerp9uI/AAAAAAAAANU/MWGo86aaM5o/s1600-h/Der+Mond+%C3%BCber+Bethlehem.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5210651153467569890" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SE_znerp9uI/AAAAAAAAANU/MWGo86aaM5o/s320/Der+Mond+%C3%BCber+Bethlehem.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#006600;"&gt;Die Lebende Uhr von Bethlehem &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#006600;"&gt;Sonntag, 8. Juni 2008&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Die Internationale Woche der Kirchen für Frieden in Palästina und Israel ist abgeschlossen. Sie hat in Jerusalem begonnen und wurde in New York mit einem Gottesdienst mit der Jerusalemer Liturgie beendet. Das war gestern, Sonntag, 8. Juni 2008.&lt;br /&gt;Für uns in Bethlehem war der Höhepunkt die Aktion mit der Lebenden Uhr auf dem Platz vor der Geburtskirche. Ungefähr 100 Leute aus Bethlehem und aus aller Welt haben eine Uhr dargestellt, deren 60 Minuten den 60 Jahren der Naqba entsprechen sollten. 60 Leute mit den Nummern 1 bis 60 standen in einem großen Kreis. In der Mitte der Uhr hat sich ein Zeiger bewegt, die Menschen haben hier die Buchstaben für die Losung „It’s time for Palestine“ gezeigt. An der Spitze des Uhrzeigers trug der Mensch mit dem Buchstaben „e“ eine Fackel, mit der er die Fackel von jedem einzelnen Jahr der Gedenkuhr anzündete. Am Schluss brannten alle Fackeln und die Lebende Uhr des Gedenkens sang gemeinsam das Lied:&lt;br /&gt;Yarabba ssalami amter aleina ssalam…= O Gott des Friedens, lass Frieden auf unser Land regnen…“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der das Licht rund um die Uhr trug und alle Fackeln zum Brennen brachte, war Justice aus Südafrika von unserem Ökumenischen Begleitprogramm. Weitere 7 Freiwillige aus unserem Programm waren in der Uhr beteiligt, Gottfried war eine der beiden in Rot gehaltenen Zahlen, die 60 für die 60 Jahre der Naqba, der Katastrophe für Palästina.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier ist der Link zu dem Video, das die Aktion zeigt: &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=zI4Ja6loTWk" target="_blank"&gt;http://www.youtube.com/watch?v=zI4Ja6loTWk&lt;/a&gt; &lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-4324165809935637962?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/4324165809935637962/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=4324165809935637962' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/4324165809935637962'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/4324165809935637962'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/06/60-jahre-naqba-in-bethlehm.html' title='60 Jahre Naqba in Bethlehm'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SE_znerp9uI/AAAAAAAAANU/MWGo86aaM5o/s72-c/Der+Mond+%C3%BCber+Bethlehem.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-225746897788656337</id><published>2008-05-30T10:57:00.000-07:00</published><updated>2008-05-30T11:39:23.607-07:00</updated><title type='text'>Brief an ein Kind</title><content type='html'>Liebe Paula!&lt;br /&gt;Dein Geburtstagsgruß mit den vielen Wäscheleinen ist angekommen. Das hat gut gepasst, weil ich gestern meine ganze Wäsche gewaschen habe und die Wäscheleinen draußen im Hof gerade Mal so gereicht haben. Da war das Bild, das Du gemalt hast genau das richtige Thema. Vielen Dank dafür.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich konnte Dir nicht rechtzeitig zu Deinem Geburtstag schreiben, weil ich Eure Adresse nicht habe. Jetzt ist es zu spät und ich schicke den Brief durch die Computer – von meinem zu Eurem. Ich sitze also hier in Bethlehem, hoch in den Bergen von Palästina und denke an Dich, Du bist jetzt eben aus dem Kindergarten nachhause gekommen und spielst vielleicht allein für Dich in Deinem Zimmer. Bei mir ist fast jeden Tag gutes Wetter, aber das kann einem auch schnell mal zu viel werden, wenn man stundenlang in der Sonne steht und läuft und sitzt und dann einen kleinen Sonnenstich abgekriegt hat. Also: Nachträglich wünsche ich Dir zu Deinem Geburtstag ein schönes neues Kinderjahr, wo Du spielen und lernen und so fröhlich sein kannst, dass Dich die Erwachsenen darum beneiden. Du bist jetzt fünf Jahre alt und weißt schon, dass ein Geburtstag ein besonderer Tag ist: Dein Tag eben.&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;Bestimmt hast Du schöne Sachen geschenkt gekriegt. Ich schicke dir von hier schöne Fotos und kleine Geschichten dazu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da ist zuerst &lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666600;"&gt;das Bild vom Esel&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;. Vor einigen Tagen waren wir in einem Dorf, wo sich die Männer zu einer Demonstration versammelt haben, sie wollten nämlich bis ans Ende ihres Dorfes gehen, wo die Soldaten auf sie gewartet haben. Dort wollten sie den Soldaten sagen: Geht nach Hause, wir brauchen Euch hier nicht. Und vor dieser Demonstration haben die Männer, &lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEBDWhZLkOI/AAAAAAAAAM0/nYWDQKhfapA/s1600-h/Der+Esel+braucht+keine+Tankstelle....JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206235223440462050" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEBDWhZLkOI/AAAAAAAAAM0/nYWDQKhfapA/s400/Der+Esel+braucht+keine+Tankstelle....JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;weil es Freitag war, der Tag, der in ihrer Religion für das besondere gemeinsame Gebet vorgesehen ist, wie bei uns der Sonntag, wo wir in die Kirche gehen. Diese Männer sind aber nicht in ihre schöne Moschee gegangen, die mitten im Dorf liegt, sondern sie haben sich an dieser Straße getroffen, zwei Minuten von den fremden Soldaten entfernt. Da haben sie sich auf die Straße gesetzt und haben ihr Gebet gemeinsam verrichtet, einer hat laut vorgesungen und dann haben alle in den Gesang eingestimmt. Es war sehr schön. Ich schicke Dir ein Foto davon mit.&lt;br /&gt;Aber das Bild vom Esel. Als wir an dieser Straße ankamen, war noch niemand da. Nur ein Esel kam die Straße herunter getrabt. Der Esel war ziemlich beladen: mit einigem Werkzeug für die Arbeit auf dem Feld, mit Grasbüscheln als Abendbrot für den Esel, mit einem gelben Kanister mit Wasser für den Bauern und einem grünen Kanister mit Wasser für den Esel und, natürlich saß der Bauer oben auf. Schau Dir das Foto an: Da siehst Du den Esel mit der ganzen Last geduldig die Straße lang laufen. Und, guck genau hin: Was siehst Du hinter dem Esel? Eine Tankstelle. Natürlich braucht der Esel keine Tankstelle. Autos halten dort und tanken Benzin. Unser Esel läuft also ganz gleichgültig an der Tankstelle vorbei. Er interessiert sich auch nicht für die Autos, die Taxis, die Männer, die jetzt zum Gebet auf der Straße kommen und interessiert sich auch nicht für die fremden Soldaten, die den Bauern gefragt haben, wo er herkommt und was er in seinem gelben und in seinem grünen Tank hat. Na – weißt Du noch, was in dem einen und in dem anderen Tank ist? &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEBEcBZLkPI/AAAAAAAAAM8/Ri6qDlUxKUM/s1600-h/die+M%C3%A4nner+von+Al-Khader+beten,+bevor+sie+demonstrieren.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206236417441370354" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEBEcBZLkPI/AAAAAAAAAM8/Ri6qDlUxKUM/s200/die+M%C3%A4nner+von+Al-Khader+beten,+bevor+sie+demonstrieren.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Ich weiß nicht viel von dem Esel, aber wenn Du willst, kann ich für dich raus finden, wo der Esel lebt, wo er arbeitet und wie er die Welt findet, in der er lebt.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Stell Dir mal vor, Ihr hättet kein Auto. Wie würdet Ihr zum Beispiel in Euren Garten kommen? Mit dem Werkzeug und all den Sachen zum Grillen und Trinken? Na? Ihr würdet Euch einen Esel kaufen, oder besser zwei, einen für Paula und Sabine und noch einen für Christof und Emil. Das würde dann viel länger dauern, als jetzt die Fahrt mit dem Auto, aber es wäre einfacher, als zu Fuß laufen und die vielen Sachen zu tragen. Aber der Esel könnte dann, während Ihr den Grill fertig macht und Rasen mäht und euch hinsetzt und esst und trinkt, der Esel könnte währenddessen ganz schön von Eurem Gras und von den Blumen fressen. Die würde er besonders lieben. Ist das eine gute Idee?&lt;br /&gt;Hallo Paula, hörst Du noch zu? Ich weiß, es gibt immer zwei Geschichten, wenn Dein Dassi Dir vorliest. Also sollst Du auch heute in diesem Geburtstagsbrief eine zweite Geschichte sehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt also &lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666600;"&gt;das Bild von dem Kaktusstrauch&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;. Siehst Du es? Der Strauch selbst ist grün, er hat dicke Zweige und Blätter, man kann gar nicht sagen, ob das Zweige oder Blätter sind. Sie sind dick und vor allem: Sie haben Stacheln. Davon erzähle ich gleich mehr. Der Kaktus hat wunderschöne große gelbe und rote Blüten, deshalb macht er so ein schönes Bild, schöner, als ich es malen kann. Vielleicht kannst Du den Kaktus abmalen?&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEBC7BZLkNI/AAAAAAAAAMs/NdIQUyF940E/s1600-h/Kakteen+bl%C3%BChen+im+verlassenen+Dorf,+Lifta.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206234750994059474" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEBC7BZLkNI/AAAAAAAAAMs/NdIQUyF940E/s400/Kakteen+bl%C3%BChen+im+verlassenen+Dorf,+Lifta.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt; Wie soll ich anfangen? Bei den Stacheln. Der Mann, der uns durch das verlassene Dorf geführt hat, Yakuub, hat uns erklärt: Überall da, wo wir solche Kaktussträucher sehen, befindet sich ein Dorf der Palästinenser. Da, wo wir waren, war das Dorf verfallen und seine Bewohner sind von den fremden Soldaten vertrieben worden, jetzt haben die alten Leute Enkelkinder in Deinem Alter und die wollen auch gern wieder in das alte Dorf kommen, das dürfen sie aber nicht. Die fremden Soldaten erlauben es nicht. Das Dorf heißt Lifta und ist ganz nahe bei der Hauptstadt von Israel und von Palästina. Die Hauptstadt heißt Jerusalem, den Namen hast Du bestimmt schon von mir gehört, weil ich schon zweimal ganz lange dort war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;Aber zurück zum Kaktus. Dieser Strauch eignet sich gut als Schutz rund um ein Dorf, weil er diese grässlich scharfen Stacheln hat, so lang, wie ein Finger und dünn, wie eine Nähnadel. Kein Tier will von diesem stachligen Strauch essen. Und genau so ist es gemeint, dass alle Tiere, die wilden Tiere, aber auch die Schafe und Ziegen, die draußen vor dem Dorf ihr Gras suchen sollen, abgehalten werden, in das Dorf herein zu kommen, außer, die Bauern machen das Gartentor auf und lassen ihre Schafe und Ziegen herein. Soweit also die spitzen Stacheln.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;Und nun zu den Früchten. Mmmm! Sie sind süß, sie sind weich, sie zergehen auf der Zunge und schicken einen feinen Duft durch die Nase und wenn man abbeißt, ist es wie Geburtstag und Weihnachten zusammen. Mann muss sie allerdings schälen, weil auch ihre Schale sehr unangenehm ist, stachlig und voller klitzekleiner Fäden, die sich schnell über die Hände und Arme verbreiten und fürchterlich kitzeln. Hat man die widerspenstige Frucht aber geschält und führt sie sacht in den Mund – mmmm! Aber das hab ich ja schon beschrieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEBIuxZLkRI/AAAAAAAAANM/h3ZraTgrTLQ/s1600-h/Sabre+im+Pal%C3%A4stinensischen+Dorf+Lifta1.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206241137610428690" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEBIuxZLkRI/AAAAAAAAANM/h3ZraTgrTLQ/s320/Sabre+im+Pal%C3%A4stinensischen+Dorf+Lifta1.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Dieser Kaktus hat also zwei große Begabungen: Er schützt das Dorf oder einen Bauernhof mitten in den Feldern vor unwillkommenen Tieren. Und einmal im Jahr gibt er seine Frucht, er gibt sie nicht gern her, darum die Stacheln, aber dann schmeckt diese Frucht wunderbar süß. Der Kaktus hat einen Namen. Hier geht die Geschichte, die ich Dir erzähle, nämlich noch ein Stück weiter. „Sabre“ heißt dieser Kaktus. Und das wird von den Bewohnern der Dörfer und von den fremden Soldaten verschieden ausgesprochen. In der Sprache der Dorfbewohner bedeutet „Sabre“ soviel wie Ausdauer oder Geduld. Sie nennen diesen Strauch so, weil er die heiße Sonne und die Dürre, wenn es monatelang nicht regnet und die Kälte im Winter alles ganz still erträgt und auch mal ein Jahr ganz ohne Regen aushält und wartet, aber dann blüht er wieder und lässt diese wunderbare Frucht wachsen. Die Dorfbewohner lieben ihren „Sabre“, sie möchten auch so sein, stachlig, ausdauernd und mit seinen Wurzeln fest im felsigen Grund verwachsen. Sie möchten die böse Zeit, in der die fremden Soldaten sie aus ihren Dörfern vertrieben haben, geduldig abwarten und eines Tages wiederkommen und ihre verlassenen Häuser wieder herrichten und von den Kaktus-Früchten essen. Das kann man doch verstehen, oder?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;Das Wort „Sabre“ wird aber von den fremden Nachbarn, die die Soldaten geschickt haben, nicht nur anders ausgesprochen, es hat auch eine andere Bedeutung. Für sie bedeutet der Name und der Strauch: Sie sind in diesem Land geboren, haben gekämpft, um es sich zu erobern und wollen es für immer behalten. Stachlig wollen sie sein, starke Soldaten gegen die Bewohner der Dörfer und süß, weil sie das Land mit seinen Kaktus- und den anderen Früchten lieben und behalten wollen.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;So hat dieser seltsame Strauch, stachlig und süß, seine Bedeutung für die Dorfbewohner und für die fremden Soldaten. Das sieht man dem Foto nicht an, nicht wahr? Ich schicke dir also ein Foto von dem Dorfbewohner mit, der uns die halb zerfallenen Häuser und die Gärten mit Oliven- und Mandelbäumen gezeigt hat und von den Häusern, damit du siehst, wie schön sie einmal waren.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEBCIxZLkMI/AAAAAAAAAMk/W73eBkOZGbQ/s1600-h/Gottfried,+am+ersten+Tag+in+Jerusalem,+nach+einem+Besuch+beim+Friseur.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206233887705632962" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEBCIxZLkMI/AAAAAAAAAMk/W73eBkOZGbQ/s200/Gottfried,+am+ersten+Tag+in+Jerusalem,+nach+einem+Besuch+beim+Friseur.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Paula, schläfst Du noch nicht? Du kannst Dir die Geschichte morgen noch einmal vorlesen lassen und die Bilder angucken. Und Du kannst mir auch Fragen stellen. Ich schicke Dir die Antworten, versprochen. Jetzt schicke ich den Brief ab, damit Du ihn bald hast.&lt;br /&gt;Tschüs!&lt;br /&gt;Dein Dassi aus Bethlehem&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-225746897788656337?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/225746897788656337/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=225746897788656337' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/225746897788656337'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/225746897788656337'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/05/brief-ein-kind.html' title='Brief an ein Kind'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEBDWhZLkOI/AAAAAAAAAM0/nYWDQKhfapA/s72-c/Der+Esel+braucht+keine+Tankstelle....JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-2360171892634622658</id><published>2008-05-30T07:20:00.000-07:00</published><updated>2008-05-30T07:38:17.113-07:00</updated><title type='text'>Geschichten über Kinder</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666600;"&gt;Heiliger Antonius &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er trägt eine braune Kutte mit Kapuze, ein Seil ist durch kleine Schlaufen geführt und locker &lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAN0RZLkGI/AAAAAAAAAL0/DI2CPy5uNIY/s1600-h/Toni+mit+Gro%C3%9Ftante.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206176360913670242" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAN0RZLkGI/AAAAAAAAAL0/DI2CPy5uNIY/s320/Toni+mit+Gro%C3%9Ftante.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;geknotet, ein dunkelroter Rosenkranz hängt neben den Kordeln herab. Er ist zwei und ein halbes Jahr alt. Er heißt Toni. Wir denken erst, dass er ein Spiel spielt, dass er sich verkleidet hat. Aber seine Tante erklärt uns, was es mit dieser Kutte auf sich hat: Toni trägt sie immer, vor allem, wenn er das Haus verlässt, oder wenn Besuch kommt, so wie jetzt gerade.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Antoinette, eigentlich seine Großtante, hat uns eingeladen und erzählt uns jetzt einiges aus der Geschichte dieses Hauses. Es ist eigentlich kein altes Haus, aber es hat so viele Geschichten gesehen, wie der Palast aus Tausendundeiner Nacht. Das Haus liegt dicht an der Grenze zwischen dem Jerusalemer Stadtgebiet und Bethlehem. Jetzt ist da eine Mauer gebaut, 12 Meter ist sie hoch. Sie geht hier weit in das Bethlehemer Gebiet hinein, ummauert eine Exklave, die Israel für sich reklamiert, das Gelände von Rachels Grab. Antoinettes Haus steht in einer Ecke, von zwei Seiten durch diese Mauer eingezwängt. Die Hälfte ihres Gartens ist für sie nicht mehr erreichbar, sie liegt auf der Jerusalemer, der Israelischen Seite. Weil das hier Grenzgebiet ist, hat das Haus viel vom Krieg, der hier die Geschichte der letzten 60 Jahre geprägt hat, gesehen. Hier wurde 1948 und 1967 gekämpft und wieder mit der ersten und mit der zweiten Intifada. Die Geschichten sind nicht so schön, wie die aus Tausendundeiner Nacht, obwohl es finstere Nachtgeschichten sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Zimmer, in dem wir sitzen und Tee trinken und Askadinyas essen, frisch vom Baum gepflückt, hat einige Bilder und große Fotos an seinen Wänden hängen. Auf einem ist eine riesige &lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAQaxZLkJI/AAAAAAAAAMM/YVWUTwVgdHw/s1600-h/Wachturm+mit+Blick+in+die+Wohnung+von+Tonis+Familie.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206179221361889426" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAQaxZLkJI/AAAAAAAAAMM/YVWUTwVgdHw/s200/Wachturm+mit+Blick+in+die+Wohnung+von+Tonis+Familie.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Familie zu sehen. Antoinette benennt uns alle ihre Kinder, Enkel und die ersten Urenkel. Einige Kinder sind zu früh geboren: Kriegskinder, deren Mütter von einer Bombe, die in der Nähe explodiert ist, betäubt worden war, oder von Tränengas überwältigt, das Kind fast verloren haben. Anton ist so ein Kind. Als die Mauer gebaut wurde, haben hier die Soldaten den Palästinensern aufgelauert, die eine Lücke in der Mauer nutzen und zu ihren Arbeitsplätzen laufen wollten. Bei einem Tränengasangriff ist die Mutter zu Fall gekommen und hat das Kind zu früh geboren. Toni ist im Brutkasten aufgezogen worden. Als er schließlich gesund zu seiner Familie in dieses Haus in der Mauerecke zurück konnte, haben die Eltern beschlossen, ihn dem Heiligen Antonius zu weihen. Und das sieht so aus, dass Toni jetzt ein Jahr lang die braune Kutte der Franziskaner trägt. Er trägt sie gern und ist stolz auf sie. Er entwickelt sich gut, aber er ist ängstlich, „als ob er weiß, wie es bei seiner &lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAPvhZLkII/AAAAAAAAAME/6-oX7AKATU8/s1600-h/eingezw%C3%A4ngt+von+der+Mauer.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206178478332547202" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAPvhZLkII/AAAAAAAAAME/6-oX7AKATU8/s320/eingezw%C3%A4ngt+von+der+Mauer.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Geburt zugegangen ist“, erklärt die Großtante.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sind im Obergeschoss und sehen uns um, nach Jerusalem hinüber, nach Beit Jalla hinauf und zum Grab der Rachel. Wir sind aber im Blickfeld der Soldaten im Wachturm drüben. Der ist etwa 200 Meter entfernt, hat aber mehrere Videokameras. Jedenfalls hatte ich gerade den Wachturm in meiner Kamera fokussiert, als meine Kollegen mich am Ärmel zurückzogen, weil die Soldaten ihrerseits heftig winkten und bedeuteten, dass wir nicht fotografieren dürften.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Toni wächst also in diesem Haus auf, dessen Garten die Familie kaum mehr benutzt, weil er durch die Mauer und den übrig gebliebenen Bauschutt alle Schönheit verloren hat. Im Hof kann er spielen. Aber Nachbarn hat er kaum, weil die meisten Häuser hier leer stehen, die Bewohner sind „bis auf weiteres“ vertrieben worden. Nur Antoinette ist hier geblieben. Sie hat einen britischen Pass und Schutz. Am 13. Juni wird Toni den Feiertag seines Schutzherrn begehen. Wünschen wir ihm dafür einen schönen Tag und die Hoffnung, dass, so klein er ist, so schutzbedürftig, wie er aufgewachsen ist, er für das stehen wird, wofür sein Patron steht: Für das Wiederfinden verlorener Sachen! Wünschen wir ihm, dass er mit des Heiligen Antonius Hilfe den ganzen Garten, die Mandel- und Askadinyabäume seiner Familie, die Freiheit, sich in seinem eigenen Land bewegen zu können, zurück erhalten wird. Wünschen wir ihm, dass er die staubigen Reste der Mauer in seinem Garten eines Tages seinen Kindern und Enkeln wird zeigen und erklären können, was für finstere Zeiten dieses &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAOuBZLkHI/AAAAAAAAAL8/WsRIQrBq0Ps/s1600-h/Was+mal+ein+Garten+war.JPG"&gt;&lt;/a&gt;schöne Land hinter sich hat…&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206179775412670626" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAQ7BZLkKI/AAAAAAAAAMU/PD3EiH7sPZY/s400/Was+mal+ein+Garten+war.JPG" border="0" /&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-2360171892634622658?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/2360171892634622658/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=2360171892634622658' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2360171892634622658'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2360171892634622658'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/05/geschichten-ber-kinder_5135.html' title='Geschichten über Kinder'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAN0RZLkGI/AAAAAAAAAL0/DI2CPy5uNIY/s72-c/Toni+mit+Gro%C3%9Ftante.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-6976536018369138805</id><published>2008-05-30T07:03:00.000-07:00</published><updated>2008-05-30T07:20:15.966-07:00</updated><title type='text'>Geschichten über Kinder</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666600;"&gt;Schwarze T-Shirts&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; &lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;Jeden Freitag finden Demonstrationen in den Dörfern um Bethlehem statt. Freitag ist Feiertag. Die Muslime haben am Mittag ihr großes Gebet, die Moscheen sind dann voll. Und die Juden beginnen mit der Dämmerung den Sabbat, in den jüdischen Städten und Jerusalemer Wohnvierteln sind dann die Straßen voll, die frommen Juden, und es gibt viel von ihnen, gehen in die Synagogen. Freitag, Feiertag, arbeitsfrei, Zeit zum Demonstrieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAKiBZLkCI/AAAAAAAAALU/-5Cab24dbKY/s1600-h/Kinder+in+der+Demonstration.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206172748846174242" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAKiBZLkCI/AAAAAAAAALU/-5Cab24dbKY/s200/Kinder+in+der+Demonstration.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Wir sind in Umm Salomone, einem Dorf südlich von Bethlehem. Die Szene ist eingeübt. Soldaten sperren den Ausgang des Dorfes auf die Landstraße ab. Stacheldraht ist quer über die Straße gelegt. Dahinter stehen sie, in ihren Furcht erregenden Kampfanzügen, schwer bewaffnet, breitbeinig in zwei Reihen. Vor dem Stacheldraht viele Kinder, einige Männer, die nachher reden werden. Zwei Fernsehkameras, Reporter, die manchmal plötzlich auf der Seite der Soldaten stehen und ihre Fotos von den Demonstranten schießen werden, von den Soldaten gelitten, weil der Sinn dieses Spiels hier genau der ist: Schrecken zu verbreiten und zu zeigen, wie unerbittlich und unbezwingbar die Soldaten mit Demonstranten fertig werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Plötzlich sehen wir &lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAKjRZLkDI/AAAAAAAAALc/nxGltjuFV2A/s1600-h/Kinder+ziehen+den+Stacheldraht+weg.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206172770321010738" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAKjRZLkDI/AAAAAAAAALc/nxGltjuFV2A/s200/Kinder+ziehen+den+Stacheldraht+weg.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Gerangel. Die Kinder haben angefangen, den Stacheldraht, der richtig böse, nicht mit harmlosen Stacheln, sondern mit unzähligen kleinen Klingen besetzt ist, zu sich herüber zu ziehen, zur Dorfseite hin, damit er irgendwann nicht mehr sperrt. Die Soldaten fassen sofort zu und nun ziehen sie von beiden Seiten, die kleinen und die großen Jungs. „Ein Männerspiel!“, sagt Anna, meine schwedische Kollegin. Sie sagt es verächtlich. Irgendwann sind die großen Jungs abgelenkt und merken nicht, dass die kleinen Jungs listig an einer Stelle nachgegeben haben, ein Soldat fällt um, das Gewehr klackert auf der Straße, Unsicherheit bei den großen Jungs, ihre Spielfreude lässt für einen Augenblick nach und die kleinen Jungs ziehen den Stacheldraht schnell auf die andere Straßenseite. Jetzt ist kein Stacheldraht mehr da und die Soldaten werden echt böse, rufen Befehle, ziehen sich einige Meter zurück, bilden eine feste Reihe, breitbeinig, ihre Gewehre im Anschlag. Die kleinen Jungs laufen mit dem Stacheldraht in Richtung Dorf, wie eine lange Schlange ziehen sie ihn hinter sich her, sie lachen.&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206173758163488834" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEALcxZLkEI/AAAAAAAAALk/-5NtlSB6hWg/s320/die+gro%C3%9Fen+und+die+kleinen+Jungs.JPG" border="0" /&gt; Ich will den weiteren Fortgang nicht berichten. Auch die Reden nicht, die an uns wenige Zuschauer gerichtet sind, auf Englisch und für meinen Geschmack etwas zu pathetisch...&lt;br /&gt;Was hat es mit den schwarzen T-Shirts auf sich? Schwarz steht für die Trauer über die andauernde Naqba, die Katastrophe von Flucht und Vertreibung. Die Zahl 194, mit weißen Buchstaben dargestellt, steht für die UN-Resolution vom Dezember 1948. In ihr ist das Recht der Palästinensischen Flüchtlinge auf Rückkehr in ihre Dörfer festgelegt. Die Zahl 8, in roter Farbe, macht daraus die Jahreszahl 194&lt;span style="color:#ff0000;"&gt;8&lt;/span&gt;, das Jahr der Katastrophe, in der eine halbe Million Palästinenser vertrieben – und danach nie wieder zurück gelassen worden war. 60 Jahre Naqba, 60 Jahre Missachtung der UN-Resolution. Und mit der Errichtung der Sperranlage, die hier weiter gebaut werden soll, werden neue Familien ihres Landes beraubt oder heimatlosl.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber warum tragen die kleinen Kinder schwarz, Jungs, die gerade erst in die Schule gekommen &lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAMjxZLkFI/AAAAAAAAALs/FsQgfMJ8654/s1600-h/zum+F%C3%BCrchten.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206174977934200914" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAMjxZLkFI/AAAAAAAAALs/FsQgfMJ8654/s200/zum+F%C3%BCrchten.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;sind? Warum werden sie hier gegen die Soldaten aufgestellt? War das denn ihre eigene Idee? An einer Stelle des Demonstrations-Theaters, das hier gespielt wurde, haben einige Jungs plötzlich zwei Finger in V-Form nach oben gereckt, dicht vor die Gesichter der Soldaten, die darauf zum Teil wütend reagiert und nach den kleinen Fingern geschlagen haben, wie man nach einer Fliege schlägt. Ich denke, hier ist das gute Anliegen des Dorfes Umm Salomone, das durch eine Mauer von seinen Feldern und von der Landstraße abgetrennt werden soll, eine Mauer, die die illegalen Siedler der grünen Städte schützen soll, die Israel hier wie eine Perlenkette so anlegt, dass ein weiter Teil Palästinas praktisch an Israel angeschlossen wird – hier ist das gute Anliegen durch die verspielte Art des Protestes verwässert. Und die Kinder werden dafür missbraucht, die kleinen Jungs. Die großen sowieso: Wie dumm müssen die sich vorkommen in diesem unwürdigen Spiel!&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-6976536018369138805?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/6976536018369138805/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=6976536018369138805' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/6976536018369138805'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/6976536018369138805'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/05/geschichten-ber-kinder_274.html' title='Geschichten über Kinder'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAKiBZLkCI/AAAAAAAAALU/-5Cab24dbKY/s72-c/Kinder+in+der+Demonstration.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-6350670741482494597</id><published>2008-05-30T06:56:00.000-07:00</published><updated>2008-05-30T07:03:00.930-07:00</updated><title type='text'>Geschichten über Kinder</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAIKBZLkBI/AAAAAAAAALM/kFFzbG36LGw/s1600-h/Milchgesicht+2.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206170137506058258" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAIKBZLkBI/AAAAAAAAALM/kFFzbG36LGw/s320/Milchgesicht+2.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt; &lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666600;"&gt;Milchgesicht&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Bin ich noch bei Kindergeschichten?&lt;br /&gt;Sein Gesicht fasziniert mich. Ich stehe ziemlich weit in den vorderen Reihen, wo ich eigentlich nicht sein soll. Das Gerangel um den Stacheldraht ist vorbei: Soldaten und Zivilisten, vor allem die ganz jungen, stehen sich hier gegenüber. Kleine Gespräche, meist von den Zivilisten angezettelt, springen über die unsichtbare Linie, die die Soldaten sichern sollen. Einige Gesichter in den Uniformen sind eisig, oder abweisend. Andere sind gleichmütig, wieder andere wachsam. Aber eines ist dabei, von einem Ansatz eines blonden Bärtchens geschmückt, mit einer Brille, die das verlegene Lächeln der Augen nicht verbergen kann – ein Gesicht, das mehr einem Kind gehört, als einem Soldaten. Er soll Schrecken verbreiten, dieser Soldat, aber das hat er nicht richtig gelernt. Unter ihm spielt gerade ein Kind Soldat, es steht breitbeinig da, hält ein imaginäres Gewehr in den Armen und hat ein fürchterliches Gesicht aufgesetzt. Der Soldat lacht. Lacht er über das Kind? Ist er um sich selbst verlegen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Gedanke nistet sich bei mir ein: Was macht dieses Land Israel mit seinen Kindern?!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-6350670741482494597?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/6350670741482494597/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=6350670741482494597' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/6350670741482494597'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/6350670741482494597'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/05/geschichten-ber-kinder_30.html' title='Geschichten über Kinder'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAIKBZLkBI/AAAAAAAAALM/kFFzbG36LGw/s72-c/Milchgesicht+2.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-4440214287232013320</id><published>2008-05-30T06:43:00.000-07:00</published><updated>2008-05-30T06:55:42.025-07:00</updated><title type='text'>Geschichten über Kinder</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#999900;"&gt;Schulweg &lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;Nennen wir sie Hiba. Sie ist 11 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in An Nu’man. Wie ihre Eltern hat sie einen grünen Ausweis, der sie als Palästinenserin definiert. Und wie ihre Eltern wird sie vom Israelischen Staat als illegal in Jerusalem lebend angesehen. Das ganze Dorf gehört zu Palästina, aber Israel hat seine Sperranlage so um das Dorf herum gelegt, dass die etwa 20 Familien jetzt von den besetzten Palästinensergebieten abgeschnitten sind. Zum Einkaufen, Arbeiten, zum Arzt und zu ihren &lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAFdxZLj-I/AAAAAAAAAK0/hjuYpX3_XVE/s1600-h/An+Nu%27man+Checkpoint.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206167178273591266" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAFdxZLj-I/AAAAAAAAAK0/hjuYpX3_XVE/s320/An+Nu%27man+Checkpoint.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Freunden und Familienangehörigen müssen sie jetzt eine Grenz passieren und eine strenge Kontrolle über sich ergehen lassen. Jedesmal.&lt;br /&gt;Und da sind wir wieder bei Hiba. Jeden Morgen geht sie zur Schule im palästinensischen Nachbardorf Al Khas und mittags kommt sie zurück. Immer muss sie durch die Kontrolle und ist dabei dem guten oder bösen Willen der Soldaten ausgesetzt. Es ist ein kleiner Kontrollpunkt, von drei oder vier Soldaten bemannt, selten von höheren Offizieren besucht. Die Willkür der gelangweilten Soldaten nimmt hier besonders krasse Formen an. Schon vor einem Jahr hatte ich eine ganze Reihe unglaublicher Geschichten gehört, die in einem Fall mit dem Tod eines Dorfbewohners geendet hatten. Und nun stehe ich Hiba gegenüber, während ihr Vater die Geschichte ihrer Einschüchterung, um ein ganz vorsichtiges Wort zu gebrauchen, erzählt. Eine TV-Gruppe ist etwa gleichzeitig mit uns an dem Kontrollpunkt angekommen und mit der Dokumentation der Situation der Schulkinder beschäftigt. Hiba steht dabei, den Blick gesenkt, während ihr Vater redet. Alle anderen Schulkinder, Mädchen und Jungs verschiedenen Alters, stehen um sie herum. Die Kinder halten sich an das strenge Gebot ihrer Eltern, immer zusammen zu gehen, nie jemanden allein zurück zu lassen.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAGSxZLj_I/AAAAAAAAAK8/y6BXJymX7Cc/s1600-h/nennen+wir+sie+Hiba.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206168088806658034" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAGSxZLj_I/AAAAAAAAAK8/y6BXJymX7Cc/s400/nennen+wir+sie+Hiba.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Hiba war eines Morgens von einer Soldatin in der Drehtür eingeschlossen worden. Sie konnte nicht vor und nicht zurück. Die Soldatin kam hinter ihrem schusssicheren Fenster hervor und verlangte von ihr, sie solle laut und deutlich aussprechen, sie sei eine Hure. Noch mehr Vorschläge von Selbstbeschimpfungen hatte die Soldatin für Hiba bereit. Hiba hat sich verweigert. Die Soldatin brachte ihr Bier, das sollte sie trinken. Für Muslime und erst recht für Mädchen in ihrem Alter ist das eine Provokation und Beleidigung. Auch das hat Hiba verweigert. 15 Minuten hielt die Soldatin das elfjährige Mädchen in der engen Drehtür gefangen. Schließlich hat sie es entlassen, aber angedroht, heute Nachmittag werde sie länger festgehalten, falls sie sich immer noch weigere, den Anweisungen der Soldaten zu folgen. Hiba ist an diesem Nachmittag nicht Hause gegangen. Nach der Schule hat sie den anderen Kindern Bescheid gesagt und ist zu ihrem Onkel gegangen, der in Al Khas wohnt. Abends hat ihr Vater sie abgeholt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich weiß nicht, wie sie es schafft, jeden Tag wieder durch die Grenzkontrolle zu gehen, aber &lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAG4hZLkAI/AAAAAAAAALE/dCKkIoq4OIs/s1600-h/die+Schulkinder+auf+dem+Weg+nach+Hause.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5206168737346719746" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAG4hZLkAI/AAAAAAAAALE/dCKkIoq4OIs/s320/die+Schulkinder+auf+dem+Weg+nach+Hause.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;einen anderen Schulweg gibt es nicht und zur Schule will sie doch. Ich weiß auch nicht, wie die Angelegenheit, die von den Eltern als Beschwerde vor die Militärbehörde gebracht worden ist, intern geklärt worden ist. Wurde die Soldatin bestraft? Hängt jetzt ein Aushang in dem Wachhäuschen „Du sollst nicht kleine Mädchen belästigen und einschüchtern“? Ich weiß vor allem nicht, ob die Generale und die Minister und die Parteiführer darüber nachdenken, dass die Besetzung Palästinas durch Israel mit jedem Tag, die sie andauert, nicht nur die Besetzten sondern mehr noch den Besatzern, hier den Soldaten und Soldatinnen mehr ihr menschliches Gesicht nimmt. &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-4440214287232013320?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/4440214287232013320/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=4440214287232013320' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/4440214287232013320'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/4440214287232013320'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/05/geschichten-ber-kinder.html' title='Geschichten über Kinder'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SEAFdxZLj-I/AAAAAAAAAK0/hjuYpX3_XVE/s72-c/An+Nu%27man+Checkpoint.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-2253395983771800129</id><published>2008-05-17T10:44:00.000-07:00</published><updated>2008-05-17T11:23:21.153-07:00</updated><title type='text'>60 Jahre Naqba</title><content type='html'>&lt;strong&gt;Gerechtigkeit ist der Schlüssel zur Zukunft &lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SC8ehH3xcEI/AAAAAAAAAJU/HjfFO81g_DQ/s1600-h/Aida+Fl%C3%BCchtlingslager.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5201409649033703490" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SC8ehH3xcEI/AAAAAAAAAJU/HjfFO81g_DQ/s320/Aida+Fl%C3%BCchtlingslager.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das kleine Mädchen zeigt nach oben und ruft etwas, ängstlich oder ärgerlich? Ihr großer Bruder beugt sich zu ihr herunter und erklärt etwas. Sie bleibt aufgeregt, aber dann leuchten ihre Augen. Jetzt sehe ich es auch: Ein Bündel schwarzer Luftballons hatte sich im Schlüsselbart verfangen und seinen Weg in den Himmel nicht gefunden. Jetzt hat er sich aber gelöst, steigt auf und wird vom Wind nach Osten getrieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schlüssel, ein überdimensionales Exemplar eines altertümlichen Schlüssels liegt auf dem Bogen, der hier symbolisch für das Schlüsselloch und für das Tor zur Gerechtigkeit steht. Es ist ein altertümlicher Schlüssel mit Bart, wie er heute kaum noch irgendwo in Gebrauch ist, auch hier in Palästina nicht. Aber es ist der Schlüssel, der in vielen Wohnungen palästinensischer Flüchtlinge hängt, neben der Tür, vielleicht mit einem Foto von dem Haus, in dessen Haustür er vor der Flucht oder Vertreibung gepasst hatte, dem Heim der Flüchtlingsfamilie. Die Kinder kennen die Geschichte vom Schlüssel und von dem Haus der Familie, dem Eselstall im Hof und den Oliven- und Mandelbäumen im Garten. Die Kinder hier im Aida Flüchtlingslager wachsen mit den Erinnerungen der Großeltern, mit der Geschichte zu diesen Schlüsseln auf.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SC8eSH3xcDI/AAAAAAAAAJM/Jbg77E5i0SQ/s1600-h/Ballons,+Flagge+und+Transparent.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5201409391335665714" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SC8eSH3xcDI/AAAAAAAAAJM/Jbg77E5i0SQ/s320/Ballons,+Flagge+und+Transparent.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Wir befinden uns in einem der drei Flüchtlingslager von Bethlehem, dem Aida-Camp. Heute ist der 15. Mai, Naqba-Tag und in diesem Jahr ein besonderer, der 60. Gedenktag der Katastrophe der Palästinenser. Während Israel ausgelassen sein Jubiläum der Staatsgründung feiert, trauert Palästina.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war nicht leicht, hierher zu kommen, nicht weil der Weg schwer zu finden war; das Flüchtlingslager ist in einer Viertelstunde Fußweg von unserer Wohnung aus zu erreichen. Sondern weil einige Leute aus der Gruppe, mit der wir verabredet waren, beschlossen hatten, statt zu der Gedenkfeier zu der Demonstration des Widerstandes nach Beit Sahour zu fahren. Dort haben heute früh israelische Siedler, in berechneter Provokation der trauernden Palästinensischen Nation ein Grundstück in Beit Sahour besetzt, das die Israelische Armee vor einiger Zeit geräumt und der Stadtverwaltung von Beit Sahour und Bethlehem übergeben hatte. Ein Park, Spielplätze, ein Gemeindezentrum sollten dort gebaut werden, die Bauschilder standen schon, die EU als Sponsor auf den Schildern. Die Siedler waren bewaffnet, sie sind bei ihren Aktionen immer zum Kampf bereit. Als erstes haben sie die Bauschilder zerstört. Palästinenser, die sich nach der gewaltsamen Besetzung durch die Siedler heute früh dort versammelt hatten, wurden von Israelischer Grenzpolizei abgedrängt. Ein Rechtsanwalt, der sich zum Sprecher des spontanen Protestes gemacht hatte, war verhaftet worden. Wir standen im Büro vom Holy Land Trust und besprachen die Situation. Unser Team der Ökumenischen Begleiter hat sich gegen die Fahrt nach Beit Sahour entschieden und stattdessen wie geplant den Weg ins Aida Flüchtlingslager genommen.&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5201412732820222066" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SC8hUn3xcHI/AAAAAAAAAJs/fYe5x8yFlh4/s400/Naqba+Gedenktag.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt fliegen die Luftballons, die „den Himmel über Palästina schwarz färben“ sollen, als Ausdruck der Trauer. Sie fliegen, 21.915 Ballons, vom Wind getrieben, nach Osten. Es ist je einer für jeden Tag der „Naqba“, der Katastrophe. Kinder in schwarzen Hosen und mit der Aufschrift „1948“ auf den schwarzen T-Shirts, kommen aus dem Jugendzentrum, Bündel von Luftballons in den Händen, jeweils einen Zettel tragend mit der Schilderung von Details der Schicksale der Familien hier im Flüchtlingslager. Die Bündel mit ihren Geschichten steigen auf und brechen den blassblauen Himmel auf. Die Erwachsenen schauen ihnen nach, ihre Minen zeigen nicht, was sie denken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SC8e_X3xcFI/AAAAAAAAAJc/AJBSF7ut4ho/s1600-h/Hochzeit+von+Florian.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5201410168724746322" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SC8e_X3xcFI/AAAAAAAAAJc/AJBSF7ut4ho/s320/Hochzeit+von+Florian.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;An dieser Stelle muss ich meine ganz eigene Erinnerung an die letzten Luftballons nennen: Vor genau 2 Wochen habe ich Luftballons fliegen sehen, auf der Hochzeit unseres jüngsten Sohnes. Rote Luftballons, von fröhlichen Menschen in den Himmel geschickt, mit kleinen Zetteln und Wünschen für die beiden Hochzeiter. Der Wind trug die Ballons hoch hinauf und aus dem grünen Garten in Babelsberg über Potsdam weg in die Havellandschaft... Was für ein Kontrast zu der Demonstration des Schmerzes, die wir hier im Aida Flüchtlingslager im Palästinensergebiet haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir werden in den nächsten Tagen immer wieder mit der Frage an sie herantreten: Wie lange glauben sie, wird es brauchen, bis die Gerechtigkeit, von der alle Slogans handeln, sich durchsetzen wird. Gebt uns unsere Häuser wieder! Lasst uns zurückkehren in unsere Dörfer! Anerkennung und Wiedergutmachung des Unrechts an Palästinensern gegen die Anerkennung Israels! Gebt uns Gerechtigkeit und ihr werdet Frieden finden! Das sind die Slogans dieser Tage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SC8f833xcGI/AAAAAAAAAJk/rcwGLcThY_Y/s1600-h/Fl%C3%BCchtling+in+der+3.+Generation.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5201411225286701154" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SC8f833xcGI/AAAAAAAAAJk/rcwGLcThY_Y/s400/Fl%C3%BCchtling+in+der+3.+Generation.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Zwei kleine Jungs streiten sich, weil sich ihre Bündel Ballons verhakt haben, sie werden handgreiflich, eine ältere Schwester greift ein und schlägt vor, dass sie ihre verhakten Bündel zur gleichen Zeit los lassen. Das tun sie. Ein dicklicher Junge versucht, mit seinen Ballons hoch zu springen und zu fliegen, was Lachen bei den Umstehenden auslöst. Ein älterer Mann, der mit anderen Männern an einer Mauer lehnt, fängt einen Ballon auf, der schlapp gemacht und abgesunken ist. Verlegen macht er drei Schritte auf die Kinder zu und gibt seinen Fang an sie ab. Unter dem riesigen Schlüssel haben sich die größeren Jungs mit Fahnen versammelt, sie tanzen und singen. Auch eine Doppelreihe Mädchen hat sich zum Tanz bereit gemacht, die Gesichter leuchten, die Fahnen flattern im Wind. Es ist eine große Stimmung. Ich glaube, diese Kinder werden sich noch als Erwachsene an diesen Tag und die Aktion mit den schwarzen Luftballons erinnern. Hoffentlich haben sie dann bessere Aussichten auf ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden, als ihre Eltern es heute haben. Hoffentlich findet der Schlüssel– der die Inschrift trägt: „nicht zum Verkauf“ – seine Tür zur Gerechtigkeit und schließt sie auf.&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-2253395983771800129?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/2253395983771800129/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=2253395983771800129' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2253395983771800129'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2253395983771800129'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2008/05/60-jahre-naqba.html' title='60 Jahre Naqba'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/SC8ehH3xcEI/AAAAAAAAAJU/HjfFO81g_DQ/s72-c/Aida+Fl%C3%BCchtlingslager.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-4144662309593619368</id><published>2007-08-13T02:36:00.000-07:00</published><updated>2007-08-13T03:17:07.326-07:00</updated><title type='text'>Zum Israelsonntag, 12. August 2007</title><content type='html'>&lt;div align="left"&gt; &lt;span style="font-size:130%;color:#666666;"&gt;&lt;strong&gt;Israel braucht Kritiker&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Singt Gott das neue Lied, singt laut! Mit diesem Motto aus Psalm 33 sollen wir den diesjährigen Israelsonntag feiern. Ja! Es geht um Gott und wie wir ihn gemeinsam in der Welt bezeugen, Christen und Juden. Gott loben, darin finden wir Gemeinsamkeit. Und was die Gemeinsamkeit stört, darüber dürfen wir streiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Der reale Staat Israel&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="left"&gt;Israel, der reale Staat Israel – Israel muss an diesem Tag thematisiert werden. Dieser Staat Israel ist kein Lob Gottes vor den Völkern. Das Judentum, das dieser Staat Israel nach außen darstellt, schafft Gott keine Freunde, nicht unter seinen Nachbarn und nicht in der Gemeinschaft der Völker. Die Völker kommen heute nicht nach Zion, um seinen Gott zu loben. Ich sage: Dieses Israel braucht Kritiker, keine falschen Freunde, die die Augen vor dem Unheil, in das es läuft, verschließen. &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RsApPs6xdHI/AAAAAAAAAIo/Hd88gIMOpxk/s1600-h/Kopie+Artikel+in+der+Kirche.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5098120127915848818" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RsApPs6xdHI/AAAAAAAAAIo/Hd88gIMOpxk/s200/Kopie+Artikel+in+der+Kirche.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anders als unsere reformatorischen Väter sehen wir heute „Israel“ nicht als das abgestrafte alte Volk Gottes. Anders als die Protestanten des 19 Jahrhunderts sehen wir „die Juden“ nicht als Objekt christlicher Mission. Wir sehen Israel als Gottes Modell und als Partner für unser Bekenntnis zu Gott in einer gottlosen Welt. Und das reale Israel, wie alle Versuche, einen Gottesstaat auf Erden zu errichten, verdient dabei unsere kritische Aufmerksamkeit.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="left"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="left"&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Engagiertes Hinsehen&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Israel braucht Kritik, nicht blinde Zustimmung zu seiner selbstzerstörerischen Politik. Ich schreibe das, nachdem ich zweimal im Friedensprogramm des Weltkirchenrates in Israel/Palästina mitgearbeitet habe, insgesamt ein halbes Jahr lang. Ich war in Jerusalem, in seinem Westen, seinem Osten und seinem Umland, jenseits der Sperranlage, in den abgeschnittenen Vororten und Nachbarstädten. Ich habe das Leiden der Menschen in diesem Land gesehen und sie lieben gelernt. Gott sei Dank!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich stand da, wo morgens um 5 Uhr die ersten tausend Männer und einige Frauen darauf warten, durch die Sperre gelassen zu werden, die Israel durch das Land gezogen hat. Ich habe die demütigenden Prozeduren erlebt, denen sie dort unterzogen werden. Ich habe versucht, zu helfen, wenn Palästinenser abgewiesen wurden: Kranke, die in ihre Krankenhäuser in Ostjerusalem, Pilger, die zum Freitagsgebet zur Al Aqsa Moschee oder Menschen, die einfach Arbeit in der Stadt suchen wollten. Ich habe ihre tiefe Frustration zu spüren gekriegt. Und ich habe dort auch Menschen getroffen, die verzweifelt versucht haben, an einen Weg aus diesem Zustandes suchen. Gott sei Dank!&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="left"&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RsAphs6xdII/AAAAAAAAAIw/w3b7AF_ZYTQ/s1600-h/Kopie+Seite+5+der+Kirchenzeitung.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5098120437153494146" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RsAphs6xdII/AAAAAAAAAIw/w3b7AF_ZYTQ/s200/Kopie+Seite+5+der+Kirchenzeitung.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="left"&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Traumatisiert&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe junge Soldaten gesehen, die dabei von Angst und Aggressivität und Offiziere, die vom Gefühl der Macht geleitet wurden. Ich habe Menschen unter der Belastung leiden sehen, die jede Besatzungsmacht prägt: Väter, die ihre Söhne nicht mehr verstehen und Kinder, die das Schweigen der Väter über ihre Kriegserlebnisse nicht mehr aushalten. Aber ich habe auch Kriegsdienstverweigerer gesehen, die den Mut haben, dafür ins Gefängnis zu gehen. Und Mütter, die sich jeden Morgen aufmachen, um die jungen Soldaten an den Kontrollpunkten auf mindestens faires Verhalten zu verpflichten. Gott sei Dank!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe Menschen erlebt, die sich gegenüber stehen, die getrennt in einem Land aber in zwei traumatisierten Gesellschaften leben. Menschen die geprägt sind von Angst vor- und Hass gegeneinander; die die Eskalation von Tat und Folge erleben, aber nicht rational zu ihren Anfängen zurück verfolgen; die fatalistisch oder aggressiv in die nächste Runde steigen, weil niemand ihnen den Weg aus dem Trauma weist. Völker, die ihr Trauma kultivieren - und Nachbarn, die sich auf die eine oder die andere Seite stellen? Wo soll da Hilfe herkommen? Aber ich habe auch Menschen erlebt, Israelische Soldaten und palästinensische Freiheitskämpfer, die ausgestiegen sind, die miteinander reden und die dafür werben, dass auch andere aussteigen und miteinander reden. Und Väter und Mütter, die um Gefallene, um Opfer von palästinensischen Selbstmordattentaten und von israelischen Erschießungskommandos trauern; die sich zusammentun: Israelis und Palästinenser, weil Trauer nicht trennen muss, sondern auch einen kann. Diese Menschen zeigen den Weg aus dem Trauma. Es gibt sie. Gott sei Dank!&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="left"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="left"&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Israelische Freunde&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin befreundet mit Israelis, die als Führer und Pädagogen im großen Gedächtnis-Mahnmal, in Yad VaShem arbeiten und die sich daneben für eine Gedächtniskultur Israels engagieren, in der auch die Zerstörung von arabischen Dörfern und die Vertreibung von Palästinensern erinnert werden. Befreundet mit Israelis, die sich gegen die Vernichtung der Kultur der Beduinen und ihre Zwangsumsiedlung in Lager einsetzen. Ich habe mit ihnen gemeinsam Chanukka, Schawuot, den 9. Aw oder einfach den Beginn des Sabbat gefeiert – oder neben ihnen gestanden bei ihren Mahnwachen. Es gibt mutige Israelis. Gott sei Dank!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch ein Wort zu meinen israelischen Freunden. Sie haben verschiedene politische Ansichten. Sie setzen mit der Kritik bei Konzepten des Zionismus ein oder mit der falschen Entscheidung zur fortdauernden Besatzung der Palästinensergebiete oder bei der Militarisierung der Gesellschaft. Diese Freunde wollen nichts davon hören, dass ich als Deutscher sage: Ich als Deutscher… Nein!, sagen sie, Du musst das Trauma der Deutschen Schuld überwinden, sonst bist du uns nichts nutze! Sie geben mir das Recht, hier als Mitmensch und als Christ zu schreien: Israel braucht Kritik, nicht vornehmes oder ängstliches Wegschauen. Und sie trauen uns das zu, gerade uns Deutschen. Gott sei Dank!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kommt, lasst uns streiten! Gott loben, das ist unsere, der Juden und der Christen gemeinsame Mission in der Welt. Der Jüdische Staat Israel, der sich nicht vom Trauma seiner langen Vorgeschichte trennen kann, braucht unsere Solidarität. Jerusalem und Israel, die Stadt und das Land der Gotteserfahrungen, die das alte Israel, die die Christenheit, die der Islam dort gemacht haben – sie brauchen unser Gebet. Sie brauchen unsere Kritik.&lt;br /&gt;Denn Gott braucht ein neues Lied.&lt;/div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5098125857402221714" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RsAudM6xdJI/AAAAAAAAAI4/yG39IIVFlyc/s400/Kopie+von+IMG_0820.JPG" border="0" /&gt; &lt;p align="center"&gt;Vereidigung von Soldaten vor der Klagemauer&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-4144662309593619368?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/4144662309593619368/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=4144662309593619368' title='32 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/4144662309593619368'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/4144662309593619368'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2007/08/zum-israelsonntag-12-august-2007.html' title='Zum Israelsonntag, 12. August 2007'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RsApPs6xdHI/AAAAAAAAAIo/Hd88gIMOpxk/s72-c/Kopie+Artikel+in+der+Kirche.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>32</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-8753142641236923284</id><published>2007-07-13T23:02:00.000-07:00</published><updated>2007-07-13T23:35:00.934-07:00</updated><title type='text'>Brief zum Portrait</title><content type='html'>Jerusalem, 07.07.2007&lt;br /&gt;Guten Morgen, liebe Nini!&lt;br /&gt;Wie ich sehe, hast Du eben die Mailbox geöffnet. Und vielleicht seid Ihr ja noch dabei, das Kamel, das ich Euch heute morgen mitgeschickt habe, zu betrachten. Ob es Paula gefällt, das Kamel?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Israelsonntag&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Ich habe gerade die Antwort an Frau K. geschrieben und zugesagt, dass ich am 12. August den Gottesdienst in Blankenfelde übernehmen werde. Am 12. August werden wir, dem Kirchenkalender folgend, den Israelsonntag feiern. Das ist traditionell der Sonntag, an dem die evangelischen Kirchen und Gemeinden über ihre Wurzeln im Judentum oder, anders gesagt, über ihre Beziehungen zum Judentum nachdenken. Eine Zeit lang hieß das, Martin Luther folgend, sich das Beispiel der Bestrafung Israels mit der zweimaligen Zerstörung des Tempels vor Augen zu führen. Im 19&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RphpBUAC5UI/AAAAAAAAAH4/llk9iJQTav4/s1600-h/Kopie+Marokkanisches+Viertel.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5086931250384659778" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RphpBUAC5UI/AAAAAAAAAH4/llk9iJQTav4/s200/Kopie+Marokkanisches+Viertel.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;. Jahrhundert wurde die Liturgie als Aufruf zur Judenmission genutzt. Und heute gerät der Gottesdienst an diesem Tag dann zu einem Gottesdienst in Solidarität mit dem modernen Israel. So ändern sich die Zeiten! Die Solidarität mit den Juden, die auf eine lange Geschichte von Ab- und Ausgrenzung, Verfolgung und schließlich die Schoa zurückblicken, will ich mitmachen. Aber ich bringe auch die scharfe Kritik am Staat Israel aus meiner Arbeit hier vor Ort mit: an seiner Besatzung Palästinas. Wie soll das, die Solidarität mit den Juden und die Kritik am Staat zusammen gehen in einem Gottesdienst? Warum muss ich hier ständig begründen, dass ich zweimal parteilich bin, sowohl auf der Seite der Juden, die nach ihrer langen Geschichte von Ausgrenzung hier die Chance suchen, ihr eigenes, ein sicheres Land zu finden; als auch auf Seiten der Palästinenser, die tägliche Diskriminierung, Unterdrückung und Demütigung erleiden. Wer bin ich, dass ich mich nicht einfach auf die eine oder die andere Seite stellen kann?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Skizze&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Neben mir liegt eine Skizze, mit Kugelschreiber gezeichnet, mit einem Porträt von mir. Die Skizze ist gestern entstanden. Und die Geschichte dazu muss ich erzählen. Gestern war das vorletzte Konzert in einer Reihe, die hier in den letzten Tagen unter dem Titel „Sounding Jerusalem“ veranstaltet worden war. Gestern fand das Konzert im Kloster der Franziskaner statt, beim Neuen Tor, dort wo wir die gute Falaffel gegessen haben. Es war wunderbare Musik, ein Quartett von Mozart, ein Trio von Carl Maria von Weber und das Trio für Violine, Cello und Klavier in Es-Moll von Schostakowitsch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Gespräch mit Israelis&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nach der Pause war ich mit den beiden Nachbarn, einem älteren Ehepaar, ins Gespräch gekommen. Sie hatten gefragt, wer ich sei, was ich hier mache. Ich habe, während ich die erste Antwort gab, die Skizze auf der Rückseite des Programms gesehen, das der Nachbar in der Hand hielt und höflich gefragt, wen er da gezeichnet habe. Na Sie!, war die Antwort. Ich habe um die Skizze gebeten und sie auch erhalten. Leider war das Gespräch sehr schnell an dem Punkt, wo wir uns nicht klar verständigen konnten, sie, die Israelis aus Tel Aviv – "what occupation?" – und ich, Besucher mit der Aufgabe kritischer Begleitung der Opfer der Besatzung. Das Wort „Frieden“ hat auf beiden Seiten einen schlechten Klang, für Israelis heißt es meist Verzicht auf Sicherheitsmaßnahmen und für Palästinenser Unterwerfung unter die Teilung und Besatzung ihres Landes. Das lässt sich nicht vermitteln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Schostakowitsch, Trio für Violine, Cello und Klavier&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Es war schon nach der Pause und wir mussten das Gespräch unterbrechen. Dann spielten die Musiker das Trio Nr. 2 für Violine, Cello und Klavier. Ein wunderbares Stück, in dem Schostakowitsch den Sieg über die Nazis, aber auch das Leiden der Menschen aufnimmt. Er tut das mit einer jiddischen Melodie im dritten Satz und das ist, wie gesagt, tief bewegend. Wenn Du mir diese Musik besorgen könntest, Nini, bis ich nach Hause komme, würdest Du mich glücklich machen. Es gibt selten so sensible und schmerzhafte Musik. Sie hat mich an Smetana erinnert, an das Quartett, in dem er die Violine seinen Ohrton aufnehmen lässt. Schostakowitsch hat diese Musik 1944 komponiert, für seine Freunde gut erkennbar als Kritik am Stalinismus; aber er hat ironischerweise dafür den Stalinorden umgehängt gekriegt. Die Musik ist also so etwas wie eine Darstellung des Leidens an den Ohren derer vorbei, die für das Leiden mit verantwortlich sind. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass unsere schmerzlich disharmonische Debatte, was Frieden in diesem Land bedeutet, zwischen uns hing, während die Musik von Schostakowitsch den Raum füllen wollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Fortsetzung des Gesprächs mit Israelis&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Na, und das erste, was die Nachbarin tat, als der Beifall für die Musiker abgeklungen war: Sie wandte sich mir zu und fragte, ob irgendjemand von uns und irgendjemand in der Welt nach dem entführten israelischen „jungen Mann“ fragt – sie sagte nicht „Soldaten“ – , er heißt Gilad Schalit. Aber selbstverständlich, versuchte ich zu sagen... Jedenfalls war sie, auf eine schmerzlich dichte Weise im Sinne von Schostakowitschs Musik, am The&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Rphq4UAC5XI/AAAAAAAAAIQ/wsWdzrcp-R8/s1600-h/Portrait+Gottfried.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5086933294789092722" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Rphq4UAC5XI/AAAAAAAAAIQ/wsWdzrcp-R8/s200/Portrait+Gottfried.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;ma geblieben, das uns dann aber mehr auseinander trieb, als verband. Wir verabschiedeten uns herzlich und höflich, ich mit der Skizze in der Hand und mit dem Gefühl, dass ich ihnen etwas schulde und nicht wusste, was. Ich vergaß sogar, ihnen „Schabat Schalom!“ zu wünschen, und es war doch Freitag Abend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Portrait&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erst draußen vor dem Kloster, am Neuen Tor, nahm ich das Programmblatt in die Hand und betrachtete aufmerksam die Rückseite. Die Skizze zeigt mich im Profil, aber ich erkenne meinen Bruder Michael, als würde er neben mir sitzen. Nie hätte ich gedacht, dass unsere Ähnlichkeit, ansonsten doch verloren gegangen, im Profil immer noch vorhanden ist. Was mich am meisten bewegt: Hier hat mich ein Fremder, der mich als Hörer schöner Musik beobachtet hat, gezeichnet. Das ist doch ungewöhnlich, noch nie hat mich jemand gezeichnet. Warum hier, im Konzert im Franziskanerkloster in der Jerusalemer Altstadt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Über der Klagemauer&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Ja, und mit dieser Begegnung habe ich den Abend noch nicht abgeschlossen, sondern habe mit Tina die verabredete Tour durch die Altstadt gemacht, um einige Fotos von Orthodoxen Juden auf dem Weg zur Klagemauer zu machen. Du kennst ja den Weg und hast mit mir an derselben Stelle gestanden: über der &lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RphpXkAC5VI/AAAAAAAAAIA/Q43754kpkTo/s1600-h/Hausabriss+67+f%C3%BCr+Klagemauer.JPG"&gt;&lt;/a&gt;Klagemauer. Man steht dort im Jüdischen Viertel über einer kleinen Moschee und einem der letzten Wohnhäuser, die dort von den ursprünglicheren Häusern stehen geblieben waren und die auch noch zum muslimischen Viertel gehören. Tina, die mit mir war, zeigte mir die Terrasse, auf der sie vor 2 Wochen gestanden hatte; das war auf einer Pressekonferenz gegen Hausabrisse gewesen. Die Veranstalter, Israelis gegen die Zerstörung von Häusern, hatten an die Geschichte des Marokkanischen Viertels erinnert, das hier bis 1967 gestanden hatte und am letzten Tag des Sechstagekrieges vollkommen zerstört und abgetragen worden ist. An seiner Stelle wurde dann der Platz vor der Klagemauer ge&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RphttUAC5ZI/AAAAAAAAAIg/197BFYD3mAg/s1600-h/Hausabriss+67+f%C3%BCr+Klagemauer.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5086936404345415058" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RphttUAC5ZI/AAAAAAAAAIg/197BFYD3mAg/s200/Hausabriss+67+f%C3%BCr+Klagemauer.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;ebnet. Die Bewohner, zum Teil Nachkommen von Marokkanern, die hier, wie Armenier, Griechen und spanische Juden in anderen Vierteln gewohnt hatten, mussten in Flüchtlingslager ausweichen. Während der Pressekonferenz hatten Kinder der jüdischen Siedler, die hier in das muslimische Viertel vordringen, Klumpen von nassem Toilettenpapier auf die Presseleute geworfen. Solche Ereignisse sind wie eine Erinnerung daran, dass hier unterschwellig ein Krieg weiter geführt wird. Bei den Orthodoxen Juden heißt das „Wiederherstellung Jerusalems“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Ende des Tages&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tina und ich waren in dem Augenblick mehr daran interessiert, die Atmosphäre dort unter uns, die nächtliche Szene vor der Klagemauer in Fotos einzufangen, Beten und Tanzen. Und dann sind wir nach Hause auf den Ölberg gegangen, wie so oft buchstäblich mit dem letzten Bus, und haben das Essen, das ich schon vorbereitet hatte, als echtes Nachtmahl gegessen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So hat mein Abend ausgesehen und vielleicht verstehst Du, warum ich vorhin am Telefon so empfindlich bei der Frage war, warum dieses Jahr noch weniger als letztes Jahr auf meine Berichte reagieren, geschweige denn inhaltlich auf sie eingehen. Das versetzt mich noch mehr in den Abstand, in den diese verrückte heillose Heilige Stadt einen zur scheinbar heilen Welt in Europa stellt. &lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5086932092198249826" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RphpyUAC5WI/AAAAAAAAAII/U6Yj6jGkomE/s320/IMG_1367.JPG" border="0" /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Wer bin ich&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Dann habe ich geschlafen und hatte heute früh den Eindruck, als hätte ich die ganze Nacht nur geträumt, von Israelis, denen ich Antworten schulde und von Leuten, die in unser Programm eingeführte werden wollen und von Wegen, die ich suche und verliere und weiter suche. Es war wie eine Tour durch eine Stadtlandschaft mit der Frage „wer bin ich“. Einmal war ich sogar mit Roller Skates unterwegs, brach das aber ab, um mein Fahrrad zu holen, denn die Strecke ging bergauf und ich fand, da war ich mit den Roller Skates zu langsam und bergab, fand ich, sollte ich mich bei der wichtigen Mission, die ich hatte, als Anfänger nicht wagen. Ich hätte ja nicht mal gewusst, wie ich bremsen kann… Warum Roller Skates im Traum, wo ich noch nie so was an meinen Füßen hatte? Wir hatten auf dem Heimweg zwischen Klagemauer und Damaskustor in der engen, schon verlassenen und noch nicht aufgeräumten und gereinigten Gasse einen Jungen gesehen, der uns leichtfüßig auf Roller Skates entgegenkam und hinter uns wie ein Geist verschwand, so schnell war er. Und dann tauchte er erst in meinem Traum wieder auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Und ein neuer Tag: Demonstration für Beduinen&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Okay, das war die Nacht. Und jetzt fange ich den Tag an. Tlago und Dudu haben einen freien Tag. Mit Tina fahre ich nach Susya, dort ist eine Demonstrations-Tour angesagt, von drei Israelischen Organisationen veranstaltet. Wir wollen dabei unsere Solidarität mit den Beduinen von Susya, südlich von Hebron zeigen. Die Beduinenfamilien sollen ihre Zelte auf ihrem eigenen Land, die den israelischen Behörden gemäß nicht genehmigt sind, abbrechen, während ganz in der Nähe die jüdischen Siedler auf Land, das ihnen nicht gehört, wohnen bleiben dürfen. Das ist nach internationalem und israelischem Recht illegal. Den Beduinen hilft das aber gar nichts. Die Armee, die dort vor Ort das Sagen hat, beschützt die Siedler, nicht die Beduinen. Wir waren vor einigen Wochen im Supreme Court dabei gewesen, als das vorläufige Urteil mehr gegen, als für die Beduinen gesprochen worden war. Und darum wollen wir auch heute dabei sein, wenn unsere israelischen Partner diese Tour machen. Für mich ist diese Tour schon ein Teil dieser letzten Wochen bzw. Tage, in denen wir noch einmal aufnehmen, was wir gesehen und getan hatten und dabei auch die Entwicklung wahrnehmen, die wir begleitet haben. Sicher ist, heute wird es heiß und die Landschaft dort ist schon auf halbem Weg in die Negev-Wüste. Ich erzähle Euch deshalb davon, weil Tobias bei den Beduinen war und von ihrer Kultur so begeistert erzählt hat. Es wäre wirklich schön, wenn die beiden an einem solchen Tag mit mir wären, so wie sie bei der letzten Demonstration in Tel Aviv dabei waren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Grüße&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Jetzt wünsche ich Euch einen schönen Tag, auch bei Euch wird schon die Abschiedsstimmung mitschwingen, wir ich annehme. Tobias und Yaara werden die letzten Tage genießen, bevor sie wieder nach Hause fliegen, nach Tel Aviv. Hier wartet Pnina schon auf sie. Und ich will sie ja auch gleich besuchen.&lt;br /&gt;Sicher erlebt Ihr in Blankenfelde und Berlin die gemeinsamen Tage ähnlich intensiv, wie ich hier meine Tage in Jerusalem. Lasst es Euch gut gehen und genießt die Zeit miteinander, ich wäre gern bei Euch oder hätte Euch gerne hier. Und das ist jetzt jedenfalls kein Brief für Paula, sondern für Euch drei Große, auch wenn ich fürchte, dass Tobias und Yaara bei meinen Beschreibungen des Gesprächs im Konzert, dem Besuch im ehemaligen Maghrebinischen Viertel und der Demonstration in Susya anders empfinden, als ich und vielleicht schon bei meiner Wortwahl stöhnen. Vielleicht ist es diesmal ein Brief in Moll, und ein anderer in Dur muss folgen.&lt;br /&gt;Alles Gute,&lt;br /&gt;Dein Gottfried&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-8753142641236923284?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/8753142641236923284/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=8753142641236923284' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/8753142641236923284'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/8753142641236923284'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2007/07/brief-zum-portrait.html' title='Brief zum Portrait'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RphpBUAC5UI/AAAAAAAAAH4/llk9iJQTav4/s72-c/Kopie+Marokkanisches+Viertel.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-3804465976336882325</id><published>2007-07-03T22:59:00.000-07:00</published><updated>2007-07-03T23:26:50.638-07:00</updated><title type='text'>Jerusalem, Al Quds, Die Heilige Stadt</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Lieber Jürgen!&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Schon lange will ich Dir diesen Brief schreiben. Aber die brennende Situation hier ließ ein ruhiges und gelassenes Nachdenken, wie ich dafür brauchte, nicht zu.&lt;br /&gt;Es geht mir darum, eine Brücke zu suchen zwischen den Erfahrungen mit der Spiritualität der Stille und dem Trieb, mit Aktion und Engagement sich die Liebe Gottes verdienen zu wollen. Vom ersten verstehst Du mehr, vom zweiten weiß ich was. Das sage ich natürlich selbstironisch, wissend, dass Du das nicht gelt&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros5yEZyvrI/AAAAAAAAAGs/o7JLyOxT9cs/s1600-h/Kopie+Koptisch+Orthodoxe.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5083220136755904178" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros5yEZyvrI/AAAAAAAAAGs/o7JLyOxT9cs/s200/Kopie+Koptisch+Orthodoxe.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;en ließest. Wenn wir hier beide zusammen wären, wäre das einfacher zu diskutieren. Wir könnten zwischendrin auch lachen.&lt;br /&gt;Ich will also heute von meiner Abscheu gegen den Titel, den diese Stadt Jerusalem trägt, abweichen, so als wärest Du neben mir und ich hätte Dir meine Bilder gezeigt und würde mir Deine zeigen lassen. Du wirst kaum in den nächsten Tagen her kommen können. Also nehme ich Dich jetzt mit, in Gedanken. Und ich bitte Dich, dafür meinen letzten Bericht über die Freitagsgebete in dieser Heiligen Stadt zu lesen. Da ist er, der Titel Jerusalems, der mich so stört: Heilige Stadt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Das Kamel&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Du erinnerst Dich an meine erste Geschichte über das Kamel? Ich hatte seinen Auftritt hier oben auf unserer Straßenkreuzung beschrieben. Dabei hatte ich mich über das Kamel lustig gemacht. Immerhin erscheint es doch anachronistisch, wenn ein Kamel in seiner ernsthaften und übertrieben würdevollen Haltung bei Rot über die Kreuzung schreitet. Und dann hatte ich noch den Vergleich mit all den geistlichen Würdenträgern &lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros6VEZyvsI/AAAAAAAAAG0/hxaUJZcnblw/s1600-h/Kopie+von+%C3%84thiopier.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5083220738051325634" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros6VEZyvsI/AAAAAAAAAG0/hxaUJZcnblw/s200/Kopie+von+%C3%84thiopier.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;angestellt, die hier auch wie eine ferne Erinnerung aus dem Mittelalter, noch früher: aus der byzantinischen Zeit!, durch die St&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros4wEZyvpI/AAAAAAAAAGc/FIw-aLZzxnk/s1600-h/Kopie+Koptisch+Orthodoxe.JPG"&gt;&lt;/a&gt;raßen und Gassen wehen. Anachronistisch eben, wie mir schien. Aber jetzt bin ich beim Kamel zuhause gewesen und muss mich fast entschuldigen. Denn das Kamel ist ein sehr sympathisches Tier, wenn man sich erstmal auf seine Natur einlässt. Es sind die Touristen, die die Nachfrage nach exotischen Fotos auf dem Rücken des Kamels schaffen. Das Kamel möchte vielleicht ernst genommen werden und es hätte uns was zu sagen, wenn wir nur zuhören würden. Aber lassen wir endlich das Kamel in Ruhe. Du kannst die Geschichte ja nachlesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich war in einigen dieser uns Protestanten so fremden Kirchen. Ich hätte nie gedacht, dass es mir so gut tun würde, dort die Enge und die Geschwätzigkeit meiner Welt für einige kostbare Augenblicke zu verlassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Bei den Armeniern&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Ich war zum Beispiel bei den Armeniern. Ihre große Kirche wird für die Nachmittagsvesper geöffnet. Ich war einige Minuten früher da und dachte, das wird nichts, da ist ja niemand. Ich habe mich auf eines der kleinen Bänkchen vor der Säule gesetzt. Es gab da eine unscheinbare kleine Empore, auf der saß ein Mann. Er blätterte in einem großen Buch, ohne uns da unten zu beachten. Unvermittelt begann er zu singen. Daraufhin füllte sich der Chorraum mit Mönchen und Seminaristen. Die verteilten sich auf zwei Gruppen und respondierten dem Liturgen am Altar und dem Lektor am Lesepult. Manchmal waren es zwei unterschiedliche Antworten, die den Gebetsrufen des jeweiligen Liturgen folgten. Ich konnte der Liturgie nicht einmal in Grundzügen folgen, sondern nur raten, welche Teile der Bibel gelesen wurden, welche Gebete gesungen wurden. Die Sprache war &lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros5QUZyvqI/AAAAAAAAAGk/S7zKvBFfohw/s1600-h/Kopie+von+Bei+den+Armeniern.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5083219556935319202" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros5QUZyvqI/AAAAAAAAAGk/S7zKvBFfohw/s200/Kopie+von+Bei+den+Armeniern.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Armenisch und die Liturgie offensichtlich sehr alt, mit Gesängen in Kirchentonarten, aber auch mit einigen neueren Melodien. Ich brauchte es auch gar nicht zu wissen, es reichte, mich darauf verlassen, dass hier eine alte und erprobte Feier durchgeführt wurde. Es war, wie wenn in diesem alten dunklen Gemäuer mit den unendlich vielen Öllampen unsichtbare Fenster geöffnet würden; als ob der Blick frei gegeben würde auf etwas, was man sonst nicht sieht. Es war, ganz einfach gesagt, ein schöner Gesang nach einer fremden Ordnung. Ich konnte mich dem hingeben. Eine halbe Stunde – dann war das vorbei. Die Seminaristen, die Mönche, der Priester verschwanden.&lt;br /&gt;Ein Mann, der offensichtlich seine klerikale Kleidung abgelegt hatte, trat zu uns und führte uns durch die Kirche, erzählte von den Armeniern, die sehr früh schon nach Jerusalem gekommen waren; auch von Zeiten unter der Türkenherrschaft, wo es ihnen nicht gut ging, wo sie zum Beispiel keine Glocken läuten durften. Sie schlagen noch heute an eine große Holzplatte, die im Kirchenhof hängt, um zum Gottesdienst zu rufen. Auch die Führung durch die Kirche dauerte nicht lange. Und ich konnte gehen – ruhiger, als ich gekommen war.&lt;br /&gt;Heute habe ich einen Anlass, von den Armenischen Christen zu erzählen: Heute ist es genau 1706 Jahre her, dass die ganze, damals große und angesehene Armenische Nation zum Christentum übergetreten war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Die große Stille&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dann war da der Deutsche Ökumenische Kirchentag von Jerusalem. Mit dem Motto des Kirchentages in Köln hieß es auch hier: Lebendig, Kräftig und Schärfer. Ich will nur von dem Abend erzählen, an dem wir in der Deutschen Erlöserkirche den Film über die Karthäusermönche gesehen haben. Es ging um das Wort von der Ruhe, die dem Volk Gottes noch zugesagt ist. Der Hinweis auf die Ruhe geht dem anderen Hinweis auf die Lebendigkeit, Kraft und Schärfe des Wortes Gottes voraus. Der Film hat den Titel: „Die große Stille“. Bestimmt kennst Du ihn. Er zeigt das Leben der Mönche, die schweigen. Die Jahreszeiten kommen und gehen, man hört den Schnee fallen, Hähne krähen, Dielen knarren, man hört sogar die Knochen der alten Mönche, wenn sie sich nach langen Minuten aus der knienden Haltung aufrichten. Man hört die Glocken, die zum Gebet rufen und die Blätter der Bücher, in denen sie lesen, diese strengen Mönche. Aber die Mönche schweigen. Der Film ist sehr einfühlsam und gleichzeitig mit großem Humor gemacht. Oft muss man lachen. Auch das leise Lachen der Zuschauer hört man dann, und das Knarren der Stühle im Vorführraum, also der Kirche und ab und zu Geräusche der Stadt. Ansonsten sieht man aber das schweigsame Leben und Beten der Mönche. Und man &lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros4VUZyvoI/AAAAAAAAAGU/s87iAFriqUA/s1600-h/Kopie+Patriarch+liest+Chain+Reaction.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5083218543323037314" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros4VUZyvoI/AAAAAAAAAGU/s87iAFriqUA/s200/Kopie+Patriarch+liest+Chain+Reaction.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;sieht auch hinter der großen Leinwand, die aus vier Bettlaken zusammengenäht quer vor dem Altarraum gespannt hängt, man sieht dahinter den realen Altar, wenn das Licht gerade auf ihn fällt, auf den Blumenstrauß und die weißen Kerzen und das Kreuz. Oder man sieht die Säulen, die hier Chor und Kirchenschiff verbinden. Man sieht immer nur Teile dieses schönen ruhigen Baues. Und auf einmal erscheint dieser Bau wunderschön und gesammelt und würdevoll. Der Film hat keine Handlung, er dauert zwei und eine halbe Stunde und doch war ich keine Minute lang müde. Ich kann sagen: Ich war bei den Karthäusermönchen. Zwei und eine halbe Stunde Stille in einer Kirche, die sonst nur still ist, wenn keine Menschen darin sind. Die wohltuende Stille, die dem Sturm und dem Beben und dem Kriegslärm draußen in und vor der Stadt folgt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Der Gesang der Benediktiner&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;In der Erlöserkirche saß abends auch der Abt der Benediktinerabtei. Auch er sah sich diesen Film über die Karthäuser in dem Kloster in den französischen Alpen an. Die Benediktiner halten ihrerseits in Jerusalem den Ort, an dem Jesus, der Überlieferung nach natürlich, mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl gehalten hat.&lt;br /&gt;Am nächsten Morgen – es war so früh, dass ich den fast einstündigen Weg zu Fuß laufen musste – war ich dort zur Morgenmesse. Danach waren wir zum Frühstück eingeladen. Es gab Hefekranz, den ein österreichischer Franziskaner, ebenfalls zu Besuch, mitgebracht hatte. Und nun kann ich sagen: Ich war auch bei diesen streng gewandeten heiligen Männern, den Benediktinern, zuhause. Sofort war ich mit ihnen mitten in der Messe, die ich diesmal verstand, weil sie ja auf Deutsch gesungen wurde und sich wenig von unserem eigenen &lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros8Z0ZyvuI/AAAAAAAAAHE/4PMga9GS-Us/s1600-h/Kopie+Kreuz+am+Himmel.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5083223018678959842" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros8Z0ZyvuI/AAAAAAAAAHE/4PMga9GS-Us/s200/Kopie+Kreuz+am+Himmel.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Abendmahlsgottesdienst unterscheidet. Und da es einen Zettel mit Ablauf und Texten gab, konnte ich auch mitsingen. Wie viel habe ich hier und da in meinem Leben schon von Benediktinern gehört, ihre Kirchen besichtigt, auf ihren Wiesen gezeltet. Aber hier konnte ich mich auf die Spiritualität ihrer Feier einlassen.&lt;br /&gt;An der Stelle muss ich wieder sagen, dass ich doch die ganze Woche, die vor dieser Morgenvesper lag, in verschiedenen Veranstaltungen mit Palästinensern oder kritischen Israelis verbracht, dass ich fünf Tage lang intensiv der 40-jährigen Besatzung Palästinas gedacht hatte, dass ich im Flüchtlingslager, an den Kontrollpunkten, im Gerichtssaal und in den Bussen war, die mitten in Jerusalem angehalten und einer rüden Ausweiskontrolle unterzogen werden. Es war eine ganz und gar politische Woche gewesen. Aber hier saß ich in einer Feier, die darauf mit keinem Wort einging. Es sei denn, man nimmt die alten Psalmen und Bibelworte ernst und vertraut darauf, dass sie auch in dieser Situation aktuell sind, ohne dass jemand das auslegen und den Zusammenhang klug nachweisen muss. Die Benediktiner sind stolz auf ihre alte Tradition, sie nehmen diese Feier mit großer Gelassenheit wahr, sie singen schön, sie bewegen sich würdevoll.&lt;br /&gt;Beim Friedensgruß und beim Abendmahl gibt der Abt den Gruß und die Sakramente an zwei der Mönche weiter, die sie ihrerseits den nächsten geben, einer nach links und einer nach rechts, bis jeder ihn empfangen und weitergegeben hat. So wird vielleicht die Idee dargestellt, dass Gott sich den Menschen vermittelt, von Mensch zu Mensch, aber auch von Generation zu Generation. Aber die Bewegungen sind gelöst und getragen, Hast und Ängstlichkeit oder andere Anstrengung bleibt außen vor. Es war schön und wieder hatte ich hinterher das Gefühl, dass ich einen Ausflug in eine Sphäre getan hatte, in der Hoffnung und Sehnsucht nach Gerechtigkeit und nach Heil, die in dieser geteilten Stadt so offensichtlich nicht wachsen können, eine Nische des Überlebens finden.&lt;br /&gt;Tja – es war wohltuend, warum will ich mich da rechtfertigen.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros8vEZyvvI/AAAAAAAAAHM/HZuxe1q_4nc/s1600-h/Kopie+Priester+und+Soldaten.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5083223383751180018" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros8vEZyvvI/AAAAAAAAAHM/HZuxe1q_4nc/s200/Kopie+Priester+und+Soldaten.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Mehr Begegnungen will ich nicht erzählen. Sonst leidet auch dieser Bericht an der Geschwätzigkeit und an dem Hang, Empfindungen rational filtern zu wollen, wo sie doch auch ohne das ihre Aufgabe erfüllen. Ich war der letzte in der Runde in der Benediktinerabtei, also gebe ich den Friedensgruß aus der Benediktinerabtei jetzt an Dich weiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Unheilige Heilige Stadt&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;Lieber Jürgen, eigentlich wollte ich über die Spannung schreiben, in der ich diese Stadt erlebe. Sie muss ständig ihren alten und überlasteten Titel als heilige Stadt rechtfertigen und ist doch so geprägt vom Unheil seiner Bewohner. Sie könnte ohne diesen Titel viel leichter leben. Auch die Zukunft dieser Stadt im &lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros66EZyvtI/AAAAAAAAAG8/DzOWA8z5_Cw/s1600-h/Kopie+von+Kirchenfenster+Jerusalem.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5083221373706485458" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros66EZyvtI/AAAAAAAAAG8/DzOWA8z5_Cw/s320/Kopie+von+Kirchenfenster+Jerusalem.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Konfliktfeld der israelisch-palästinensischen Frage wäre leichter zu finden ohne den Anspruch, den derzeit jede Religion – gegen die anderen Religionen – erhebt, dass nämlich Jerusalem ihr und ihr allein gehören muss. Für die ganze Stadt gilt, was in Bethlehem an der Mauer, die das Palästinensergebiet dort gegen Israel abgrenzt, geschrieben steht: Gott ist zu groß für nur eine Religion.&lt;br /&gt;Über die Spannung schreibe ich nun also nicht. Ich bin zu klein dafür. Aber ich finde mich besser darin zurecht, wenn ich von Zeit zu Zeit die heiligen Männer da besuche, wo sie zuhause sind. Ich will diese Besuche immer noch mit Dir gemeinsam machen. Sie sind wie ein Ausflug in ein anderes Land. Unter anderem habe ich bei diesen Besuchen gelernt: Gott will uns verführen und wir wollen uns verführen lassen. Dieser Brief soll Dich verführen, einen Plan für eine Reise nach Jerusalem zu machen, wo das Kamel Touristen verführt, wo es auch zuhause ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das schreibt Dir Dein Freund aus Jerusalem, Gottfried&lt;br /&gt;Jerusalem, 17.06.2007 &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-3804465976336882325?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/3804465976336882325/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=3804465976336882325' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/3804465976336882325'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/3804465976336882325'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2007/07/jerusalem-al-quds-die-heilige-stadt.html' title='Jerusalem, Al Quds, Die Heilige Stadt'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Ros5yEZyvrI/AAAAAAAAAGs/o7JLyOxT9cs/s72-c/Kopie+Koptisch+Orthodoxe.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-8694108251199389967</id><published>2007-07-01T23:50:00.000-07:00</published><updated>2007-07-02T01:21:50.060-07:00</updated><title type='text'>Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes</title><content type='html'>&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Kein ruhiger Morgen&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Morgen sind kühl in den Gärten Getsemanes. Die Sonne kommt spät über den Ölberg, da liegt die Altstadt, eng zwischen ihre Mauern gezwängt, schon lange im hellen Licht. Die Kuppel des Felsendoms spiegelt die Morgensonne, bevor sie ihre Hitze über die Hänge hier legen kann. Zwischen den Gärten und Hainen, die die Menschen hier im Respekt vor ihrer Bedeutung für die Christen „Getsemane“ nennen, und den höher gelegenen Klöstern und Kirchen des Ölbergs drängen sich einige wenige Häuser. Sie sind meist hunderte Jahre alt, zum Teil sind sie erneuert, mit Anbauten oder Obergeschossen erweitert. Seitdem Israel diesen Teil Jerusalems annektiert hat, sind alle diese Baumaßnahmen illegal. Diese Stadtplanung ist neu. Die Familien dagegen leben hier seit Jahrhunderten… Aber bleiben wir bei diesem Morgen.&lt;br /&gt;Es ist der 19. Juni. Said und Amira Mu’aket sitzen auf ihrer Terrasse. Sie trinken ein Glas Tee. Die Tauben gurren, Kolibris schwirren durch die Baumkronen, Zikaden stimmen den Sommertag ein. Und dann setzt dieser kurze Augenblick der unnatürlichen Stille ein, in dem Vögel und Zikaden und sogar der Wind in den Baumkronen schweigen. In die Stille hinein hört man das das Brummen von schweren Motoren, es weht den Hang herüber. &lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wenige Minuten später ist die Vorhut der Militärjeeps überall, ist das Haus, das Grundstück, der Hang von &lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoizD0ZyvnI/AAAAAAAAAGM/qUHInfoDjtE/s1600-h/Kopie+von+Abgerissen,+ein+Neubau.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5082509057675411058" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoizD0ZyvnI/AAAAAAAAAGM/qUHInfoDjtE/s200/Kopie+von+Abgerissen,+ein+Neubau.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;250 Soldaten umstellt und dröhnen die schweren Abrissbagger den Feldweg zum Haus herauf.&lt;br /&gt;Said Mu’aket hat drei Söhne. Für alle hat er ein Haus gebaut. Die drei bescheidenen Häuser stehen im Rohbau aneinander gereiht etwas abseits vom Wohnhaus, in dem bis jetzt die große Familie zusammengedrängt lebt. Drei Generationen leben hier, es ist ein altes und kleines Haus, viel zu eng für die Familie. Und weil darin für eine weitere Familie kein Platz war, konnte einer der drei Söhne bisher nicht heiraten. Er ist es vor allem, der den Bau betrieben hat. Aber hier sind jetzt die Baufahrzeuge und die Arbeiter, die die drei flachen Reihenhäuser abreißen sollen. Vor allem sind hier die Soldaten, die das Gelände weiträumig abgesperrt haben. Kein Nachbar, kein Rechtsanwalt, kein Pressefotograf kommt bis zum Haus. Telefonleitung, Wasser und Strom werden als erstes gekappt. Über Handy kriegen die Söhne Anweisung von ihrem Rechtsanwalt, nach dem Abrissbefehl zu fragen, weil die Familie keine Vorwarnung erhalten hat. Aber der israelische Offizier verhöhnt die Männer. Der Vater, über siebzig Jahre alt, Professor für Sozialwissenschaften, sagt, das könnt Ihr doch&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Roin-EZyvfI/AAAAAAAAAFM/ecdcowtE2vc/s1600-h/Kopie+von+3+H%C3%A4user+zerst%C3%B6rt.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5082496864263257586" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/Roin-EZyvfI/AAAAAAAAAFM/ecdcowtE2vc/s200/Kopie+von+3+H%C3%A4user+zerst%C3%B6rt.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt; nicht machen, zeigt erst den Befehl vor, ich will die Anweisung sehen. Der Offizier lacht ihn aus, „wenn du sehen willst, was wir machen, stell dich ans Fenster und schau zu! Dann kannst du sehen, was wir machen können“. Und da steht dann wirklich die Familie hinter dem Fenster, von Soldaten bewacht und sieht zu, wie ihre Häuser zertrümmert und Hof und Garten verwüstet werden.&lt;br /&gt;Die Familie ist ins Haus gedrängt. Die Abrissarbeiten beginnen ohne Verzug. Aber das ist nicht die ganze Geschichte. Die ganze Geschichte erfahre ich erst, als ich mittags komme und das Unglück der Familie mit meinen Augen sehe, und nach einer Woche wieder und ein drittes Mal komme.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;&lt;strong&gt;Eine jüdische Siedlung im Palästinenserland&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;An diesem Morgen, dem 19. Juni, sitze ich im Bus. Wir fahren über Land, auf schönen Straßen, die für Palästinenser nicht zugelassen sind. Wir fahren zu einer Siedlung. Juden haben hier mitten im Palästinenserland eine schöne Wohnsiedlung gebaut. Wir fahren nach Teko’a, um mit diesen fanatischen Siedlern zu sprechen. Das gehört zum Programm: Direkt und ungefiltert sollen wir aus dem Mund dieser Leute erfahren, warum sie nach Israel gekommen sind, warum sie nicht zufrieden waren, in Israel zu leben, warum sie hier einen weiteren Vorposten besetzt haben, der das Palästinenserland zerstückeln wird; warum sie ganz Palästina zu jüdischem Land machen wollen. „Judaisierung Palästinas“ heißt das Programm, und die Westbank heißt nicht Westbank oder Besetztes Territorium oder einfach Palästina, sondern „Judäa und Samaria“, wie zuletzt vor zweitausend Jahren. Wir wissen, es wird nicht leicht sein, diesen Leuten nur zuzuhören und zu akzeptieren, was ihr Gedankengebäude ist und welches ihre Gefühle bei diesem langfristigen Werk des Landraubes sind. Wir sehen schon die roten Dächer, die typisch für die jüdischen Siedlungen im Palästinenserland sind. Da klingeln die Telefone. Zeitgleich greifen Tina, Tlago und ich in die Westentasche, in der die Mobiltelefone stecken. Die schriftliche Nachricht heißt: “House demolition on Mount of Olive, family needs support”. Wir wären jetzt gerne in Jerusalem, aber das Programm für diese ganze Woche hat uns aus unserer Arbeit heraus genommen. Keine Chance. &lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoiwLEZyvjI/AAAAAAAAAFs/znHqXq43Poo/s1600-h/Kontrast+im+settlement.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5082505883694579250" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoiwLEZyvjI/AAAAAAAAAFs/znHqXq43Poo/s200/Kontrast+im+settlement.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Wir laufen stattdessen durch eine schöne Siedlung, Bäume, Büsche, Blumen, alles wächst – weil Wasser da ist. Später erklärt uns eine der Frauen stolz, wie sie Geld investiert hätten, um mit einer Tiefenbohrung Wasser aus dem Bergaquifer herauf zu pumpen. Und das ist einer der vielen Vorteile, die die Siedlungen vor den palästinensischen Dörfern der Umgebung haben: Palästinenser dürfen nicht tiefer als 60 Meter gehen, um an Wasser zu gelangen, was hier oben in den Bergen natürlich nicht ausreicht. Israelis dürfen dagegen das Wasser aus einigen hundert Metern Tiefe schöpfen. Wir sehen also diese schöne Siedlung, Gärten um die Häuser, die die Regierung gebaut hat und in der Ferne die palästinensischen Dörfer, arm wie das trockene Bergland ringsum. Und sehen vor unserem inneren Auge Bilder von Hauszerstörungen, wie wir sie bei früheren Gelegenheiten gesehen haben.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Trümmer, wo ein Neubau stand&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Mittags sind wir zurück in Jerusalem. Ich fahre auf den Ölberg und suche nach dem Haus. Am Schluss muss ich nach dem Augenschein gehen: Wo liegt Staub auf den Bäumen und wo sind Trümmer zu sehen. Eine alte Frau kämpft sich durch den zerstörten Fußweg, über dem Bauschutt liegt. Ich kann sie nicht ansprechen, ihr nicht die Hand geben, das wäre ungehörig. Offensichtlich ist sie eine Nachbarin der betroffenen Familie. Ich gehe langsamer und warte auf ein Zeichen von ihr, ob sie Hilfe braucht. Sie schüttelt den Kopf und das kann beides bedeuten, ich will keine Hilfe oder: das hier ist unglaublich. Ein schlichtes Gusseisengitter hängt in beschädigten Torpfosten. Was immer hier als Einfriedung gedient hat, ist nicht mehr da. Trümmer in einer &lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoiwtkZyvkI/AAAAAAAAAF0/TvbxM4SrC_o/s1600-h/Said+Mo%27aket,+Hausbesitzer.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5082506476400066114" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoiwtkZyvkI/AAAAAAAAAF0/TvbxM4SrC_o/s200/Said+Mo%27aket,+Hausbesitzer.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Reihe von fast 30 Meter säumen die alte Mauer, hinter der ein Klostergarten liegt. Große Brocken Beton liegen übereinander, eine ganze Wand ist mitten im Fall schräg stehen geblieben, Pfosten und überall die Stahlstreben, bloß und gekrümmt oder anklagend in den Himmel weisend. Vor dem alten Haus im Hintergrund ist ein überwachsenes Dach, einige Bäume, Oliven und niedrige Fichten schaffen eine schattige Terrasse. Dort steht und erwartet mich ein alter Mann, der unglückliche Besitzer des zerstörten Anwesens. Zwei Presseleute machen Aufnahmen. Ein gut gekleideter Mann, offensichtlich Rechtsanwalt, verabschiedet sich gerade. Drei Frauen sitzen unter dem Dach von wildem Wein. Jenseits von ihnen tut sich eine wunderbare Sicht auf die tiefer gelegene Altstadt von Jerusalem auf. Ich spreche mit Herrn Said Mu’aket und erfahre in Umrissen, was vorgegangen ist. Ich will aber nicht lange stören, das Entsetzen liegt noch auf den Gesichtern, der Staub verdeckt die Brillengläser von Herrn Mu’aket. Ich mache einige Fotos und verabschiede mich. Ich soll wieder kommen und die Fotos bringen, bittet Herr Mu’aket.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Hausabrisse in Ostjerusalem&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Eine Woche später komme ich wieder, Tina, meine Kollegin und Peter, ein Gast unseres Programms sind bei mir. Herr Mu’aket erkennt mich und bittet uns herein. Wir tragen die Gartenstühle unter das grüne Dach vor das Mäuerchen, unter dem sich der herrliche Blick auf das alte Jerusalem auftut. Wir sehen Teile vom Garten Getsemane und vom Kidrontal. Ich gebe ihm die Fotos, die ich mitgebracht habe, sie sind immerhin unsere Eintrittskarte für diesen Besuch. Und dann hören wir die unglaubliche Geschichte von dem Abriss. Eines ist die Zerstörung des Hauses, der riesige finanzielle Schaden für die Familie. Ein anderes sind die Umstände, die diesen Abriss begleitet haben, die Demütigungen. Und ein drittes ist der Zusammenhang, in dem dieser Abriss steht, der dem „demographischen Faktor“ geschuldet ist, der Tatsache, dass aus Sicht des israelischen Staates „zu viele Araber“ in Ostjerusalem leben. Mit der Umwidmung von Land in Grünflächen, für die Armee und für städtische Verwaltung und Straßenbau vorbehaltene und andere gesperrte Flächen stagniert praktisch jeglicher Neu- und Ausbau von vorhandenen Häusern. Herr Mu’aket erklärt mir die Zusammenhänge. Sein Fazit ist: Sie lassen uns keine Ruhe.&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoimhEZyveI/AAAAAAAAAFE/GsUKb8FE4kQ/s1600-h/Kopie+von+Die+%C3%96kumenischen+Freiwilligen,+Tina+und+Gottfried.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5082495266535423458" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoimhEZyveI/AAAAAAAAAFE/GsUKb8FE4kQ/s320/Kopie+von+Die+%C3%96kumenischen+Freiwilligen,+Tina+und+Gottfried.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wir erfahren die Geschichte einer Familie, die in der alten Tradition gelebt hat. Der Vater unseres Gastgebers hatte mehrere Frauen – seine eigene Frau, Amira, etwa 65 Jahre alt, lacht bei dieser Erzählung – und für jede Frau und ihre Kinder ein Haus. Aber Haus um Haus hat er verloren; er hat das noch erlebt, der Familiengründer: 1947 wurde ein Haus in Westjerusalem konfisziert; dort leben jetzt jüdische Familien, die keine Ahnung von der Geschichte der palästinensischen Besitzer haben. Und 1967 hat sich das wiederholt mit zwei Häusern im eroberten und annektierten Ostjerusalem. Ein Haus steht in der Altstadt, im muslimischen Viertel, ist aber enteignet. Israelische Fahnen hängen aus den Fenstern. Und nun dieses Haus hier. Man sammelt Schulden über unserem Haupt, erklärt der Mann, bis wir eines Tages mit einer Summe konfrontiert werden, die den Verkauf dieses Hauses hier erzwingt. Dann sind wir obdachlos.&lt;br /&gt;Er spricht ruhig. Kein Hass klingt aus seinen Worten. Aber die Fassungslosigkeit liegt wie ein Vorhang über seinem Blick, über seiner Rede und über unserem Gespräch. Er beschreibt die gezielten Demütigungen, das Verhalten des Offiziers, eines Menschen, der seine Menschlichkeit abgelegt hat für dieses Geschäft. Er schluckt, er übergeht die Soldaten, von denen werde ich erst im dritten Gespräch mit dem Sohn erfahren. Said und Amira Mu’aket sind vor allem von der Unmenschlichkeit der Israelis – sie sagen „Juden“ – erschüttert. Warum! fragen sie. Warum behandeln sie uns schlechter als Tiere? Warum hassen sie uns? Was macht ihnen denn solche Angst? Und er erzählt, wie sie sie hier früher nebeneinander gelebt haben, Muslime, Christen, Juden, Ausländer. Friedlich, mit gegenseitigem Respekt, es war ein buntes Leben, sagt er und erzählt von seiner Kindheit. Das war die Zeit vor der Teilung und der Staatsgründung Israels. Aber jetzt? Warum müssen sie uns denn vertreiben? Und wohin?&lt;br /&gt;Wir fragen nach den Schulden, die gegen ihn angesammelt werden. Seht ihr, sagt er, so wie sie mir keine Abrissorder geschickt haben, teilen sie mir nicht mit, wie hoch die Steuer auf mein Land ist und wie ich sie bezahlen soll. Eines Tages werden sie mir eine unglaublich hohe Summe nennen… und er erzählt die Geschichte eines Nachbarn. Sie wollen nicht die Steuer, sie wollen das Grundstück, schließt er. Und vorher geben sie keine Ruhe. Was für Schulden er denn schon hat, will ich wissen. Na ja, sagt er, seit letzter Woche sind 82.000 Schekel (ca. 15.000 €) dazu gekommen, das ist die Rechnung für den Hausabriss. Den Hausabriss müssen Sie bezahlen? rufe ich aus. Ja, muss ich, kann ich aber nicht, ist seine schlichte Antwort. Aber sie werden uns keine Ruhe lassen.&lt;br /&gt;Zwischendrin ist ein Anruf von einem der Söhne gekommen. Frau Mu’aket spricht mit ihm. Sie reicht mir das Telefon. Der Sohn, Yussuf, ist beunruhigt. Er weiß nicht, wer wir sind. Er sieht es nicht gern, wenn Fremde, gerade jetzt in dieser Situation, im Haus auftauchen, wenn die Eltern allein sind. Er spricht gut Englisch und ich kann ihm erklären, wer wir sind. Ich biete ihm an, abends wieder zu kommen. Ja, das wäre ihm sehr recht. Also verabreden wir, dass ich abends wiederkomme. Wir verabschieden uns von den beiden Alten.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5082493329505172946" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoikwUZyvdI/AAAAAAAAAE8/EEkb-Twevo0/s320/Kopie+von+Said+und+Amira+Mu%27aket.JPG" border="0" /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt; &lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Die Ruhe Gottes finden&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt; &lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der Satz von der Ruhe geht mir nicht aus dem Sinn. Immer wieder hat er ihn gesagt, Said Mu’aket, aus der angesehenen Altjerusalemer Familie: „Sie geben uns keine Ruhe“. Das Wort aus dem Hebräerbrief drängt sich mir auf, das vor einigen Wochen mit dem Kirchentagsthema in mein Bewusstsein gespült worden war: „Es ist noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes“. Dort predigt der Bischof einer jüdisch-christlichen Gemeinde, dass sie eine gute Chance auf Vergebung hat, auf einen Neubeginn ihrer Geschichte mit Gott. Und „die Ruhe Gottes“ ist das Bild für ein gutes Ende einer bösen Zeit. So wie Gott am siebenten Tag ruht, weil er das Chaos in eine gute Schöpfung umgewandelt hat, so wird das Volk Gottes seine Ruhe bei Gott finden – wenn es nur seinen Ungehorsam bezwingt. Der Bischof – wie ich mal vereinfachend sage – dringt in die Hörer oder Leser seiner Schrift, dass sie doch vom Ungehorsam zum Gehorsam finden. Er setzt sich dabei mit Psalmen und mit Worten aus den Büchern Mose auseinander. Mich fasziniert in diesem Zusammenhang, das wir heute entscheiden müssen, wer das Volk Gottes ist und wie wir einen Weg zu diesem Verhalten finden, das im Hebräerbrief mit „Gehorsam“ bezeichnet wird. Hier in Jerusalem ist es ganz offensichtlich, dass es keinen Sinn hat, ein Volk Gottes gegen andere Völker zu definieren oder Ungehorsam bei einem der beiden Völker und Unschuld bei dem anderen zu suchen. Erst wenn wir uns als Menschen verstehen, die von Gott gleich geliebt werden und von denen er partnerschaftlich Verantwortung für diese Welt erwartet, kann es zu dem kommen, was wir hier brauchen: gegenseitigen Respekt und Zutrauen in den Nachbarn und Partner. Wäre nicht das der Weg, um Ruhe zu finden für die Völker, die hier in Palästina und Israel leben?&lt;br /&gt;Man kann das alles sehr viel einfacher sagen. Man braucht nicht den Weg über die Bibel zu gehen. Aber immerhin hat Said Mu’aket in dem Gespräch gesagt, was ich von vielen anderen Muslimen auch gehört habe: Haben die denn keinen Respekt vor Gott? Und darum denke ich, mein Nachdenken als Christ, wie wir hier zueinander finden, ist wichtig. Darum frage ich mich, wie wir eine Ruhe finden, in der Gottes Schöpfung als Sieg über das Chaos erkannt wird. Und will wissen, wie auch die Nutzung dieses wilden schönen Landes die Menschen verbindet und nicht gegeneinander aufbringt. &lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Ruinen und schöne Aussicht&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Am Abend bin ich wieder drüben am Hang über dem Garten Getsemane. Tina, Tlago und Peter haben ein anderes Programm. Aber der Sohn, Yussuf Mu’aket hat mich ohnehin als den Repräsentanten der Gruppe ausgemacht. Und ich komme gern. Said und Amira strahlen, als sie mich sehen. Jetzt bist du zum dritten Mal hier, sagt der alte Herr, jetzt steht dir das Haus offen. Yussuf verdreht die Augen in Panik: Das ist genau der Punkt. Er hat Angst, dass jetzt die Geier kommen und Kaufangebote machen. Er drängt mich ab. Wir sitzen ein Stück von dem romantischen Plätzchen mit der Aussicht auf Kidrontal und die Stadt entfernt. Solange ich stehe, kann ich sie sehen, Al Quds, die Heilige. Das letzte Abendlicht wird auf der goldenen Kuppel des Felsendoms gesammelt. Der Himmel im Westen ist hell. Die Skyline des modernen Jerusalem zeichnet sich ab, grau und im Dunst eines heißen staubigen Tages. Über uns zeigt sich der Abendstern. Gleich werden die Muezzin zum Gebet rufen. &lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5082493316620270994" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoikvkZyvZI/AAAAAAAAAEc/A18kVGA536o/s320/Kopie+von+Blick+vom+zerst%C3%B6rten+Haus+nach+Jerusalem.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;Ein Teller mit Scheiben von Wassermelone ist für mich vorbereitet. Ein Hockerchen steht zwischen uns. Später kommt ein Kaffee. Yussuf ist höflich, zu höflich. Er erzählt, was sich an jenem Morgen wirklich zugetragen hat. Und ich hatte ja auf dem Herweg oben auf dem offenen Platz Bekannte getroffen, die wissen wollten, wohin und woher. Und die hatten das Wort von „krankenhausreif geschlagen“ fallen lassen. Yussuf will mir die Einzelheiten erzählen, die sein Vater ausgelassen hat. Aber immer wieder wird er aggressiv, greift mich an, weil wir Europäer die Juden herüber geschickt haben; weil ich hier meine schöne Geschichte zusammensuche, während er mit den Trümmern seines Lebens weiterleben muss; weil ich nachhause fahre zu meiner Familie, während er keine Wohnung hat und keine Familie gründen kann. Ich verstehe seine Frustration und biete an, ob es ihm besser geht, wenn ich mich verabschiede. Aber das ist ihm furchtbar peinlich. Nein, er kann einfach seine Gefühle nicht zügeln. Ich frage seinem älteren Bruder und der Geschichte mit dem Krankenhaus. &lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoiogEZyvgI/AAAAAAAAAFU/7tiQNCJaXI4/s1600-h/Kopie+von+Wer+beseitigt+die+Tr%C3%BCmmer.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5082497448378809858" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoiogEZyvgI/AAAAAAAAAFU/7tiQNCJaXI4/s200/Kopie+von+Wer+beseitigt+die+Tr%C3%BCmmer.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Soldaten haben die Familie ins Haus getrieben, damit sie die Abrissarbeiter bei ihrem Zerstörungswerk nicht stören. Die Kinder durften nicht in den Laden laufen, um Milch zu kaufen. Die Nachbarin, eine polnische Nonne, haben sie rüde verjagt. Sie haben die Kinder angeschrieen. Die Mutter durfte die Kinder nicht beschützen. Sie haben sie ins Haus gestoßen. Sie ist auf den Steinfußboden aufgeschlagen. Das ist ungeheuerlich, das tut man keiner Frau an. Die Brüder haben sich vor die Mutter gestellt und die Soldaten zur Ordnung gerufen. Da haben sie zugeschlagen. Der Jüngere hatte Glück, er ist mit blauen Striemen über den Rücken gut weggekommen. Der Ältere wurde mit Handfesseln abgeführt, in den Olivenhain unten am Hang geführt und dort zusammen geschlagen, bewusstlos. Die Familie musste einen Krankenwagen rufen. Im Krankenhaus wurde er geröntgt und behandelt. anschließend musste er zum Zahnarzt, aber der konnte den ausgeschlagenen Zahn nicht retten. Die Rechnungen für Krankenwagen, Krankenhaus und Zahnbehandlung liegen schon auf dem Tisch.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Olivenbäume und Taube&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Aber das ist nicht das Schlimmste. Das Haus, sagt Yussuf, gut, das ist ein Ding. Das zerstören sie. Sie haben ein Gesetz und nach dem Gesetz handeln sie. Ein schlimmes Gesetz. Aber einen Baum umzubringen! Was ist mit dem Baum? Komm, ich zeig es dir. Und Yussuf führt mich in den Hof, wo ein alter Ölbaum zertrümmert liegt. &lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoipkkZyvhI/AAAAAAAAAFc/w-VIuYzFJyM/s1600-h/Kopie+von+Tr%C3%BCmmer+an+der+Mauer+zum+Kirchenland.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5082498625199848978" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoipkkZyvhI/AAAAAAAAAFc/w-VIuYzFJyM/s200/Kopie+von+Tr%C3%BCmmer+an+der+Mauer+zum+Kirchenland.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Der Führer des Bulldozers, der die Bitte, doch etwas sorgsamer zu Werke zu gehen, nicht gut aufnehmen konnte, griff mit seinem Greifer eine Zwischendecke, hob sie hinüber in den Hof, in dessen Mitte ein wunderschöner uralter Ölbaum stand. Und ließ den großen Beton auf den alten Baum fallen. Der Baum ist bis zur Wurzel zertrümmert. Für Palästinenser ist das ein ungeheuerlicher Frevel. Bäume, Pflanzen, Blumen sind Leben, von Gott geschaffen, Grundlage menschlichen Lebens. Und ein Ölbaum noch mehr: Von ihm leben Familien, Generationen, eine nach der andern ernährt er sie. Wie kann man einen Ölbaum so ohne Not, so frevelhaft, so gottlos umbringen?!&lt;br /&gt;Jetzt ist Yussuf in Fahrt. Siehst du die Tauben dort? Natürlich sehe ich sie, in einer Voliere tänzeln sie, kleine weiße Tauben. Ein Soldat hat aus Langeweile mit Betonbrocken auf die Tauben geworfen. Und? Ist was passiert? Ja, er hat zwei umgebracht. Er hat einfach so die Tauben umgebracht? Ja, er hat vielleicht gehofft, dass wir ihm dabei zusehen. Das ist ja furchtbar. Ich kann mir die Gedanken und Empfindungen eines Soldaten, der Abrissarbeiten absichert und dabei Tauben umbringt, nicht vorstellen. Das ist noch nicht alles, fährt Yussuf fort und schreit jetzt: Ein Soldat hat sich hier vor unserem Fenster, wo die Kinder standen, hingestellt und hat in diesen Blumentopf hier gepisst.&lt;br /&gt;Ich stelle keine Fragen mehr. Und ich vermeide auch die Situation, in der Yussuf laut wird, obwohl ich auch glaube, es tut ihm gut, das herauszuschreien. Er stellt sich vor den Blumentopf und hält die Hand vor den Hosenschlitz, streckt den Unterleib vor und macht das Geräusch. Dann bricht er ab und dreht sich weg. Ich setze mich auf den Stuhl. Er kommt schweigend dazu.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;strong&gt;&lt;span style="color:#666666;"&gt;Der Garten Getsemane - ein Ort der Ruhe?&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Familie, die zu Besuch gekommen ist, sitzt und redet leise. Manchmal höre ich sogar Lachen. Über sie hinweg kann ich jetzt das hell erleuchtete Jerusalem sehen, die Altstadt, dahinter die Höhen von &lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoivekZyviI/AAAAAAAAAFk/Jt2zjOmMgGo/s1600-h/Blick+auf+Getsemane.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5082505119190400546" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoivekZyviI/AAAAAAAAAFk/Jt2zjOmMgGo/s200/Blick+auf+Getsemane.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Westjerusalem und auch einige der Hänge, die zu Ostjerusalem gehören. Es ist wunderschön: die Familie, die im Kreis zusammensitzt, selbst jetzt noch im Schatten vor dem Mond, der hell hinter uns aufgegangen ist; die Terrasse mit diesem faszinierend schönen Blick hinunter auf diese Stadt. Al Quds, die Heilige, mit ihrem neuen Namen, mit ihrem alten Namen Jeruschalajim. Es ist ein schönes Anwesen, eines von dem man sagt: Das schönste, das ich kenne. Wenn ich in Jerusalem leben müsste, hier über dem Garten Getsemane, mit diesem Blick, wäre es am schönsten.&lt;br /&gt;Ich verabschiede mich. Die Mutter schaut prüfend auf mich und auf ihren Sohn, sie kennt ihn. Ich bedanke mich. Said, der Vater, bedankt sich. Ich gehe, aber ich schaue nicht nach links, wo die Trümmer im Mondlicht leuchten. Ich gehe behutsam über den zerstörten Fußweg, durch die Gittertür zwischen verlorenen Torpfosten, die keine Umfriedung mehr bewachen. Hinter mir, das leise Gespräch zwischen Besuchern und Besuchten setzt sich fort. Ich halte meinen Blick nach rechts, wo der eigentliche Garten Getsemane liegt. Davor ist das Haus von Muhamed. Er pflegt den Garten. Und er erzählt auf Deutsch die Geschichte von Jesus: „Als er hier hoch gelaufen war, siehst du, wo mein Finger zeigt, und an meinem Haus angekommen war, hat er beschlossen, er wollte Ruhe halten, in dem Garten…“&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5082507618861366882" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoixwEZyvmI/AAAAAAAAAGE/fZcSXNGwV7M/s320/Blick+%C3%BCber+den+Garten+Getsemane.JPG" border="0" /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-8694108251199389967?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/8694108251199389967/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=8694108251199389967' title='2 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/8694108251199389967'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/8694108251199389967'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2007/07/es-ist-noch-eine-ruhe-vorhanden-dem.html' title='Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoizD0ZyvnI/AAAAAAAAAGM/qUHInfoDjtE/s72-c/Kopie+von+Abgerissen,+ein+Neubau.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-6415560629776773120</id><published>2007-06-25T11:15:00.000-07:00</published><updated>2007-06-25T11:34:00.973-07:00</updated><title type='text'>Ökumene konkret: Mitarbeiter des ÖRK in Jerusalem</title><content type='html'>Wir sitzen bei den Schwestern der Orthodoxen Schule in El Azariya, dem biblischen Bethanien. Hier, wo Maria, Martha und Lazarus lebten, betreibt die Russisch Orthodoxe Kirche eine Schule für Mädchen aus christlichen F&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoAIKdmSZWI/AAAAAAAAAEU/MEYIxxF6Dhk/s1600-h/Kopie+von+Valentina+und+andere+Freiwillige.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5080069355510850914" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoAIKdmSZWI/AAAAAAAAAEU/MEYIxxF6Dhk/s320/Kopie+von+Valentina+und+andere+Freiwillige.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;amilien. Schwester Martha, die sich mit Schwester Maria die Leitung von Schule und Mädchenpension teilt, lässt sich und der Mutter Oberin die Mitglieder des Teams vorstellen. Douglas, kurz Doug, Kanadier schottischer Abstammung, kommt aus der presbyterianischen Tradition. Tina ist Schwedin und natürlich lutherisch. Matlagomeng, kurz Tlago, ist Tswana aus Südafrika und kommt aus einer Freikirche in methodistischer Tradition. Gottfried aus Berlin hat Mühe, die Unierte Konfession darzustellen. In dem Gespräch werden immer wieder Erfahrungen der sechs Leute, die hier auf der Terrasse im Schatten des Feigenbaumes sitzen, eingebracht, man versteht einander besser, weil die Situation in Palästina mit den Lebenserfahrungen aus den jeweils unterschiedlichen Regionen der Welt und der Ökumene abgeglichen und gegenseitig verständlich gemacht werden. Tina war vorher in Albanien und in der Ukraine und hat Aufbauarbeit in Perioden der Neufindung von Nationen kennen gelernt. Tlago bringt die Erfahrungen von Südafrikanern ein, die als Christen in der Unterdrückung mit einem Unterdrückungsregime zu tun hatten, das sich seinerseits als christlich verstand. Gottfried braucht nichts aus Deutschland zu erzählen, weil Schwester Martha Deutsche ist. Er bringt darum die Situation der lutherischen Gossnerkirche in Indien ein, einer Minderheit von Ureinwohnern, die sich gegen den wachsenden Hindu-Fundamentalismus wehren muss. Doug erwähnt, wie die Kanadischen Kirchen in Bedrängnis sind, weil die Forderungen der Indianer auf Land, das jetzt noch im Kirchenbesitz ist, sie verarmen ließe, wenn sie durchgesetzt würden. Schwester Martha erzählt von den Schwierigkeiten, die die orthodoxen und überhaupt alle christlichen Familien hier in Bethanien haben. Sie sind eine Minderheit und fühlen sich doppelt bedroht, aber sie werden jetzt im Zuge des Mauerbaues von Jerusalem abgetrennt. Und das bedeutet nicht nur eine Abtrennung vom benachbarten K&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoAIJ9mSZUI/AAAAAAAAAEE/OjZkbuvx4_4/s1600-h/Kopie+von+Gruppe+22+beim+Griechisch+Orthodoxen+Patriarchen.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5080069346920916290" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoAIJ9mSZUI/AAAAAAAAAEE/OjZkbuvx4_4/s320/Kopie+von+Gruppe+22+beim+Griechisch+Orthodoxen+Patriarchen.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;onvent der Russisch Orthodoxen Schwestern, sondern auch das Ausbleiben von Touristen und Pilgern, die über den Garten Gethsemane und den Ölberg nach Bethanien zum Grab des Lazarus gekommen waren. Vor allem aber bedeutet es die Trennung der Familien, die diesseits und jenseits der Mauer leben, mit der Israel seinen annektierten Teil von Jerusalem hier absichert gegen das besetzte Palästinensergebiet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Runde auf der Terrasse der Orthodoxen Schwestern beschreibt einen besonderen Aspekt unserer Arbeit: Wir treten als ein Ökumenisches Team auf, nicht nur mit dem Mandat des Weltkirchenrates in Genf, sondern mit den unterschiedlichen Erfahrungen und mit der weit gefächerten Spiritualität unserer Heimatkirchen, die wir hier einbringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir haben Pfarrerinnen und Pfarrer unter uns, engagierte Laien, Leute, die eine aufgeklärte und säkularisierte moderne Gesellschaft vertreten und andere, die wieder auf der Suche nach mehr Spiritualität sind. Wir haben auch Leute aus hinduistischer Tradition unter uns und solche, die sich über aller Religiosität sehen und für die das, was sie hier in der „Heiligen Stadt“ beobachten, ein Anachronismus ist. Alle sind jedoch an der Überlebensfrage Israels und Palästinas engagiert, aber auch an der Frage, wie groß der Anteil der Religionen am Konflikt oder an der Lösung des Konfliktes ist. Wenn wir als große Gruppe von 20 Freiwilligen aus 7 Ländern zusammen sind, stehen immer Gruppen zusammen, die sich gegenseitig dazu befragen oder diskutieren: Wie ist das mit politischen Aussagen in deiner Kirche? Warum brauchen einige Kirchen das Zölibat? Wie sieht das Friedensengagement in deiner Kirche aus? Und die Deutschen werden dann immer gefragt: Warum stehen eure Kirchen in der öffentlichen Diskussion so einseitig auf Seiten Israels? Manchmal werden wir heftig und reden laut, manchmal lachen wir. Aber immer gehen wir bereichert aus der Diskussion, weil wir gelernt haben, dass wir mit den Traditionen der Anderen auch andere und neue politische und spirituelle Erfahrungen kennen und schätzen lernen.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoAIJ9mSZVI/AAAAAAAAAEM/_alFRPSTv8w/s1600-h/Kopie+von+%C3%96kumenisscher+Gottesdienst+anl%C3%A4sslich+der+40+Jahre+Besatzung+Pal%C3%A4stinas.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5080069346920916306" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoAIJ9mSZVI/AAAAAAAAAEM/_alFRPSTv8w/s320/Kopie+von+%C3%96kumenisscher+Gottesdienst+anl%C3%A4sslich+der+40+Jahre+Besatzung+Pal%C3%A4stinas.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die Runde auf der Terrasse der Schwestern von Bethanien wiederholt sich an anderen Orten. Und ich bin ganz sicher, dass ich mich auch selber besser verstehen werde, wenn meine Gruppe zum Beispiel vor einer Synagoge steht und von einem Juden gefragt wird: Was ist das – „Ökumene“? Das ist Bartek aus Krakau, sage ich dann. Sein Großvater war evangelisch, in der Kirche Augsburgischen Bekenntnisses; sein Vater ist Katholik und Bartek sucht hier in dem Friedensprogramm eine engagierte Kirche, die seinem modernen Weltbild entspricht. Oder Paul aus England sagt: Das ist Gottfried aus Berlin, sein Missionswerk unterstützt die Palästinensische Lutherische Kirche hier im Land; aus seiner Kirche kommen auch junge Freiwillige für ein Jahr nach Israel, die zum Beispiel z.B. Holocaust-Überlebende in Altersheimen pflegen. Aber seine Kirche kommt aus dem deutschen Dilemma nicht heraus, in jedem Fall lieber politisch korrekt zu reden, als zum Skandal der andauernden Besatzung. Und Pandora aus Südafrika lacht und sagt: Das ist Paul mit dem Namen eines Bengalen, sein Vater ist als Hindu nach England gekommen und seine Kinder könnten Juden werden, wenn er hier die richtige Frau trifft. Und dann lachen doch alle mit Pandora, oder? Das ist Ökumene in Jerusalem. &lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoAIJtmSZTI/AAAAAAAAAD8/NiOXMAvFp_w/s1600-h/Frauen+in+Schwarz.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5080069342625948978" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoAIJtmSZTI/AAAAAAAAAD8/NiOXMAvFp_w/s320/Frauen+in+Schwarz.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gottfried Kraatz, Freiwilliger&lt;br /&gt;und Valentina Maggiulli, Koordinatorin&lt;br /&gt;bei den Frauen in Schwarz&lt;br /&gt;Freitag, 8. Juni 2007&lt;br /&gt;anlässlich der Woche des&lt;br /&gt;Gedenkens an 40 Jahre&lt;br /&gt;Okkupation  Palästinas&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-6415560629776773120?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/6415560629776773120/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=6415560629776773120' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/6415560629776773120'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/6415560629776773120'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2007/06/kumene-konkret-mitarbeiter-des-rk-in.html' title='Ökumene konkret: Mitarbeiter des ÖRK in Jerusalem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RoAIKdmSZWI/AAAAAAAAAEU/MEYIxxF6Dhk/s72-c/Kopie+von+Valentina+und+andere+Freiwillige.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-2069373326990358932</id><published>2007-06-17T06:25:00.000-07:00</published><updated>2007-06-17T06:43:02.155-07:00</updated><title type='text'>Es ist EIN Gott</title><content type='html'>Sonntag, 17. Juni 2007, ich höre den Wind in der Kiefer vor meinem Fenster, das Hupen eines Autos und Vögel singen. Um ruhig zu werden, muss ich die Lautsprecherrufe von den Moscheen, die am frühen Morgen, gegen vier Uhr zum Gebet rufen und die Glocken der Kirchen hier oben auf dem Ölberg und die Rufe der Nachbarn im Gästehaus, die an meinem Fenster vorbei in ihren Tag gegangen sind, aus meinem Speicher löschen. Die Nachrichten, die von Nachrichtenagenturen, Fernsehsendern und ander&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU43NmSZSI/AAAAAAAAAD0/RsoaaT8_8eA/s1600-h/Freitagsgebet+6.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5077026676124312866" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU43NmSZSI/AAAAAAAAAD0/RsoaaT8_8eA/s200/Freitagsgebet+6.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;e Websites über den Laptop zu mir gekommen sind, ich muss sie aus meinem Sinn verbannen. Wie soll ich sonst ruhig werden, und ruhig werden will ich. Es ist Sonntag, ein Tag, den ich von unserem Friedensprogramm frei genommen habe. Meine beiden Kolleginnen haben auch frei genommen. eine ist zu einem Team im Norden des Palästinensergebietes gefahren. Die andere hat einen Tag in der Wellnesseinrichtung eines großen Hotels gebucht. Mir haben sie das Versprechen abgenommen, nichts zu machen, was zu unserer Arbeit gehört. Und geh nicht in die Kirchen!, haben sie gefordert, weil das unweigerlich zu Gesprächen mit alten oder neuen Bekanntschaften über die Lage im Lande führen würde. Und die freien Tage sollen doch dazu dienen, Abstand davon zu gewinnen. Also sitze ich in meinem Zimmer und versuche, still zu werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Tageslosung heißt heute – und die darf ich sogar an meinem freien Tag lesen: „Es ist ein Gott und Vater aller, der über allen und bei allen und in allen ist.“ Das ist ein Wort aus dem Brief, den der Missionar Paulus an Menschen im damaligen Kleinasien geschickt hat. Es war sein Versuch, den Menschen, die zwischen vielen Religionen, Sprachen und Kulturen gelebt haben, einen Standort zu zeigen, von dem aus sie freundlichen und feindlich gesonnenen Menschen gleich gerecht werden konnten.&lt;br /&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5077025503598240978" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU3y9mSZNI/AAAAAAAAADM/BOdXn-d8ghU/s320/IMG_1116.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;Draußen, in Ostjerusalem, in den besetzten Gebieten der Westbank, im Gazastreifen und auch in Israel sind die Menschen aufgeregt; aufgebracht von den Ereignissen, die unmittelbar im Land passieren, aufgebracht auch gegeneinander. Die Bilder von Bürgerkrieg, von Hinrichtungen, von Hass und von der Zerstörung dessen, was anderen heilig ist, die Erklärungen, die Hamas, der Fatah, der israelischen Regierung und der westlichen Regierungen, die alle die Fatah stützen wollen – sie alle sind zutiefst verstörend. Je nachdem, welcher Seite man zuhört, geben die Fakten und Ereignisse ein anderes Gesamtbild. Hört man der Hamas zu, so war es richtig, den Verrat der palästinensischen Interessen durch die Fatah zu stoppen; sie weisen nach, wie Politik und Sicherheitsdienste der PLO mit Israel und den USA abgestimmt waren bzw. sind und wie die Palästinenser durch sie alles verlieren würden, was ihnen noch gehört. Hört man der Fatah zu oder den Beratern des Palästinenserpräsidenten, so haben die Kräfte der Hamas einen von langer Hand geplanten Putsch durchgeführt, mit dem Ziel, einen islamistischen Gottesstaat im Gazastreifen, in Palästina und in der Region zu errichten. Und den kann nur die Fatah stoppen. Hört man den arabischen Nachbarn zu, so warnen sie beide Parteien vor dem Bruderkrieg und vor dem Verrat des Eides, den sie auf den Koran geschworen haben, in Mekka, vor einigen Monaten. Aber die Nachbarn haben nichts getan und auch nichts zu bieten, was Vertrauen aufbauen könnte. Hört man zu und glaubt, dann hat die eine oder die andere Seite die Lösung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hört man nicht zu, dann vernichten die Bilder alle Hoffnungen, die Normalität des menschlichen Daseins finden, ein Leben in Ruhe führen zu können. Die Menschen wollen sich nicht zwischen der Propaganda der einen oder der anderen Seite entscheiden. Sie sind zutiefst verunsichert, weil die Zerstörung des Lebens, das durch die Israelische Besatzung ohnehin stark eingeschränkt ist, ihnen wieder nahe kommt. Krieg und Tod, Hass und Vergeltung, Furcht und Misstrauen – das wollen sie nicht. Aber es wird ihnen aufgezwungen. Die Menschen, denen wir tagtäglich begegnen, leiden. Und sie verlieren die kleine Hoffnung, die sie sich bewahrt hatten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und nun will ich die Bilder loswerden, die ich zuletzt gesehen habe. Das war vor 2 Tagen, am Freitag. Danach war ich nach Tel Aviv gefahren, wo man sich fühlen kann, als sei man in einem ganz anderen Land. Die Menschen gehen an die Strandpromenade, essen und trinken dort, liegen in der Sonne, spielen und schwimmen. Und tun so, als wäre das Leben sicher. Das war gestern. Aber zu den Bildern von vorgestern. Der Bürgerkrieg im Gazastreifen war soweit entschieden. Die ersten Auseinandersetzungen in den Zentren der Westbank waren erfolgt. Jetzt war Freitag, der Tag des Großen Mittagsgebetes. An diesem Tag strömen immer Menschen aus dem ganzen Land nach Jerusalem, in die Altstadt und zur Al-Aqsa-Moschee. So auch vorgestern.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU41dmSZQI/AAAAAAAAADk/obfvgP3E5c8/s1600-h/Freitagsgebet+3.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5077026646059541762" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU41dmSZQI/AAAAAAAAADk/obfvgP3E5c8/s200/Freitagsgebet+3.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Erstes Bild: Auf dem Weg vom Ölberg hinunter in die Stadt fanden wir Straßensperren. Gitter versperrten die Kreuzungen. Polizisten, schwer bewaffnet standen hinter diesen Sperren. Unser Bus musste einen riesigen Umweg fahren. Die Geschäftsstraßen gegenüber dem Damaskustor waren voll, wie immer, aber eine große Unruhe lag über den Menschen. Am Himmel schwebte ein Zeppelin, offensichtlich mussten Verkehr und Straßensperren vom Himmel aus kontrolliert werden. Später fielen die Busse ganz aus; als ich mittags noch einmal unterwegs war, musste ich zu Fuß laufen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweites Bild: Die Stadttore waren ganz und gar gesperrt, Polizisten bildeten dichte und doppelte Kordons, durch die niemand vordringen konnte, den sie nicht durchlassen wollten. Wie immer bei solchen Sperren hieß es: Männer unter 45 oder unter 40 dürfen nicht in die Altstadt. Aber auch Frauen mit ihren Produkten für den Markt wurden nicht durchgelassen. Juden im Habit der Orthodoxen wurden seitlich an den aufgeregten Massen vorbei in die Altstadt eskortiert. Polizeikräfte waren tief in die Geschäftsstraßen hinein gestaffelt.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU41dmSZPI/AAAAAAAAADc/F62o9ESzQl0/s1600-h/Freitagsgebet+2.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5077026646059541746" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU41dmSZPI/AAAAAAAAADc/F62o9ESzQl0/s200/Freitagsgebet+2.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Drittes Bild: Mittags war ich zu unserem Büro nahe dem Neuen Tor unterwegs. Ich musste laufen. Auf dem kurzen Abschnitt der Stadtmauer nach Norden, entlang der Sultan Suleiman Straße, das sind etwa 1 ½ km, waren vier Gruppen von Männern, die offensichtlich nicht zur Al Aqsa Moschee durchgelassen worden waren, zum Freitagsgebet versammelt. In einem Fall waren es mehr als 200 Männer, von Polizei umstellt. Im Schatten eines Baumes standen zwei dieser Hannoveraner, Pferde, die in Deutschland speziell für Krawall-Einsätze trainiert worden sind. Um die Ecke stand ein Wasserwerfer in Bereitschaft. Die Männer saßen auf dem Asphalt der Kreuzung. Vor ihnen stand ein Prediger. Über einen Lautsprecher richtete er seine Worte an die Versammelten. Weit weg noch war seine Predigt zu hören. Frauen, die nicht in den Reihen der Männer beten können, standen und hörten zu. In einem anderen Fall war eine kleine Gruppe von einem Dutzend Männer direkt unter der Stadtmauer versammelt, im Gras sitzend, die Schuhe ausgezogen, im Schatten eines Baumes. Auch sie hörten auf einen Prediger. In wieder einem anderen Fall sah ich die Ladenbesitzer, die für ihre Kunden Pappen auf der Straße auslegten, die auch sofort zum Gebet, bei dem der Betende auf die Knie und mit dem Gesicht auf den Boden geht, verwendeten. Und im vierten Fall sah ich zwei Reihen Betender, die einen Vorbeter vor sich hatten und diesem in allen Gebetshaltungen folgten. Viele Männer standen auch einfach da und sahen sich das Spektakel an, ohne ihre Gemütsregung zu zeigen, aber so, dass keiner meinen durfte, sie seien gleichgültig. &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU41NmSZOI/AAAAAAAAADU/hvEwpRc4m2o/s1600-h/Freitagsgebet+1.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5077026641764574434" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU41NmSZOI/AAAAAAAAADU/hvEwpRc4m2o/s200/Freitagsgebet+1.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich musste in unser Büro, weil nur dort eine feste Telefonleitung besteht. Mein Handy war für diesen Zweck nicht gut genug. Ich sollte ein Interview für den Westdeutschen Rundfunk geben. Ich wollte keinesfalls Fragen nach der politischen Situation beantworten. Dafür, wollte ich sagen, gibt es Spezialisten. Ich wollte auch keine eigene Meinung sagen, das ist nicht Teil unserer Aufgabe in diesem Friedensprogramm. Ich wollte erzählen, wie die Menschen die politischen Ereignisse aufnehmen und erleben. Wie reagieren die Menschen in Jerusalem? Auf diese Frage hatte ich gewartet, aber die kam dann nicht. Das Interview wurde aufgenommen – und wird in diesen Minuten ausgestrahlt – weil von heute an einige Tage lang in Amman eine große Konferenz des Weltkirchenrates zur Situation hier in Palästina und Israel und im Nahen Osten stattfindet. Und dazu sollte jemand, der für den Weltkirchenrat und seine Friedensmission vor Ort arbeitet, gehört werden. Stattdessen kam die Frage nach unseren konkreten Einsätzen und ob unsere Präsenz hier etwas bedeutet. Macht es einen Unterschied, ob Sie dort am Checkpoint stehen? So lautete die Frage. Und die andere hieß: Warum ist hier so wenig von der Realität der Palästinenser bekannt? Warum macht die Kirche nichts von dem, was Sie dort sehen, öffentlich?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weil die Frage, wie sieht es heute in den Straßen von Jerusalem aus, nicht gekommen war, weil ich die Bilder, die meine Seele füllten, nicht zeigen konnte, muss ich es jetzt hier tun. Weil ich den Menschen in Deutschland keine fertige Meinung zumuten, sondern ihnen zutrauen will, dass sie mitdenken und mitfühlen, darum will ich beschreiben, wie die Menschen hier auf die Ereignisse reagieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Menschen auf den Märkten von Ostjerusalem, die sich nicht in die Häuser zurückziehen oder flach auf den Boden legen müssen, wie in Gaza-Stadt, sind tief frustriert. Sie wollen sich nicht von radikalen Gruppen vertreten lassen. Sie wollen keinen Krieg in ihren Straßen. Was beten ihre Imame? Und ich meine wieder nicht die, die im Radio gesendet oder die in unseren Zeitungen zitiert werden. Wen kann ich fragen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf den Boulevards von Westjerusalem sind heute nach dem Sabbat die Geschäfte und Cafes wieder offen, die Menschen hier haben einen neuen Präsidenten, aber keine Regierung mit Visionen. Sie fragen sich gegenseitig, ob die Zukunft für sie dunkler oder heller scheinen wird. Was haben sie am Sabbat gebetet? Yael sagt: Wir Juden haben keine aktuell formulierten Gebete im Gottesdienst. Debbie sagt: Am Freitag haben wir das Gebet um Frieden gebetet wie immer, es stammt aus dem 19. Jahrhundert und hatte damals einen aktuellen Anlass. Und sie ist sicher, die Synagogenbesucher haben vorgestern das Gebet auf die gegenwärtige Situation bezogen und um Frieden für die Palästinenser und für sich selbst gebetet.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU41tmSZRI/AAAAAAAAADs/M-0EbMvuiI8/s1600-h/Freitagsgebet+4.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5077026650354509074" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU41tmSZRI/AAAAAAAAADs/M-0EbMvuiI8/s200/Freitagsgebet+4.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die wenigen Christen, die heute in den Kirchen Jerusalems zusammen kommen, die nichts von der Konferenz in Amman wissen, die auch nur Zeitungen und Fernsehbilder kennen, von ihnen weiß ich: Sie fürchten die Islamisten, sie fürchten sie noch viel mehr als die gemäßigten oder die säkularen Muslime sie fürchten. Und sie sehen schwarz. Was beten sie in ihren Gottesdiensten? Ich werde sie fragen müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier sitze ich und suche die Stille, die nötig ist, um mich auf das Wichtige zu besinnen. Ich spüre, dass ich noch viel lernen und verstehen will. Und ich hoffe, dass ich die Bilder, die ich nach Deutschland vermitteln will, dort verstanden werden. Ich hoffe auch, dass ich selbst in der Unruhe, die noch im Abstand vom Lärm der tragischen Ereignisse, bestehen bleibt, die Bewegung Gottes finde, die zu Gerechtigkeit und zu Frieden führen will. Aber zu dieser Mühe, die wirklichen Optionen für Gerechtigkeit und Frieden zu finden, gehört auch die Frage, die hier in Jerusalem so verdeckt und so von Lärm übertönt ist: Ist der Gott, den alle drei Religionen als Den Einen bekennen, ist er ein einigender Gott?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterdessen ist es Nachmittag. Der Wind hat zugenommen. Er ist unüberhörbar. Ich werde auf die Nacht warten. Dann wird es still. Und vielleicht lässt sich Gott, wie in der alten Geschichte vom Propheten Elias, in der Stille, die dem Sturm und dem Erbeben gefolgt waren, finden. Denn wenn wir ihn finden, werden wir wissen, dass er ein einigender Gott ist.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-2069373326990358932?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/2069373326990358932/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=2069373326990358932' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2069373326990358932'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2069373326990358932'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2007/06/es-ist-ein-gott.html' title='Es ist EIN Gott'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnU43NmSZSI/AAAAAAAAAD0/RsoaaT8_8eA/s72-c/Freitagsgebet+6.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-3442218968839333937</id><published>2007-06-16T23:07:00.000-07:00</published><updated>2007-06-16T23:40:13.953-07:00</updated><title type='text'>Beim Kamel Zuhause</title><content type='html'>Es war der Tag, als sie uns wieder Mal den Durchgang durch den Kontrollpunkt verweigert haben, sie, die Soldaten von der Grenzkontrolle. Wir stehen dann vor dem Drehgitter in der Reihe der anderen Passanten, aber jedes Mal, wenn einer von uns durch diese Schleuse gehen will, schließt die sich, erscheint das rote Licht über dem Drehgitter. Nach 5 Minuten haben wir das Spiel verstanden und suchen das Gespräch mit den Soldaten durch die Sprechanlage, die neben den Drehgittern hängt. Wir hören, dass wie nicht berechtigt seien, durch diese Kontrollanlage zu passieren, dass wir nach Bethlehem fahren sollen. Und so weiter, davon wollte ich aber gar nicht erzählen. Es war an diesem Tag, dass ich das Kamel zuhause besucht habe. Und vom Kamel wollte ich erzählen.&lt;br /&gt;Vor einem halben Jahr habe ich von dem Kamel erzählt, das bei uns oben auf dem Ölberg an der großen Kreuzung erschienen und auch wieder verschwunden war, zu schnell, als dass ich es hätte fotografieren können. Jetzt hatte ich meiner Enkeltochter eine Postkarte vom Kamel und seinem Baby geschickt und irgendwie hatte ich das Gefühl, ich müsste eine persönliche Beziehung nachweisen, wenn der Gruß vom Kamel echt sein soll. So, wie ich hier in Jerusalem von Organisationen berichte, die ich kenne, mit denen ich zusammen arbeite. Diese Woche war voll von Veranstaltungen gegen die 40 Jahre Besatzung der Palästinenser&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnTQgdmSZKI/AAAAAAAAAC0/csaFNQv0wyI/s1600-h/Kamel+in+Azariya.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5076911936073000098" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnTQgdmSZKI/AAAAAAAAAC0/csaFNQv0wyI/s200/Kamel+in+Azariya.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;gebiete. In allen Veranstaltungen, die wir begleitet haben, haben wir Israelische Freunde getroffen. Und wir haben sie für unsere Veranstaltung geworben, in der wir für unsere Teams der Ökumenischen Begleiter, die nächste Woche hier in Jerusalem zusammenkommen, organisieren. Aber auch davon will ich hier nicht erzählen. Vom Kamel also.&lt;br /&gt;An diesem Morgen, als am Kontrollpunkt nicht viel los war, habe ich mich von meinen beiden Kolleginnen gelöst und mich zu einem kleinen Spaziergang aufgemacht. Entlang der Mauer und den Hang aufwärts wollte ich sehen, wie die Grenze zwischen Jerusalem und der Westbank hier verläuft und was für ein Dorf das eigentlich ist, das hier oberhalb der Hauptstraße liegt. Die Hauptstraße führt nach Al Aizariya, dem biblischen Bethanien, jetzt nach Lazarus benannt, den Jesus aus dem Grab erweckt hat. Ich war also einige hundert Meter gegangen, als ich im Hof rechts von mir ein Kamel liegen sah. Das Kamel wurde schön hergerichtet. Ein Sattel war schon zwischen den Höckern befestigt, eine schöne rote Decke wurde darüber gebreitet und siehe da, die Decke hatte richtige Taschen. In den Taschen wurden die Vorräte für den Jungen verstaut, der mit dem Kamel arbeiten sollte, Wasser in einer Flasche und ein Brotfladen in einem Tuch und Obst und vielleicht Humus, das konnte ich nicht erkennen. Ich war stehen geblieben und hatte den Fotoapparat rausgeholt. Der Hausherr, der mit dem Kamel beschäftigt war, sprach mich an. Nach einem kurzen Gespräch bat er mich herein. Er erklärte mir, dass das Kamel sich jetzt aufmachen würde, mit dem Jungen, er zeigte stolz auf seinen Sohn. Sie sollten an der Lazaruskirche Touristen erfreuen. Die sitzen gern auf dem Kamel und wollen Fotos, erläuterte er. Der Junge nickte. Das war seine Arbeit.&lt;br /&gt;Natürlich hatte ich jetzt Fragen, nicht nur zum Kamel, auch zum Leben hier direkt an der Mauer. Der Kamel- und Hausbesitzer führte mich in seinen Garten. Olivenbäume standen da, der Boden war gepflügt, einige Beete für Gemüse lagen dazwischen. Aber vor allem war es der Blick über das Tal, der mich faszinierte. Über die Mauer hinweg, die hier acht Meter hoch ist, waren die Hänge von At Tor zu sehen, oben der Ölberg mit seinen großen Anlagen des Auguste-Viktoria-Krankenhauses und des russischen Nonnenklosters. Und da war auch das Haus des Bruders, der ebenfalls ein Kamel hat und dieses den Touristen dort oben auf der Aussichtsplattform anbietet. Ach, sagte ich, das hatte ich neulich getroffen, abends, als es im kühlen Wind aushielt und auf die Touristen warten musste, die in der Dunkelheit kommen, um die Altstadt von Jerusalem als helle Stadt auf dem Berg zu sehen. Ja, sagte mein Gastgeber, die Kamele seien auch verwandt, wie er und sein Bruder. Aber jetzt leben sie getrennt. Er zeigte auf die Mauer. &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnTQgdmSZLI/AAAAAAAAAC8/2BVuBOnLLh0/s1600-h/Kamel+zuhause.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5076911936073000114" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnTQgdmSZLI/AAAAAAAAAC8/2BVuBOnLLh0/s200/Kamel+zuhause.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Das Kamel hat keinen Ausweis? Fragte ich. Aber das war kein guter Witz. Sein Gesicht wurde noch trauriger. Unser Leben hat sich verändert. Wir waren hier doch eine Familie, eine Stadt, führte er aus und zeigte auf die Hänge, die sie nicht bearbeiten konnten, weil sie zu nahe an der Mauer lagen. Das Land müsste wieder terrassiert, Wasser herangeführt werden. Aber dazu haben sie keine Erlaubnis. Ich dachte an den gepflegten Wald, etwas weiter drüben, hinter dem Gelände des Auguste-Viktoria-Krankenhauses. Dort hat Israel im früheren Niemandsland die Universität ausgebaut. Und unterhalb der Universität Land für Park und Wald ausgewiesen. Jüdische Geldgeber aus den USA haben ein Wäldchen anlegen lassen. Und man kann dort das Wunder erleben, wie aus der Judäischen Wüste ein Wäldchen wächst, Duft von Kiefern und kleinen Büschen verbreitend. Aber hier war zerrissenes und karges Land, erodiert und von der grauen Betonmauer gezeichnet.&lt;br /&gt;Der Sohn des Bauern hatte uns auf einem Tablett zwei Gläser mit Tee gebracht, süß, mit frischer Minze. Den Tee hatten wir getrunken. Wir waren zurück beim Kamel. Als ich eine Portraitaufnahme von ihm machen wollte, protestierte es und war überhaupt ungehalten. Der Bauer, Mahmud, begann das Kamel zu streicheln und sanfte Laute in sein Ohr zu sagen. Das Kamel ließ in einer unendlich langsamen gleitenden Bewegung seinen immer länger werdenden gestreckten Hals niedersinken. Es nahm die Streichelbewegungen im Nacken mit einem zufriedenen Grunzlaut entgegen. Der lange Hals lag nun auf dem Boden des Hofes. Aus dem Augenwinkel beobachtete es mich, als wolle es sicherstellen, dass ich mich über die intime Situation nicht lustig mache. Vielleicht mochte es auch meinen Fotoapparat nicht, davon habe es genug den Tag über; hier habe es ein Anrecht auf Privatsphäre und Respekt. Ich zog mich zurück und verabschiedete mich dann auch. Schließlich wartete meine Aufgabe auf mich, etwas weiter unten, bei der Kontrollanlage. &lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnTXHtmSZMI/AAAAAAAAADE/1ftwX-3q1fI/s1600-h/Kamel+%2B+TouristinIMg.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5076919207452632258" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnTXHtmSZMI/AAAAAAAAADE/1ftwX-3q1fI/s320/Kamel+%2B+TouristinIMg.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Später, als der Kontrollpunkt für uns verschlossen war und wir auf eine Antwort von der Beschwerdestelle warteten, kam das Kamel vorüber, den Kopf hoch erhoben, wieder mit diesem Seitenblick, mit dem es vielleicht sagen wollte: Ich bin vielleicht ein Kamel, aber du verstehst nichts von meinem Leben! Und ich habe jedenfalls den Fotoapparat in der Westentasche gelassen. Die anfangs schnell geschossenen Fotos sind nicht besonders gut, aber ich schicke sie meiner Enkeltochter, als Beweis, dass ich beim Kamel zuhause war.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-3442218968839333937?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/3442218968839333937/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=3442218968839333937' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/3442218968839333937'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/3442218968839333937'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2007/06/beim-kamel-zuhause.html' title='Beim Kamel Zuhause'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnTQgdmSZKI/AAAAAAAAAC0/csaFNQv0wyI/s72-c/Kamel+in+Azariya.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-2030136158002457354</id><published>2007-06-14T07:24:00.000-07:00</published><updated>2007-06-14T07:46:17.078-07:00</updated><title type='text'>Das ist unser Krieg!</title><content type='html'>&lt;div align="left"&gt;Der junge Soldat hatte das Fenster mit den doppelten Scheiben aus schusssicherem Glas geöffnet. Das tun die Soldaten in ihren Wachhäuschen eigentlich nie. Sie rufen über Lautsprecher; manchmal tun sie das auf Arabisch; aber immer ist es so laut und verzerrt, dass ein schmerzhafter Ausdruck auf den Gesichtern sämtlicher Passanten erscheint und viele sich die Ohren zuhalten. Dieser Soldat hier hatte versucht, uns über den Lautsprecher und auf Hebräisch anzusprechen und dann, weil wir nicht wie von ihm gewünscht und gewohnt reagiert hatten, das Fenster geöffnet. Er rief uns näher heran, so nahe, wie das eben ging mit dem Metallgitter zwischen uns. Und dann begann er ein Gespräch, das er mit diesem denkwürdigen Satz vom Krieg beendete. Das Gespräch begann, wie alle unsere Gespräche mit Soldaten beginnen, egal, ob sie anfange&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnFP2tmSZEI/AAAAAAAAACE/tIVAdGMmvwo/s1600-h/Tina+im+Zeitoon+Kontrollpunkt.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5075926056394974274" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnFP2tmSZEI/AAAAAAAAACE/tIVAdGMmvwo/s200/Tina+im+Zeitoon+Kontrollpunkt.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;n oder wir. Wir beginnen Gespräche mit einem Gruß und mit der freundlichen Frage, ob sie englisch sprechen. Sie beginnen meist mit einem Befehl wie: Geht weg hier! Oder einfach: Geht! Geht! Wir haben auch einen Soldaten, der regelmäßig Dienst an einem der Kontrollpunkte tut, der macht, sowie er unser ansichtig wird, eine abweisende Handbewegung und ruft von weitem: Kein Englisch! Keine Fotos! Und auch das ist als Befehl gemeint. Wir verstehen das, lachen und klopfen auf die geschlossene Jackentasche, um zu zeigen, dass der Fotoapparat da drinnen bleibt. Aber dieser Soldat hier konnte Englisch und wollte auch reden. Er lehnte sich leicht aus seinem Fenster und fragte streng: Was macht ihr hier? Das Gespräch führte dazu, dass er uns erklärte, hier würde alles gut gemacht und wir würden hier nicht gebraucht. Umso besser, sagten wir, da habt Ihr ja nichts zu verbergen. Nein nein!, entgegnete er, jetzt ungeduldig, wir wollen euch hier nicht, das geht euch gar nichts an, das ist unser Krieg! Die Betonung lag auf dem Wort: unser.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Überwa&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnFQRNmSZFI/AAAAAAAAACM/rm2uu-xC4vA/s1600-h/Daphne+and+Deborah.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5075926511661507666" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnFQRNmSZFI/AAAAAAAAACM/rm2uu-xC4vA/s200/Daphne+and+Deborah.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;chung der Kontrollstellen gehört zu unseren Aufgaben. Wir besuchen regelmäßig vier sehr unterschiedliche Kontrollstellen. Eine davon liegt mitten im Palästinensergebiet und gehört zu den 546 Barrieren im Land, mit denen Israel nicht nur seine „Grenzen“ zu den Palästinensergebieten, sondern auch seine Straßen kontrolliert, die ausschließlich für Israelis, vor allem eben für die Siedler, durch Palästinensergebiete verlaufen. Vielleicht müsste ich an dieser Stelle was zu den Worten sagen, die in den Medien gebraucht werden und die auch ich verwende. Aber das würde zu diffizil, eben weil es ganz verschiedene Sperren und Durchlässe gibt. Im Original heißt es eben nicht wie im Englischen „Checkpoint“ oder wie im Deutschen „Grenzkontrolle“. Das hebräische Wort heißt „Machsom“, im Plural „Machsomim“. Es bedeutet: Sperre. Und es macht deutlich, dass es in erster Linie um die Barrieren, um die Absperrung und um Kontrolle des Verkehrs auch mitten in den Palästinensergebieten geht, nicht um ihre Durchlässe und einen Grenzverkehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sind froh, dass wir bisher keine Kampfeinsätze erlebt, keine Festnahmen erkannt oder Handgreiflichkeiten gesehen haben, wie im vergangenen Jahr. In unseren Berichten steht dann meist in der entsprechenden Rubrik: Keine Vorfälle gesehen. Auch im Bericht über den Besuch des Checkpoints unter dem Ölberg heute früh steht: Keine besonderen Vorfälle. Und doch gehen wir jedes Mal frustriert von dem, was wir dort beobachten, davon oder sitzen im Bus, der sich im morgendlichen Stau langsam auf die Altstadt zu bewegt, und meditieren diese Situation. Mit uns im Bus sitzen dann, auf dem Weg zu ihren Arbeitsplätzen, die Palästinenser, die erstmal erleichtert sind, weil sie diese tägliche Demütigung der Grenzkontrollen hinter sich haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keine besonderen Vorkommnisse: Das Brüllen der Lautsprecher, das Zucken in den Gesichtern der zwischen den Drehgittern eingezwängten, die gebogenen Rücken der Gedemütigten, die ihre Hände zur Computerkontrolle auf die Mattscheibe legen müssen; die abgewandten Blicke der Männer, die draußen und bevor sie in die Busse steigen, ihre Gürtel wieder in die Schlaufen ziehen, die Hemden ordentlich in die Hosen zwängen; die leichten Handbewegungen der jungen Soldaten, mit denen sie Erwachsene und Alte zu sich heranwinken; die verlorene Stunde Lebenszeit – das alles zählt zur Routine. Eine Mutter kommt mit zwei Kindern. Die Kinder nehmen sich an die Hand und zwängen sich gemeinsam durch das Drehgitter, während die Mutter, in einem Arm das Baby, mit der anderen Hand ihren gefalteten Buggy haltend hofft, dass die hinter ihr Drängenden nicht zu arg schieben, so dass sie mit dem Buggy in einem und sie mit dem Kind im anderen Segment des Drehgitters zur nächsten Kontrolle gehen kann. Sie muss drei dieser Drehgitter passieren; in der Personenkontrolle ist sie dann auf die Freundlichkeit der Soldaten angewiesen, die zulassen, dass der Kinderwagen außerhalb des Metalldetektors passieren darf. Das ist schmerzlich anzusehen, ist aber normal. Eine Soldatin geht Kaffee trinken, eine Linie fällt für 10 Minuten aus; Der Soldatin sind der Kaffee und die Pause zu gönnen; aber für die Grenzgänger entsteht die Frage: Sollen sie einfach die vielleicht 5 oder vielleicht 15 Minuten warten oder sich in die anderen Schlangen reinzwängen? Ein Mann hat seine Arbeitserlaubnis vergessen. Sie ist in der anderen Hose. Die Grenzbeamten kennen ihn doch, er geht jeden Tag hier durch. Aber das gilt nicht, er muss nachhause fahren, das Papier holen. Das kostet ihn eine Stunde, die ihm sein Arbeitgeber abziehen wird. Das ist noch kein Anlass, eine Beschwerde in Betracht zu ziehen. Eine alte Frau trägt Weinblätter auf dem Kopf, die will sie auf einer der Einkaufsstraßen in Jerusalem verkaufen. Sie hat keine Genehmigung und darf nicht durch. Sie schimpft. Der Soldat, 17 Jahre alt, fährt sie an und macht diese Bewegung mit dem gestreckten Arm und Zeigefinger: Geh schon! Er sieht ihr herausfordernd ins Gesicht, was man hier nicht tut. Die Frau spuckt ihn an. Er brüllt und reißt sein Gewehr hoch. Die anderen Soldaten sind ihrerseits alle wachsam und einer kommt und schiebt die Frau weg. Die Palästinenser ringsum sind fassungslos: Man berührt keine Frau in der Öffentlichkeit! Aber einer von ihnen kommt und geleitet die Frau höflich davon, damit die Szene nicht weiter eskaliert. Die unzähligen kleinen Demütigungen gehören zu diesem System. Im Bericht wird an diesem Tag stehen: Keine besonderen Vorkommnisse. &lt;/div&gt;&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnFTc9mSZJI/AAAAAAAAACs/2T1G9TYB8tU/s1600-h/sniffing+dog.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5075930012059853970" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnFTc9mSZJI/AAAAAAAAACs/2T1G9TYB8tU/s320/sniffing+dog.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Am Donnerstag ist ein Mann aus der langen Schlange der Wartenden ausgeschert. Er ist auf uns zugekommen. Aggressiv hat er gefragt, was unsere Aufgabe hier sei. Langsam hat er verstanden, dass wir nicht Teil des Abfertigungssystems sind, sondern hier stehen, damit Verstöße gegen eine ordentliche Abwicklung der Grenzübertritte möglichst nicht vorkommen. Die anderen, die uns kennen, wollten ihn zurückziehen. Aber er war nun in Schwung. Er hat uns das Wort „Frieden“, das in unserem Titel steckt, vorgeworfen: Frieden könne es hier nicht geben. Sollen wir zustimmen, dass die uns unser Land wegnehmen, uns von unseren Familien trennen, Grenzen setzen, wo niemals welche waren? Sollen wir zustimmen, dass sie unsere Kinder von den Krankenhäusern fernhalten? Der Mann war Arzt und offensichtlich sehr erregt. Wir haben ihm zugestanden, dass er ein Recht auf diesen Zorn habe aber dass wir unsererseits dafür stehen, Gerechtigkeit wieder herzustellen und den Weg zum Frieden offen zu halten. Davon wollte er nichts wissen. Und viele der Männer in der Schlange der Wartenden haben es vorgezogen, wegzuschauen und ihre Meinung nicht zu erkennen zu geben. Wir haben das später zwischen uns Freiwilligen diskutiert und gesagt, dass auch das zu unserer Aufgabe gehört: Die Frustration der Opfer dieser Trennungsbarriere entgegen zu nehmen.&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5075928139454112882" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnFRv9mSZHI/AAAAAAAAACc/TUN54wfsE0s/s320/Wartende+in+Qualandiya.JPG" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;Am Sonntag war ich bei der Frühmesse der Franziskanermönche gewesen. Auf dem Weg nach Hause rief mich ein Mann an. Ich war der Meinung, es sei ein Taxifahrer oder ein Ladenbesitzer, der Kunden anspricht und wollte weiter gehen. Aber er lief mir hinterher und ich wandte mich, vorsichtshalber freundlich, ihm zu. Dieser Mann überfiel mich mit dem Vorwurf, dass ich an diesem Morgen nicht am Container Kontrollpunkt gewesen sei. Es sei sehr ruppig zugegangen. Völlig verblüfft habe ich ihm zugehört. Er hatte uns dort vor drei Tagen gesehen, aber am nächsten und übernächsten Tag vermisst. Die Soldaten lassen ihre Launen und Willkür an uns aus, sagte er. Warum steht ihr nicht immer da? Auch er war der Meinung, dass es unser Amt sei, dort für gute Abfertigung zu sorgen. Ich musste ihm aufzählen, wie viele andere Kontrollpunkte und Aufgaben wir noch hätten. Und überhaupt, dass wir eigentlich ganz machtlos und von der Grenzpolizei unerwünscht seien. Fast missmutig entließ er mich, eigentlich doch enttäuscht, dass wir nicht mehr für die Situation an der Sperranlage tun konnten.&lt;br /&gt;Die Grenzübertritte und der Einschluss in den versperrten, besetzten Gebieten gehören hier zum Alltag. Aber &lt;a href="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnFQ7tmSZGI/AAAAAAAAACU/x10wpSKTm-U/s1600-h/Anata+Mauer.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5075927241805948002" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnFQ7tmSZGI/AAAAAAAAACU/x10wpSKTm-U/s200/Anata+Mauer.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;sie sind grauenhaft. Die Mauer, 12 Meter hoch, kalter Beton, sieht schlimm aus, aber ihre Funktion, eine Sperre zu errichten, die täglich in das Leben der Menschen einschneidet – ihre Funktion ist schlimmer als ihr Aussehen. Das Leben unter der Besatzung, die nun schon 40 Jahre währt, länger als irgendeine andere Okkupation unserer Zeit, ist unerträglich. Es produziert täglich neuen Hass.&lt;br /&gt;Zu verstehen ist das alles nur, wenn man die Sicht der anderen Seite zur Kenntnis nimmt: Israel wähnt sich im Krieg. Es sieht sich bedroht und von der restlichen Welt nicht verstanden. Und das hat der Soldat ausgedrückt, als er sich unsere Einmischung verbat. Was tut ihr, um uns zu schützen, fragen Israelis. Auch das diskutieren wir und finden, wir müssen uns das anhören.&lt;br /&gt;„Das ist unser Krieg“, sagte der junge Soldat und schloss das Fenster mit den schusssicheren Scheiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erstes Foto: Tina vor dem verschlossenen Drehgitter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zweites Foto: Zwei Frauen von Machsom Watch reden mit den Soldaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Drittes Foto: Ein Spürhund wird eingesetzt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Viertes Foto: Morgens um 6.30, Menschen warten auf die Kontrolle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fünftes Foto: Die Kinder vom Flüchtlingslager Shufat zeigen uns "ihre" Mauer&lt;/em&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-2030136158002457354?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/2030136158002457354/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=2030136158002457354' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2030136158002457354'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/2030136158002457354'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2007/06/das-ist-unser-krieg.html' title='Das ist unser Krieg!'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RnFP2tmSZEI/AAAAAAAAACE/tIVAdGMmvwo/s72-c/Tina+im+Zeitoon+Kontrollpunkt.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-7168126427150668767</id><published>2007-05-29T13:11:00.000-07:00</published><updated>2007-05-29T13:29:49.487-07:00</updated><title type='text'>Jerusalemtag 2007</title><content type='html'>&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;40 Jahre: Wiedervereinigung Jerusalems&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Israel feiert gern. Es gibt religiöse und politische Festtage, die &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlyJjkbZ3FI/AAAAAAAAABc/jKgP6_6IGJg/s1600-h/Kopie+Vater+und+Kinder.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5070078524679380050" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlyJjkbZ3FI/AAAAAAAAABc/jKgP6_6IGJg/s200/Kopie+Vater+und+Kinder.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;beide sehr bewegend und intensiv gefeiert werden. Beide trennen aber Israelis von Palästinensern, wie auch die moslemischen Feiertage Ost-Jerusalem verändern und West-Jerusalem unberührt lassen. Ein politischer Festtag Israels fand eben am 16. Mai statt: "40 Jahre Wiedervereinigung Jerusalems". An manchen Stellen hieß es auch „Befreiung Jerusalems“. Nach dem Sechstagekrieg (1967) wurden die beiden Teile Jerusalems vereinigt, die Flagge mit dem Davidsstern auf dem Tempelberg gehisst. Juden konnten ungehindert zur Klagemauer ziehen um dort zu beten.&lt;br /&gt;Für die Palästinenser, die in Jerusalem und in den annektierten Gebieten der erweiterten Stadt wohnen, für die Flüchtlinge und Vertriebenen in der Westbank und in den Nachbarstaaten ist es der Beginn der Okkupation Ostjerusalems und Palästinas. Es ist nicht nur die Erinnerung an eine Niederlage, sondern der Beginn eines Zustandes, den sie als unerträglich empfinden. Die Kontrollpunkte um Jerusalem herum sind an solchen „Feiertagen“ für jüngere Männer aus Palästina gesperrt, alle Tore der Altstadt gesichert, so dass auch dort jüngere Männer kontrolliert und abgewiesen werden können. Und die Zufahrtsstraßen zur Altstadt sind von Ost-Jerusalem her für den Verkehr blockiert. &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlyLXkbZ3HI/AAAAAAAAABs/VYpyGAMj6cM/s1600-h/Soldaten+ziehen+auf.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5070080517544205426" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlyLXkbZ3HI/AAAAAAAAABs/VYpyGAMj6cM/s200/Soldaten+ziehen+auf.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Für Palästinenser aus Ostjerusalem ist dies ein Tag voller Stress. Am frühen Abend verschließen auch die letzten Händler im christlichen und muslimischen Viertel der Altstadt ihre Läden, weil gleich die Horden der Siedlerjugend Israels durch die engen Gassen der Altstadt stürmen und krakeelen werden. Aber das wusste ich nicht. Keiner konnte genau sagen, wann und von wo der angekündigte Zug auf die ummauerte alte Stadt beginnen würde. Ich hielt mich den ganzen Nachmittag lang vor den Toren der Altstadt auf. Anlass war eine handfeste Auseinandersetzung gewesen, bei der Soldaten einen Mann abgewiesen und dann festgenommen hatten. Leider war ich allein, weil meine beiden Kolleginnen wie immer Mittwoch nachmittags im Beduinenlager waren. Wegen der gesperrten Zufahrtsstraßen saßen sie dann 1 ½ Stunde im Bus, der, wie sie sagten, „fast bis Jericho“ ausweichen musste. Ich stand also am Jaffator. Der heftige Regenguss war abgeklungen, ich war nass, mir wurde kalt und es war doch erst vier Uhr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlyKX0bZ3GI/AAAAAAAAABk/LakUW2UXyTk/s1600-h/Kopie+M%C3%BCtter+mit+Kindern.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5070079422327544930" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlyKX0bZ3GI/AAAAAAAAABk/LakUW2UXyTk/s200/Kopie+M%C3%BCtter+mit+Kindern.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Zunächst sah das alles ganz friedlich aus. Die Familien und kleinen Gruppen festlich gestimmter Pilger nutzten das alte Tor mit dem arabischen Namen Bab Al Khalil, um durch die Altstadt zur Klagemauer zu laufen. Soldaten waren in größerer Zahl aufgezogen. Dann kamen die ersten Jugendgruppen, eher kämpferisch gestimmt. Sie sammelten sich vor dem Tor, bildeten einen Kreis, tanzten und zogen dann laut in die alte Stadt. Und schließlich, da war ich zum Damaskustor gegangen, um meine beiden Kolleginnen zu treffen, und es war schon dunkel, so dass ich keine Fotos mehr machen konnte, ohne mich zu gefährden – schließlich kamen die Jugendlichen in regelrechten Trupps, begleitet und angefeuert von Erwachsenen, teilweise ehrwürdigen Rabbinern im schwarzen Habbit und mit langem Bart. Sie stampften mit den Beinen einen harten Rhythmus, skandierten Rufe, die offensichtlich der anhaltenden "Befreiung" Jerusalems galten, und stürmten dann mit Gebrüll durch das Tor. Soldaten hatten vorher das Tor frei geräumt, alle Palästinenser abgedrängt und zum nächsten, weiter östlich gelegenen Tor geschickt, weil sie in akuter Gefahr waren. Die Soldaten, in Kampfuniform und bewaffnet, haben praktisch das Tor freigemacht für die Jugendlichen, die den Kampf um Jerusalem, der vor 40 Jahren stattgefunden hat, nachzuspielen. &lt;/div&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5070081449552108674" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlyMN0bZ3II/AAAAAAAAAB0/jt3uAIztLgU/s400/die+Siedlerjugend.JPG" border="0" /&gt;Auf der anderen Straßenseite, wohin sich die letzten Fußgänger geflüchtet hatten, standen einige Palästinenser mit verschlossenen Gesichtern: Ihre Stadt fiel wieder in die Hände dieser von ultrarechten Rabbinern aufgehetzten Jugendbanden.Was für ein unheiliger Festtag in der Heiligen Stadt!&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-7168126427150668767?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/7168126427150668767/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=7168126427150668767' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/7168126427150668767'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/7168126427150668767'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2007/05/jerusalemtag-2007.html' title='Jerusalemtag 2007'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlyJjkbZ3FI/AAAAAAAAABc/jKgP6_6IGJg/s72-c/Kopie+Vater+und+Kinder.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-7090294375838874645</id><published>2007-05-29T00:36:00.000-07:00</published><updated>2007-05-29T01:15:24.084-07:00</updated><title type='text'>Mit den Augen der anderen sehen oder: Wo ich zuhause bin</title><content type='html'>Am ersten der Tage, an denen unsere Vorgänger uns in die Aufgaben des Jerusalem Teams einweisen sollten, sind wir abends ins Kino gegangen. Kino ist nicht der richtige Ausdruck, Palästinensisches Nationaltheater muss ich sagen. Und es war auch kein Spielfilm, sondern ein Dokumentarfilm über Palästinenser, die 40 Jahre nach ihrer Flucht oder Vertreibung aus Jerusalem in ihre ehemaligen Häuser oder Wohnungen zurückkehren, als Besucher. Wie sie das erleben, wie die neuen Besitzer, die in diesen Häusern oder Wohnungen längst zuhause sind, auf sie reagieren, wie der Zuschauer das nachvollzieht und hinein genommen wird in die Blicke und Erzählungen und Gespräche der alten und neuen Besitzer, das war auf der Leinwand des Nationaltheaters zu sehen und zu hören.&lt;br /&gt;Gestern war ich in einem wunderschönen Konzert, in dem palästinensische Musiker klassische Musik aus Tradition und Moderne gespielt haben. Auch das war in diesem Nationaltheater, diesmal auf der Bühne, zu sehen und zu hören. Wir waren dort, die drei Jerusalemer Freiwilligen aus dem Friedensprogramm, wir haben Bekannte getroffen, Jerusalemer und Leute aus der internationalen Szene. Wir haben die Musik unterschiedlich gehört. Und das hat mich an den Dokumentarfilm vor drei Wochen erinnert.&lt;br /&gt;Vierzig Jahre Flucht und Vertreibung oder Eroberung und Aufbau einer neuen Nation – wie unterschiedlich erleben Palästinenser und Israelis dieses Jahr mit der Erinnerung an die vierzig Jahre, ja, wie muss ich hier sagen, ein neutrales Wort gibt es ja nicht: 40 Jahre Wiedervereinigung, manche sprechen von Befreiung Jerusalems oder 40 Jahre Okkupation, manche sagen: Kolonialismus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5069890082989268034" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlveK0bZ3EI/AAAAAAAAABU/3CKngr_S3kI/s400/Jerusalem+4+031.jpg" border="0" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p align="center"&gt;&lt;em&gt;Hausabriss in Ostjerusalem&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p align="left"&gt;Es ging in dem Film um Palästinenser, die 1948 oder 1967 das Land verlassen hatten, oder während der Kriege im Ausland waren und danach nie mehr in ihre Heimatstadt Jerusalem zurück gelassen wurden. Ein Israeli hatte einige von ihnen ausfindig gemacht und die heutigen Besitzer oder Bewohner ihrer Häuser bzw. Wohnungen dazu überredet, sie einzuladen und ihnen ein Wiedersehen mit ihrem früheren Zuhause zu ermöglichen. Der Film wurde mit englischen Untertiteln gezeigt. Aber bei den Dialogen, die auf arabisch oder hebräisch geführt wurden, habe ich oft nur auf die Gesichter geachtet und nicht auf den Text. Besonders eindrucksvoll war die folgende Szene: Ein älteres Ehepaar, Palästinenser, die aus Jordanien angereist waren, fand mit großem Erstaunen, dass Lampen und andere Einrichtungsgegenstände noch die gleichen waren, wie zu ihrer Zeit, als das Haus ihnen gehört hatte. Sie saßen beim Tee und redeten vorsichtig und höflich miteinander, Besiegte und Sieger, Vertriebene und neue Bewohner. Der neue Hausherr, der wohl zu schätzen wusste, was für eine geschmackvolle Einrichtung er damals übernommen hatte, zeigte an dieser Stelle eine Art Schrecksekunde, in der er still war. Dann sah er sich erneut im Wohnzimmer um, als sehe er alles zum ersten Mal. Schließlich fand er seine Sprache wieder und er fragte seinen Gast, dann sei das jetzt für ihn sicher ein ganz schmerzliches Wiedersehen mit seiner Kindheit und Jugend. Ja, sagte der, und hatte Tränen in den Augen. Der Blick des neuen Besitzers, der 4 Jahrzehnte lang ohne viele Gedanken an die Bewohner und Eigentümer dieses Haus bewohnt hatte, erkannte mit einem Mal die befremdliche Situation: Hier war ein weiteres Ehepaar, das dieses Haus als ihr Zuhause ansah. In den Augen der beiden Palästinenser dagegen war Schmerz, Verlust und Demütigung zu sehen, neben der kleinen Genugtuung, dass ihre kostbare Einrichtung geehrt und gepflegt worden war.&lt;br /&gt;Beide Augenpaare verrieten etwas von der Widersinnigkeit des Kampfes um dieses Land Palästina/Israel: Es ist das Zuhause zweier Völker. Die Palästinenser haben die Vergangenheit auf ihrer Seite, die Israelis die Macht.&lt;br /&gt;Der Film zeigte viel von der Ausweglosigkeit, in der Menschen sich begegnen konnten, ohne das geschehene Unrecht zu leugnen oder einzuklagen.&lt;br /&gt;Groß war die Trauer, die in den Augen der Verlierer ihrer Vergangenheit stand.&lt;br /&gt;Schön war in diesem Film, dass die Wahrheit sichtbar werden konnt, auch wenn keine Lösung in Sicht war.&lt;br /&gt;Nachlese 1: Ich war mit Tlago im Film, der Freiwilligen aus Südafrika. Ich erzählte ihr von dem Buch, das ich gerade verschenkt hatte und selber lesen wollte, das genau von diesem Moment der Erkenntnis ausgeht. Angelika Schrobsdorff („Jerusalem war immer eine schwere Adresse“) fängt ihre Erzählung der Zeit des Palästinenseraufstandes damit an, dass sie erkennt, dass das Haus, in dem sie in Jerusalem wohnt, vertriebenen Palästinensern gehört. Sie ist mit ihren Eltern aus Deutschland vertrieben worden, das Haus ihrer Kindheit ist damals von Deutschen in Besitz genommen worden, Nutznießern des Faschismus. Die Erkenntnis öffnet ihr die Augen für die beklemmende Situation ihrer neuen Heimat. Im Film war eine ähnliche Szene gezeigt worden, wo ein altes Ehepaar offensichtlich aus Deutschland kommend, damals glücklich in das Haus gezogen war, ohne zu ahnen, warum die Besitzer verschwunden waren. Wir sind enteignet und vertrieben worden, sagt der Palästinenser. Aber sie haben doch eine Wiedergutmachung erhalten, sagt die Frau, die dem Faschismus in Deutschland entkommen ist. Nein, sagt der Palästinenser, anders als sie haben wir keine Entschädigung bekommen.&lt;br /&gt;Wir laufen während dieses Nachgespräches durch die Altstadt von Jerusalem. Es ist dunkel. Die Läden sind längst geschlossen. Die Gassen leer. Wir reden leise, weil man das Gefühl hat, dass die ganze Altstadt schläft.&lt;br /&gt;Nachtrag 2: Tlago hat mir mit Ungeduld zugehört. Ihre Eltern sind auch vertrieben worden, in den 50iger Jahren aus Johannesburg, in die Townships von Soweto raus. Ich frage nach, wie weit die Verhandlungen der Wahrheits- und Versöhnungskommission gekommen ist, bei denen es um die Entschädigung der Apartheidsopfer gehen sollte. Gar nicht weiter, sagt Tlago. Und erzählt von einer Gruppe junger Schwarzer, die sich organisiert haben, um mehr Druck auf die Regierung zu machen und Entschädigungen einzuklagen. Und die sind verhaftet und verklagt worden, bricht es aus ihr heraus. Was?! Von der Regierung des Neuen Südafrika. Ja, sagt sie, genau von der. Und im Vergleich zu der Situation, die im Film gezeigt worden war, fügt sie hinzu: Unser Land gehört uns immer noch nicht.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5069884581136161842" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlvZKkbZ3DI/AAAAAAAAABM/_FwXsUG3FAw/s400/Lifta,+Ruinen.jpg" border="0" /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align="center"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align="center"&gt;&lt;em&gt;Lifta, ein palästinensisches Dorf, aus dem die Bewohner 1947 vertrieben worden sind. Die Häuser sind immer noch ihr Eigentum, aber sie dürfen nicht nach Jerusalem kommen, schon gar nicht hier wohnen&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p align="center"&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Mit meinen Augen möchte ich für Palästina/Israel eine baldige Lösung des Streites um dieses Land sehen; ich bin ungeduldig. Tlago sieht einen langen Weg für die Palästinenser, die mehr verloren haben, als man ihnen kurzerhand wiedergeben könnte; bei ihr überwiegt der Zorn. &lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-7090294375838874645?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/7090294375838874645/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=7090294375838874645' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/7090294375838874645'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/7090294375838874645'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2007/05/mit-den-augen-der-anderen-sehen-oder-wo.html' title='Mit den Augen der anderen sehen oder: Wo ich zuhause bin'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlveK0bZ3EI/AAAAAAAAABU/3CKngr_S3kI/s72-c/Jerusalem+4+031.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-3967974136910260278</id><published>2007-05-29T00:07:00.000-07:00</published><updated>2007-05-29T00:35:47.895-07:00</updated><title type='text'>Zurück in Jerusalem</title><content type='html'>&lt;div&gt;&lt;div&gt;Mai 2007, ich bin zurück in Jerusalem. Bevor das Vorbereitungsseminar für unser Ökumenisches Friedensprogramm beginnt, habe ich Zeit für einen Spaziergang. &lt;a href="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlvXhkbZ3CI/AAAAAAAAABE/h_jm7POf8II/s1600-h/Klagemauer+1.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5069882777249897506" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlvXhkbZ3CI/AAAAAAAAABE/h_jm7POf8II/s320/Klagemauer+1.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Der führt mich durch die Märkte der Altstadt, an verschiedenen Kirchen vorbei zu den zwei Heiligen Stätten, die untrennbar voneinander den Mittelpunkt des Konfliktes darstellen: Die westliche Mauer des Tempelberges und der Heilige Bezirk mit Al Aqsa Moschee und Felsendom. Ich sehe auch auf die Ausgrabungsarbeiten, von denen wir einige Wochen zuvor gehört hatten: Sie haben Proteste und Unruhen ausgelöst, weil zu befürchten war, dass sie Schäden an der Al-Aqsa-Moschee verursachen könnten. Diese Stadt leidet unter der falschen Fragestellung: Wem gehört dieser Heilige Ort?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An einem der nächsten Tage machen wir eine Rundfahrt durch Jerusalem, immer wieder stoßen wir an die Barriere, die hier als 12 Meter hohe Mauer das annektierte Ostjerusalem vom besetzten Palästinensergebiet, Wohngebiete, die früher zusammengehört haben und auch Familien trennt.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlvU00bZ2-I/AAAAAAAAAAk/dhGFwk1pbPc/s1600-h/Mauer+in+Jerusalem.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5069879809427495906" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlvU00bZ2-I/AAAAAAAAAAk/dhGFwk1pbPc/s200/Mauer+in+Jerusalem.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Wieder einige Tage später beginnen wir unsere Arbeit. Wir stehen bei den Kontrollpunkten und beobachten den Transitverkehr von Palästinensern, die zur Arbeit, zur Schule, in die Krankenhäuser wollen, oder, am Freitag zum Gebet in der Al Aqsa Moschee oder zu Familienbesuchen unterwegs sind. Tina erzählt die Geschichte, die sie in Hebron gesehen hat, von dem Bauern, der seinen schwer bepackten Esel durch den Metalldetektor zwängen musste. Ich selbst werde meinem Lieblings-Kontrollpunkt wieder zum Narren gemacht, weil jedes Mal, wenn ich vor dem Drehgitter stehe und passieren will, das rote Licht erscheint und das Drehgitter gestoppt wird; das geht eine viertel Stunde lang, dann sehe ich einen Offizier lachend um die Ecke verschwinden und ich darf durch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Später in der Woche, am 16. Juni, wird Israel seinen Jerusalem-Tag zur Erinnerung an die Eroberung und Befreiung Jerusalems feiern. Israelische Friedensgruppen protestieren gegen &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlvVT0bZ2_I/AAAAAAAAAAs/QHwveJ--jrI/s1600-h/Alternativer+Jerusalemtag.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5069880342003440626" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlvVT0bZ2_I/AAAAAAAAAAs/QHwveJ--jrI/s200/Alternativer+Jerusalemtag.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;diesen Feiertag, weil sie es als feindselig gegenüber den Palästinensern empfinden, für die dieser Tag Niederlage und Verlust der Kontrolle über ihre Stadt bedeutet. Wir nehmen an einer Veranstaltung von Peace Now teil, die den Jerusalem-Tag alternativ feiern, mit der Losung: Zwei Staaten – zwei Hauptstädte. Wir treffen unter den Israelis mehrere Freunde, die sich hier kritisch gegen die offizielle Politik Israels engagieren.&lt;br /&gt;An diesem Tag, dem 12. Mai, liegt ein rötlicher dichter Dunst über der Stadt. Später erfahre ich, dass dies der Chamsin war, der den Wüstenstaub über die Stadt auf dem Berge legt, das Foto zeigt es.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir machen einen Ausflug nach Lifta. Dieser Ort, einst größtes Dorf der Palästinenser vor &lt;a href="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlvUB0bZ29I/AAAAAAAAAAc/ZdUOCxOEyfU/s1600-h/Lifta.JPG"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5069878933254167506" style="FLOAT: right; MARGIN: 0px 0px 10px 10px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlvUB0bZ29I/AAAAAAAAAAc/ZdUOCxOEyfU/s200/Lifta.JPG" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Jerusalem, ist längst von den Karten Israels verschwunden. Seine Bewohner sind im Krieg von 1948 vertrieben worden und leben jetzt in Flüchtlingslagern in Palästina oder in Jordanien. Ihnen gehören die Grundstücke und die Ruinen, aber sie dürfen nicht zurück. Die Stadtverwaltung hat verschiedene Pläne, wonach hier ein Wohngebiet oder ein Park entstehen sollen. Wir sind hier mit einer israelischen Freundin, die ehrenamtlich für die Organisation Zochrot arbeitet und unter anderem mithilft, dass die Erinnerung an dieses palästinensische Dorf, sein früheres Leben und die Geschicke seiner vertriebenen Bewohner nicht verloren gehen. Die Kaktusbüsche blühen, als ob sie zeigen wollten, dass die Hoffnung nie enden sollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-3967974136910260278?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/3967974136910260278/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=3967974136910260278' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/3967974136910260278'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/3967974136910260278'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2007/05/zurck-in-jerusalem.html' title='Zurück in Jerusalem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp0.blogger.com/_CljQpcXFJ-Q/RlvXhkbZ3CI/AAAAAAAAABE/h_jm7POf8II/s72-c/Klagemauer+1.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116620129872902654</id><published>2006-12-15T08:48:00.000-08:00</published><updated>2006-12-15T08:48:20.740-08:00</updated><title type='text'>Abschied aus Jerusalem</title><content type='html'>Abschied von Jerusalem&lt;br /&gt;15. Dezember 06&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie immer bei Abschieden sind es die unerwarteten Ereignisse, die uns ans Herz gehen. Auf vieles sind wir vorbereitet, das soll uns nicht aus der Fassung bringen. Aber da sitze ich im Bus. Zwei Reihen vor mir schauen zwei kleine Augen zwischen den Rücksitzen zu mir. Ein Kindergesicht, für mich nur im Ausschnitt zu sehen. Das Kind tut, was seine Mutter nie tun würde: Starrt mich unverwandt an. Ich zwinkere mit den Augen. Das Kind lacht. Die Mutter sagt was, die Augen werden zurückgezogen. Sie kommen wieder, erwartungsvoll. Ich bewege zwei Finger und die Augen wandern jetzt zwischen meiner Hand und meinem Gesicht hin und her. Es sind wunderschöne Augen, mandelförmig, braun und neugierig. Sie lassen mich nicht los. Und da passiert es: Mir wird klar, wie viel mir fehlen wird, wenn diese Busfahrten, die Wege, die ich gegangen bind, diese Stadt nur noch ein Stück meiner Vergangenheit sein werden. Sie werden mir fehlen, die Menschen, denen ich hier begegnet bin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oder ich stehe, um ungestört telefonieren zu können, über dem Hang mit den Olivenbäumen, das Gästehaus hinter mir. Es ist Abend. Die Lichter der östlichen Vorstädte fließen hinunter, in die Richtung des Toten Meeres. Und weit weg und hoch am Himmel, den Sternen näher als der Stadt, werden dünne Streifen von Lichtern erkennbar. Dort oben, jenseits des Jordangrabens, auf den Bergen Moabs, leben auch Menschen, Nachbarn der Israelis und der Palästinenser. Es ist wie ein Gleichnis, das zeigen will, dass auch über der tiefsten Depression, wie die Geologen das Tal 400 Meter unter Meeresspiegel nennen, ein Leben ist, Licht, das von Leben zeugt. Ein schmerzhaftes und versöhnliches Gleichnis. Es fällt mir schwer, es zurück zu lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Morgen steige ich endlich auf den Turm der Auferstehungskirche, der mich von Anfang an gerufen hat. Er bildet den höchsten Punkt von Jerusalem und lässt einen weit in die Runde blicken. Ich sehe mich um, in alle Himmelsrichtungen. Bis Ramallah im Norden und bis Bethlehem im Süden kann ich sehen. Großstadt, Vorstädte, all das Chaos einer zu schnell gewachsenen Stadt und Wüste, gelbes Hügelland, das hinab fließt, baum- und strauchlos, karg und schön. Vom Küstenland im Westen, in dem mein Sohn heute Geburtstag feiert, sehe ich nur den Dunst. Aber ich sehe auch den Kontrollpunkt, an dem wir so oft gestanden und gebangt haben, ob die Patienten, die Männer in Arbeitskleidung, die Pilger, die zum Gebet in die Heilige Stadt wollten, ob wir selbst durch gelassen werden. Ich sehe die Soldaten vor mir und spüre das innere Bangen, ob sie gleich ihr freundliches oder ihr angst besetztes Gesicht zeigen. Und ich sehe die Ruinen unter mir, in der letzten Straße vor dem Zaun, der hier bald durch die Mauer ersetzt sein wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Ruinen sind frisch. Ihr Anblick bringt mir die Verwirrung meiner Gefühle ins Bewusstsein. Ich war dabei, als dieses Haus abgerissen wurde, als die Soldaten mit ihrem Bulldozer abgezogen wurden, als die Familie zurückkehren konnte. Ich  habe Fotos von der Zerstörung gemacht, von den Möbeln und Gerätschaften, die in aller Eile aus dem Haus geräumt und in eine Ecke des Hofes getragen worden waren. Ein Foto ist dabei von der Waschmaschine, in der die Wäsche noch auf den nächsten Waschgang wartet. Wo wird diese Familie Weihnachten feiern? Wem helfen meine Tränen, die der Wind hier oben auf dem Turm der Auferstehungskirche trocknet?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weihnachten. Ich werde zuhause sein. Aber die Fragen werde ich mitnehmen: Ist Jesus in einer Ruine geboren worden? Oder im Zeitoon-Kontrollpunkt, auf der Durchreise zum Auguste-Viktoria-Krankenhaus, wo die Mutter zu lange warten musste? Solche Fälle hat es gegeben. Sind die Hirten einem Licht gefolgt, das sie für einen Stern hielten und das sie dann zum Gottes- und Menschensohn geführt hat, zu einer unvermuteten Behausung in der lebensfeindlichen Nacht? Und hatte Jesus nicht auch diese schönen Augen, die uns aus den Gesichtern der Kinder hier entgegenblicken, mandelförmig, braun, neugierig und bereit, zu lachen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich werde Weihnachten zuhause feiern. Aber ich werde auch predigen. Ich werde meine Rundumsicht vom Ölberg mitnehmen. Die Geburt Jesu, denke ich, öffnet uns jedes Jahr einen neuen Blick auf unser eigenes Leben und auf das unserer Mitmenschen. Sie lässt uns unsere eigene Geburt und die unserer Kinder in einem neuen Zusammenhang sehen. Das kostbare neue Leben, das uns in der Weihnachtsgeschichte gezeigt wird, weckt unsere Liebe und Fürsorge und unsere Erwartung neu. Das Elend, das wir sehen, wird zur Herausforderung, nicht zur Verzweiflung. So ein Weihnachtsfest braucht dieses Land. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weihnachten heißt im Arabischen: Eid il-mil’ad, Fest der Geburt. Normalerweise braucht das Wort „Geburt“ keinen Artikel. Aber „die“ Geburt, il-mil’ad, ist die Geburt Gottes. In diesem Sinne werde ich Menschen auch zuhause in Deutschland zurufen können: Eid il mil’ad sa’id – Ein glückliches Fest der Geburt!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116620129872902654?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116620129872902654/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116620129872902654' title='2 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116620129872902654'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116620129872902654'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/12/abschied-aus-jerusalem.html' title='Abschied aus Jerusalem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116578306521960534</id><published>2006-12-10T12:37:00.000-08:00</published><updated>2006-12-10T12:37:45.333-08:00</updated><title type='text'>flower power</title><content type='html'>Flower power&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer kennt sie noch, die Zeit, in der junge Menschen sich dem Dogma der Abschreckungsstrategen entgegen gestellt und Blumen an Soldaten verschenkt haben? Die Macht der Blumen – das war ein Slogan gegen den kalten Krieg und ein Bekenntnis zum Leben. Vor einigen Tagen habe ich eine Demonstration beobachtet, die unter dem Titel „Blumen Pflücken“ veranstaltet wurde. Gemeint war eine Blume, die zum Beginn der Regenzeit blühen müsste, eine gelbe Krokusart mit dem hebräischen Namen Chelmonit. Gepflückt oder gesucht werden sollte die Blume in einem Tal unterhalb Jerusalems, im Osten, wo die Berge wüst sind und zum Toten Meer hin abfallen. Auf dieser Höhe hat das Tal einen schmalen fruchtbaren Talboden. Und hier fängt das Problem an.&lt;br /&gt;Beiderseits des Tals liegen kleine palästinensische Dörfer, Um Tuba und Al Khas auf der einen und An Nu’man auf der andern Seite. Im Talboden teilen sich die Familien dieser drei Dörfer die fruchtbaren Felder. Wunderschöne Olivenbäume und einige kleinere Gemüsegärten sind dort angelegt. Die Olivenhaine sind jetzt sorgfältig gepflügt und zeigen, was für schöne rotbraune Erde dort aufgeschwemmt ist. Ringsum die Hänge sind steinig und nur hier und da von niedrigem Buschwerk aufgelockert. Einige Familien leben von den Feldern dort unten am Talgrund.&lt;br /&gt;Die Demonstranten kommen von außerhalb, zum Blumenpflücken, wie sie sagen. Sie sind Bewohner eines Settlements und sie wollen bis zu den Feldern laufen. Allerdings werden sie auch dort die gelb blühenden Chelmonit nicht finden. Das ist nur der Name, den sie ihrem Protest geben wollen, weil sie dann keine polizeiliche Genehmigung brauchen. Sie wollen den Ausbau einer Schnellstraße fordern, die ihr Settlement außerhalb Jerusalems mit den großen Settlements innerhalb der Grenzen Jerusalems, Har Homa und Har Gilo, verbinden soll. Ich muss hier das Wort „Settlement“ verwenden, weil kein deutsches Wort die Bedeutung wiedergeben würde, die dieses Wort hierzulande hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber d ie Settlements sollen nicht Thema dieses Berichts sein, sondern die Straße. Eine Schnellstraße, breit soll sie sein, den Personen- und Güterverkehr soll sie aufnehmen und eine große Kontrollanlage muss sie haben, denn hier muss sie die Grenze zwischen der Westbank und dem annektierten Ostjerusalem überschreiten. Die Kontrollanlage wird schon sichtbar.  Aber die Straße endet bislang an dem fruchtbaren Talgrund. Noch stehen die gut gepflegten Olivenbäume, geschützt von der Sperranlage, die hier als Zaun durch das Bergland verläuft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es geht also um eine Straße. Und darum, dass die Dörfer mit dieser Straße noch mehr als jetzt schon voneinander getrennt werden. Die jüdischen Siedler wollen ihre Straße. Die großen Planer wollen mehr: Sie wollen die jüdischen Siedlungen außerhalb Jerusalems mit denen innerhalb verbinden. Sie wollen ein Straßennetz schaffen, mit dem das Palästinenserland hier faktisch zerstückelt wird. Dann können die Siedler aus dem jüdischen Bergland in 10 Minuten in Jerusalem sein. Die Siedlungen können dann weiter wachsen. Gut für die Siedler. Darum sind sie heute unterwegs.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Wir stehen an diesem einsamen Kontrollpunkt und versuchen, uns das Szenario vorzustellen, wie die Demonstration ablaufen, wie sie von der Polizei gelenkt werden und wie sie von den Dorfbewohnern beantwortet werden wird. Wir sind drei Ökumenische Freiwillige aus Jerusalem und zwei aus Bethlehem. Wir begleiten heute die vier Vertreter von Ta’ayush, einer Organisation, die gefährdete palästinensische Dörfer schützen will. Es sind Efrat, Amiel, Juri und Tamar. Wir kennen sie von anderen Aktionen. Bevor wir in das Tal gegangen sind, wo die „Grenzstation“, die Straße und die Felder sind, haben wir uns mit den Dorfbewohnern von An Nu’man unterhalten, das heißt, mit ihrem Sprecher, Jussuf. Und von diesem Dorf muss ich auch erzählen, damit die Demonstration der Siedler, die nicht Blumen, sondern ihre Straße wollen, in ihrem ganzen Zusammenhang erscheint.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Dorf An Nu’man gehört zur Westbank, zum Bethlehemer Bezirk. Aber die Sperranlage, die weder auf der Grünen Linie, der Grenze von 1967, noch nach Sicherheitsgesichtspunkten gebaut worden ist, hat diesen Ort Jerusalem zugeordnet. Das Dorf, die Häuser und die Felder liegen im annektierten Jerusalem, also in Israel. Die Bewohner haben aber grüne Ausweise, die sie der Westbank zuordnen. Tatsächlich werden sie eingeordnet als Palästinenser, die illegal in Israel wohnen. Aber die Häuser, in denen sie wohnen, gehören ihnen. Sie sollen umgesiedelt werden, so sagt ein Gerücht. Die Kinder müssen durch die Grenzkontrolle zur Schule in Al Khas gehen. Einkaufen dürfen sie nur den Tagesbedarf, weil Handel in diesem „illegalen“ Ort verboten worden ist. Einen Laden gibt es nicht. Zu Ärzten und Krankenhäusern würde ihr Feldweg sie in den nächsten Jerusalemer Vorort bringen. Aber dieser Feldweg ist durch eine Schranke gesperrt. Sie dürfen ihn eigentlich nicht benutzen. Aber da einige Dorfbewohner blaue Ausweise haben, also eine Jerusalemer Identität, wird ihre Fahrt nach Jerusalem geduldet. Mütter mit blauen Ausweisen bringen ihre Kinder auf diesem Weg gelegentlich nach Jerusalem, illegal, ins Krankenhaus oder zum Einkaufen. Offiziell gilt: Wird einer der Bewohner von An Nu’man krank und braucht einen Arzt oder einen Krankenwagen, muss er oder sie ins Tal gebracht werden, durch den Checkpoint und nach Bethlehem zum Arzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt die Geschichte von der Schafherde, die geimpft werden musste. Der Impfstoff war da, der Tierarzt und sein Helfer waren da, aber sie wurden nicht durch die Kontrolle gelassen. Am Ende mussten die Schafe ins Tal zur Grenze gebracht werden. Und auch dann ging es nicht weiter. Schließlich hat der Schafhirte aus An Nu’man jedes Schaf umständlich an die Sperranlage manövriert und der Tierarzt aus Bethlehem musste das palästinensische Schaf, das nach Ansicht der Behörden illegal im Jerusalemer Gebiet lebt, durch den Zaun hindurch impfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist eine skurrile Geschichte, über die man lachen und den Kopf schütteln kann. Der Staat Israel als Besatzungsmacht und seine Bürokratie und die Freiheit der Soldaten zur Schikane spielen hier ein Stück, das zwischen Tragödie und Komödie changiert. Aber das Lachen vergeht dem Zuhörer, wenn er die anderen Geschichten der Dorfbewohner hört: Ein 12jähriges Mädchen musste, um von der Schule nachhause gehen zu dürfen, vor den Soldaten tanzen. Eine schwangere Frau musste ihren Bauch entblößen und zeigen, dass es ein Bauch und kein Sprengsatz war. Ein Bauer ist zusammengeschlagen und dann auf seinen Esel gebunden worden. Der Esel ist in Panik davon galoppiert und hat den Mann hinter sich hergeschleift. Der Mann hat das nicht überlebt. Leider haben diese Geschichten vor Gericht keine Beweiskraft, weil sie nur Geschichten sind, ohne Beweismaterial, Fotos, Namen. Wir haben im wunderschön angelegten kleinen Vorgarten von Jussuf gesessen, auf seinem Rasen, und haben uns die Geschichten angehört und uns gefragt, wo die Dorfbewohner ihre Angst wegen der drohenden Zwangsumsiedlung – ihr Land soll dem Ausbau des großen Settlement von Har Homa geopfert werden – und ihre Wut über die Schikanen, denen sie ausgeliefert sind, hin stecken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurück zur Demonstration, die als Ausflug zum Blumenpflücken deklariert war. Unsere Partner von Ta’ayush hatten befürchtet, die Settler würden mitten durch das Dorf marschieren wollen. Darum hatten sie uns gebeten, mitzukommen, um das zu dokumentieren und um sicherzustellen, dass die Polizei die Dorfbewohner schützen würde. Aber nun waren wir beruhigt, weil die Demonstration nur unten im Tal vonstatten gehen würde. Wir standen also noch am Kontrollpunkt, um uns ein Bild vom zu erwartenden Szenario zu machen. Und hier kam das Vorspiel.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Ein Off izier kam auf uns zu, fragte, wer wir seien und was wir wollten. Er wies uns an, zu verschwinden. Efrat hatte die Sprecherrolle übernommen. Amiel übersetzte für uns. Er übersetzte das Wort verschwinden sinngemäß, es sei ein deftiges Wort gewesen. Wir gingen etwa 300 Meter zurück, vom Kontrollpunkt und von der Demonstrationsroute entfernt, denn die Weisung, hier keine Provokation für die Demonstranten zu schaffen, machte ja Sinn. Der Offizier war aber nicht zufrieden, er wollte uns ganz und gar aus der Szene heraus haben. Er gab über sein Telefon Anordnung, im Dorf oben die Schranke in 20 Minuten zu schließen. Soviel Zeit wollte er uns geben, den Hang hinauf und durch das Dorf und auf der andern Seite zu „verschwinden“. Dem widersprachen die israelischen Beobachter und verlangten eine rechtlich abgesicherte Begründung für diese Anweisung. Dem Offizier folgten nun ein halbes Dutzend Soldaten. Ich gebrauche jetzt das Wort „Soldaten“, obgleich es sich um Grenzpolizei handelte. Die Grenzpolizei ist in die Armee eingegliedert. Die jungen Männer sind in ihrer Ausrüstung und in ihrem Verhalten von Soldaten nicht zu unterscheiden. Die jungen Soldaten stellten sich in einer Kette zwischen uns und den Kontrollpunkt, während der Offizier noch mit dem Gespräch und seinen Telefonaten beschäftigt war. Wir dagegen standen sehr unmilitärisch. Vielleicht war ich am nächsten zu der Kette, mit der die Soldaten die Grenze unserer Bewegungsfreiheit anzeigen wollten. Jedenfalls beschloss einer von ihnen, sich direkt an mich heran zu stellen. Ich konnte nun sein Gewehr an meiner Seite spüren und den leichten Druck, mit dem er mir bedeuten wollte, mich weiter zurückzuziehen. Ich stand mit Blickrichtung auf den Offizier und Efrat, die noch zu verhandeln schienen. Ich musste meinen Kopf drehen und nach unten wenden, weil „mein“ Soldat kleiner war. Er trug eine Sonnenbrille und war stumm, fest entschlossen, seinen Körper sprechen zu lassen. Während ich höflich anfragte, ob Englisch eine Sprache zwischen uns sein könnte, erhöhte er den Druck indem er 10 Zentimeter vorrückte. Jetzt musste ich mich schon fast gegen ihn stemmen. Ich glaube, ich stand schief, während ich ihm weitere Angebote machte, sein Anliegen an mich in Worte zu fassen. Keiner der anderen sagte ein Wort. Es war wie auf einer Bühne, wo jeder weiß, jetzt sind Schauspieler A und B dran. Alle Anweisungen, wie wir uns gewaltlos und höflich zu verhalten hätten, gingen mir durch den Sinn. Aber eine Anweisung für diese spezielle Situation war nicht dabei. Unsere Freunde von Ta’ayush haben mir jedenfalls hinterher bescheinigt, dass ich richtig und korrekt gehandelt habe und höflich geblieben sei, nicht spöttisch und nicht eingeschüchtert. Ich hielt die einseitige Unterhaltung am Laufen und meinen schiefen Stand aufrecht. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, dass der Offizier sich zurück wendete, wo das Aufgebot an weiteren Fußsoldaten, Berittenen und Fahrern in den Jeeps irgendwie in  Bewegung geraten war. Offensichtlich waren die Demonstranten in Sichtweite und die Soldaten wurden dort am Kontrollpunkt gebraucht. Sie zogen ab, grußlos, auch mein Soldat, mit der Versicherung von uns, wir würden die Linie, die sie uns gezeigt hatten, nicht überschreiten. Soweit das Vorspiel.&lt;br /&gt;Wir hatten unsererseits den Fahrer des Kleinbusses, mit dem wir in das Dorf An Nu’man gekommen waren, nach oben geschickt, damit er den Kleinbus hinter der Schranke abstellen konnte, falls der Offizier seine Drohung wahr machen und die Schranke schließen lassen würde.&lt;br /&gt;Vor uns lag der Kontrollpunkt. Die schwer mit schusssicher Weste, Helm, Funkgerät und Waffen behängten Reiter waren aufgesessen. Der Kontrollpunkt geschlossen, ein alter Mann auf einem Esel wurde noch durchgewinkt. Von rechts kamen die ersten Spaziergänger: Ausflügler in lässiger Kleidung, die Männer mit Kippa, die Frauen mit verdecktem Haar, langen Röcken und Kindern an der Hand. Einzeln kamen sie an, Erwachsene und Kinder, eine alte Frau, Väter mit Kinderwagen. Zwei oder drei Gewehre konnten wir sehen. Fetzen von Gesang wehte herüber. Eine fast friedliche Szene. Gegenüber auf dem Hang, wo das Dorf Al Khas lag, sammelten sich Zuschauer. Sie standen auf Balkonen, Dachterrassen und auf einem &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hügelvorsprung zwischen Dorf und tief gelegener Straße. Auf dem Hügelvorsprung, das waren Jugendliche. Mehr Jugendliche und Kinder liefen dort hin, vielleicht nicht nur wegen der hübschen Aussicht auf die Ausflügler unter ihnen. Würden sie Steine werfen und damit einen robusten Einsatz von Militär in ihrem Dorf riskieren? Unser Stoßgebet, das wir in den Himmel schickten, wurde erhört. Nein, sie blieben in ihrer Zuschauerrolle. Immer mehr Ausflügler oder Demonstranten liefen durch den Ausschnitt, den uns der Taleinschnitt mit Kontrollpunkt hier gab. Wir hätten gern gesehen, wieweit sie dort gehen würden, wo die Sperranlage den Olivenhain schützte. Carl, einer unserer Freiwilligen aus Bethlehem lief schnell die Straße hinauf, wo eine erhöhte Terrasse für den künftigen Terminal angelegt war und gab uns über Telefon Nachricht, dass die Demonstranten sich vor dem Zaun sammelten.&lt;br /&gt;Unser Interesse konnte sich jetzt auf Al Khas, das auf dem Hang jenseits der Straße lag, konzentrieren. Die Jugendlichen hatten Fahnen in den palästinensischen Farben organisiert, die sie heftig schwenkten. Jetzt ertönte auch Musik. Sie kam offensichtlich aus den Lautsprechern der Moschee. Das hatten wir alle noch nicht erlebt. Hatten sie den Muezzin überwältigt um dort CDs mit Nationalhymne und patriotischen Liedern aufgelegen zu können? Stimmung kam auf.&lt;br /&gt;Brian setzte seine Spiegelreflexkamera mit der großen Vorsatzlinse an und sah sich die Party dort drüben genauer an. Die Soldaten waren locker postiert. Aber sie schickten eine kleine Patrouille nach drüben. Zwei Soldaten marschierten die asphaltierte Straße hinauf und sich ließen auf einem Stein unterhalb vom Ortseingang nieder. Unsere israelischen Freunde von Ta’ayush bewegten die Hüften. Sie waren begeistert, weil sie die Musik aus alten Filmen kannten. Sie ließen die Hüften schwingen. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Musik vom Minarett tönte durch das Tal, wehende Fahnen und lachende Gesichter drüben und bei uns, die Pferde hinter dem Grenzzaun scharrten mit den Hufen. Und tatsächlich ließ der eine der wehrhaften Reiter sein Ross tänzeln. Und der andere tat es ihm nach. Die Siedler kamen zurück, in kleinen Gruppen oder einzeln, wie sie auch gekommen waren. Es war eine professionell durchgeführte friedliche Demonstration. Blumen hatten sie keine gefunden. Aber die Sonne schien. Und das ganze hätte eine friedliche Szene sein können.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Eine der Spaziergängerinnen brachte ein Megaphon zum Vorschein, richtete es auf uns und rief auf Englisch: „Geht nach Hause! Das hier ist unser Land! Richtet Euch in Europa mit den Arabern ein, wenn ihr sie so liebt! Das hier ist jüdisches Land!“ Das war die Stimme der Settler. Die Israelis auf unserer Seite waren sprachlos. Sie hatten kein Megaphon. Und ein Streit mit den Settlern war jedenfalls auch nicht die Aufgabe für diesen Tag. &lt;br /&gt;Die Demonstration war verebbt, die Fahnen am Hang flatterten nur noch leicht im Wind, die wehrhaften Reiter stiegen ab. Und auch wir traten den Heimweg an. &lt;br /&gt;Für mich war es ein Abschied aus diesem Tal. Unsere Zeit hier läuft aus. Wenn ich wieder komme, würde ich gern die Dörfer dort so vorfinden, wie sie jetzt stehen. Mit einem Talgrund, in dem der Wind durch die Olivenbäume weht. Keinen Grenzzaun, keine Mauer möchte ich dann sehen. Vielleicht Spaziergänger, die im Dorf einkehren und Tee oder arabischen Kaffee trinken. Musik könnte aus den Cafes tönen. Und dann möchte ich gerne die Chelmonit blühen sehen. Ich würde sie stehen lassen, wo sie wachsen. Und Soldaten wären ja nicht in der Nähe, denen ich sie bringen müsste. Wer kann mir sagen, wann das sein wird?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jerusalem, &lt;br /&gt;Sonntag, 10. Dezember 2006, Zweiter Advent&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116578306521960534?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116578306521960534/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116578306521960534' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116578306521960534'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116578306521960534'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/12/flower-power.html' title='flower power'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116524090620566336</id><published>2006-12-04T06:01:00.000-08:00</published><updated>2006-12-04T06:01:46.320-08:00</updated><title type='text'>Berichte aus Jerusalem</title><content type='html'>&lt;a href="http://gottfried-kraatz.blogspot.com/"&gt;Berichte aus Jerusalem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anife – Latife&lt;br /&gt;Für das letzte Stück Weg brauchen wir immer das Telefon. Wir sind an der richtigen Kreuzung aus dem richtigen Bus gestiegen, der richtigen Straße gefolgt und den Hang abwärts gelaufen. Nach 20 Minuten haben wir die Straßensperre mit der Grenzkontrolle erreicht und sie passiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sind jetzt im Flüchtlingslager Shu’fat und wissen, dass dies einer der gefährlichsten Orte Jerusalems ist. Wer hat den Kontakt, fragt Brian. Ich hole mein Telefon raus und rufe Diyala an, die Sozialarbeiterin, mit der wir reden wollen. Ihr Telefon ist besetzt. Wir gehen tiefer in das Wohngebiet hinein und versuchen, möglichst sicher zu wirken. Wir tragen unsere Westen mit dem Logo des Ökumenischen Friedensprogramms. Diyala ruft zurück und dirigiert uns. An der besagten Kreuzung, wo der große Gemüseladen ist, will sie uns weitere Weisung geben. Ich halte das Telefon am Ohr und bin schon über die Kreuzung nach links gegangen, Carol ist hinter mir mitten auf der Kreuzung, Kristine und Brian sind am Gemüseladen stehen geblieben. Vor mir bauen sich vier Jugendliche auf. Warum kommen die anderen nicht? Ich wende mich zurück und sehe, dass Kristine von einer Frau mit Kuss auf die Wangen, links und rechts, begrüßt wird. Wen trifft Kristine hier mitten im Flüchtlingslager? Die Frau begrüßt die anderen, Brian mit Handschlag und am Ende auch mich, der zum Gemüseladen zurückgekommen ist. „Sie müssen Gottfried sein“, sagt die Frau. „Dann sind Sie Diyala“, kann ich antworten und das Telefon in die Tasche stecken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diyala bringt uns in das Gesundheitszentrum, das von der UN Flüchtlingsbehörde betrieben wird. Hier hat sie ihr Zimmer, hier bietet in dem sie sozial-psychologische Beratung an. Sie führt uns durch das Zentrum, in dem Ärzte und Schwestern ihre Arbeit machen, in viel zu kleinen Räumen, mit zu vielen Patienten, zu früh gealterten Männern und Frauen und Müttern mit Säuglingen. Der Rundgang hat mehr den Zweck, jedem zu zeigen, wer wir sind und zu erklären, was sie mit uns, den Fremden, hier zu tun hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Flüchtlingslager ist als Zeltstadt 1966 von der Jordanischen Behörde für 17.000 Flüchtlinge bzw. Vertriebene eingerichtet worden. Damals musste ein Stück Innenstadt von Jerusalem aus hygienischen Gründen geschlossen werden. Kein Mensch dachte damals daran, dass das Lager eine Dauereinrichtung mit festen Häusern und der Perspektive für lebenslanges Elend würde. Die Flüchtlinge, genauer gesagt, die Bewohner der zweite Generation haben kleine Häuser vorgefunden, Wohnungen über den kleinen Häusern und allmählich dreistöckige Häuser gebaut. Ein Hausungetüm haben wir besichtigt, in dem sich 17 Wohnungen befinden. Entsprechend sieht die Stadtstruktur im Lager aus: Um zwei Hauptstraßen, in denen auch Autos und Busse fahren, fügen sich Gassen, die manchmal weniger breit als ein Meter sind. Die Infrastruktur in dieser „Stadt“ spottet aller Beschreibung. Müll liegt überall, Kabel hängen planlos von Häuserwänden, die Stadt stinkt. Nachbarn schauen sich über die Gasse in die Wohnungen oder hören einander und werden gehört, auch wo sie lieber ganz unter sich sein wollen. Eine Frau, erzählt Diyala, kommt zu ihr, weil sie mit ihrem Ehemann kein Stück Intimität teilen kann. In den letzten Jahren sind neue Bewohner in das Camp eingedrungen, Leute, die aus Ost-Jerusalem ausgezogen sind, wo das Leben für sie zu teuer geworden ist. Nun ist die Stadt nicht nur unsäglich überfüllt, sondern hat ihre soziale Struktur verloren. Wo sich die Familien vorher kannten, wo soziale Kontrolle und gegenseitige Hilfe funktioniert haben, stellen sich jetzt alle Nachteile einer anonymen Urbanität ein. Die Jugendlichen und die Kinder folgen nicht mehr den tradierten Verhaltensregeln, wo zum Beispiel Frauen und Mädchen auch in der Öffentlichkeit Schutz genießen und nicht einmal angesprochen, geschweige denn berührt werden dürfen. Drogen werden gehandelt und konsumiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während der Intifada ist die Lager-Stadt von Drogen regelrecht überschwemmt worden. Diyala erklärt das als Strategie Israels, das Moral und Gesundheit der Jugendlichen auf diese Weise untergraben wollte. Und sie bot uns im Ernst an, die Straßensperre, an der der einzige Zugang zum Lager kontrolliert wird, zu beobachten. Dann könnten wir mit eigenen Augen sehen und mit Fotos beweisen, dass die Soldaten dort Drogen an Kinder und Jugendliche verkaufen. Es gibt, lautet die Antwort auf meine Frage, keinen Ansprechpartner, keine israelische Behörde im Lager. Die UNO hat ein Selbstverwaltungskomitee organisiert, das aber machtlos ist, besonders wo es um die Kontrolle von Drogenhandel geht. Wir haben uns bei der Militärbehörde beschwert, aber niemand reagiert darauf, sagt sie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sitzen eng in der Kammer, die Diyala als Beratungszimmer dient. Wir essen von dem Obst und Gemüse, das sie im Laden an der besagten Kreuzung gekauft und das sie dann gewaschen, geschnitten und uns als „Frühstück“ angeboten hat. Bei den Fällen, die sie erwähnt, um die Probleme der Lager-Stadt zu illustrieren, stockt uns der Atem. Am schwersten aber fällt uns der Bericht über den sexuellen Missbrauch auf die Seele, den sie, immer mit Fällen aus ihrer Praxis, gibt. Mädchen und Jungs werden sexuell missbraucht, die Mädchen in den Wohnungen und die Jungs hinter den Bäumen, die unten am Hang, am Lagerrand stehen. Frauen werden geschlagen und Mütter sind nicht in der Lage, ihre Töchter zu schützen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diyala nimmt uns mit in die Mädchenschule. Hier gibt sie regelmäßig, einmal die Woche, sexuellen Aufklärungsunterricht. Nicht allgemein, sondern gezielt gegen den Missbrauch dieser Mädchen, die sie hier in der Schule vor sich hat. Wir glauben es kaum, die Direktorin, die wir als erstes in der Schule begrüßen müssen, führt uns – nicht in die fünfte oder sechste, sondern in die erste Klasse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;37 Mädchen im Alter zwischen 6 und 7 Jahren sitzen hier eng in der Klasse. Sie machen die hinteren Bänke frei, damit wir dort sitzen und zuhören können. Zunächst führt die Lehrerin ihren Unterricht fort. Sie benutzt ein Buch und lässt die Kinder eine Seite aufschlagen, auf der eine ländliche Szene mit Bäumen und Tieren dargestellt ist. Sie fragt offensichtlich: Wie viele Pferde, wie viele Hasen seht ihr? Und wir üben im Stillen mit und murmeln die richtige Zahl auf Arabisch, falls wir schneller als die Kinder sind. Und suchen in der Zahlenreihe über der Tafel die richtige arabische Ziffer aus, die von einem der Mädchen in das Kästchen an der Tafel eingetragen werden muss. Das ist eigentlich eine sehr schöne Übung für uns und nicht nur mir kommt der Gedanke, dass wir an diesem Unterricht teilnehmen könnten, weil die Lehrerin langsam und deutlich spricht und die Kinder das gemeinsam laut wiederholen, so dass wir die Vokabeln für Pferd und Hase und Hühner und natürlich für eins oder drei oder vier und so weiter lernen könnten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kinder sind sauber und hübsch angezogen, haben verschiedene sorgfältig gerichtete Frisuren für ihre langen schwarzen Haare und sie können lachen, dass einem das Herz aufgeht. Ihr Anblick ist ein Kontrast zu der Wohnsituation, in der Vernachlässigung und Armut herrschen. Der Blick aus dem Fenster fließt mit den chaotischen Häuserreihen abwärts und weiter die fernen Hügelketten hinab bis in das Jordantal, auch das ein Kontrast zwischen der herben Schönheit der Bergwüste und der unwürdigen Ansiedlung von Menschen, die niemand haben will. Die Mittagssonne leuchtet die Szene gnadenlos oder liebevoll oder gleichgültig aus, die Szene eines vergewaltigten Landes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Lehrerin tritt zurück. Diyala übernimmt. Sie hat uns vorher erklärt, dass sie ihren Aufklärungsunterricht heute fortsetzen wird und zwar „über das gute und das böse Streicheln“. Sie zeigt den Kindern Zeichnungen, Kopien, die sie offensichtlich aus einem Buch hat. Es sind Zeichnungen von Mädchen, die sich in verschiedenen Situationen befinden: umarmt vielleicht vom Vater; gezerrt, vielleicht vom Bruder; in Berührung mit verschiedenen Situationen, mit Mutter, Onkel, Fremden. Die Klasse soll entscheiden, ob das Mädchen glücklich oder unglücklich aussieht, ob es sich um eine gute oder eine gefährliche Situation handelt, um eine gute oder eine böse Berührung. Die Mädchen streiten und einigen sich am Ende. „Anife“ (gut), rufen sie im Chor, oder „lanife!“ (schlecht). Diyala bestätigt das Urteil und geht weiter zum nächsten Bild.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Mädchen sind hoch konzentriert. Sie melden sich, wenn ein Bild nachgestellt oder gespielt werden soll, aber dann agieren sie scheu und vorsichtig. Die Klasse lacht, wenn das Rollenspiel gelingt und dankt den Akteurinnen mit Klatschen. Wir fühlen uns unwohl und werden die Angst nicht los, dass eine Situation zu dicht gerät. Immerhin sagt die Statistik, dass ein Teil dieser Mädchen von dem Missbrauch, um den es hier geht, bereits betroffen ist. Und tatsächlich steigen immer wieder Schülerinnen aus, legen ihren Kopf auf den Tisch, halten sich die Ohren zu, oder haben den abwesenden Blick. Diyala macht unbeirrt und ohne Verlegenheit zu zeigen weiter. Mit Tempo geht sie zum nächsten Thema: Mädchen im Bad. Hier heißt der Lehrsatz: Nur die Mutter darf mit der Tochter im Bad sein, keine andere Person. Der letzte Teil der, wie wir finden, langen und anspruchsvollen Unterrichtsstunde zielt geradewegs auf Situationen, in denen Mädchen sexuell berührt und belästigt werden. Sie sollen lernen, NEIN! zu sagen. Das ist schwer, weil das der arabisch-muslimischen Kultur widerspricht. Mädchen haben zu gehorchen, Vätern, Brüdern, Onkels, ohne Widerrede. Hier also ein Kulturbruch. Die Lehrerin zeigt Nervosität. &lt;br /&gt;Es war warm geworden im Klassenraum, klar mit über 40 Personen und der Sonne auf den Fenstern. Diyala hatte zwischendurch Fenster und Tür zum Klassenraum geöffnet. Ein frischer Wind ist durch gezogen. Jetzt macht sie beides zu. Die Mädchen sind mucksmäuschenstill. Was hat sie vor? Sie erzählt langsam, offensichtlich malt sie eine Situation aus. Sie fordert die Mädchen auf, wie sie eben gelernt haben, zu reagieren. Also? Und ein 37-stimmiges laut geschrienes „LA!“, NEIN erschüttert den Raum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zumindest von uns, den Beobachtern, kann ich zu Protokoll geben, dass wir tief bewegt sind: von der Ernsthaftigkeit der Psychologin und der emotionalen Dichte mit der dieser Unterrichtsstoff von den 6 und 7 Jahre alten Mädchen verhandelt worden ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir schließen unseren Besuch im Lager von Shu’fat mit einem kleinen Rundgang ab. Wir gehen durch eine der beiden Hauptstraßen und durch einige der kleinen Gassen, die hier vor allem den Hang aufwärts führen. Wir hören den Erklärungen von Diyala zu, über die Geschichte des Lagers und immer wieder über Einzelfälle, die die Lebenssituation hier beschreiben. Als hätte es des Beweises bedurft, werden wir beworfen. Diyala kriegt einen Kiesel an den Hinterkopf, Carols Hose Teile eines rohen Eies und mein Rucksack Eseldung. Kinder, nicht Jugendliche, bewerfen uns. Sie rufen uns hinterher: What is your name? Oder einfach „Fuck you“. Diyala fasst zusammen: Seht ihr, das wollte ich euch sagen, ihr könnt hier nicht allein rum laufen und es wird eine Weile dauern, wenn einer von euch hier arbeitet, bis ihr bekannt seid und akzeptiert. Na ja, denke ich im Stillen, und es wird auch eine Weile dauern, bis wir, was es hier zu verstehen gibt, wirklich verstanden haben. Und akzeptiert. Anife und Latife. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorerst läuft unser Tagewerk weiter. Wir sitzen zu dritt im Bus nach Ramallah. Der Bus muss einen weiten Umweg immer östlich von Jerusalem fahren, das heißt in diesem Fall, immer ins Tal hinunter und wieder hinauf. Manchmal kommen wir der Mauer oder dem Zaun näher, dann entfernen wir uns wieder. Einmal habe ich das Gefühl, ich kann Jericho sehen. Die Fahrt beträgt normalerweise fünf Kilometer, aber mit dieser Grenze ist es mindestens das Dreifache. Ich habe das Telefon am Ohr und gebe meinem Kontakt in Ramallah bescheid, dass ich mich verspäten werde. Latife, schlecht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jerusalem, am 1. Advent&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116524090620566336?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116524090620566336/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116524090620566336' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116524090620566336'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116524090620566336'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/12/berichte-aus-jerusalem.html' title='Berichte aus Jerusalem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116460406568975333</id><published>2006-11-26T21:07:00.000-08:00</published><updated>2006-11-26T21:07:45.883-08:00</updated><title type='text'>Berichte aus Jerusalem</title><content type='html'>&lt;a href="http://gottfried-kraatz.blogspot.com/"&gt;Berichte aus Jerusalem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn du eine Schule schließt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich muss meine Notizen auswerten, die vielen kleinen Zettel verarbeiten und vernichten, weil die Zeit knapp wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Wenn du eine Schule schließt, machst du ein Gefängnis auf“ – mit diesem arabischen Sprichwort hat mir ein ehemaliger Lehrer der Martin-Luther-Schule in der Altstadt von Jerusalem seinen Zorn darüber beschrieben, dass diese Schule vor 7 Jahren geschlossen worden ist. Das Problem: Die wenigen lutherischen Familien, die in Ost-Jerusalem leben, müssen ihre Kinder jetzt in die lutherischen Schulen in Bethlehem schicken und weitere Wege und den Stress der Grenzkontrollen in Kauf nehmen. „Machst du ein Gefängnis auf?“.  Die Perspektive für die lutherischen Kinder ist nicht die kriminelle Karriere im Gefängnis, wie die Redensart meint, sondern die Abwanderung nach Europa und Amerika. Gespräche mit Lutheranern enden oft damit, dass die Eltern mit leuchtenden Augen von ihren Kindern erzählen, die dort sind. Warum bleiben sie dort und kommen nicht zurück? Weil sie aus diesem Gefängnis raus wollen, ist die spontane Antwort. Gemeint ist Palästina und es muss für mich so klingen wie die ideologisierte Begriffswelt zur Zeit des Kalten Krieges, wo auch die DDR als Gefängnis beschrieben wurde. Darum frage ich nach: Was macht dieses Land zum Gefängnis? Wir sind hier eingeschlossen, wir brauchen Genehmigungen für den Weg zur Arbeit, für die Fahrt in das Krankenhaus, wir werden kontrolliert, wenn wir von einer Baracke zur nächsten gehen, wir sind Gefangene im eigenen Land. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von einem Sohn habe ich gehört, der sich in eine junge Deutsche verliebt hat. Aber eine nicht genau so junge Engländerin hat ihm angeboten, ihn zu heiraten. Diese Gelegenheit hat er genutzt. Der Vater hat einen israelischen Pass, in dem als Nationalität für in angegeben ist: Jordanier, weil er zu Zeiten der jordanischen Hoheit über Ost-Jerusalem seinen ersten Pass erhalten hat. Nun hat sein Sohn Aussicht auf einen britischen Pass, in dem dann als Nationalität stehen wird: Palästinenser. Und das ist doch besser als dieses Gefängnis hier, sagt sein Vater und meint das Leben im annektierten Ost-Jerusalem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die nächsten Zettel. Zwischen Telefonnummern und Verabredungen stehen die kurzen Notizen. Wenn ich hier ein Gespräch anfange, stoße ich fast immer auf diese unglaublichen Geschichten…&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Bus, in dem ich von Nablus nach Ramallah fahre, also innerhalb der Westbank unterwegs bin, wird bei einer der Straßenkontrollen, die die Armee überall im Land errichtet hat, zur Seite gewinkt. Alle Ausweise werden eingesammelt und zum Computer-Abgleich gebracht. Das kann einige Zeit dauern. Zwei Männer steigen aus und zünden sich eine Zigarette an. Ich vertrete mir die Beine und beginne ein Gespräch. Eigentlich will er nicht sprechen, er ist zu zornig, der Mann mit der Lederjacke. Dann erzählt er, dass er viermal im israelischen Gefängnis war. Es hat ihn viel Geld und Zeit und einen guten Anwalt gekosten, um von der schwarzen Liste gestrichen zu werden. Warum war er im Gefängnis? Das hat man ihm nie gesagt. Tatsache ist, dass er das erste Mal mit 14 Jahren und für ein Jahr dort war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einer der Studenten, die uns durch den Campus der Universität von Nablus führen, erzählt, dass bei den Kontrollen der Ausweise zunächst die letzten drei Ziffern kontrolliert werden. Seine letzten drei Ziffern sind identisch mit denen eines Mannes, den die israelische Polizei sucht. Regelmäßig wird er festgehalten, gründlich kontrolliert und aufgehalten, bis das Missverständnis geklärt ist. Weil er das nicht mehr ertragen konnte, ist er auf Umwegen von seinem Dorf in die Uni gelaufen, statt 7 km und mit 2 Busfahrten musste er nun einen mehrstündigen Umweg über 4 Dörfer nehmen, um durch einen harmlosen Kontrollpunkt in die Stadt zu kommen. Auch das hat er nicht mehr ausgehalten. Jetzt wohnt er bei Verwandten, am Stadtrand. Das Problem ist jetzt, dass die beiden Gasteltern schon alt sind und sich nicht vertragen und auch nicht streiten können… Erst hat der Student gelacht. Dann merke ich dass er richtige Probleme hat und am Ende seiner Kräfte ist. Er kann erst wieder lachen, als er bei dem Gedanken ankommt, dass er im Stillen wünscht, der Mann mit der ähnlichen Ausweisnummer möge doch bald erwischt werden, damit er diese Verwechslung los ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Barbier von Al Khalil, der mir Haare und den Bart stutzt, zeigt mir stolz seine Diplome, die ihn als Barbier und als Karatelehrer ausweisen. Auch seine Töchter – die Fotos zeigen sie in eindrucksvollen Posen –  haben seine Kunst aufgenommen. Sie haben den schwarzen Gürtel. Eigentlich will ich ihn nur für seine schnellen und erfahrenen Hände loben. Aber nun zeigt er mir mehr von seinem Leben. In der Ecke, so dass ich während der Behandlung zusehen konnte, war der Bericht von der Trauerfeier für den libanesischen Industrieminister über den Bildschirm geflimmert. Nun stehe ich mit meinem Barbier in der Ecke, weil hinter dem Fernseher die Fotos aus dem Libanon zu betrachten sind. Er war im Libanon? Ja, erzählt er, aber nicht freiwillig. Ob ich nicht die Zelte dort auf dem Foto sehen kann. Tatsächlich ist ein Berghang zu sehen, Nebel, Zelte und ein Hocker, ein Kunde mit einem Handtuch um die Schultern darauf und dahinter mein Barbier, jünger als jetzt. Die Israelis haben uns – er macht mit zwei Händen eine schiebende Bewegung – nach Libanon. Warum? Krieg! Wann? Libanon-Krieg. Die rechte Hand macht eine rollende Bewegung, also der erste Libanonkrieg. Die Zelte hier: UNO, erläutert er. Jedenfalls macht der Meister seine Arbeit seit 26 Jahren. Und ich lobe ihn noch einmal für seine guten Augen, weil er sehen konnte, welchen Haarschnitt mein Kopf gebraucht hat und für seine schnellen sicheren Hände. Und bezahle einen guten Preis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Soldat, der unterhalb der Treppe steht, von der die Schulkinder kommen, will mit uns sprechen. Die Schulkinder und die Lehrerinnen, die auf diesem Weg oft von den Kindern der jüdischen Siedler angegriffen werden – erst vor einigen Tagen ist dabei eine junge schwedische Friedensaktivistin böse verletzt worden – sind heute heil und unbeschadet diese Treppe runter gegangen. Der Soldat steht unten, er hat die Begleitaktion unserer Freiwilligen beobachtet. Ich lese die Gedenktafel, auf der die Geschichte eines Massakers an Juden der Gemeinde von Hebron vor 77 Jahren beschrieben wird. Ich verpasse den Anfang des Gesprächs, will mich auch nicht neugierig einmischen. Der Soldat kennt die beiden anderen Freiwilligen, die zum Hebron-Team gehören. Ich bin fremd. Schließlich aber muss ich doch zuhören. Er ist nicht glücklich in seiner Uniform. Er sei sehr links eingestellt, beschreibt er sein Problem. Er arbeite in seiner Freizeit in einer Organisation, die Bildungsangebote für palästinensische Kinder macht. Und hier muss er stehen und die radikal-zionistischen Siedler beschützen. Dabei brauchen doch die palästinensischen Kinder Schutz. Wir wollen fragen, wie seine Kameraden sein politisches Engagement sehen. Aber der Soldat muss zum Feldtelefon gehen, das laut klingelt. Wir finden, es ist nicht passend, wenn wir stehen bleiben und auf einer Fortsetzung des Gespräches bestehen und gehen weiter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abu Tobi hat mir eine Mail geschrieben. Er heißt nicht Abu Tobi, das wäre sein Name, wenn er Araber wäre. Abu Tobi ist aber Israeli. Ich muss ihm antworten und werde dann auch mit Abu Tobi unterschreiben. Denn das ist es, was wir gemeinsam haben: Unser erster Sohn heißt Tobi und das würde uns in der arabischen Gesellschaft den Ehrennamen „Vater von Tobi“ eintragen. Der Unterschied ist, dass sein Sohn im letzten Libanon-Krieg gefallen ist. Meiner lebt und hat gerade eben seine Arbeitserlaubnis in Israel gekriegt. Abu Tobi, nicht ich, der israelische, ist in einer der Friedensgruppen aktiv und fest entschlossen, seine Aktivität dort fortzusetzen. Er arbeitet mit anderen Eltern, israelischen und palästinensischen, die ebenfalls einen Sohn oder andere Tote in ihrer Familie zu beklagen haben. Abu Tobi, ich bleibe für diese kurze Notiz bei dem Synonym, beanstandet an unserem Programm, dass es einseitig die Position der Palästinenser aufnehme; dass es von der “illegalen Besatzung“ und der „Gewalt der Besatzung“ spreche, die sichtbar gemacht werden solle. Ich werde mir Mühe geben und die Gewalt aufspüren, die von den militanten Palästinensern ausgeht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gutä Aben!, begrüßt mich der Taxifahrer, ich meine den Fahrer eines Sammeltaxe, Servis genannt. Er hat an der Bushaltestelle angehalten und mich eingeladen. Zwei Fahrgäste sitzen schon drin. Ich reiche die drei Schekel rüber, die in diesem Fall zu entrichten sind. Wie kommen Sie darauf, dass ich Deutscher bin?, frage ich. Ich habe Sie doch schon einmal gefahren… Wir werden öfter so angesprochen. Einmal habe auch ich einen Busfahrer wieder erkannt, weil er über der Frontscheibe Banknoten aus verschiedenen Ländern, eine besonders große mit dem Porträt von Saddam Hussein hatte. Dieser Taxifahrer stellt mir die Mitfahrer vor. Rechts von ihm sitzt sein Neffe, der in der Al Aqsa Moschee als Wärter arbeitet. Ich nehme das Gesprächsangebot an und frage ihn darüber aus. Aber ich mache einen Fehler. Ich biete dem Wächter an, ihn in meine Kirche mitzunehmen. Jetzt werden sie alle lebhaft. Hier kannst du in jede Moschee gehen und beten oder still sitzen! Das ist nicht der Punkt. Aber die Al- Aqsa Moschee  ist Ziel der radikalen Juden, die uns die Moschee nicht lassen wollen... Ich kriege eine ganze Salve von Ereignissen und Befürchtungen zu hören, warum die Al-Aqsa Moschee zu Gebetszeiten nur für Muslime zugänglich ist. Und natürlich kann ich rein, wenn ich will: am frühen Vormittag, außer an Freitagen. Der Taxifahrer will mich zum Neuen Tor bringen, weit über seine Tarifzone hinaus. Er will weiter reden. Aber ich will beim Damaskus Tor raus und er verabschiedet mich mit drei Handschlägen, um den heftigen Disput auszugleichen. Gutä Aben! Masa lkheer!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So, ich kann wieder einige Zettel, die ich nur wegen der an die Ränder geschmierten Stichworte aufgehoben habe, wegschmeißen. Aber was mache ich mit den Bildern und den Gedankensplittern, die sich im Kopf festsetzen; die mich bis in meine Träume begleiten. Was meinst Du, Leser, soll ich damit machen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;26.11.2006&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116460406568975333?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116460406568975333/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116460406568975333' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116460406568975333'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116460406568975333'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/11/berichte-aus-jerusalem_26.html' title='Berichte aus Jerusalem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116430173062772923</id><published>2006-11-23T09:08:00.000-08:00</published><updated>2006-11-23T09:08:51.503-08:00</updated><title type='text'>Ein voller Tag - Zu Besuch in Bethlehem</title><content type='html'>Ein voller Tag –  zu Besuch in Bethlehem&lt;br /&gt;19. November 2006&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist Sonntag. Ich bin zu Gast beim Bethlehem-Team. Am Abend davor war Zeit, die Wohn- und Arbeitsverhältnisse des Teams in Bethlehem kennen zu lernen. Monique hatte mich von Jerusalem aus, wo sie zu tun hatte, mitgenommen. Carl, der auch im Bethlehem-Team arbeitet, war später am Abend gekommen, mit Asa, die wie ich die-sen Besuch gemacht hat. Asa arbeitet normalerweise in Yanoun, einem kleinen Dorf, das südlich von Nablus liegt und von israelischen Siedlern bedroht ist. Die gegensei-tigen Besuche der Freiwilligen gehören zum Programm dazu. Sie sollen uns ermögli-chen, die anderen Einsatzorte kennen zu lernen, auch die unterschiedlichen Arbeits-weisen der Teams. Danach sieht jeder seine eigene Situation wieder anders, also ich meine Situation in Jerusalem, mit dem anonymen urbanen Stadtleben, den vielen öffentlichen Ereignissen und den Kontakten zu beiden, palästinensischen und israeli-schen Friedensgruppen bzw. Kooperations-Zentren; aber auch mit den geringeren sozialen oder familiären Kontakten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist also Sonntag. Wir sind früh aufgestanden, kurz nach 4 Uhr. Viertel vor 5 Uhr waren wir schon am großen Kontrollpunkt, der entweder mit der Nummer 300 angegeben wird oder mit dem Namen der nächsten israelischen Siedlung, „Gilo-Kontrollpunkt“. Den Kontrollpunkt kannte ich, ich bin schon einige Male dort durch gegangen. Jetzt war es noch dunkel. Und schon lange vor der Mauer, die hier 8 Me-ter hoch ist, standen die Männer in Arbeitskleidung, die nach Jerusalem „hinüber“ wollten. Es sind meist Männer, Frauen gehen hier offensichtlich nur in geringer Zahl über die Grenze. Wir haben die Zahl der Wartenden auf ca. 800 geschätzt. Sie ste-hen dicht, zu zweit oder dritt hintereinander, nach 100 Metern beginnt ein doppelter Gang, mit festem Metallgitter eingezäunt, für jede Richtung, nach und von Jerusa-lem. Es ist ein Gang, ein Meter breit, in dem man sich wie Vieh fühlt, das zur Schur, oder zur Waage oder zur Schlachtung geführt wird. Menschen mit Klaustrophobie müssen diese Gitter-Tunnel, die etwa 400 Meter lang sind, fürchten. Jetzt, vor 5 Uhr, ist der Weg in das Terminal hinein voll von Wartenden. Wir gehen an ihnen vorbei und stellen uns am Ende auf, wo dieTür, die in das Terminal hinein führt, geschlos-sen ist und warten. Schon bei diesem Gang an den Wartenden vorbei grüßen uns einige der Männer oder rufen uns etwas zu. Viertel nach 5 Uhr, 15 Minuten über die Zeit des Abfertigungsbeginnes hinaus, ist die Tür immer noch verschlossen. Monique telefoniert mit der Verbindungsstelle der Armee. Wieder 5 Minuten später – die Män-ner werden laut und verlangen, dass geöffnet wird –  telefoniert sie mit der Komman-dozentrale im Grenzpunkt. Und da kommt ein Soldat, setzt sich in das Wachhäu-schen, das wir drinnen sehen können, und öffnet die Tür.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir haben uns dann auf verschiedene Abschnitte aufgeteilt. Wenn man die erste Tür in der Mauer und die Drehtür gleich dahinter mit einrechnet, muss der Passant durch fünf Türen bzw. Drehtüren gehen, die dritte ist die Sicherheitskontrolle mit den scharf eingestellten Metall-Detektoren und die fünfte ist die Personenkontrolle. Der Passant muss über einen großen Hof gehen, mit der Mauer im Rücken und dem eigentlichen Terminal vor sich. Auf der Mauer, steht in Riesenlettern: „Willkommen im Heiligen Land!“, das sieht aber nur der nach Bethlehem Reisende bzw. die zurück kehrenden Arbeiter am Abend, wenn sie nach Hause, nach Bethlehem wollen. Vor dem Termi-nal hängen nun die ersten Schilder mit Anweisungen, in der Sprache freundlich gehalten, als handle es sich um einen Gang durch ein Einkaufszentrum. Im Terminal selber „hängen“ über den Kontrollanlagen Metallgänge, auf denen gelegentlich Sol-daten stehen oder patrouillieren, schwer bewaffnet, allein oder zu zweien. Überall hängen Kameras. Der Effekt ist: dass man unvermittelt über seinem Kopf einen Sol-datenstiefel wahrnimmt und dann erinnert wird, dass die ganze Anlage eine Militäran-lage ist. Und manchmal wird man angerufen, immer in diesem überdrehten Lautsprecherton, der einen zusammen fahren lässt: Weitergehen! Zieh deine Schuhe aus! Geh zurück! Halt deinen Ausweis hoch! Und so fort.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Atmosphäre, die ein solches „Terminal“ ausstrahlt, ist bedrohlich und feindselig. Manchmal äußert sich einer der Palästinenser dazu. Ich werde die Studentin, die das zum ersten Mal in gutem Englisch und in sehr zurückhaltenden Worten getan hat, nicht vergessen: „Hier gehen wir von einem Teil unseres Lebens in einen anderen, von einem Teil unseres Landes in einen anderen. Bethlehem ist auch unsere Ge-burtsstadt, nicht nur die von Jesus. Und Jerusalem ist unsere Hauptstadt. Warum zwingt man uns durch diese schreckliche Anlage, die uns klein und furchtsam macht?!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir zählen die offenen Fenster, die Personenkontrollen, hinter denen Ausweis und Arbeitsgenehmigungen überprüft werden. Heute sind es zwischen vier und fünf (von insgesamt acht). Manchmal wird eines geschlossen, wenn eine der meist jungen weiblichen Beamtinnen der Grenzpolizei, das Gewehr umgehängt, ihre Kabine ver-lässt, vielleicht für einen Kaffee, vielleicht für den Gang zur Toilette. Für die „Passan-ten“, die hier jeden Tag durch müssen, ist beides undenkbar, hier gibt es weder Kaf-fee noch eine Toilette. Viele trinken erst an ihrem Arbeitsplatz, weil jedes Bedürfnis, das innerhalb dieser unfreundlichen Anlage auftaucht, sehr lästig werden kann. Wenn eine Beamtin ihre Arbeit unterbricht, rennen alle aus dieser Schlange nach links oder rechts und dann beginnt ein Drängeln, Streiten und manchmal, oder eher selten, auch ein Handgemenge. Und immer ist jemand da, der einen der Streitenden zu sich heran zieht, komm hierher, sagt der dann wohl, hält den Widerstrebenden fest oder nimmt ihn besänftigend in den Arm. Das habe ich einige Male gesehen und sehr bewundert. Man kann sich dem Stress, der den Durchreisenden hier über-kommt, kaum entziehen. Die Luft war schon nach der ersten Stunde schlecht, in der die Beamten der Grenzpolizei die weit über tausend Passanten zählende Schlange abgearbeitet hat (nachdem wir gekommen waren, war ja der Strom der neu eintref-fenden Grenzgänger weiter angewachsen). Manchmal hatte man das Bedürfnis, ein-fach irgendwie raus zu rennen, nur um an frische Luft zu kommen. Dann, nach dieser Stunde, öffnete einer der Soldaten, die zum Schutz der Abfertigungs-Beamten da sind, eine Seitentür, die für die Abgewiesenen da ist. Wir zählen auch die Leute, die pro Beamtin und pro Minute abgefertigt werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einer der Männer hat mir dabei erzählt, dass nach seiner Erfahrung hier sehr unter-schiedlich gearbeitet wird: Zügig, wenn der Kommandant anwesend ist, und sehr nachlässig, mit manchmal nur zwei Durchlässen, wenn er nicht anwesend ist. Es ist gut, dass ihr da seid. Da geben sie sich mehr Mühe. Überhaupt hören wir oft, auch an diesem Morgen, so etwas wie Dank und die Einschätzung, dass unsere Anwe-senheit hier wichtig ist. Dazu muss ich auch sagen, dass es erstaunlich und gar nicht selbstverständlich ist, dass wir überhaupt hier mitten in der Anlage stehen, beobach-ten und Notizen machen, oder unsere Handys für Anrufe bei der Hotline benutzen dürfen. Das wäre doch z.B. in den DDR-Grenzkontrollstellen undenkbar gewesen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Punkt 7 Uhr tauchen auf der Jerusalemer Seite, für uns hinter der letzten Barriere der Personenkontrolle, drei Frauen von Machsom Watch auf. Tatsächlich haben wir auch den ersten Fall einer Abweisung, Geschrei der jungen Beamtin, das Eingreifen eines Offiziers und der drei israelischen Frauen. Für einige Minuten können wir noch ver-folgen, was dort geschieht, dann sind alle verschwunden: Der junge Palästinenser, die schimpfende Beamtin, der ruhige Offizier und die israelischen Mütter, die hier jeden Morgen für eine Stunde diese Aufgabe auf sich nehmen, „ihre Söhne“, wie sie sagen, bei der Kontrolle der Palästinenser zu beobachten. Später erfahre ich durch einen Anruf bei einer der Frauen die Geschichte dazu. Es ging um einen Studenten, der in der Bethlehemer Zweigstelle der Al-Quds-Universität ein Examen schreiben wollte; der aber mit seinem Jerusalemer Ausweis nur nach Abu Dis, nicht nach Beth-lehem „ausreisen“ durfte. Die Frauen haben ihn an einer Straße abgesetzt, wo er ohne großes Risiko eine Lücke im System nutzen konnte. Ein Lob also für die israeli-schen Mütter, die sein Problem mit Rat für die grundsätzliche Lösung und mit Tat erstmal für diesen Tag gesorgt haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Geschichte am Rand: Mit einem Mann habe ich mich unterhalten, weil er mich zweimal am Ärmel gezupft und angesprochen hat: Ich soll doch bitte die schnellere Abfertigung an diesem Fenster bewerkstelligen. Er hatte schon 20 Minuten dort in der Reihe gestanden. Dann kam er aufgeregt und wollte sich beschweren. Mann hat-te ihn nicht durch gelassen, sondern zurück geschickt. Die Umstehenden konnten ihn überzeugen, dass ich nicht der richtige Ansprechpartner für seinen Zorn sei. Abrupt wandte er sich ab. Er war groß und trug die Burka und die Keffiya mit schwarz-weiß gewürfeltem Muster. Das Tuch nahm er nun ab und verstaute es in seiner Burka. Dann ging er auf eine benachbarte Schlange Wartender zu und bat darum, vorgelas-sen zu werden. Viele der Wartenden, die seine zornigen Reden gehört hatten, ver-folgten aus dem Augenwinkel, ob er Erfolg haben würde und zwinkerten mir ohne eine Regung im Gesichtsausdruck zu. Schließlich verschwand er und ich konnte an-erkennendes Murmeln hören und vorsichtiges Lächeln in meine Richtung. Einer, der Englisch konnte, sagte leise: He has made it, er hat’s geschafft. Die Geschichte zeigt, dass die Kontrollen nicht neutral vorgenommen werden, sondern manchmal auch ein Moment der subjektiven Einschätzung oder Schikane enthalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach drei Stunden, als die Schlangen der Wartenden „abgearbeitet“ waren, sind wir gegangen. Draußen war gute Luft. Die Taxen auf der Bethlehemer Seite warteten auf die ersten Besucher. Der Teeladen war offen, die Männer an der Imbissbude mit Fa-laffeln und die Andenkenverkäufer hofften auf einen guten Tag, immerhin Sonntag, mit der Aussicht auf mehr Pilger, die die Heiligen Stätten und Kirchen der Stadt auch auf diesem Weg besuchen würden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für uns war Frühstück angesagt. Und dann der erste Kirchenbesuch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit Carl, dem Schweden, war ich im Gottesdienst der lutherischen Gemeinde von Beit Jala. Am späten Nachmittag waren wir dann alle vier mit Asa, der baptistischen Kollegin aus Finnland, in der Baptistischen Kirche. Die Gottesdienste waren sehr un-terschiedlich. Beim ersten hatte ich das Vergnügen, dass ich, obwohl der Gottes-dienst ja in Arabisch gehalten wurde, immer wusste, wo wir im Ablauf waren; auch darum, weil der Pfarrer immer wieder ein Stück Liturgie auf Deutsch für die Gäste-gruppe sagte. Allerdings sind wir als Ökumenische Begleiter – immerhin auf Anfrage der hiesigen Kirchen hier – nicht begrüßt oder beachtet worden. Im zweiten Gottes-dienst konnten wir uns alle wohl fühlen, vor allem weil dort wunderschön gesungen wurde, eigene Gesänge, keine übersetzten deutschen Choräle. Und weil der Predi-ger uns ausführlich vorgestellt hat und seine sehr lange und lebhafte Predigt immer wieder für uns unterbrochen und mit drei Sätzen auf Englisch zusammengefasst hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei hatte ich das ganz eigene Vergnügen, mit meinen Kollegen leise eine Wette darauf abzuschließen, über welchen Text der Prediger predigte. Er sagte zwar mehr-fach an, er predige über Lukas 15, die Verse 17 und 18. Aber seine Übersetzung war ganz klar kein biblisches Wort: „Der erste Schritt, um ein Problem zu lösen, ist der, zu erkennen und anzuerkennen, dass da ein Problem ist“. Diesen Satz hat er so oft ge-sagt, dass er wie ein neues Gebot klang. Aber Lukas 15? Meine Schätzung war, dass er die Verse vor sich hatte, in denen der Verlorene Sohn erkennt, dass er falsch gehandelt hat und bei seinem Vater zuhause besser aufgehoben wäre, als bei den Schweinen in der Ferne. Meine Schätzung hat sich hinterher, jeder kann das nun in der Bibel selber nachschlagen, als richtig erwiesen. Nach diesem Gottesdienst hat jeder von uns Gespräche mit den interessierten Gemeindegliedern geführt. Und das war’s doch, was wir wollten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das schönste Erlebnis dieses Tages war aber der Besuch im Kulturzentrum des Flüchtlingslagers von Ayda. Und das muss ich natürlich wiedergeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bethlehem hat drei Flüchtlingslager. Man darf sich keine Zeltstädte vorstellen, son-dern mehrstöckige Häuser, die dicht gedrängt zwischen die älteren Wohngebiete ge-setzt sind. Darüber hängen die Gerüche der Armut. Das Kulturzentrum ist von Irland gespendet worden. Unsere Teamer treffen hier jeden Sonntag eine Gruppe von Ju-gendlichen, die als „Englisch-Klasse“ zusammen kommen. Heute singen sie nicht, weil Eirik, der Freiwillige aus Norwegen, mit der Gitarre nicht bei uns ist. Wir machen Spiele und die Jugendlichen spielen, wie bei uns, wenn sie zuerst so tun, als seien sie viel zu alte für so was und dann sind sie voll bei der Sache. Beim zweiten Spiel mussten sie zeichnen. Und das war das Stichwort.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Draußen, gegenüber der Eingangstür, war eine lange Gartenmauer mit einer ganzen Serie von Bildern aus der jüngeren Geschichte Palästinas bemalt, teilweise mit Mo-saiken gestaltet. Es war naive Malerei, offensichtliche von Laien gemalt. Bilder vom ländlichen Leben, wie es einmal war ; dann vom Eindringen der israelischen Panzer und Soldaten; ein Bild mit den Namen der zerstörten und mit jüdischen Siedlungen überbauten Dörfer, mit dem großen Schlüssel, Symbol der vernichteten Häuser, bzw. der alten Schlüssel, die in jeder Flüchtlingsfamilie neben der Tür hängen. Weiter zeigt die Gartenmauer Bilder von der Intifada; und vom täglichen Stress der Okkupa-tion. Jetzt begann Carl ein Gespräch über das Bemalen von Mauern mit den Jugend-lichen. Linda übernahm die Sprecherrolle: Ja, die Bilder haben wir mit den Künstlern zusammen gemalt. Wir haben darüber diskutiert, was sie malen sollen. Und in der Intifada-Szene haben wir uns hingestellt und Hände gehalten. Sie reden über die Bil-der und darüber, wie sie die Geschichte ihres Volkes sehen. Dann leitet Carl über: Was ist mit den Graffiti und Sprüchen an der Sperr-Mauer? Er zeigt rüber, wo wenige hundert Meter entfernt die hohe Trenn-Mauer zu sehen ist. Wir lesen dort die Slo-gans, wenn wir am Kontrollpunkt zu tun haben. Ja!, kommt wieder die Antwort, das waren wir. Und wieder erzählen sie, dass sie manchmal dorthin gehen und ihren Zorn dort in Sprüche umsetzen, wie „We don’t want the Wall!“ oder „Free Palestine“. Und die Graffiti in fremden Sprachen?, fragen wir. Ja, das waren wir mit unseren Freunden und sie erzählen vom Jugendlager im Sommer, wo Jugendliche aus Euro-pa da waren und in ihren Sprachen, portugiesisch, griechisch, polnisch usw., ihren Protest an die Mauer geschrieben haben. Ich erinnere mich and die folgenden: „War-saw Ghetto1943 – Bethlehem Wall 2006“ und „Gott ist zu groß für nur eine Religion“ und „Jesus hat über Jerusalem geweint – wir weinen über Palästina“, steht da z.B. auf Englisch. (Und der das geschrieben hat, war kein guter Bibelkenner, denn in den Evangelien wird erzählt, wie Jesus über das Unrecht weint, das die Jerusalemer tun und dulden; nicht darüber, was sie erleiden.) Die Jugendlichen lachen, jetzt sind es vor allem die Jungs, die von ihren Ausflügen an die Mauer reden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carl nimmt eine letzte Wendung. Er zeigt auf mich und sagt, Gottfried kommt aus Berlin und kennt auch eine Mauer. Sofort gehen die Jugendlichen darauf ein. Ja, von der Berliner Mauer wissen sie. Und ich muss von der Nacht erzählen, in der die Mauer geöffnet  und nie wieder geschlossen wurde. Wie die Menschen oben auf die Mauer geklettert waren und zu tanzen angefangen hatten. Wie die Soldaten, das Gewehr umgehängt, hilflos und ohne brauchbare Befehle, wie zu reagieren sei, daneben standen. Wie der Offizier, fassungslos vor diesem Chaos in seinem Ver-antwortungsbereich, den singenden und tanzenden Menschen auf der Mauer zurief: Vorsichtig, fallt nicht runter! Wie die ersten Menschen Werkzeug zur Hand hatten, mit dem sie die Mauer bearbeiteten. Und wie später die Menschen Bruchstücke der Mauer als Erinnerung in ihre Regale legten oder verschenkten.  – Die Jugendlichen im Flüchtlingslager Ayda hören zu, sie lachen aber nicht. Ob sie glauben, dass sie so eine Nacht oder so einen Tag erleben werden? Nein, das können sie nicht. Ich er-zähle von Berlin und dass damals niemand im Ernst daran gedacht hat, was sich dann so überraschend und folgenreich abspielen würde. Ob ich glaube, dass ihre Mauer fallen werde. Ja!, sage ich ohne Zögern und hoffe, dass ich überzeugend klin-ge. Ich kann an ihren Augen sehen, dass sie den Gedanken aufnehmen, aber nicht richtig unterbringen können. Eines wissen sie aber genau: Nein, Bruchstücke der Mauer würden sie nicht sammeln und nicht verschenken. Die Mauer ist schrecklich, sagen sie, wir wollen sie weg haben und nichts mehr davon sehen…&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nächste Woche wollen die Jugendlichen wieder kommen und singen und reden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unser Sonntag war lang. Er war ja der erste Arbeitstag für die Palästinenser und hat uns ein Stück ihres Alltags morgens, auf dem Weg zur Arbeit gezeigt. Er hatte uns mit Christen zusammengebracht und an ihrem Feiertag teilnehmen lassen. Er hatte uns mit den Jugendlichen im Flüchtlingslager zusammen geführt und mit ihrer Suche nach Hoffnung. Und vielleicht waren wir einigen Menschen aus Bethlehem dabei sel-ber als Zeugen aus einer Welt erschienen, in der es doch Zukunft und Hoffnung gibt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116430173062772923?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116430173062772923/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116430173062772923' title='116 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116430173062772923'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116430173062772923'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/11/ein-voller-tag-zu-besuch-in-bethlehem.html' title='Ein voller Tag - Zu Besuch in Bethlehem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>116</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116386066908650073</id><published>2006-11-18T06:37:00.000-08:00</published><updated>2006-11-18T06:37:50.646-08:00</updated><title type='text'>Ausflüge in die Vergangenheit</title><content type='html'>&lt;a href="http://gottfried-kraatz.blogspot.com/"&gt;Berichte aus Jerusalem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausflüge in die Vergangenheit&lt;br /&gt;12. November 2006&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nini war zu Besuch. Tobias und Yaara haben mit uns Ausflüge gemacht: In die Vergangenheit Israels. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zuerst waren wir in Cäsarea, der Stadt, die Herodes zu Ehren von Kaiser Octavian Augustus gebaut hat, eine planvoll angelegte, moderne Stadt. Das war um die Zeitenwende. Die Ruinen legen noch heute Zeugnis ab von der Pracht und Lebensart in dieser Stadt. Herodes hat hier Hof gehalten. Alle vier Jahre hat er große Spiele mit Pferderennen und Tierkämpfen veranstaltet und große Lebensart gezeigt. Später war die Stadt Teil des Byzantinischen Reiches und verlor an Glanz. Einige Jahrhunderte haben Menschen in dieser Stadt gelebt, es wurde aramäisch, lateinisch und griechisch gesprochen. Heiden, Samariter, Juden und Christen haben hier gelebt. Griechische Mosaik-Inschriften im Pflaster einiger Innenhöfe lassen ahnen, wie das Leben in dieser Stadt am Mittelmeer verlaufen ist. Und aus sehr später Zeit ist ein Minarett übrig geblieben. Übrigens: Paulus ist hier dem römischen Statthalter vorgeführt worden, hat auf einem fairen Prozess in Rom bestanden und ist dorthin überführt worden. Das alles ist genug, um die Ruinen und Ausgrabungen unter die bedeutenden historischen Stätten dieser Region einzuordnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber es geht um mehr. Die Stadt Cäsarea spricht aus der Zeit, in der das Land jüdisch war, wenn auch von Römern beherrscht und von einem Nicht-Juden, Herodes, verwaltet. Es spricht aus der Zeit, in der die Einwohner dieses Landes zur Minderheit wurden und aus der abgelegenen Provinz, die keine eigene, keine jüdische Identität mehr hatte, in alle Himmelsrichtungen wegzogen. Es spricht vom Ende des Alten Israel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Tag sind wir nach Zikhrov Ya’kov gefahren, das auf einem Hügel über dem Meer liegt. Hier haben Siedler der ersten Alija ein Moschaf gegründet. Sie haben hier getan, was sie in Europa nicht durften: Land gekauft und als Ackerbauern gelebt. Und sie haben eine erfolgreiche Landwirtschaft aufgebaut, die in dieser Region neu war. Das Dorf ist stolz auf eine für das Neue Israel entscheidende Geschichte: Leute haben hier Widerstand gegen die Türken geleistet, junge Frauen haben als Spione gegen das Osmanische Reich gekämpft und sind hingerichtet worden. Jetzt ist das Dorf eine touristische Attraktion, weil hier der Beginn des Neuen Israel dargestellt ist. Die Häuser und Höfe dieser ersten Alija sind noch erhalten, die Synagoge aus der Zeit, als das Dorf ein ansehnlicher Marktflecken wurde. Die Strassen tragen die Namen der Gründer. Sie sind voller Boutiquen und Kaffees. Und der Blick auf die Ebene nach Süden, auf das Hügelland unter dem Karmel und auf das Mittelmeer macht was her. Das Städtchen war voll von Menschen, die wie wir das schöne Wetter und diesen Ausflug in die Geschichte des Neuen Israels genießen wollten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurück in Jerusalem habe ich, zusammen mit allen Freiwilligen vom Ökumenischen Friedensprogramm die Israel-Woche angefangen. Wir waren im Holocaust-Museum. Darüber kann ich nicht berichten, das geht mir zu nahe. Die Gruppe hat sich nach dem Besuch zusammengesetzt und über die Gefühle, die jeder hatte, ausgetauscht. Solange habe ich mich abseits in den Schatten eines Baumes gesetzt. Dieses Stück Geschichte, obwohl ein halbes Jahrhundert alt, ist mir so nahe und so schwer auf der Seele, dass jedes Wort darüber schmerzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Danach waren wir in einem kleinen Dorf, nicht weit von der Gedenkstätte. Das Dorf heißt Lifta. Es liegt zwischen den Hügeln, auf denen der Westen Jerusalems ausläuft und die Berge nach hinunter ins flache Land am Meer abfallen. Das Dorf Lifta ist nicht mehr bewohnt. Die Häuser haben keine Fenster und Türen mehr, Bäume wachsen aus Treppen und Terrassen. Die Natur erobert sich diese einstige Ansiedlung zurück. Die Moschee ist von außen nicht mehr zu erkennen. Die Ölmühle, die vor einem Jahr noch zu sehen war, ist vom herab gestürzten Dach begraben. Kein Schild zeigt den Namen des Ortes. Kein Zeichen würdigt diesen Ort der jungen Geschichte des Neuen Israel eines Gedenkens. Eine Schnellstraße führt darüber und der Bus, der uns bringt und abholt, muss einen großen Umweg fahren, um in dieses abgelegene Tal zu finden. Lifta ist ein Dorf, das im Krieg von 1948, den die Palästinenser Al Naqba, das Verhängnis, nennen, von israelischen Truppen erobert worden. Seine Einwohner sind vertrieben worden. Das Land gehört zu Israel. Aber der Besitz an Boden und Gebäuden liegt bei den Bewohnern, die zum Teil noch am Leben sind. Sie wohnen jetzt in Flüchtlingslagern in Israel oder in Jordanien und versuchen, ihre Rechtstitel durchzusetzen. Die Stadt hat Pläne für eine neue Bebauung des Berghanges, auf dem das Dorf und seine Oliventerrassen liegen, immer wieder in die Schublade gelegt. Hat das Dorf Lifta, gegen den Trend, dem alle anderen Dörfer verschwunden sind, noch eine Chance? Kann es wieder zum Leben erwachen? Oder kann es eine Gedenkstätte für das Schicksal vieler Dörfer in Israel werden, wo der Flüchtlinge und Vertriebenen und ihrer Kultur, die sie hier Jahrhunderte lang gelebt haben, gedacht wird? Es gibt Israelis, die genau das wollen, unsere Führerin gehört zu ihnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dem Rückweg aus dem Dorf zu der Straße, auf der der Bus wartet, treffen wir am eingefassten Dorfbrunnen einige junge Männer. Sie tragen die Tracht der Orthodoxen Juden und vollziehen ein Reinigungsbad im alten Brunnen von Lifta. Dann laufen sie davon, es sind Hippies, erklärt uns die Führerin, sie wollen nicht, dass wir sehen, in welchem Haus sie wohnen. Es ist eine wunderliche Szene: Die Jungs im schwarzen Habit mit den wehenden weißen Hemdschößen und die hellen Ruinen der Häuser, deren Bewohner hier nicht wohnen dürfen oder die Bäume und Sträucher, die vom Regen ermutigt, grün und stark über Straßen und Balkone wachsen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausflüge in die Vergangenheit sind in diesem Land immer politisch. Sie sollen etwas beweisen oder sie dürfen es nicht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116386066908650073?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116386066908650073/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116386066908650073' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116386066908650073'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116386066908650073'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/11/ausflge-in-die-vergangenheit.html' title='Ausflüge in die Vergangenheit'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116378893388079483</id><published>2006-11-17T10:42:00.000-08:00</published><updated>2006-11-17T10:42:13.883-08:00</updated><title type='text'>Frauen in Schwarz</title><content type='html'>&lt;a href="http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/11/berichte-aus-jerusalem_116297486443897856.html"&gt;Berichte aus Jerusalem: Berichte aus Jerusalem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frauen in Schwarz&lt;br /&gt;Es ist Freitag, mittags ein Uhr. Wir sind in West-Jerusalem. Wir sind drei Ökumenische Freiwillige, wir stehen mit den Frauen in Schwarz an dem kleinen Platz zwischen King-George-Straße und den Ramban und Ben-Maimon Boulevards. Hier stehen die Frauen an jedem Freitag, sie stehen hier für eine Stunde, schwarz gekleidet. Sie halten schwarze Schilder hoch, auf denen in drei Sprachen steht: Beendet die Besetzung. Manchmal stehen auch Männer bei ihnen. Heute stehe ich neben einem von ihnen. Er hilft mir, zu verstehen, was die Autofahrer, die an der Ampel stehen bleiben müssen, herüber rufen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Motorradfahrer spricht mit meinem Nachbarn, ich kann nicht herausfinden, ob er unfreundlich ist; die beiden scheinen sich zu kennen. David, mein Nachbar, erklärt: Mit diesem Mann hat er öfter zu tun gehabt, er pflegte die Demonstranten heftig zu beschimpfen. Einmal hat er ihn aber zufällig bei einer mehr privaten Gelegenheit getroffen. Zunächst hatte der Mann ihn wieder Vaterlandsverräter als beschimpft, hat sich aber dann auf eine Diskussion eingelassen. Jetzt kommt er auch regelmäßig vorbei, es ist genau die Zeit, wo er hier auf Weg nach Hause ist, und fühlt sich verpflichtet, gesittet zu reden. Steht ihr immer noch hier, fragt er. Und: Wie viel Land wollt ihr ihnen (den Palästinensern) denn geben? Wenn ihr ihnen ein bisschen zugesteht, wollen sie das ganze…&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Taxifahrer fährt vor, die Ampel wird aber grün, er ruft etwas, fährt aber weiter. Es hat sich freundlich angehört. Ja, sagt David und lacht. Er ist ein Araber, jeder arabische Taxifahrer, der vorbei kommt, grüßt freundlich oder winkt uns zumindest zu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Autofahrer lässt sein Fenster runter und beginnt eine unfreundliche Unterhaltung. Es geht um die Grenzen. Welche Grenzen wollt ihr ihnen (den Palästinensern) geben? Die Grenzen von 48, antwortet ihm David. Warum nicht die von 67, ruft der Taxifahrer, was macht das für einen Unterschied, 19 Jahre? Die Ampel wird grün, kopfschüttelnd fährt er los.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Polizeibeamter kommt dicht heran, macht einige Notizen und geht weiter. Keiner beachtet ihn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;David sieht meinen Notizblock mit dem südafrikanischen Aufkleber. Er will wissen, was ich mit Südafrika zu tun habe. Dann erzählt er mir. David ist im Alter von 15 Jahren nach Israel gekommen. Das war 1977, einige Wochen, nachdem Steve Biko umgebracht worden ist. Seine Eltern haben ihn hierher geschickt, damit er in Südafrika nicht zum Militärdienst eingezogen wird. Seine Eltern ihrerseits waren 1936 aus Deutschland ausgewandert. Dort waren sie als Juden bedroht. Irgendwann ist ihnen klar geworden, dass sie in Südafrika Nutznießer eines rassistischen Systems waren. Sie wollten nicht, dass der Sohn als Weißer gegen die Schwarzen kämpfen muss. David hat seine Jugend weit weg von seinen Eltern, in Israel verbracht, ist zur Schule gegangen, hat studiert – und sollte zum Militärdienst eingezogen werden. Er hat den Dienst verweigert und ist dafür ins Gefängnis gegangen. Jetzt stellt er sich manchmal zu den Frauen in Schwarz und unterstützt ihre Forderung nach einem Ende der israelischen Besatzung der Palästinenser-Gebiete. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ava, zu meiner Rechten, spricht zu mir über Freundinnen in Deutschland. Sie hat sie erst vergangenes Jahr wieder besucht. Ihre Eltern sind, ebenfalls in den dreißiger Jahren, aus Deutschland hierher gekommen. Sie haben sich nicht vorstellen können, dass ihre Tochter hier eines Tages im Protest gegen die Gewaltanwendung gegen Palästinenser stehen und den Unwillen der vorbeifahrenden Israelis erregen würde, sagt Ava lachend. Ava ist älter, als ihre Eltern damals waren, als sie nach Israel gekommen sind. Ich frage sie nach ihren Gefühlen gegenüber Deutschen und in Deutschland, mit all den Erinnerungen an die Familienmitglieder, die den Holocaust nicht überlebt haben. Sie erzählt mir, dass schon ihr Vater seinen Frieden mit den Deutschen gefunden und mit einigen Deutschen Freundschaft geschlossen habe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Uri, ein junger Mann, steht unterhalb der Mauer, auf der wir stehen und die schwarzen Schilder zeigen. Er ist hier, um seine Mutter zu unterstützen. Er war als Militärdienstverweigerer zwei Jahre lang im Militärgefängnis. Ich spreche ihn auf die Demonstration von Kriegsdienstverweigerern vor einigen Tagen an, bei der ich gewesen war und unter roten Fahnen gestanden hatte. Die Kommunistische Partei, erklärt er mir, sei die einzige, die von jeher gegen die Besetzung der palästinensischen Gebiete gewesen sei. Es sei eine kleine Partei, die dem anti-zionistischen Block angehöre. Uri gehört dieser Partei nicht an, aber er findet, ich sollte eine gute Meinung von ihr haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die eine Stunde der Demonstration ist um. Die Frauen verabschieden sich voneinander und von uns. Sie sagen: Also dann, bis nächste Woche!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116378893388079483?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116378893388079483/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116378893388079483' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116378893388079483'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116378893388079483'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/11/frauen-in-schwarz.html' title='Frauen in Schwarz'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116378855405104160</id><published>2006-11-17T10:35:00.000-08:00</published><updated>2006-11-17T10:35:54.616-08:00</updated><title type='text'>Routine am Checkpoint</title><content type='html'>&lt;a href="http://gottfried-kraatz.blogspot.com/"&gt;Berichte aus Jerusalem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Routine am Kontrollpunkt &lt;br /&gt;Dienstag, 7. November, 6 Uhr. Es ist ein Routinebesuch. Aber einige Details nehme ich in den Wochenbericht auf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwann scheint der Polizist, der die Drehtüren bedient, eingeschlafen zu sein. Die Leute, die aus Jerusalem kommen und nach Ramallah wollen, stehen ratlos vor der Drehtür, die normalerweise offen ist. Sie befinden sich jetzt im Käfig zwischen Eingangs- und Ausgangs-Drehtür. In ihrer Richtung, wenn sie Jerusalem verlassen, findet keine Kontrolle statt, sie schieben sich zweimal durch dieses kleine Karussell. Es werden immer mehr. Der Wachmann reagiert auf kein Winken mit den Armen. Kristina drückt auf den Klingelknopf. Der Polizist schreckt auf und drückt seinerseits auf einen Knopf. Wir stehen auf der Ramallah-Seite und glauben an einen Scherz: Die Drehtür zeigt auf unserer Seite grün. Auf der anderen Seite zeigt sie rot und ist geschlossen. Die Leute, die aus dem Terminal raus wollen, können immer noch nicht raus. Die Palästinenser auf unserer Seite erkennen die Situation. Sie gehen ruhig auf die Drehtür zu und gehen, einer nach dem anderen, durch. Sie gehen an den Kopf schüttelnden Gegen-Passanten vorbei und auf die andere Drehtür zu, die sie endgültig und ohne Kontrolle auf die Jerusalemer Seite entlassen würde. Diese Drehtür ist natürlich nicht zu, sie funktioniert, wie sie soll, ausschließlich in unsere Richtung. Da stehen sie nun alle, ein Haufen Frühaufsteher vor der Tür, die ihnen Jerusalem verschließt und ein Haufen Nachtarbeiter vor der Tür, die ihnen ihr Zuhause in Ramallah verschließt. Irgendeiner bemerkt den Fehler, und die Drehtür wird geschlossen. Jetzt geht auf diesem Abschnitt gar nichts mehr. Die Leute, die nach Hause, nach Ramallah wollen, wahrscheinlich von der Nachtschicht kommend, werden laut und fordern ihren Durchgang. Die anderen drücken sich still möglichst eng an die Wand, aber das hilft nichts. Hier sind so viele Kameras, ein Offizier bemerkt die Situation und brüllt in den Lautsprecher. Zögerlich und mit schlechtem Gewissen kommen sie zurück. Immer noch sind auch die Drehtüren, die die nach Jerusalem Einreisenden schleusen sollen, zu. Die Stimmung wird aggressiv. Neues Brüllen durch den Lautsprecher. Die Drehtüren, die die Leute aus dem Terminal entlassen, zeigen Grün und die Leute kämpfen sich durch. Nach drei Minuten ist der Durchgangsbereich für die aus Jerusalem Ausreisenden leer und die Mogler, die ihre Chance gesucht hatten, müssen sich wieder hinten in die Schlangen einreihen. Die von der Nachtschicht kommenden, die hier ohne Sicherheitskontrolle durch die Türen geschleust werden, sind in Richtung Ramallah aus dem Terminal gegangen. Aber vorn, neben der Drehtür, haben einige Schüler, fünf oder sechs, ihre Chance erkannt. Blitzschnell haben sie, die Aufregung nutzend, ihre Ranzen über das hohe Gitter geworfen und sind mit wenigen schnellen Kletterbewegungen hinüber gesprungen und raus gerannt. Eine Polizistin hat sie gesehen, sie musste aber auch erst durch die Sperre gelassen werden, ist ihrerseits losgerannt, das Gewehr fest an die Schulter gedrückt. Ihr Pferdeschwanz wippt mit den Laufschritten. Ich bin ebenfalls gerannt, nach hinten, wo der Parkplatz auf der Ramallah-Seite Einblick auf die andere, die Jerusalemer Seite, wo die Busse stehen, gewährt. Die Schüler sind nicht sichtbar, die Polizistin steht ratlos und gibt auf. Ich gehe zurück in den Terminal und berichte meinen Mit-Beobachtern vom Erfolg der Schüler. Es hätte ja eine sportliche Angelegenheit sein können und wir hätten gelacht. Aber hier ist alles Ernst und das Ding hätte böse enden können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unter denen, die ihre Chance in der verkehrten Drehtür gesucht hatten, war auch ein alter Mann. Er wurde begleitet von seinem Sohn, der ihn Schritt um Schritt führt. Der Mann ist offensichtlich krank und zeigt, als er schließlich am eigentlichen Schalter steht, außer dem Ausweis seinen Überweisungsschein vor. Aber der gilt nichts in Jerusalem. Er muss entweder dort einen Arzt finden, oder, wenn das erforderlich ist, eine Sondergenehmigung für eines der Ost-Jerusalemer Krankenhäuser. Er wird abgewiesen. Ich gucke auf die Uhr: Vor einer Stunde habe ich ihn kommen sehen. Er geht in einer anderen Warteschlange zum nächsten Schalter, wird abgewiesen. Ich verliere ihn aus den Augen. Zwei Stunden später, auf der Jerusalemer Seite, sehe ich ihn, von seinem Sohn geleitet, in einen Bus steigen. Er hat es offensichtlich mehrfach versucht – und Glück gehabt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Warteschlange ist lang. Ich bemerke, dass einige Studenten sich zunächst einreihen, dann aber aufgeben und das Terminal verlassen. Ich gehe ihnen nach und finde heraus, dass sie in ein Taxi steigen. Sie versuchen es im nächsten Kontrollpunkt, in Ar Ram, sagen sie. Aber dort lässt die Grenzpolizei nur Leute durch, die auf einer Liste stehen, wende ich ein. Wir stehen drauf, sagen sie, wir sind Studenten. Wir müssen es probieren, hier dauert es zu lang. Ich überlege mir, wie viel Unkosten die Leute haben, wie viel Zeit sie verlieren, die hier jeden Tag diese Prozedur durchlaufen und dann evt. andere Kontrollpunkte anfahren, um Zeit zu sparen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Mann spricht uns an. Er ist Lehrer in Bethlehem. Er nimmt jeden Tag zuerst einen Bus von Ramallah bis zu diesem Kontrollpunkt. Auf der anderen Seite steigt er in einen Bus, der ihn zur Zentralen Busstation in Ost-Jerusalem bringt. Dort nimmt er einen Bus nach Bethlehem, zum Gilo-Kontrollpunkt, berichtige ich. Richtig, nur bis zum nächsten Kontrollpunkt. Auf der anderen Seite fahren keine Busse. Dort steigt er in ein Taxi, das teilt er sich mit Anderen, und fährt zu seiner Schule in Bethlehem. Ich rechne nach: Er zahlt hin und zurück zusammen jeden Tag über 30 Schekel, fast 6 Euro Fahrgeld. Nach der Zeit habe ich ihn gefragt: Wenn’s gut geht, zwei Stunden. Und wenn es schlecht läuft? Ich bin auch schon mal wieder nach Hause gegangen, weil es sich nicht mehr gelohnt hat, sagt er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch auf der Ramallah-Seite bin ich ein Stück an der Mauer, die hier 12 Meter hoch ist, entlang gegangen. Hier stehen seit einer Woche eine Doppelreihe von 12 Fertig-Häuschen, sie bieten knapp 5.000 Briefkästen. Der verantwortliche Bauingenieur, den ich vor einer Woche gefragt hatte, wusste nur, dass hier ein Post-Dienst eingerichtet würde, für die Bewohner „auf dieser Seite“. Offensichtlich gibt es bisher keinen Postdienst in diesem Teil Ramallahs; künftig können die Bewohner hierher kommen und sich ihre Briefe abholen. Wird der Kontrollpunkt irgendwann zum Dienstleistungszentrum?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der Jerusalem-Seite stehen wir noch eine Weile auf dem Straßenabschnitt und beobachten die Kontrolle, die dort vorgenommen wird. Auch hier werden die Autos, die Jerusalem verlassen, nicht, bzw. nur stichprobenweise kontrolliert. Mir fällt auf, dass ein kleines Team von zwei Soldaten damit befasst ist. Einer von ihnen führt einen Fotoapparat mit sich. Er nimmt Fotos von den Fahrern und ihren Papieren, sowie von den Nummernschildern der Autos, während sein Partner Sitze und Kofferraum untersucht. Was soll das, denke ich. Brian, mein Mit-Beobachter, holt seinen Fotoapparat mit der großen Vorsatzlinse heraus und nimmt die beiden Kontrolleure ins Visier. Die lachen zuerst und stellen sich in Pose, dann bedeuten sie uns, dass wir sie nicht fotografieren dürfen. Kristina geht prompt auf sie zu und beginnt ein Gespräch. Die beiden waren gut aufgelegt, aber die einzige brauchbare Antwort, die Kristina mitbringen konnte, war: Sie seinen so eine Art Militär-Journalisten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist ein warmer Tag. Es ist fast 8 Uhr. Wir fahren nachhause, in unser Quartier, wo wir frühstücken. Wir denken an die Arbeiter, die durch den Kontrollpunkt müssen, oder durch zwei davon. Sie kommen müde bei ihrer Arbeit an. Und dort sollen sie ihren Arbeitstag beginnen. Wenn der beendet ist, beginnt für sie der Heimweg – durch den Kontrollpunkt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116378855405104160?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116378855405104160/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116378855405104160' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116378855405104160'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116378855405104160'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/11/routine-am-checkpoint.html' title='Routine am Checkpoint'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116297486443897856</id><published>2006-11-08T00:34:00.000-08:00</published><updated>2006-11-08T00:34:24.576-08:00</updated><title type='text'>Berichte aus Jerusalem</title><content type='html'>&lt;a href="http://gottfried-kraatz.blogspot.com/"&gt;Berichte aus Jerusalem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Kamel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal sieht man in Jerusalem ein Kamel, das den Touristen als Hintergrund für Fotografien dient, aber natürlich auch für einen Ritt durch die Straßen Jerusalems oder außerhalb der Mauern der Altstadt oder was weiß ich. Eigentlich habe ich das Kamel nur ein einziges Mal gesehen, aber es lebt hier irgendwo. Und Nini hat sofort, als ich von dem Kamel auf der Kreuzung erzählt habe, an das gleiche Kamel gedacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war am Abend des ersten Feiertages, mit dem der heilige Monat Ramadan endet. Tagsüber hatten wir junge Männer auf Pferden überall in der Stadt gesehen. Und am nächsten Tag war der Sportplatz hier oben auf dem Ölberg voll von Jugendlichen und etwa einem Dutzend verschieden alter Pferde, die offensichtlich für einige Runden auf dem Platz vermietet wurden. Wo sind die Pferde an all den anderen Tagen des Jahres? So haben wir uns gefragt und bis heute keine Antwort erhalten. Sie sind nach den Festtagen des Eid al Fittr in den Straßen aufgetaucht und danach wieder verschwunden. Auch das Kamel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An dem Abend, von dem ich also kurz berichte, kam ich abends vor Sonnenuntergang oben an der Kreuzung an, an der wir immer aus dem Bus Nummer 75 aussteigen und die letzten hundert Meter zu Fuß gehen. Vor mir sah ich das Kamel. Ein Junge mit auffällig kurz geschnittenem schwarzem Haar saß zwischen den Höckern, das Kamel hatte seinen schönen Sattel und Kopfschmuck und lief mit diesem unverkennbaren Gesichtsausdruck der Überlegenheit auf der rechten Straßenseite, zu weit weg für ein Foto. Es dauerte keine 30 Sekunden, bis die Kreuzung voll war. Zwei Taxen, zwei Esel, ein PKW, ein Rappen, ein Schimmel und ein Bus näherten sich von vier Seiten der Kreuzung oder waren schon auf ihr. Die Szene war wie eine Fata Morgana, tauchte aus dem Nichts auf und verschwand wieder. Der Reiter auf dem Esel ritt über einen Zebrastreifen, das Kamel bog nach rechts ab, der Bus öffnete seine Tür mitten in seiner Linkskurve und entließ die müden Fahrgäste, die für weiteres Chaos auf der Kreuzung sorgten, weil sie sich zwischen den ungleichen Verkehrsteilnehmern durch schlängelten. Kein Hupen, kein Wiehern, kein Fluch oder lauter Ruf. Mit den normalen Geräuschen unserer kleinen dörflichen Einkaufsstraße löste sich der Spuk aus Tausendundeiner Nacht auf. Die Kreuzung war leer, drei, vier Leute standen an der Bushaltestelle, der Gemüsehändler brachte eine Kiste mit frischen Orangen auf die Straße und der Geruch von Diesel und Pferd war mehr Erinnerung als Wirklichkeit. Die Auflösung des kleinen Verkehrsstaus hatte wieder keine 30 Sekunden gedauert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Tag hatte ich unten in dem Markt gegenüber vom Damaskustor zu tun. Ich war in dem kleinen Minimarkt, in dem wir manchmal einkaufen. Ich hatte beide Hände voll mit meinen kleinen Einkäufen von Buttermilch, Oliven und Brot. Ich stand an der Kasse, als ein Pferd in den Laden kam, also es muss ja sicherlich heißen: Als ein Reiter mit seinem Schimmel in den Laden kam. Es gab eine heftige Bewegung von der Kasse bis in den hintersten Winkel des Minimarktes. Aber niemand fiel um, niemand fluchte oder schrie auf. Der Reiter nahm eine Schachtel Zigaretten entgegen, das Pferd stieß bei seiner Rückwärtsbewegung an ein Regal, aber einige flinke Hände legten die herunter gefallenen Waren zurück in die Regale. Keine Aufregung. Das alles ging viel zu schnell für meine Kamera, die immerhin aus der Jackentasche geholt, in Betrieb gesetzt und in Position hätte gebracht werden müssen, dabei hatte ich gerade mal meine drei Einkäufe so verlegt, dass ich die Kamera greifen und herausholen konnte. Auch blieb diesmal ein starker Geruch nach Tier und Natur im Laden zurück. Und ich glaube, das Pferd hat über meinen Versuch, die Begegnung mit einem Foto festzuhalten, gelächelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bevor ich das vergesse, das könnte ja wichtig sein für den fragenden Leser: Das Kamel war, wie Ibrahim mir Tage später erklärte, auf dem Nachhauseweg von seinem anstrengenden Tag mit Touristen. Es wohnt hier oben auf dem Ölberg. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jerusalem kommt mir manchmal wie eine Theaterbühne vor, auf der alle, Schauspieler und Statisten ihr Spiel kennen und professionell spielen. Wie sonst passen die Anhänger der drei Religionen und die Geistlichen, Mönche, Pilger und von all der Heiligkeit Ergriffenen mit ihren mittelalterlichen Verkleidungen und dem schönen Kopfschmuck und diesem Gesichtsausdruck in die engen Straßen dieser Stadt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lach nur, lieber Leser!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;07.11.2006&lt;br /&gt;Gottfried Kraatz&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116297486443897856?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116297486443897856/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116297486443897856' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116297486443897856'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116297486443897856'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/11/berichte-aus-jerusalem_116297486443897856.html' title='Berichte aus Jerusalem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116297416660938921</id><published>2006-11-08T00:22:00.000-08:00</published><updated>2006-11-08T00:22:46.806-08:00</updated><title type='text'>Berichte aus Jerusalem</title><content type='html'>&lt;a href="http://gottfried-kraatz.blogspot.com/"&gt;Berichte aus Jerusalem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wünschet Jerusalem Glück!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Erlöserkirche in Jerusalem liegt mitten in der Altstadt, gerade noch im Christlichen, aber dicht an der Grenze zum muslimischen Viertel und man kann, wenn man über die anliegenden Gebäude schaut, die Flaggen mit Davidsstern sehen, die die jüdischen Wohnungen über den arabischen Läden kennzeichnen. Die Völker leben hier zusammen. Aber glücklich?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon auf dem Weg zur Kirche fällt mir eine Gruppe auf, Männer in dunklen Anzügen und mit Kollar, und Frauen in europäischer Sonntagskleidung. Meine Vermutung, dass sie zur Erlöserkirche zielen, war richtig. In der Kirche sind bestimmt achtzig bis hundert Besucher. Vier Pfarrer und eine Pfarrerin im Talar sowie zwei Älteste ziehen ein und nehmen in der ersten Reihe Platz. Heute wird der Vikar in die Gemeinde eingeführt. Es wird ein festlicher Gottesdienst.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Der Propst begrüßt die Gemeinde mit dem Motto für diesen Gottesdienst, er bezieht sich auf den Psalm 122: Die Völker ziehen hinauf nach Jerusalem, die Stadt, in der man zusammen kommen soll, um in ihren Mauern zu preisen den Namen des Herrn. Später wird der Psalm im Wechsel gelesen: „Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem. Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll… Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben! Es möge Friede sein in deinen Mauern und glück in deinen Palästen!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Propst sieht Gemeindeglieder, die in Jerusalem wohnen vor sich; Gäste aus Deutschland, die zu diesem Anlass in die Stadt auf dem Berge gekommen sind, auch andere Pilger, die die heiligen Stätten sehen und den Atem der Geschichte des Christentums hier atmen wollen. Menschen eben, für die diese Stadt viel bedeutet. Die Völker strömen in diese Stadt. Schön, wenn die alte Psalmdichtung so anschaulich dargestellt und gefeiert werden kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für mich liegt die erste Woche meines ökumenischen Friedensprogramms hinter mir. Vor zwei Tagen, am Freitag, hatte ich erlebt, wie landesweit Maßnahmen getroffen worden waren, um nur ältere Palästinenser durch die Tore der Stadt zu lassen, die auf dem Tempelberg beten und ihrem Glauben gemäß feiern wollten: Am Freitag im Fastenmonat Ramadan. Die Kontrollpunkte an Ostjerusalems Grenzen waren zu Festungen ausgebaut und die Pilgerströme der palästinensischen Muslime waren gefiltert und zum Teil mit Gewalt aufgehalten worden. Ich hatte die Polizei- und Armeekräfte vor den alten ehrwürdigen Stadttoren gesehen, die ihre Arbeit ernst und effektiv gemacht, die die gottesdienstliche Stimmung der frommen Pilger nachhaltig gestört hatten, die zu ihren Pausen den Helm abgenommen und darunter ihre jüdische Kippa, Zeichen ihrer Zugehörigkeit zum Volk Gottes, gezeigt hatten. Ich hatte gesehen, wie viel Gewalt nötig war, um Sicherheit in den Mauern dieser Stadt zu gewährleisten und wie diese Gewalt nur weitere Gewalt erzeugen wird; denn was werden die muslimischen Jugendlichen, die jungen Ehemänner und die Väter mit ihren weißen Kappen, die, wenn sie von außerhalb der Stadtgrenzen in die Stadt kommen wollten, abgewiesen und zum Teil verächtlich oder beleidigend behandelt worden waren – was werden sie aus ihrer Liebe zu dieser Stadt machen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jerusalem ist eine Stadt mit zwei Namen. Den einen kennen wir: „Jerusalem“, die Stadt der Könige Israels und Judas. Und den anderen nehmen wir manchmal mit Erstaunen zur Kenntnis und vergessen ihn wieder: „Al Quds“, die Heilige, die Stadt der Muslime, die dritte Stadt nach Mekka und Medina, die mit dem Leben und mit den Visionen Mohameds verbunden ist. Die Stadt ist seit einigen Jahrzehnten getrennt: in das jüdische West- und das muslimische Ost-Jerusalem. Die Christen leben als Minderheit vor allem in Ost-Jerusalem. Aber das Problem ist, dass der Ostteil der Stadt, mit dem Tempelberg und dem Felsendom und der Al-Aqsa Moschee vom palästinensischen Hinterland abgetrennt und von israelischer Polizei und Armee kontrolliert wird. Und dass im Konfliktfall Juden mit schwarzer Kippa die Muslime mit weißer Kappe daran hindern, in die Stadt zu ihren Heiligen Stätten zu kommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da stand der Muslim, der 51 Jahre alt und darum am Kontrollpunkt abgewiesen worden war. Von Tulkarem, im Nordosten der Besetzten Gebiete war er gekommen. Fünf Stunden hatte er gebraucht, um bis hierher zu kommen. Zwanzig Minuten Busfahrt trennten ihn nun von der Moschee, in der er das Mittagsgebet dieses Freitags im Ramadan feiern wollte. Aber er durfte nicht weiter. Seine Familie, Frau und drei kleine Kinder waren auf der anderen Seite, ohne Geld, wie er mir beteuerte. Er glaubte, ich könne bewirken, dass er durch die Kontrolle gelassen würde. Wo kommst du her? Aus Deutschland. Was bist du? Christ. Christen und Muslime sind nahe beieinander, sagt er. Und ich schäme mich, weil ich es aus Deutschland anders kenne. Juden sind weit von uns weg, sagt er. Die Juden lassen uns nicht zum Gebet nach Jerusalem. Das sagt der Muslim, der von den Grenzpolizisten, die hier keine Grenze, sondern eine Annexionslinie bewachen, zurück geschickt worden ist.  Er zeigt auf die Uniformierten, auf die schwer Bewaffneten, aber er nennt sie Juden. Und er sagt, die Juden wollen uns den Tempelberg wegnehmen, sie wollen uns aus Jerusalem vertreiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was der Mann an dem Kontrollpunkt sagt, habe ich, seit ich hier in Jerusalem bin, oft gehört. Die Juden wollen uns vertreiben. Israel will Fakten schaffen und Jerusalem für sich in Besitz nehmen. Einmal, an einem anderen Kontrollpunkt, habe ich das mit großer Verbitterung gehört. Der Mann, der es äußerte, war sehr ungehalten darüber, dass wir Europäer hier so ein Programm aufziehen und gleichzeitig blind sind und überhaupt kein Verständnis für die Situation der Palästinenser haben. Wir leben hier seit Jahrtausenden, hat er gesagt: Warum schickt ihr die Juden in unser Land, die ihr nicht haben wollt und helft ihnen, dass sie uns unser Land wegnehmen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und natürlich habe ich auch das Gegenteil gehört. Israelis, die verbittert beobachten, wie die Europäer das Existenzrecht der Palästinenser durchsetzen wollen; die den Libanonkrieg als Überfall Israels auf ein unschuldiges Land sehen; die Israels starke militärische Präsenz und Politik in den Besetzten Gebieten kritisieren. Die sagen mit gleichen Worten: Ihr versteht uns nicht. Was wollt Ihr Europäer uns vorschreiben?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein Recht dazu habe, hier in Jerusalem zu sein und zuzusehen, wie sich Israelis und Palästinenser um dieses Land streiten müssen, um sich ihr Lebensrecht zu sichern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sitze dann in dem Gottesdienst in der Erlöserkirche. Ich will zur Gemeinde gehören, die den alten Psalm betet und den Gottesdienst feiert. Und ich merke, wie ich mich schwer tue. Es herrscht kein Friede in den Mauern Jerusalems. Die Menschen sind nicht glücklich, nicht die im Westen und nicht die im Osten der Altstadt mit ihrer Klagemauer und ihrer Al-Aqsa Moschee und mit ihren Kirchen, die über den Spuren von Jesus von Nazareth erbaut worden sind. Und es kommen nicht alle an, die sich aufmachen, um den Namen Gottes hier zu preisen. Nicht Liebe, sondern Hass wird gesät in dieser Stadt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber in einem Satz, in dem Stoßgebet kann ich mich einfinden und niederlassen: „Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;15. Oktober 2006&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116297416660938921?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116297416660938921/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116297416660938921' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116297416660938921'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116297416660938921'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/11/berichte-aus-jerusalem_116297416660938921.html' title='Berichte aus Jerusalem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116297377432891336</id><published>2006-11-08T00:16:00.000-08:00</published><updated>2006-11-08T00:16:14.363-08:00</updated><title type='text'>Berichte aus Jerusalem</title><content type='html'>&lt;a href="http://gottfried-kraatz.blogspot.com/"&gt;Berichte aus Jerusalem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„When Arabs run riot the Army has to shoot“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Römischen Feldherrn haben wir Zitate überliefert, die kurz und knapp und gleichzeitig von geradezu poetischer Kraft sind. Das bekannteste ist das von Cäsar, der seinen Eroberungsfeldzug nach Gallien mit drei Worten zusammengefasst hat: Veni, vidi, vici – ich kam, ich sah, ich siegte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hier ist ein ähnlich kraftvoller Ausspruch eines Militärs, die Antwort des Verbindungsoffiziers der Zivilen Verwaltung für die OPT (Occupied PalestinianTerritories), Zeit 9.30 am Freitag, 13. Oktober, dem vorletzten Freitag im Fastenmonat Ramadan; auf die Frage von Roni Hammerman von der Organisation Machsom Watch, die am Qualandiya Kontrollpunkt auf der Jerusalemer Seite gestanden, die Schüsse von Lärm- und Tränengas-Granaten gehört hatte und die Menschen auf der Seite der Westbank hatte rennen sehen, die also ihr Telefon genommen und im Verbindungsbüro der Israelischen Armee angerufen und gefragt hatte, warum schießt ihr, warum jagt ihr die Menschen, die an diesem Feiertag nach Jerusalem zur Al-Aqsa Moschee wollen? Die Antwort, die sie erhielt, war militärisch kurz und knapp und kraftvoll in ihrer sprachlichen Prägnanz: „When Arabs run riot the Army has to shoot – wenn Araber randalieren, muss die Armee schießen“.  Die Logik der Kriegsführung erlaubt diese Prägnanz, das militärische Überlegenheitsgefühl erlaubt die poetische Kraft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Palästinenser, um nun von ihnen zu reden, waren, wie gesagt, auf dem Weg zum Mittagsgebet, das an diesem letzten Freitag im Fastenmonat Ramadan eine unvergleichlich höhere Wertigkeit besitzt, als an normalen Tagen. Einige von ihnen hatten fünf, sechs Stunden Anfahrt hinter sich, sie waren in Festkleidung und in erwartungsvoller Stimmung. Auf dem Hof zwischen Felsendom und Al-Aqsa Moschee versammeln sich an solchen Tagen bis zu einer halben Million Gläubige. Sie stehen dann dicht gedrängt, Schulter an Schulter und die gemeinsamen Bewegungen, das Erheben der Arme, das Sitzen auf den Unterschenkeln, das Berühren des Bodens mit der Stirn und das erneute aufrechte Stehen – das schließt jeden einzelnen Gläubigen in die große betende Gemeinde ein, macht die Gemeinschaft körperlich spürbar. Dafür fahren die Muslime in diesem Land weit, und immerhin ist die Al-Aqsa Moschee in Al Quds, Jerusalem, das dritte hochbedeutsame Heiligtum im Islam. Aber der Weg dorthin ist mühsam. Sie können nicht die direkte, schnelle Straße aus ihrem palästinensischen Dorf nach Jerusalem nehmen, weil die in das israelische Straßennetz integriert ist, die sie nicht benutzen dürfen. Sie müssen Umwege fahren und bezahlen. Dann kommen sie am Kontrollpunkt an, der das Palästinensergebiet von Ostjerusalem, das Israel annektiert hat, trennt. Und hier kriegen einige von ihnen Ärger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durch Radio und Zeitungen haben sie erfahren, dass an diesem Tag Männer über 45 und alle Frauen Zugang nach Jerusalem haben. Jetzt werden auch Männer über 45 zurück gewiesen, Familien haben Probleme mit ihren 12 oder 13-jährigen Söhnen, Ehefrauen finden sich auf der anderen Seite wieder, aber ohne Ehemann und ohne Geld. Kleine Dramen spielen sich ab, Enttäuschungen machen sich breit. Einer hämmert in seiner Wut gegen die Eisengitter. Daraufhin jagen die Beamten der Grenzpolizei alle Menschen aus dem „Terminal“, wie sie das Gebäude nennen, indem sie ihrerseits gegen die Gitter schlagen, aber mit ihren Knüppeln und mehrere von ihnen. Dazu brüllen sie Befehle in Hebräisch, „raus hier!“ oder so ähnlich. Es ist ein Höllenlärm. Die Leute fliehen nach draußen, aber dort stehen ja andere Menschen in dichten Reihen; keiner hat mitgekriegt, was da gelaufen war, die allgemeine Wut der Menge, die doch nur rechtzeitig zum Mittagsgebet nach Jerusalem will, steigt. Das Chaos ist perfekt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was ich jetzt erzähle, habe ich selbst gesehen, zu dieser Zeit war ich schon am Kontrollpunkt. Aber ich war nicht durch die Kontrolle durch gegangen, sondern musste von der Jerusalemer Seite, wo der Durchgang für Autos ganz und gar geschlossen war, durch ein hohes Eisengitter hindurch mit ansehen, was dort geschah. Soldaten, etwa ein Dutzend von ihnen, kamen von dem improvisierten Standort, den sie an diesem Tag aufgebaut hatten, gelaufen. Sie bauten sich zwischen Terminal und dem Parkplatz, auf dem die Menge jetzt stand, auf. Zu ihnen kamen zwei berittene Beamte der Grenzpolizei, alle schwer bewaffnet, mit schusssicheren Westen und Gewehren in der Hand. Das ist schon ein Anblick, der Angst und Aggression schürt. In diesem Augenblick begann der Muezzin vom Minarett des nahen Dorfes zu singen. Es war schon einige Zeit klar, dass niemand von denen, die hier am Kontrollpunkt standen, die Al-Aqsa Moschee erreichen würde. Aber jetzt war es offensichtlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einige junge Männer, die offensichtlich durch die erste, aber nicht durch die zweite Kontrolle gekommen waren, bauten sich auf, in drei Reihen, etwa 40 oder 50 von ihnen. Schulter an Schulter stehend begannen sie das vorgeschriebene Gebet zu verrichten. Gesicht gegen Jerusalem mit der Altstadt, dem Felsendom und der Al-Aqsa Moschee gerichtet, das hieß: gegen das „Terminal“, das von einer Reihe schwer bewaffneter Soldaten bewacht wurde. Sie beugten sich nieder, sie führten die Hände über das Gesicht, sie berührten mit den Stirnen den Boden, sie verharrten in Ruhe und erhoben sich und wiederholten das. Es war still, viele Menschen, die zwar zum Mittagsgebet gehen wollten, sich aber nicht trauten, sich diesen Reihen der betenden Männer anzuschließen, standen still und sahen sich beunruhigt nach Fluchtwegen um. Zwischen dem „Terminal“ und dem Kreisverkehr, der die Straßen aus den Vorstädten und aus dem Kontrollpunkt mit dem Dorf Qualandiya verbindet, befindet sich Mauer, ein Stück zusätzlicher, vorgelagerter Mauer, vielleicht für die Verteidigung des „Terminals“ gebaut. Der Parkplatz, auf dem sich diese Szene abspielte, war also nur durch eine Lücke in der Maueranlage mit der palästinensischen Seite verbunden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hatten die Männer ihr Gebet beendet? Auf Kommando bedeuteten die Soldaten der Menge, zurück zu weichen, schossen in die Luft und warfen Tränengasgranaten. Und jagten die Menge durch die Mauerlücke hinaus, in Richtung Qualandiya. Die Mischung von Schüssen, Schreien und Kommandos, von rennenden Menschen und nachsetzenden schwer bewaffneten Polizisten oder Soldaten ist immer erregend. Aber hier konnte man auch die Pferde in die Menge reiten sehen, sie schnauben hören und sehen, wie entschlossen ihre Reiter in die Menge hielten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun muss ich nachholen, dass an diesem Tag nicht nur die Durchfahrt für alle Fahrzeuge gesperrt war, was bedeutete, dass die Menschen ihre Autos parken und auf der anderen Seite in Busse steigen mussten. Sondern zusätzlich hatte die Armee eine Straßenblockade errichtet und bei einer ersten Kontrolle schon viele zurück gewiesen, hauptsächlich aber die Menge aufgehalten, so dass die Palästinenser, die nun vom Terminal vertrieben wurden, zum Teil schon durch zwei Vor-Kontrollen gegangen und nun doppelt frustriert waren. Es bedeutete aber auch, und das war, denke ich, für die israelische Armee und Polizei wichtig, dass einige hundert Meter entfernt eine weitere, viel größere Menge wartete und in Schach gehalten werden musste. Es überraschte mich also nicht, dass da, wo ich stand, geschützt durch das hohe Gitter, eine weitere Gruppe von Soldaten, teilweise Scharfschützen in Stellung gegangen waren. Sie entsicherten ihre Gewehre und zielten. Und tatsächlich konnte ich in der Richtung, in die sie zielten, weit hinter dem Kreisverkehr, kleine Jungs sehen, die begonnen hatten, Steine zu werfen. Wo waren sie hergekommen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Soldaten rannten hinter der Menge her, ich konnte nicht mehr sehen, wohin. Aber sie kamen nach einigen Minuten wieder. Sie hatten offensichtlich zwei Jugendliche festgenommen, die sie jetzt, jeweils zu zweit mit eingeklemmten Armen laufend zu ihrem Posten brachten, einer war etwa 24, der andere 18 Jahre alt. Sie wurden in ein geschlossenes Fahrzeug geschoben und weggebracht, ich konnte nicht feststellen, wohin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach ca. 15 Minuten, war der Spuk vorbei. Wir waren durch die Kontrolle auf die palästinensische Seite und durch die Mauerlücke gegangen. Die Taxifahrer und die Leute, die bei ihren Autos gestanden hatten, waren zurückgekehrt. Geruch von Tränengas lag leicht in der Luft, die Steine vom Vormittag, an dem die „Araber randaliert“ hatten, Patronen und Gummiteile der Tränengasgranaten und Lärmbomben, aber auch Pferdeäpfel lagen auf dem Boden des Parkplatzes. Dahinter, beim Kreisverkehr, bauten die ersten Brotverkäufer ihre Stände auf und nahmen von Jungs, die sie als Träger angeheuert hatten, die breiten Tragen mit den Pyramiden von Brotlaiben, die zum abendlichen Fastenbrechen im Ramadan gehören, entgegen. In der Straße, die ins Dorf führte, boten uns die Geschäftsleute einen Kaffee an. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hinter uns, die Soldaten und Polizisten, zündeten sich Zigaretten an. Sie wirkten erleichtert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So einfach könnte das Leben sein? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu diesem Zeitpunkt tippte Roni Hammerman von Machsom Watch, die nach dem kleinen Zwischenfall vom Vormittag nach Hause gegangen war, ihren Bericht in ihren Computer und hielt dort den kernigen Satz des Verbindungsoffiziers der israelischen Verteidigungskräfte fest; den Satz, der in seiner poetischen Dichte und in seiner strategischen Prägnanz die Vorfälle dieses vorletzten Freitags im Fastenmonat Ramadan beurteilt, aber die Kausalität umkehrt: „When Arabs run riot, the Army has to shoot!“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116297377432891336?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116297377432891336/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116297377432891336' title='2 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116297377432891336'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116297377432891336'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/11/berichte-aus-jerusalem_08.html' title='Berichte aus Jerusalem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116283058079849113</id><published>2006-11-06T08:29:00.000-08:00</published><updated>2006-11-06T08:29:40.870-08:00</updated><title type='text'>Berichte aus Jerusalem</title><content type='html'>&lt;a href="http://gottfried-kraatz.blogspot.com/"&gt;Berichte aus Jerusalem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;The Separation Barrier – Nachdenken über eine Mauer&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Sperrwall ist keine Grenze&lt;br /&gt;Für diese Meditation müsste ich vielleicht den englischen Titel beibehalten, den ich noch nicht treffend übersetzen kann. Dabei geht es doch um eine korrekte und vorurteilsfreie Übersetzung. Meist ist diese „Separation Barrier” nur eine hohe Zaunanlage mit Stacheldraht, manchmal, und zwar gerade um die dicht besiedelten palästinensischen Städte herum, ist es eine Mauer. Die Mauer kann bis zu 12 Metern hoch sein, manchmal ist sie nur 8 Meter hoch. Und gerade hier in unserer Umgebung, wo die Dörfer und Städte der Westbank von den Vororten Ost-Jerusalems getrennt werden, wird die Mauer lückenlos durchgezogen, so, dass man auch nicht mehr einfach von hüben nach drüben gehen kann, nur weil ein Teil der Familie dort wohnt, oder weil  man das Krankenhaus braucht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wovon spreche ich: Israel hat es für notwendig befunden, den Zugang zu Siedlungen und Städten Israels von den Palästinensischen Gebieten aus zu schützen. Selbstmordattentäter sollen nicht mehr unkontrolliert von der Westbank nach Israel oder in die jüdischen Siedlungen mitten in der Westbank kommen können. Israel hat ein Bauwerk begonnen, das teils als Zaun, mit Stacheldraht verstärkt, teils als Mauer die palästinensischen Wohngebiete eingrenzt. An den Zugangsstraßen gibt es befestigte Grenzübergänge, die eine genaue Personenkontrolle ermöglichen. Die Trennungslinie, Separation Barrier genannt, ist um das Doppelte länger als die Grüne Linie, wie die ideelle Grenzziehung seit dem Waffenstillstand von 1967 offiziell heißt und verläuft nur zu 20 % auf dieser Grünen Linie. Sie umschließt israelische Siedlungen mitten in der Westbank mitsamt Feldern und Gemarkungen weiträumig und schließt andererseits palästinensische Dörfer von den dazu gehörigen Feldern, Olivenhainen und Straßen ab. Sie dringt tief in palästinensisches Land ein und schnürt einige Gebiete nahezu vollständig voneinander ab. Sie scheint einer Strategie zu folgen, wonach das Palästinensergebiet, das bis jetzt als zusammenhängendes Gebiet existiert, in 5 Sielungsgebiete getrennt wird. Als Staat wären diese Siedlungsgebiete nicht lebensfähig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Sprache zeigt schon, dass dieses Kapitel des israelisch-palästinensischen Konfliktes kompliziert ist, und zwar auf zwei Ebenen. Auf der politischen Ebene ist diese faktische Grenzziehung ein Verstoß gegen alle Friedensabkommen, die Israel geschlossen und unterzeichnet hat. Handelt es sich um eine israelische Annexion von palästinensischem Land? Auf der sprachlichen Ebene ist es eine Herausforderung: Wenn es keine anerkannte „Grenze“ ist, auch keine „Waffenstillstandslinie“, keine „Mauer“, kein „Zaun“, wie zwischen Nachbargärten – was ist es denn, wie darf man es nennen? Viele Palästinenser nennen dieses Ding, das sie nicht nur von den israelischen, sondern auch von ihren palästinensischen Nachbarn und Familien, sogar von ihren eigenen Feldern trennt, „Apartheidsmauer“. Und genau hier nehmen meine subjektiv geprägten Gedanken über dieses Bauwerk ihren Anfang.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe ein massives Problem damit, wie ich meine Assoziationen aus der Zeit des Anti-Apartheids-Kampfes in Südafrika aufdecke und rational verarbeite. Der Vergleich wäre falsch, aber er liegt so nahe!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kannitverstaan&lt;br /&gt;Ich will eine Geschichte erzählen, kurz, denn die lange Version habe ich gerade vor einigen Wochen meinem Freund Jürgen gewidmet. Kannitverstaan – wer kennt nicht die schöne Geschichte von Johann Peter Hebbel, in der ein deutscher Reisender in einer holländischen Stadt die großen Bilder des Lebens sieht und falsch deutet. Er sieht ein prächtiges Haus und erhält auf seine Frage, wem es gehört, die Antwort: Kannitverstaan. Der fremde Besucher der holländischen Stadt hält dies für den Namen des glücklichen reichen Mannes, der hier wohnt. So sieht er eine reich geschmückte Hochzeitskutsche, große Schiffe und Speicher im Hafen und anderes auf seinem Spaziergang durch die Stadt und erhält jedes Mal die gleiche Auskunft auf seine Frage, wem dies und das gehöre: Kannitverstaan. Was für ein glücklicher Kaufmann mit großer Familie und unendlichem Reichtum muss das sein, der dem Besucher aus der Fremde in all diesen Bildern erscheint. Am Abend schließt sich dieser Bilderbogen mit einem Trauerzug, der einem kostbaren Sarg folgt. Weinen und Klagen tönen aus dem Trauerzug. Und wieder erfährt unser Besucher, dass der Tod diesen vom Leben verwöhnten Mann Kannitverstaan geholt und auf das reduziert hat, was jeder Mensch am Anfang und am Ende ist, nur ein Mensch eben. Der Besucher ist bewegt und glaubt, er hat die Lektion dieses einen Tages in der holländischen Stadt verstanden. Das Leben gibt und das Leben nimmt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gepriesen sei Allah – verkündet in dieser Sekunde der Muezzin hier oben auf dem Ölberg. Und das ist nicht die Erzählung von Hebbel. Unter dem Ölberg, auf dem ich wohne, zieht sich die Mauer um Ost-Jerusalem. Auf beiden Seiten rufen die Muezzine zum Gebet. Heute ist Eid al Fitr, der erste von den drei Festtagen, mit denen der Fastenmonat Ramadan endet. Und da denke ich über Missverständnisse, über Worte und den Mangel an Verstehen zwischen Nachbarn nach.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Johan Peter Hebbel beschreibt einen Verständigungsversuch, der bei dem deutschen Besucher der holländischen Stadt wunderliche starke Gefühle und ernstes Nachdenken über die Grundwerte des Lebens auslöst. Er versteht etwas, was keiner ihm sagen konnte. Aber ausgelöst wird dieses Verstehen durch ein Missverständnis. Denn die Antwort, die er auf alle seine ehrfürchtigen Fragen erhalten hatte, hatte doch gelautet: Ick vasteh dir nich!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Sprachbarrieren&lt;br /&gt;Meinem Freund Jürgen habe ich mit dieser Erzählung von Hebbel seine eigene Geschichte eines wunderlichen Missverständnisses in Erinnerung gerufen. Er hatte uns in den 80iger Jahren in Südafrika besucht, in der Zeit, als alle Welt vom Anachronismus jenes rassistischen Systems überzeugt war. Aber in meiner frommen und verängstigten Gemeinde in der modernsten Township Kapstadts, wurde gegenüber Fremden nicht offen über die Apartheid, und wie sie sich im Alltag auswirkte, gesprochen. Umso mehr war ich verwundert, als mein Freund nach der Gebetsstunde in der Gemeinde tief bewegt war, weil alle Gebete nur von diesem einen gehandelt hätten: Der Mauer der Apartheid, die Menschen von Menschen trennt. So jedenfalls mein Freund, der Besucher. Ich konnte das überhaupt nicht nachvollziehen, nicht ein einziges Mal war in den Gebeten die Apartheid direkt oder indirekt angesprochen worden. Wo hatte mein Freund „Trennung“, „Absperrung“ oder „Mauer“ gehört? Erst spät, wir hatten den langen Rückweg aus der Township schon hinter uns, da kam es mir: „Die Barriere“. Er hatte in allen Gebeten „Die Barriere“ gehört. In jedem Satz der Betenden erschien damals, und das wird heute noch nicht anders sein, dieses Wort. Aber es bedeutet etwas anderes. Weit weg von Barriere, Mauer, Schlagbaum oder Ähnlichem wird es als Gottes-Anrede verwendet. Es heißt in der Sprache der so genannten Mischlinge und der Buren „deerbare Here = lieber Gott“, und wird reichlich eingestreut vor den Satzbeginn, nach Nebensätzen oder als Füllsel, wenn der neue Gedanke seine Worte nicht mitbringt. Dierbare Here!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit diesem Missverständnis war es möglich geworden, dass mein Freund die tiefsten Gefühle heraus hören konnte, die die Menschen noch in ihren Gebeten voreinander versteckt hielten, weil sie zu schmerzlich waren. Apartheid war die tägliche Herabsetzung, nicht nur im materiellen Sinne, was Berufswahl, Lebensstandard, Wohnort und so weiter betraf. Apartheid hat in jeden Lebensvollzug hinein gewirkt, hat die Totalität der Erniedrigung in den Alltag hinein organisiert. Aber meine frommen Gemeindeglieder haben nicht darüber gesprochen. Es bedurfte dieses Missverständnisses, dieses offenbaren Irrtums, um die tiefe Kränkung, die ihnen täglich widerfuhr, nachzuvollziehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Assoziationen, die nicht helfen&lt;br /&gt;Die Barriere, die in diesem Land gebaut wird, erinnert mich zuerst an die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland, die mich in meiner Jugend schon vom Elternhaus und von den Schwestern getrennt hatte und die als „Berliner Mauer“ traurigen Weltruhm erlangt hat. Inschriften auf der palästinensischen Seite der Mauer sprechen den Vergleich an. Er ist falsch, aber es kostet mich einige Anstrengung, ihn zu unterdrücken. Das Schicksal vieler Palästinenser, die Alltagsprobleme derjenigen, die täglich die Grenze – die Grenze zwischen Westbank und Ost-Jerusalem, die beide palästinensisch sind! – passieren müssen und die in Jerusalem jederzeit von Polizeibeamten oder Soldaten angehalten und nach ihren Papieren gefragt werden können, erinnert mich an das Schicksal der Schwarzen in Südafrika, die vom Gesetz der Weißen in ihrem eigenen Land zu Fremden und zu unerwünschten Personen gemacht worden waren. Auch dieser Vergleich wird in den Sprüchen auf der israelischen Mauer gezogen. Auch er ist falsch. Er erklärt die Sachlage nicht und wird dem Konflikt in diesem Land nicht gerecht. Aber es kostet mich große Anstrengung, ihn zu unterdrücken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich steige in Al Azariah aus dem Bus, ich atme den Geruch von brennendem Müll ein – und  erkenne den Geruch von New-Crossroads, der ersten illegalen Wellblech-Siedlung von Kapstadt. Da, wo wir aussteigen, sind die Beduinen von der israelischen Regierung angesiedelt worden, die in diesem Teil der Judäischen Wüste gelebt hatten. Sie leben dort neben dem Müllplatz von Al Azariah – und das ist das Geringste ihrer Probleme. Auch das war doch ein Kennzeichen der Dauerslums Afrikas.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sehe die Männer, die von der israelischen Grenzpolizei am Betreten Jerusalems und damit vom wichtigen Freitagsgebet am Ramadan ausgeschlossen worden sind, zusammenstehen, sich zur Erde beugen, auf die Knie gehen, mit der Stirn die Erde berühren, ich sehe sie ihr Gebet in Richtung Al-Aqsa Moschee verrichten, während drei Meter von ihnen entfernt die Reihe von Soldaten und berittenen Polizisten steht, die sie gleich vertreiben wird. Und unabweisbar bin ich mitten unter ihnen, wie damals in Kapstadt, 1985, als ich gemeinsam mit 19 anderen Pfarrern und muslimischen Geistlichen auf der Straße kniend und betend festgenommen und abgeführt wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich steige aus dem Taxi und bezahle die hohe Rechnung. Der Taxifahrer war taub auf beiden Ohren, als wir ihm unser Fahrziel beschrieben haben: Jerusalem Hotel, near the Blue Bus Station, at Damascus Gate. Er hatte uns zum „richtigen, dem jüdischen“ Busbahnhof in West-Jerusalem gebracht, zum Jerusalem Gate Hotel. Dann hatte er uns, als wir darauf bestanden, unwillig zum „arabischen“ Busbahnhof gebracht, hatte dafür einen kräftigen Umweg genommen und uns aufgeklärt, wir sollten künftig, wenn wir hierher wollten, als Ziel angeben: American Colony Hotel. Was er nur durch die Blume zu erkennen gab: Dass ein jüdischer Taxifahrer nicht in den arabischen Teil Jerusalems fahren müsse. Ich habe die überhöhte Rechnung gezahlt und mich erinnert, dass weiße Taxifahrer nicht in Townships gefahren sind, weil sie sich dort nicht auskannten und weil Weiße dort nichts zu suchen hatten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Vergleich zwischen Israel/Palästina und Südafrika ist falsch, er erklärt die Sachlage in Jerusalem nicht und er verstellt den Ernst der Lage. Aber die Assoziation ist unabweisbar. Für mich. Darum schreibe ich diese Geschichte auch als meine Geschichte, frei von der vorgeschriebenen politisch korrekten Sprache eines objektiven Beobachters. Mein Nachdenken ist subjektiv und unabhängig von der Meinung des Weltkirchenrates, der dieses Programm verantwortet. Es bedeutet eine große Anstrengung für mich, zu verstehen und nicht nur zu assoziieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gestern hat mich ein Junge verfolgt, der mich in den Laden seines Vaters locken wollte. Ich konnte ihn nicht abschütteln. Schließlich fiel es mir ein: „Farjiini ’ard ktaafak!“ Das bedeutet: „Zeig mir deine breiten Schultern!“ und ist die förmliche Variante von „Hau ab“! Der Junge, der noch keine breiten Schultern hatte, hat sich gekringelt vor Lachen, vielleicht, weil hinter meiner falschen Aussprache die höfliche Sprache des Orients durchklang. Jedenfalls hat er mich verstanden. Und ich konnte mich davon machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie die Palästinenser die Mauer erklären&lt;br /&gt;Zurück zur „Separation Barrier“. Auf der Ebene der Sprache kann ich das Problem klären: Die emotionale Wortwahl („Berlin Wall“ oder „Apartheid Wall“, wie an der Mauer zu lesen) würde das Problem dieses „Sperrwalles“ (wie es politisch korrekt heißt) nicht erklären und erst recht nicht lösen helfen. Das wirkliche Problem ist nicht der abstoßende Anblick dieser acht bis zwölf Meter hohen Mauer oder der Stacheldrahtgrenzziehung. Das wirkliche Problem hinter diesem Bauwerk ist das berechtigte Sicherheitsbedürfnis der israelischen Bevölkerung einerseits und das strategische Ziel der Zerstückelung Palästinas andererseits. Vordergründig schützt es vor Selbstmordattentätern, nachgewiesenermaßen. Aber hintergründig schafft es Fakten im Blick auf die Grenzziehung eines künftigen Palästinenserstaates, der in den Grenzen dieser Barriere nicht lebensfähig sein wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist Sonntag, Vormittag. Ich stehe mit einer Gruppe schwedischer Besucher, die unser Friedensprogramm aus der Nähe sehen wollen, am Qualandiya Checkpoint. Ich erkläre ihnen die Funktionsweise dieses modernen „Terminals“. Ich zähle auch einige Beobachtungen auf, die wir ökumenischen Begleiter hier gemacht haben. Ein junger Mann, ein Palästinenser kommt aus dem Terminal, sieht uns, zögert kurz, kommt auf uns zu und beginnt ein Gespräch. Ihr Europäer versteht nicht, beginnt er. Wo kommt ihr her, fragt er und die Besucher antworten: aus Schweden. Der junge Mann erzählt, dass er hier täglich durchgehen muss und dass er, statt 20 Minuten mit dem Auto zu fahren, 2 Stunden unterwegs ist, bis er an seinem Arbeitsplatz ist, täglich. Nachmittags geht es etwas schneller. Er kommt in Fahrt und erzählt von Demütigungen, die er und andere Palästinenser sich hier gefallen lassen müssen. Er zeigt auf die Mauer und erklärt den Gästen aus Europa, was sie für die Palästinenser bedeutet. Schließlich fasst er seine Darstellung zusammen und sagt, dies sei eine neue Berliner Mauer, er habe Bilder von der Berliner Mauer gesehen und darüber sollten wir mal nachdenken. Er ist nicht zufrieden und fährt fort: Diese Mauer sei eine –  er sucht nach dem Namen des Landes –  südafrikanische Mauer, wir könnten das nicht wissen, aber er habe von Südafrika gelesen. Dort sei die Apartheid längst abgeschafft, aber hier werde sie aufgebaut. Dort, er zeigt nach Nordwesten, wo die 10 Meter hohe Mauer vorläufig endet, dort werde sie weiter gebaut, bis Ramallah von dieser „Apartheidsmauer“, jetzt hat er das Wort, das er gesucht hat, gefunden, ganz eingekesselt sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin bei den Erklärungen des jungen Mannes zurück getreten, weil ich fand, die schwedischen Besucher sollten den jungen Mann reden hören, authentisch in seinem Zorn, nicht an korrekte Sprache gebunden. Aber ich war mehr als verwirrt, von diesem Mann auf meine eigenen Assoziationen gestoßen zu werden, die ich mir vorgenommen hatte, streng zu überwachen. Ich bleibe dabei: Die Barriere, die Israel zwischen sich und die Palästinenser legt, beschreibt einen Konflikt, nicht eine Schuld.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist Sonntag, Nachmittag. Ich sitze im Wohnzimmer einer lutherischen Familie in Beit Hanina, nur zwei oder drei Kilometer von dem Qualandiya Checkpoint entfernt. Auch vom Wohnzimmer dieser Familie aus können wir auf die Mauer, die hier nur 8 Meter hoch ist, sehen. Der Familienvater erklärt mir, dass er auf dieser Seite, in Ost-Jerusalem, hohe Steuern für sein Haus zahlen muss, im Unterschied zu den Nachbarn drüben auf der palästinensischen Seite. Er erzählt weiter, dass er keine Baugenehmigung für einen Ausbau bekommt, den die Familie seines Sohnes dringend braucht. Der Raum über Wohnzimmer und Küche könne nach oben aufgestockt werden. Drüben sei eine Baugenehmigung kein Problem. Die Juden wollen uns hier loswerden, sie wollen nicht, dass wir unsere Häuser noch ausbauen. Die Mauer dort, resümiert er, ist nur ein Symbol für viele Mauern, die in diesem Land gegen uns aufgerichtet sind. Und schließt: Ihr Europäer könnt uns nicht verstehen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich verstehe nicht&lt;br /&gt;Sonntag, Abend. Ich sitze in meinem Zimmer auf dem Ölberg. Ich schreibe Berichte und schließe auch dieses Nachdenken ab. Manches habe ich heute neu verstanden, bei vielem muss ich sagen: Ich verstehe nicht. Und ich bleibe immer noch an der Frage hängen, wie ich „Separation Barrier“ übersetzen soll, und „sound bomb“ und den Befehl „Welcome!“, der über den einzelnen Anweisungen steht, mit denen die Palästinenser empfangen oder abgewiesen werden, wenn sie durch das „Terminal“ nach Jerusalem wollen. Solange ich dafür keine politisch korrekten und gleichzeitig zutreffenden deutschen Worte finde, muss ich in der fremden Sprache bleiben. Tut mir leid, kannitverstaan…&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gottfried Kraatz&lt;br /&gt;Im Oktober 2006&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116283058079849113?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116283058079849113/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116283058079849113' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116283058079849113'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116283058079849113'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/11/berichte-aus-jerusalem_06.html' title='Berichte aus Jerusalem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116274571652528472</id><published>2006-11-05T08:55:00.001-08:00</published><updated>2006-11-05T08:55:16.526-08:00</updated><title type='text'>Berichte aus Jerusalem</title><content type='html'>&lt;a href="http://gottfried-kraatz.blogspot.com/"&gt;Berichte aus Jerusalem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;Meinungen:    Herr Thabet, palästinensischer Christ, Beit Hanina&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herr Thabet spricht Deutsch. Er war 4 Jahre lang in Deutschland, um eine Berufsausbildung zu absolvieren. Er hat Chemische Reinigung gelernt. Aber hier, in Ost-Jerusalem, wo er lebt, gibt es keine Chemischen Reinigungen.&lt;br /&gt;Er war zwischen 1965 und 1969 in Deutschland. 1967 war Krieg und das Land, in dem er bis dahin gelebt hatte, Westbank als Teil Jordaniens, hatte aufgehört, zu existieren. Als er wiederkam, gab es diesen Teil Jordaniens nicht mehr und Ost-Jerusalem war von Israel annektiert. Er hatte Mühe, seine Jerusalemer Identität und Besitztitel auf das Haus durchzusetzen. In Deutschland war er mit einem Jordanischen Pass gewesen. Jetzt hat er ein Israelisches Reisedokument, aber als Nationalität steht darin: Jordanier. Was bin ich, fragt er auf Deutsch, Israeli? Nein. Jordanier? Nein. Palästinenser? Ja, aber das steht nirgends.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herr Thabet fällt immer wieder ins Englische, weil es doch lange her ist, dass er Deutsch sprechen konnte und in diesem Land hat er keine Gesprächspartner für diese Sprache. Herr Thabet spricht über die Probleme, die Christen in diesem Land haben. Anders als beim Tee nach dem Gottesdienst in der Erlöserkirche, anders als aus dem Mund der Bischöfe, mit denen wir bisher gesprochen haben, spricht er aus, was die Christen offensichtlich sehr bewegt: Sie fühlen sich unsicher und unerwünscht in der muslimischen Gesellschaft. Wann immer die Emotionen hochkommen, wie bei dem Karikaturenstreit oder bei der Papstrede, dann werfen Muslime Steine in die Fenster der christlichen Palästinenser, Nachbarn werden zu Feinden und die verdeckte Angst, mit der die Christen immer leben, wird real.&lt;br /&gt;Herr Thabet zeigt mir die Häuser ringsum. Er hat Glück, hier leben 4 oder 5 andere christliche Familien, die offenbar auch entfernt miteinander verwandt sind. Dann ist er doch ein Stück sicherer? Ja, sagt er, verglichen mit Familien, die allein in ihrer muslimischen Umgebung wohnen. Aber dann weist er auf ein größeres Haus, in dem eine Koranschule, die der Hamas nahe steht, ihren Betrieb aufgenommen hat. Sie seien besonders laut, nicht nur mit den Gebetsrufen, sondern auch mit dem täglichen Unterricht. Der Unterricht werde manchmal über Lautsprecher in die Nachbarschaft getragen. Sie sind besonders laut, sie wollen uns loswerden hier.&lt;br /&gt;Herr Thabet schildert die Situation der lutherischen Familien, die hier in diesem Teil von Beit Hanina leben, als doppelt unerwünscht: Der Israelische Staat will uns loswerden, weil sie Jerusalem für sich haben wollen und die Muslime wollen uns loswerden, weil sie eine muslimische Gesellschaft sein wollen. Sie hassen uns. In Bethlehem habe im vergangenen Jahr 40 Familien, vierzig, wiederholt er auf Deutsch, die Stadt und das Land verlassen. Die Gemeinde wird kleiner, die zurück bleiben, verlieren ihren Mut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/37089724-116274571652528472?l=gottfried-kraatz.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/feeds/116274571652528472/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=37089724&amp;postID=116274571652528472' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116274571652528472'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/37089724/posts/default/116274571652528472'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://gottfried-kraatz.blogspot.com/2006/11/berichte-aus-jerusalem_05.html' title='Berichte aus Jerusalem'/><author><name>Gottfried Kraatz</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10305488002327332442</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-37089724.post-116274571453811930</id><published>2006-11-05T08:55:00.000-08:00</published><updated>2006-11-05T08:55:14.556-08:00</updated><title type='text'>Berichte aus Jerusalem</title><content type='html'>&lt;a href="http://gottfried-kraatz.blogspot.com/"&gt;Berichte aus Jerusalem&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;Meinungen:    Herr Thabet, palästinensischer Christ, Beit Hanina&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herr Thabet spric
